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SLAYERS ERBEN?


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 10.11.2021

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Wie würdet ihr persönlich eine PERSONA NON GRATA definieren?

STEVE: Oh, in meinem Alter könnte ich darüber eine Stunde erzählen! Die Liste ist lang. Früher waren wir angepisste Teenager, jetzt sind wir alte Männer, die sich von allem angepisst fühlen. (lacht)

GARY: Ich hasse Hypokriten! Heuchelei kann ich nicht ab. So sehr ich die Band Hypocrisy mag, so sehr verabscheue ich diese Eigenschaft bei Menschen. (lacht) Die Welt ist aktuell leider voll davon. Ich will aber nicht klagen oder zornig wirken. Ich bin eigentlich ein sehr glücklicher, entspannter Typ – auch wenn man das auf dem neuen Album nicht hört.

Beispielsweise in der Single ‘Clickbait’, der vielleicht härtesten Nummer von PERSONA NON GRATA. War es ein Statement, dass ihr ausgerechnet dieses Lied ausgekoppelt habt?

GARY: Hart und schnell – das soll der Eindruck dieser Scheibe sein. ‘Clickbait’ wurde relativ spät komponiert und erweist ...

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... sich jetzt als einer meiner absoluten Favoriten. Es ging darum, den Hörern erst mal satt in die Fresse zu hauen, bevor sie die Midtemponummern von PERSONA NON GRATA zu Gehör kriegen.

In dem Lied kritisiert ihr scharf unser aller Surf-Verhalten im Netz.

GARY: Es ist vollkommen egal, ob es um eine politische Nachrichtenseite oder eine Metal-Gossip-Seite geht – es dreht sich alles nur noch um Klicks. Wenn ich auf die Frage, ob ich LULU mag, antworten würde, dass Metallica die beste Metal-Band aller Zeiten sind, ich dieses Album aber beschissen finde, würde man am nächsten Tag im Netz lesen: „Gary Holt sagt, Metallica sind beschissen!“ Exakt so läuft es. Das mit Metallica meine ich übrigens ernst. Sie sind aus meiner Sicht die beste Band in diesem Genre. Und LULU habe ich noch nie angehört. Irgendwie will ich nicht. (lacht)

STEVE: Ich ziehe nur das aus dem Netz heraus, was mich wirklich interessiert. Computer sind grundsätzlich nichts für mich, weil ich nicht lange ruhig stillsitzen kann.

Wäre es vielleicht ein kluger Schachzug für eine Band, weniger offen und stattdessen mysteriöser für ihre Fans zu werden?

STEVE: So bin ich aufgewachsen. Ich erinnere mich noch, dass ich in meinem Zimmer auf das Led Zeppelin-Poster geblickt und mich gefragt habe, was Jimmy Page wohl gerade so treibt.

GARY: Als Teenager konnte ich mir nur in den Träumen ausmalen, was Ritchie Blackmore privat für ein Typ ist. Heutzutage weiß man viel zu viel übereinander, das ist eigentlich schade. Lieblingsblume, Lieblingsessen, einfach alles! Das Mysteriöse fehlt.

Was macht Ritchie Blackmore für dich zum besten Gitarristen?

GARY: Das ist ungefähr so, als würdest du jemanden fragen, warum er Erdbeereis lieber als Schokoeis mag. Es geht einfach um einen persönlichen Geschmack. Michael Schenker steht Blackmore aber in nichts nach. Die beiden spielen tatsächlich für den Song, anstatt auf dem Griffbrett durchzudrehen. Gefühl, Emotion, Songwriting – alles perfekt auf den Punkt.

Steve, wie war deine Reaktion, als du zum ersten Mal die Demos von PERSONA NON GRATA gehört hast?

STEVE: Ich war schlicht fassungslos und sagte zu den anderen Jungs: „Wow – dieses Album ist ein Homerun!“ Der Großteil der Texte stammt von Gary, und ich konzentrierte mich darauf, so zu singen, wie er sich das beim Komponieren vorgestellt hatte. Er gibt die Richtung vor und weiß ganz genau, was gut klingt. Ohne anderen Musikern im Genre zu nahe treten zu wollen – Gary Holt ist für mich der Großmeister des Thrash Metal!

