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sklavenblitze :LICHT GESTALTEN


Divemaster - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.07.2019

Ohne Blitz wirken die meisten Unterwasser-Fotos fad. Noch besser als eine künstliche Lichtquelle sind allerdings zwei oder mehr, vor allem, wenn Sie nicht nur der Ausleuchtung, sondern der Bildgestaltung dienen. Kunstfotograf Konstantin Killer zeigt was machbar ist.


Artikelbild für den Artikel "sklavenblitze :LICHT GESTALTEN" aus der Ausgabe 3/2019 von Divemaster. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 3/2019

Besonders in der „großen Tiefe” sollte man planloses und spontanes Fotografieren möglichst vermeiden. Jede in den Bildaufbau investierte Sekunde, wertet das zukünftiges Bild enorm auf. Lieber nur eine Hand voll Bilder, dafür aber mit „Wow” Effekt


Digitales Alter, ein Fluch oder doch ein Segen für Hobbysowie Profifotografen. Nach der digitalen ...

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... Revolution in den 80er und 90er Jahren war es für Jedermann möglich, recht anspruchsvolle und qualitativ hochwertige Bilder zu erstellen. Die „36 Bilder Grenze” war gefallen, ab jetzt konnte man hunderte, ja tausende von Bilder in einer kurzen Zeit produzieren. Die Entwicklung der Fotoindustrie, besonders in den letzten zehn Jahren, war so intensiv und fortschrittlich wie noch nie zuvor. Die Funktionen im Fotoapparat wurden nacheinander mehr und mehr automatisiert. Die Geräte wurden günstiger, kleiner und besser, es führte dazu, dass inzwischen fast jeder Taucher eine Fotokamera besitzt, jedoch die Wenigsten wissen damit richtig umzugehen und haben kaum tiefgehende Informationen zum Gerät. Die „All inklusiv” Automatisierung hat das Denken und Einstellen komplett übernommen. Sicherlich ein Segen für die große Masse der Gerätebenutzer. Jedoch wer besondere Bilder mit „Wow-Effekt” erstellen möchte, muss sich mit der Thematik „Fotografie” ganz intensiv auseinander setzen – immer noch! Ein Thema, das wir gerne im „Blitzspecial” dieser Ausgabe ansprechen wollen, ist die Lichtgestaltung mit entfesselten Blitzen. Keine neue, wohl aber eine sehr vernachlässigte Kunst der Fotografie. Nicht zuletzt der Zeitdruck und sonstige Stressfaktoren führen dazu, die Fotografie in allen Bereichen maximal zu vereinfachen. Komplexe und aufwendige Techniken rückten in den Hintergrund. So geriet auch die Fotografie mit losen „entfesselten” Blitzen besonders im Unterwasserbereich so gut wie komplett in Vergessenheit.

SLAVENBLITZ ODER EFFEKTBLITZ

– was ist das und welche Technik steckt dahinter? Als Slavenblitz wird ein entfesselter Blitz bezeichnet, der frei im Raum platziert ist und durch das Auslösen des Hauptblitzes fast zeitgleich mit ausgelöst wird. Die Auslösung kann über Funk, Elektrokabel oder auch Lichtsensor erfolgen, unter Wasser hat sich jedoch der Lichtsensor als sicherste und unkompli zierte Auslösung für Slavenblitze durchgesetzt. Durch den durchdachten Einsatz des Slavenblitzes erzeugt man einen zusätzlichen Lichteffekt, der meist eine enorme Aufwertung des Bildes bedeutet. Der Einsatz des Slavenblitzes kann so gut wie in allen Szenarien erfolgen: Ein hinterleuchteter Drachenkopffisch mit all seinen feinen Körperstrukturen oder ein geheimnisvolles Wrack, das mit Slavenblitzen wieder „zum Leben” erweckt wird oder auch das durchleuchtete Kleid eines Unterwassermodels. Aber, wie heisst es doch so schön: kein Licht, ohne Schatten. Daher verlangt das Fotografieren mit Slavenblitzen eine deutlich bessere Vorbereitung beim Bildaufbau, einen höheren technischen sowie finanziellen Aufwand, viel Geduld, zusätzliche Risikobereitschaft und ein nochmals besseres Tauchvermögen. Allein um die Slavenblitze im zukünftigen Bild so zu platzieren, dass die Leuchtwinkel stimmen und trotzdem keine Schwebeteilchen rund um das zu beleuchtende Objekt aufgewirbelt werden.

