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SIZILIEN ALS ONE-WAY-TRIP: Fernziel Heimat


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Zwei niederländische Piloten reisen per Billig-Airline nach Sizilien und übernehmen dort das Vereinsflugzeug, mit dem zwei andere Clubmitglieder hingeflogen sind. Und beide Crews profitieren davon


Artikelbild für den Artikel "SIZILIEN ALS ONE-WAY-TRIP: Fernziel Heimat" aus der Ausgabe 70/2018 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 70/2018

Naturgewalt: In der Nähe von Vulkanen ist zu spüren, wie wild die Erde sein kann. Im Besucherzentrum am Ätna kann man mehr über den höchsten Vulkan Europas erfahren


KARTE: DEINZER GRAFIK

Mal weiter weg – das vor allem war der Gedanke bei uns im Verein, dem Aero Club Valkenburg, als wir uns eine neue Formel für Auslandstouren überlegten. Schon seit vielen Jahren machen wir Urlaubstrips ins Ausland: Wir waren in ...

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... Schweden, am Balaton, wir sind über die Pyrenäen nach Spanien oder übers Meer nach Irland geflogen. Immer mit den Vereinsmaschinen, was eine Beschränkung mit sich bringt: Weil auch die anderen Mitglieder die Flieger nutzen möchten, kann man sie immer nur eine Woche am Stück entführen. Das limitiert die Entfernung, die dann möglich ist, denn man muss ja auch wieder zurück.

Dabei ist die Lösung am Ende ganz einfach: Eine Vereins-Crew fliegt mit der Maschine zu einem entfernten Ziel. Eine zweite Crew macht sich dann mit anderen Verkehrsmitteln auf den Weg dorthin, übernimmt die Clubmaschine und fliegt sie zurück, während Crew 1 anderweitig nach Hause zurückkehrt. Die einzige Herausforderung besteht darin, einen Ort zu finden, den man sowohl mit einem Privatflugzeug als auch mit einer Budget-Airline komfortabel erreicht. Wir sind halt Holländer – Low-Budget ist Trumpf!

Ein Jahr zuvor hatten wir diesen Ansatz einmal ausprobiert und Barcelona als Ziel ge-wählt. Mein Fliegerfreund Jos Breuers und ich hatten dort die Vereins-Katana von den Kumpeln der ersten Crew übernommen, danach ganz Spanien umflogen und über Frankreich zurück nach Holland gebracht: eine reizende Tour! Der passende Wechselort ist dabei der springende Punkt: Es muss viele Verbindungen geben, buchen kann man vergleichsweise spät, wenn die erste Crew schon unterwegs ist. Erst kurz vor der geplanten Ankunft kann Crew 1 mit einiger Sicherheit sagen, dass sie das Ziel auch wirklich erreichen wird. Schließlich fliegen wir VFR und müssen wegen des Wetters bei der Planung flexibel bleiben.

Unser Vorhaben klappte bei der Premiere bestens, und so hatten wir uns im Sommer 2017 für Sizilien entschieden. Schönes Wetter, genügend Budget-Flüge nach Catania und Comiso, schöne Aufenthalte und ein Flugplatz nahe Catania mit Hotel am Platz – perfekte Ausgangsbedingungen!

Die erste Crew macht sich bei bestem Wetter von Hilversum auf den Weg und kommt rasch voran. Bereits nach drei Tagen haben sie über Deutschland, Italien und Kroatien die griechische Insel Korfu erreicht. Jos und ich bilden die zweite Crew, steigen in den Airliner und reisen nach Sizilien. Die Übergabe der Katana findet in Calatabiano statt, einem kleinen Flugplatz nördlich von Catania. Wir übernachten in einem Agritourismo, einem kleinen Hotel mit Sicht auf die Landebahn – was will ein Pilot noch mehr?

1 | Sportlich: Das Akro-Team Pattuglia Blu Circe macht ebenfalls Station im Avioresort Calatabiano

2 | So ein Zufall! Große Airshow gleich nebenan – so wird der Crew-Wechsel zum doppelten Erlebnis

3 | Pool, Pasta und Piste: Am privaten Flugplatz Calatabiano kann man bestens entspannen

4 | Ciao, belli! Für Crew 1 ist der Fliegerurlaub vorbei, Crew 2 freut sich auf die Tour zurück. Von links: Kees Oudendijk, Jos Breuers, Rene Zethof

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1 | So viele Berge: Italien ist mit Gebirgen gut ausgestattet, wie hier in Kalabrien. Die niederländischen Piloten sind begeistert

2 | Zwei Meere: im Anflug auf Palermo – Häuser dicht an dicht und dahinter das Mittelmeer

3 | Gute Raumnutzung: San Marino schmiegt sich eng an den Monte Titano. Es gibt sogar einen kleinen Flugplatz, den Aviosuperficie Torraccia

4 | Abgestellt: Dass dieser Vogel nicht mehr fliegt, hat bestimmt nichts mit dem Kennzeichen zu tun. Ein lustiger Schnappschuss ist es trotzdem

5 | Ordentlich: An den italienischen Badestränden ist auch aus der Luft gut zu sehen, wer an welchem Abschnitt das Sagen hat

6 | Kleiner Abstecher: Jos Breuers war noch nie in Kroatien – also auf nach Lošinj!