Wie können wir uns einen normalen Songwriting- Tag von dir im „Jam Camp“ im Haus von Drummer Tom Hunting in den Bergen vorstellen, Gary?

GARY: Wir wachen auf, trinken Kaffee, machen Frühstück und hoffen, dass die Waldbrände nicht zu nah kommen. (lacht) Mit der zweiten Tasse Kaffee machen wir uns dann im Studio breit und starten mit dem Komponieren. Am Abend wird dann gegrillt und Bier getrunken – also jedenfalls, als ich noch Bier trank.

Hast du aufgehört?

GARY:Ja, lass mich mal kurz auf meine App gucken – ich bin jetzt 120 Tage trocken. Während der Pandemie langweilte ich mich oft und sehnte mich nach den alten Zeiten, den Aufnahmen und den Konzerten. Parallel stieg der Alkoholkonsum. Irgendwann waren es zwölf bis 14 Bier am Tag. Früher trank ich nach einer Tournee zu Hause eigentlich fast gar nichts, außer beim TV-Sport oder anlässlich eines Grillabends. Ich habe mit 16 Jahren angefangen zu trinken. Es war einfach an der Zeit, die Bremse reinzuhauen.

„BEI JEDEM RIFF, DAS ICH SCHREIBE, FRAGE ICH MICH, OB ES PAUL BALOFF MÖGEN WÜRDE.“

GARY HOLT

Was waren deine ersten Emotionen, nachdem Tom euch mitteilte, dass er an Krebs erkrankt ist?

GARY: Ich habe geheult und bin völlig zusammengebrochen. Tom war und ist mein bester Freund. Der Moment, als er mir sagte, dass er Magenkrebs hat, war einer der härtesten in meinem Leben. Ich fühlte große Angst, dass er sterben würde. Während der Aufnahmen verlor er permanent an Gewicht, ohne zu wissen, warum. Zum Glück geht es Tom aktuell super! Wir spielten erst vor ein paar Tagen wieder das erste Konzert mit ihm. Und zwar eines unserer besten in den letzten Jahren. Der Junge kämpft gegen den Krebs, verliert seinen Magen – und verpasst gerade mal zwei Gigs. Phänomenal. Ich hatte Probleme, sein Tempo zu halten.

Es gab eine gofundme-Kampagne, die mehr als 100.000 Dollar einbrachte. Ist das ein Zeichen dafür, dass der Zusammenhalt in der Metal-Szene noch immer stark ist?

STEVE: Das sage ich seit Jahrzehnten! Musiker wie Kirk Hammett oder Chris Jericho haben gespendet, dazu unzählige Fans. Das beweist wieder einmal, dass Heavy Metal mit keiner anderen Szene zu vergleichen ist. Bands, Fans, Presse – alle halten in schweren Zeiten zusammen. Black Metal? Hair Metal? Power Metal? Thrash Metal? Vollkommen egal, wir sind eine Gemeinschaft. Ich kann mich nur von ganzem Herzen bei allen Unterstützern bedanken.

GARY: Absolut, das war sehr emotional. Ein kleiner Teil denkt, dass wir die großen Rock-Stars sind, aber in Wahrheit hat Tom zwischen den Tourneen immer gearbeitet, um über die Runden zu kommen. Die Krankenversicherung zahlt nicht die Hypothek, und in der Pandemie verdiente er kein Geld. Wir wollten einfach nicht, dass Tom sein Haus verliert.

Hast du jemals einen Song geschrieben, vielleicht eine Ballade, die großes Potenzial besaß, aber letztendlich zu kitschig klang?

GARY: In den vergangenen Dekaden habe ich unzählige Akustiknummern verfasst, einige davon klingen richtig gut, aber niemand möchte von Exodus eine Ballade hören! Metallica sind in dieser Kategorie ohnehin ungeschlagen, das überlasse ich lieber ihnen. Wir bleiben hart und schnell.

STEVE: Elf Alben, keine Ballade. Das sind Exodus.

Läuft in eurer Wohnung auch mal Musik, die uns überraschen würde?

STEVE: Nicht mal im Ansatz! Wenn ich am Morgen meine sieben, acht Kilometer laufe, höre ich FIREPOWER von Judas Priest, das Iron Maiden-Radio oder ein Mixtape von Megadeth, Saxon, UFO, Mercyful Fate und Dead Kennedys.