Worauf sollte man aus technischer Sicht bei Slavenblitzen achten? Die meisten Blitze benötigen entweder AA-Batterien oder vergleichbare AA-Akkus. Besonders während einer Reise wäre das auch die gängige Batteriesorte, die man so gut wie überall besorgen kann. Natürlich sollten die Batterien oder Akkus unkompliziert entnehm- und austauschbar sein. Weiterhin sollte ein typischer Unterwasser- Slavenblitz klein und kompakt sein, damit er unauffälliger im Bild platziert und einfach transportiert werden kann. Der Blitz sollte einen empfindlichen Lichtsensor besitzen, entweder lose an einem externen Kabel oder auch stationär, also fest im Blitzgehäuse eingebaut. Optimal ist es, wenn der Lichtsensor eine Anschlusskupplung besitzt, damit bei komplexen Aufbauten eine Kaskadenschaltung mittels Lichtleiterkabel gebaut werden kann. Ein Slavenblitz sollte auch einen schaltbaren Leistungsregler und kurze Nachladezeit besitzen, sowie eine Möglichkeit zum Einbau von Farbfolien, beispielsweise unter der Streuscheibe am Blitz, um damit farbige Effekte erzeugen zu können. Die Leitzahl der Blitze liegt dabei zwischen 20 bis 34. Preislich liegen typische Slavenblitze im Bereich von 400 bis 1300 Euro je Stück.


» Der Fotograf macht das Bild! Eine fein abgestimmte und hochwertige Fotoausrüstung ist aber immer ein wichtiger Baustein für ein „Top Bild” «


VORBLITZ ODER MESSBLITZ

Gibt es Besonderheiten oder wichtige Voreinstellungen am Fotogerät, die notwendig wären um fehlerfreie Nutzung der Slavenblitze zu ermöglichen? Jawohl, die gibt es tatsächlich. Eine davon ist das Vorblitzprotokoll das nahezu jedes Fotogerät besitzt. „Vorblitze” oder auch „Messblitze” genannt, sind unsichtbare Blitze, die vor jeder Aufnahme ausgelöst und durch den Blitz zum Objekt gesendet werden. Das vom Objekt reflektierende Licht wird im Fotoapparat gemessen und ausgewertet. Die interne Elektronik verändert dann vor der Auslösung des Bildes die Einstellungen für TTL, Blende, Zeit und ISO. Dieser Vorgang läuft im Bereich weniger Millisekunden ab und wird durch den Benutzer nicht wahr genommen, Ein Slavenblitz, im Hintergrund platziert, nimmt den Blitz allerdings sehr wohl wahr und reagiert entsprechend. Daher ist es wichtig, dass der Slavenblitz das Vorblitzprotokoll erkennt und nicht schon den endgültigen Messblitz auslöst. Die Kompatibilität zu Gerätschaften wird meist vom Slavenblitz Hersteller angegeben oder müsste praktisch ausgetestet werden. Das gleiche Fehlverhalten an Slavenblitzen löst die am Land beliebte Funktion „Rote Augen minimieren” aus. Da wir jedoch unter Wasser unmöglich „rote Augen” - Effekt bekommen können, ist die Funktion grundsätzlich unnötig und sollte vorsorglich immer deaktiviert werden.