Der Zufall will es, dass bereits am nächsten Tag bei Taormina eine große Airshow stattfindet, bei der sogar die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe, die Frecce Tricolori, ihr Können zeigt. Einige weitere Teams machen überraschenderweise auf unserem Flugplatz Station, etwa die Pattuglia Blu Circe: Das Team fliegt mit vier (augenscheinlichen) ULs vom Typ Fly Latino FL100 RG ein spektakuläres Progamm, allein mit den 100 PS, die der Rotax leistet. Kunstflug mit ULs? In Italien offenbar kein großes Thema.

Am Tag nach der Show. Wir haben unsere Clubkameraden verabschiedet und wollen uns den Ätna aus der Nähe ansehen. Die Lavaströme haben im Lauf der Zeit ihre Spuren am Hang hinterlassen – wie schwarze Zungen und als ob gestern noch Lava heruntergeströmt sei. Unser Tagesziel ist Palermo, ganz im Nordwesten Siziliens, jedoch nicht der heutige Airport, sondern der für die Allgemeine Luftfahrt ausgewiesene Platz Boca di Falco. Kaum sind wir gelandet, da fegt ein Wind mit Starkregen über den Platz, buchstäblich aus heiterem Himmel – vermutlich der einzige Regen heute in ganz Sizilien.

Wir warten auf Wetterbesserung und nutzen die Zeit, um uns Palermo anzusehen. Per Taxi fahren wir ins Zentrum. Palermo ist nicht die reichste Stadt Italiens, und das spürt man hin und wieder. Wir bleiben nicht allzu lang, denn am Mittag hat sich das Wetter gebessert, und wir können weiter. Wir fliegen an der Nordflanke des Ätnas entlang und treffen bei Reggio di Calabria auf das italienische Festland. Aus der Luft erkennt man erst, wie bergreich Italien ist: vom Süden über den Apennin bis Bologna – nur Berge.

Über Potenza geht unsere Route nach Salerno. Wie heiß es ist, merken wir vor allem beim Auftanken auf dem schwarzen Asphalt.

Der Weiterflug führt uns an Neapel und dem zweiten Vulkan unseres Trips vorbei, dem Vesuv. Aus der Luft erkennen wir zwei Areale, auf denen Waldbrände wüten. Beim näheren Hinsehen erkennen wir unter uns auch gelb-rote Feuerlöschflugzeuge, die ununterbrochen ihre Arbeit verrichten und gegen die Flammen ankämpfen.

Weiter über Capua, der Heimat des Herstellers Tecnam, erreichen wir Rom. Der Flugplatz Roma Urbe liegt fast mitten in der Stadt, mir fällt Tempelhof ein. Auf der Luftfahrtkarte sieht das furchterregend aus: Es gibt viele Beschränkungsgebiete, eine große Kontrollzone und mehrere tiefliegende TMA. In der Praxis aber herrscht im Funk von Rom Information ein lockerer Ton. Urbe ist ein lebendiger Platz, es ist viel los. Das Terminalgebäude scheint frisch renoviert zu sein und gefällt uns sehr gut.

Dass auch die Einheimischen nicht immer die besten Ratgeber sind, wird uns an diesem Abend klar. Man schickt uns zu einer Adresse, an der es kein Problem sein soll, eine Unterkunft zu finden. Doch Fehlanzeige: Auch nach zwei Stunden Suche haben wir keinen Erfolg. Genervt nehmen wir die U-Bahn in Richtung Hauptbahnhof, wo wir tatsächlich rasch eine Bleibe finden.

Am nächsten Tag überqueren wir den Apennin nach Venedig mit einem Zwischenstopp in Perugia. Auf regulären Flugplätzen zu landen hat in Italien nicht nur Vorteile: Ständig werden Daten in Computer eingegeben, die Maschine samt Piloten registriert, an bestimmten Plätzen ist ein Handling Agent Pflicht – als ob man ein großer Airliner wäre! So auch in Perugia, es wird mit 68 Euro die teuerste Landung unserer Reise. Aber dafür wird man im Auto abgeholt und wieder zum Flieger gebracht. Auf dem Vorfeld entdecken wir einige sehr gerupft aussehende Maschinen, eine davon mit einem Callsign, das uns bekannt vorkommt … (siehe Seite 65, Bild 4)

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1 | Venedig sehen: schöner Blick über die Lagune im Anflug auf Venezia Lido

2 | Entspannt: auf dem Domplatz von Trento. Am nächsten Tag geht’s zurück über die Alpen Richtung Heimat

3 | Magisches Blau: Badebucht an der kroatischen Küste. Leider fehlt den Reisenden die Muße zum Bleiben

4 | Fast geschafft: In 6500 Fuß bringt die Katana die beiden Piloten über den Brenner, nächster Stopp ist Kufstein

5 | Gut erholt: Autor Koen Mioulet macht Pause auf dem Flugplatz Hohenems-Dornbirn in Österreich

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Weiter nach Venedig. Unterwegs, kurz vor der Adria, taucht San Marino auf: ein Mini-Staat auf einem Gipfel, mit eigenen Briefmarken und Grenzüberwachung und etwa 30 000 Einwohnern. Was für eine Lage! Die Landschaft wird nun flacher, hier beginnt die Po-Ebene. Beim Flug entlang der Küste verstehen wir den Begriff Massentourismus, als wir die ordentlich aufgestellten Strandliegen der Hotels betrachten.