GARY: Aktuell ist mein absolutes Lieblingsalbum WOMEN IN MUSIC, PT. III der Pop-Rocker Haim aus Los Angeles. Da stimmt jede Note, jeder Song ist perfekt geschrieben. Ich habe schon immer andere Stile gehört. Die meiste Musik auf meinem Smartphone ist kein Metal. Prince und George Michael sind meine absoluten Helden. Ich liebe auch die alten Sachen von Madonna oder Terence Trent D’Arby.

Würdet ihr zustimmen, dass ihr im Vergleich zu Bands wie Metallica, Megadeth oder Anthrax, die kommerziell stets erfolgreicher waren, euren Wurzeln treuer geblieben seid?

STEVE: Deren Lieder sind vielleicht etwas zugänglicher als unsere – zugegeben. Aber Slayer gibt es nicht mehr: Wer ist denn nun die härteste Thrash Metal-Band aus den Achtziger Jahren? Exakt. Das sind wir. Wir gingen nie irgendwelche Kompromisse ein, sondern haben unsere Musikrichtung immer hundertprozentig vertreten. Jeder kann ein Lied nach Schema F konstruieren. Hör dir dagegen mal den Titel-Song von PERSONA NON GRATA an: Neun Minuten lang, fünf verschiedene Passagen. Wir sind hier, um Ärsche zu treten, unsere Zeit wird kommen. Sehr bald.

GARY: Wir befanden uns auch mal kurz auf Abwegen – wenn ich ein paar ältere Bilder von mir in Baggypants sehe, möchte ich mir selbst in den Arsch treten. (lacht) Aber wir sind eben immer noch Exodus und vertreten das Erbe von Paul Baloff. Da gibt es nur eine Ansage – voll nach vorne!

Wie stark ist der Einfluss von Paul, der 2002 verstarb?

GARY: Bei jedem Riff, das ich schreibe, frage ich mich, ob es Paul Baloff mögen würde. Wenn ja, ist es gut. So einfach ist das.

Das einzige Mal, dass Exodus eine andere Richtung einschlugen, war aus meiner Sicht 1992 mit dem groovigen FORCE OF HABIT.

GARY: Das stimmt, auch wenn einige sehr schnelle Nummern darauf sind, die gerne übersehen werden. Wenn man die zwei Covertracks ausnimmt, ist FORCE OF HABIT eine ziemlich fixe Angelegenheit. Die Gitarrenarbeit gehört mit zum Besten, was je unter meinem Namen erschienen ist.

STEVE: Das ist die einzige Exodus-Scheibe, die ich aus heutiger Sicht etwas kritisch sehe und zwei, drei Lieder enthält, die ich absolut hasse. Ich werde keine Song-Titel nennen, aber aus heutiger Sicht kann man sich schon fragen, was uns da geritten hat. Auf der anderen Seite: Jason Bittner, der aktuell bei Overkill trommelt, sagte mir, dass das FORCE OF HABIT sein Lieblingsalbum sei.

War es aus heutiger Sicht logisch, dass sich die Band nach jenem Album trennte?

GARY: In gewisser Weise, ja. Zu jener Zeit wurde ich erstmals Vater und hatte keine Lust mehr auf das Ganze. Mit meinem heutigen Wissen könnte ich aus den beiden guten Alben IMPACT IS IMMINENT (1990) und FORCE OF HABIT zwei herausragende machen. Das Riff zum Titellied von IMPACT IS IMMINENT ist so grandios: cool und trotzdem technisch anspruchsvoll. Der Ansatz ist, immer besser zu werden – und PERSONA NON GRATA ist aus meiner Sicht eines der besten Thrash-Alben aller Zeiten.

Du hast gesagt, dass du selbst der größte Fan dieser Band seist – was macht Exodus so außergewöhnlich?

GARY: Ich bin tatsächlich der größte Exodus-Fan! Unsere größte Stärke ist das Live-Erlebnis, da sind Exodus die pure Zerstörung. Viele Musiker in unserem Alter veröffentlichen noch gute Scheiben, bringen es aber auf der Bühne nicht mehr – das ist bei uns komplett anders. Ich höre mit dem Headbangen erst auf, wenn mir der Kopf abfällt. Ich mache das sogar heftiger als früher. (lacht) Wir sind extrem hungrig und noch lange nicht fertig!