EMPFINDLICHE LICHTSENSOREN

Wichtig ist ebenfalls die Funktionsweise des Lichtsensors am Slavenblitz zu verstehen. Ein Sensor ist eine wasserdicht verpackte Fotozelle welche die Lichtstärke der Umgebung misst und plötzlich erfasste Lichtdifferenz als Meldung an die Blitzelektronik weiterleitet. Das heisst, je heller das Umgebungslicht um das Objekt ist, desto schwieriger wird es eine gewichtige Lichtdifferenz mit Hauptblitzen zu erzeugen. Eine dämmrige Umgebung fördert besseres Auslösen des Blitzes. Noch problematischer wird es bei größerer Entfernung, da das Licht vom Hauptblitz je nach Wasserqualität stark absorbiert und gestreut und somit geschwächt wird. Noch verbliebene Lichtstärke könnte zu wenig Differenz am Sensor erzeugen und der Slavenblitz bleibt einfach aus. In solchen Fällen muss mit geschirmten Lichtleiter, Elektrokabel oder Zwischenblitzen gearbeitet werden. Eine magische Grenze bis zu welchem Abstand die Blitzsensoren ohne zusätzlicher Verkabelung noch sicher reagieren, kann leider nicht angegeben werden, da sehr viele Faktoren wie Sensorempfindlichkeit, Klarheit des Wassers, Umgebungslicht und so weiter dabei eine Rolle spielen. Im Zweifelfall muss die gewünschte Situation vor Ort ausgetestet werden.

Zwischenzeitlich sind die meisten aktuellen Sensoren sehr empfindlich, das bringt sicherlich enorme Vorteile aber auch ungewollte Problematiken mit: Fehlauslösung durch Lichtbrechungen an der Wasseroberfläche oder ungeplantes Auslösen beim Fotografieren durch einen anderen Taucher sind die Folgen. Allerdings können diese Problemen durch ein sorgfältig durchdachtes Platzieren der Blitze rund um das Objekt minimiert werden.

Viele Unterwasserblitz Hersteller haben den Wert von kompakten Sklaven/ Effektblitzen erkannt und produzieren sehr passable und bestens dazu geeignete Modele wie zum Beispiel Inon mit dem kompakten Model Inon S2000 oder größeren Bruder Inon Z330 sowieSea&Sea mit YS-D2J. Aber auch europäische Hersteller wieSeacam mit seinem Seaflash 60 (siehe auch ab Seite 76) bringen superkompakte Modelle für professionelle Ansprüche auf den Markt.

Wichtiger Punkt beim Fotografieren mit Slavenblitzen ist die Planung des Bildes. Ideal wäre natürlich ein Erkundigungstauchgang, um die Gegebenheiten und Lichtverhältnisse am Objekt zu erkunden. Danach könnte man auf der Oberfläche vor dem nächsten Tauchgang eine Skizze des Bildes erstellen und mögliche Positionen zum Platzieren des Slavenblitzes prüfen.

Die wichtigsten und markantesten Werkzeuge in der Unterwasserfotografie sind die Schwerelosigkeit, Spiegelungen an der Wasseroberfläche, sichtbare Luftblasen, schwebende Stoffe. Eine besondere Lichtführung und typische Farbtöne akzentuieren dann diesen ganz speziellen „Unterwasser-Look”


EINSATZPLANUNG

Als nächste und häufigste Möglichkeit ist die Improvisation vor Ort, in beiden Fällen müssen folgende Kriterien berücksichtigt werden: – Ist der Einsatz des Slavenblitzes möglich?
– Wird der Blitz überhaupt gesehen und kann er einen eindrucksvoller Effekt erzeugen?
– Welche Lichtfarbe soll er besitzen?
– Wie realisiere ich die Auslösung des Blitzes?
– Ist direkter Sichtkontakt zum Sensor möglich?
– Muss die Auslösung durch Lichtleiter oder Fernsensor
erfolgen?( bei versteckten Einbauten in Zwischenräumen)
– Wie platziere ich den Blitz am Objekt?
– Wohin richte ich den Lichtstrahl aus um einen besonderen Effekt zu erzeugen?
– Wie stark soll die Leistung des Blitzes eingestellt werden?