Der Anflug auf Venezia Lido ist spektakulär: über Venedig mit Sicht auf den Markusplatz und die Schwesterinsel Murano. Gleich um die Ecke vom Flugplatz finden wir ein Hotel, das Classic Victoria. Wir können es zu Fuß erreichen und sind geschützt vom Trubel in der Altstadt. Dorthin gelangt man per Wassertaxi in etwa zehn Minuten.

Von Venedig planen wir einen Abstecher nach Kroatien. Mein Freund Jos war noch nie dort, also soll auch er die traumhaften Küsten mal aus der Luft sehen. Lošinj ist die beste Destination dafür, die Formalitäten (Zoll und Handling) sind rasch erledigt. Nicht umsonst ist der Flugplatz ein beliebtes Ziel für Privatpiloten auf Urlaubstour. Wir bleiben aber nur kurz: Spontanen Touren, wie wir sie von Holland und Deutschland gewohnt sind, steht in Kroatien entgegen, dass viele Plätze eine PPR-Regelung haben und man einen Flugplan aufgeben muss. Außerdem fehlt uns die Zeit, leider. Bei 38 Grad Hitze kehren wir zurück nach Italien, landen in Padua und fliegen weiter über Verona nach Trento.

Die Alpen sind ganz nah. Es sind heftige Gewitter angesagt, und später am Abend spült der Regen durch die Stadt. Das soll sich am nächsten Tag wiederholen, also brechen wir am frühen Morgen auf. Hinter dem Brenner halten wir auf Kufstein zu. Hier war unser Club das Jahr zuvor zu einem Fliegerlager – ein sehr empfehlenswerter Platz mit einer gepflegten Graspiste.

Das Wetterglück ist uns weiter hold, und wir haben die Berge und Pässe noch nicht satt. So fliegen wir weiter über St. Anton nach Hohenems. Zwei Pässe an einem Tag – das ist für uns Holländer schon etwas Besonderes! Im ausgezeichneten Flugplatzrestaurant machen wir Mittagspause, danach fliegen wir nach Aalen-Elchingen. Auch hier hat unser Verein einmal das Sommerlager aufgeschlagen, es gibt ein Hotel direkt am Platz – perfekt.

Die weiteren Etappen am nächsten Tag führen über Mannheim und Dahlemer Binz nach Hause, zum Flugplatz Hilversum in der Nähe Amsterdams – darüber berichten wir nicht weiter, denn Ihr Deutschen kennt diese Gegend doch bestimmt gut genug.

Eine Woche nach dem Start in Sizilien hat unsere Katana mit nur 80 PS zwei große Kerle mit Gepäck quer durch Europa geflogen, und wir sind um viele Erfahrungen reicher heimgekehrt. Die Formel »zwei Crews, ein Wechsel « hat sich einmal mehr bestens bewährt: Das wiederholen wir!

FLIEGEN IN ITALIEN

Wer kleine verträumte Flugplätze, womöglich mit Graspiste, bevorzugt, findet in Italien so gut wie nichts Offizielles. Doch es gibt zahlreiche private Landeplätze, sogenannte Aviosuperfici und Avioresorts. Sie haben keine ICAO-Kennung, nur beschränkt Sprit (im Zweifel gar nicht), geschweige denn einen Flugleiter. Doch wer rechtzeitig Kontakt mit den Betreibern aufnimmt, stellt fest, dass es für alle Fragen und Probleme einschließlich Treibstoff eine Lösung gibt. Das Nachschlagewerk schlechthin mit sämtlichen kleinen Landeplätzen in Italien ist der Avioportolano von Guido Medici, den es auch in englischer Sprache gibt. Der Verlag bringt darüber hinaus Luftfahrtkarten für Italien und die angrenzenden Länder heraus (www.avioportolano.it). Da die Pisten oft kurz und An- und Abflug nicht immer hindernisfrei sind, ist es notwendig, sich vorab gut zu informieren – nicht zu vergessen sind die oft hohen Temperaturen, Stichwort Dichtehöhe! Doch gerade diese kleinen Plätze sind häufig wahre Perlen, mit teils sehr guten Restaurants und Hotels, und der Aufwand für die vorherige Planung und den Austausch mit den Betreibern lohnt sich! Auf den größeren, offiziellen Flugplätzen und -häfen geht es dagegen sehr formell zu, sie scheinen eher auf die kommerzielle Luftfahrt zugeschnitten zu sein. Man kann dort viel Zeit mit Bürokratie verbringen und wird viel Geld los, etwa fürs Handling. Auch ist die Steuernummer des Piloten offenbar sehr wichtig – alle wollen sie wissen.