Wenn Leute über Exodus diskutieren, taucht oft der Begriff „alte Schule“ auf. Passt diese Beschreibung, oder ist sie musikalisch zu eindimensional?

GARY: Mir gefällt „alte Schule“ besser als nur „alt“. (lacht)

STEVE: Das ist ein absolutes Kompliment – „alte Schule“ steht für Legenden. Ich habe diesen Scheiß schon gemacht, als ihr alle noch in die Windeln gepupst habt! (lacht)

GARY: Musikalisch sehe ich uns eher als Speerspitze der modernen Thrash-Ära. THE ATROCITY EXHIBITION...EXHIBIT A (2007) oder EXHIBIT B: THE HUMAN CONDITION (2010) – die klingen doch alles andere als „oldschool“!

Diese Band hat in ihrer Karriere viel durchgemacht. Glaubst du, dass diese Schicksalsschläge den Charakter von Exodus auf besondere Weise geprägt haben?

GARY: Definitiv. Unser Metal wurde im Feuer gestählt.

Das ist der Manowar-Moment des Gesprächs.

GARY: Haha, stimmt! Das müsste eigentlich eine Textzeile von ihnen sein. Viel von dem, was wir durchmachen mussten, war unsere eigene Schuld. Die meisten Bands kommen aus dem Tal von Drogen, Tod und Krankheit ohne den großen Biss heraus – wir wollen noch immer zerstören und die Leute in den Wahnsinn treiben.

STEVE: Schlechte Erfahrungen härten einen ab. Wenn man diese Phasen übersteht, stärkt das den Charakter. Und PERSONA NON GRATA strotzt vor Charakter! Nach BLOOD IN, BLOOD OUT (2014) habe ich mich gefragt, wie wir das jemals toppen wollen – jetzt weiß ich es.

Ist es wichtig, Politik und Religion aus der Diskussion im Tourbus herauszulassen, um eine harmonische Band-Atmosphäre zu pflegen?

GARY: Wir haben alle sehr unterschiedliche Ansichten, kommen aber trotzdem bestens miteinander aus. Über politische Themen rede ich nicht viel, das würde auch nichts bringen. Sie ändern meine Meinung nicht, und andersrum ist es dasselbe. Ich bin liberaler Atheist, der Großteil der Band denkt eher konservativ.

Was ist die besondere Magie, wenn eine Band zwei Lead-Gitarristen wie Iron Maiden, Judas Priest oder ihr einsetzt?

GARY: Mir persönlich sind die Rhythmen wichtiger als die Soli, die nur ein Prozent des Songs ausmachen. Der Vorteil von zwei wechselnden Lead-Gitarristen ist, dass die Lieder zwangsläufig eine zusätzliche Note, einen anderen „Geschmack“ bekommen. Alles, was wir in dieser Hinsicht tun, geht auf Thin Lizzy zurück. Sie haben quasi die Bibel der Gitarrenharmonien geschrieben.

Nachdem Slayer in den Ruhestand gegangen sind – ist dies die Chance für Exodus, aufzusteigen und eine noch wichtigere Rolle in der Szene zu spielen?

GARY: In unseren Köpfen tun wir das längst, auch wenn das bisher noch zu wenig Leute bemerkt haben! (lacht)

STEVE: Ich glaube fest daran, dass wir jetzt eine wichtigere Rolle einnehmen können. Es gibt noch immer Metal-Fans, die unsere Band nicht kennen, aber Slayer geil finden. Dasselbe trifft auf Death Angel, Overkill, Kreator, Sodom, Testament oder Destruction zu – diese Originale werden an Bedeutung gewinnen.

GARY: Auf Diskussionen über die Big Four lasse ich mich erst gar nicht ein. Ich weiß, wo ich war, als der Thrash Metal geboren wurde. Ich weiß auch, wer nicht da war – mehr muss ich zu dem Thema gar nicht sagen. Was ist denn überhaupt mit Kreator, Destruction und Sodom? Die waren teilweise vor den US-amerikanischen Thrash-Bands am Start. Diese Jungs veröffentlichen noch immer fantastische Alben. Bei dieser Frage wird aus meiner Sicht zu stark auf die USA geblickt.