Und bei der Verwendung von mehreren Slavenblitzen muss die Zusammenarbeit zwischen den Blitzen auch noch koordiniert werden. Nach ein paar Testauslösungen wird das entstandene Foto ausgewertet und nach Bedarf am Slavenblitz nachjustiert.

Wie viel Slavenblitze könnte man maximal verwendet werden? Dazu gibt es keine Richtlinie. Es kann ein Einziger sein für sanftes Hintergrundlicht aber auch einige zig Stück um größere Räume wie das Innere von Wracks oder gar Höhlen auszuleuchten. Besonders bei Aufnahmen in Unterwasser-Grotten und -Höhlen müssen sehr viele Slavenblitze verwendet werden, um die Ausleuchtung des Raumes zum Beispiel bei einer weit entfernt liegenden Höhlendecke zu realisieren (siehe divemaster #98). Dazu können zum Beispiel mehrere Blitze mit Lichtsensoren an den Flaschen von Tauchern montiert werden und nach oben Richtung Decke sowie seitlich Richtung Wand zeigen. Beim Fotografieren lösen die Slavenblitze eine Kettenreaktion aus und beleuchten nahezu optimal selbst eine komplett finstere Höhle.

COOL IM POOL

Auch bei Modelaufnahmen im Pool ist der Kreativität der Ausleuchtung des Models keine Grenze gesetzt. Im Pool können mehrere Slavenblitze verwendet werden, um einen besonderen Effekt im Bild zu erreichen. Besonders bei stark spiegelnden Edelstahlbecken ist darauf zu achten, dass Wand- und Bodenreflexionen zu Fehlauslösungen der Slavenblitze führen können. In solchen Fall müssten die Blitze ausnahmslos mit Lichtleitern verkabelt und somit von ungewollten Reflektionen abgeschirmt werden. Jetzt fragt man sich vielleicht, warum sich Fotografen so etwas antun? Warum betreibt man so einen Aufwand an einem Wrack in 45 Meter Tiefe, wo jede Minute Tauchzeit wirklich wertvoll ist? Die Antwort ist einfach: Weil dieser Aufwand zu besonderen und außergewöhnlichen Bildern führt und wer Spaß an der Fotografie hat, wird kaum um derartige Experimente mit Sklavenblitzen herumkommen. Nicht umsonst werden Fotografen auch als „Lichtbildner” bezeichnet.

SONNENSCHEIN SCHAFFEN

→ Um den Sonnenschein im Bild zu imitieren, wurden zwei große Sklavenblitze über dem Wasser platziert und zeitgleich Unterwasserblitze über ein Lichtleiterkabel ausgelöst.

GRUPPENDYNAMIK NUTZEN

→ Gleichzeitiges Ablichten von sechs Models unter Wasser ist eine beachtliche Herausforderung die extrem gute Koordination der Teilnehmer und einen scharfen Blick des Fotografen voraussetzt.

KUNST SCHAFFEN

→ Making-Off-Bilder zeigen anschaulich, wie im unspektakulären „Schwimmbad-Flair” kunstvolle Werke entstehen. Gerade im Pool ist der Einsatz von Sklavenblitzen unabdingbar und sehr zu empfehlen.

Konstantin Killer ist VDST/CMAS TL und leidenschaftlicher Unterwasser Fotograf. Er verwandelt gerne das nüchtern-sterile Schwimmbad in eine fantastische Unterwasserwelt voller Mythen und Geschichten.www.unterwasser-model-kunstfotografie.de

Näher ran: Durch die physikalischen Gesetze, die wir als Taucher nicht außer Kraft setzen können, sind die UW-Fotografen gezwungen, einen kleineren Abstand zum Objekt zu halten. Genau das ist auch der Schlüssel zum schärferen, kontrastreicheren und detailhaltigeren Bild