Seit dem letzten Album sind sieben Jahre vergangen. Spürtest du manchmal ein schlechtes Gewissen, weil dein Slayer-Engagement Exodus so lange auf Eis legte, oder machte dein Seitensprung Exodus populärer?

GARY: Ein bisschen von beidem. Ich habe definitiv an Bekanntheit gewonnen. Wieso interessieren sich Leute auf Instagram für Bilder von mir mit meinen Enkelkindern?! (lacht) Exodus war immer meine erste Liebe, ein paar Gewissensbisse hatte ich schon. Ich bin sehr froh, wieder zurück zu sein.

Wurde die Frage über den Ruhestand nur zwischen Araya und King diskutiert, oder hattest du auch eine Stimme?

GARY: Nein, diese Frage wurde nur von den beiden erörtert. Meine Rolle in Slayer war eine andere. Ich sollte auf der Bühne Soli schreddern. In meiner Zeit bei Slayer wurde ich immer gut behandelt, wie eine Art Familienmitglied. Aber, klar: Wenn es um geschäftliche Fragen ging, war ich bestimmt nicht der Typ, der für Jeff Hanneman einspringt.

Wie hat dich die Zeit bei Slayer geprägt?

GARY: Sie hat mich auf alle Fälle spieltechnisch fit gehalten. Ich stellte erst als Mitglied fest, wie viele Soli diese Band in ihre Songs integriert, manchmal bis zu drei Stück. Bei Slayer war ich zum ersten Mal in meinem Leben der Gitarrenheld. Eine sehr coole Erfahrung. Außerdem lernt man auf diesem Niveau viel über das Geschäft.

Was sind die Unterschiede zwischen Slayer und Exodus?

GARY: Slayer komponieren eher in Halbtönen. Deswegen habe ich mich beim Lernen der Lieder auch an mancher Stelle vertan, weil ich in normalen Skalen dachte. Ich musste erst einmal lernen, wie Kerry und Jeff Riffs angehen. Der Tourneekalender von Slayer war sehr entspannt, man spielte nie mehr als zwei Shows hintereinander. Bei Exodus musste ich mal 17 Gigs am Stück absolvieren – mit einer gebrochenen Rippe! (lacht)

Hast du schon die Meinung von Kerry King über PERSONA NON GRATA eingeholt?

GARY: Keiner meiner Freunde bekam das Album vorab zugeschickt, er hat ehrlicherweise auch nicht danach gefragt. Ich bin mir aber sicher, dass Kerry die Scheibe mögen wird – er liebt Exodus.

Hast du jemals mit den anderen Jungs in Exodus über den Ruhestand gesprochen?

GARY: Auf keinen Fall! Ich kann nichts anderes! Soll ich für den Rest meines Lebens Gitarrenunterricht geben? Lieber nicht, ich bin ein ziemlich ungeduldiger Lehrer, weil ich selbst Riffs relativ schnell lerne.

Ist die Karriere von Exodus bislang eine Geschichte verpasster Chancen?

GARY: Oh, es gab viele verpasste Chancen, aber ich war noch nie der Typ, der gerne rumheult – warum auch? Ich bin 57 Jahre alt und darf mit METAL HAMMER über ein neues, fantastisches Album sprechen. Es gibt viele Leute, die viel talentierter sind als ich, aber einen beschissenen Job ausüben müssen. Ich bin ein glücklicher Mensch.

Es ist immer schön, einen Meilenstein wie BONDED BY BLOOD im eigenen Katalog zu haben. Ist diese Art von ikonischer Platte manchmal auch eine Belastung?

GARY: Nein, überhaupt nicht. BONDED BY BLOOD ist unser Baby und meiner Meinung nach das beste Thrash-Debüt überhaupt.

Glaubt ihr, dass die beste Exodus-Platte noch in euch schlummert?

STEVE: Absolut. Wir befinden uns in einem absoluten Lauf – die nächste Scheibe wird auf einem Niveau mit PERSONA NON GRATA sein, wenn nicht noch besser.

GARY: PERSONA NON GRATA fordert qualitativ BONDED BY BLOOD heraus. Und, ja – ich habe noch viele Riffs in mir und werde immer besser. Daran glaube ich fest.

MATTHIAS WECKMANN

„WIR SIND HIER, UM ÄRSCHE ZU TRETEN, UNSERE ZEIT WIRD KOMMEN.“

STEVE SOUZA