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Smartphone-Akkus: AKKU IM FOKUS


PC Go - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 07.09.2018

Es gab Zeiten, da war der Akku die Achillesferse moderner Smartphones. Unsere Analyse zeigt, dass diese längst vorbei sind. Unser Rundumschlag zum Thema Akkulaufzeit räumt auch mit anderen Mythen auf.


Artikelbild für den Artikel "Smartphone-Akkus: AKKU IM FOKUS" aus der Ausgabe 10/2018 von PC Go. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Go, Ausgabe 10/2018

Was macht ein gutes Smartphone aus? Die Antworten auf diese Frage sind unterschiedlich. In Umfragen entpuppt sich der Akku immer wieder als wichtigstes Kaufkriterium neben der Kamera. Vor einigen Jahren waren Smartphones, die nur mit Ach und Krach bis zum Feierabend durchhielten, keine Seltenheit. Doch die folgende Auswertung, die wir zusammen mit unserer Schwesterzeitschrift connect durchgeführt haben, ...

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Was macht ein gutes Smartphone aus? Die Antworten auf diese Frage sind unterschiedlich. In Umfragen entpuppt sich der Akku immer wieder als wichtigstes Kaufkriterium neben der Kamera. Vor einigen Jahren waren Smartphones, die nur mit Ach und Krach bis zum Feierabend durchhielten, keine Seltenheit. Doch die folgende Auswertung, die wir zusammen mit unserer Schwesterzeitschrift connect durchgeführt haben, zeigt, dass sich die Situation verbessert hat. Untersucht wurden 50 relevante Smartphones aus den Modelljahren 2018 und 2017. Wie lange ein Smartphone im Alltag tatsächlich läuft, hängt natürlich von der Nutzung ab. Unser Messverfahren, berücksichtigt typische Smartphone-Anwenderszenarien, unter anderem Scrollen, Fotos anschauen und Internetsurfen und orientiert sich so möglichst nah am Alltag der Nutzer.
Dabei gilt folgende Faustregel: Ein Smartphone, das in unserem Testverfahren mehr als sechs Stunden durchhält, bringt seinen Besitzer bei moderater Nutzung gut durch den Tag. Wenn es doch mal knapp werden sollte, helfen entweder Software-Einstellungen oder eine Powerbank – zu beidem finden Sie ebenfalls Infos auf den nächsten Seiten. Außerdem räumen wir mit Halbwahrheiten und Mythen auf, die sich hartnäckig um den Energiespeicher ranken. Und natürlich finden Sie einen Überblick über die Akkulaufzeit von einem Großteil in Deutschland aktuell erhältlicher Modelle – inklusive Empfehlungen.

SO HÄLT DAS SMARTPHONE LÄNGER DURCH

Eines vorweg: Wenn Sie über Apps oder Ratgeberartikel stolpern, die eine Verlängerung der Akkulaufzeit versprechen, ist Skepsis angebracht. Ein Smartphone ist ein komplexes mobiles System mit begrenzter Energiezufuhr und als solches von Grund auf ressourcenschonend konzipiert. Die Hersteller gehen bereits an die Grenzen, um eine möglichst lange Betriebsbereitschaft aus ihren Geräten herauszukitzeln. Daher gibt es auch keinen wunderbaren oder gar geheimen Software-Trick, mit dem das Smartphone plötzlich vier Stunden länger läuft. Die Wahrheit ist, dass die meisten „Akku-Tipps“ mit einigen Einschränkungen beim Bedienkomfort erkauft werden. Wir machen da leider keine Ausnahme.

UMTS/LTE deaktivieren

Die LTE- und UMTS-Funkschnittstellen sind große Stromverbraucher. Sie benötigen für die Datenübertragung deutlich mehr Energie als etwa WLAN, vor allem in Gebieten mit einer schlechten Netzabdeckung, weil dann mit voller Stärke gesendet und empfangen werden muss. Es hilft also schon, wann immer möglich im WLAN zu surfen. Wenn die Mobilfunkverbindung schlecht ist und ständig unterbrochen wird, dann sollte man das mobile Internet am besten ganz vermeiden – im ICE kann es tatsächlich Wunder wirken, LTE und UMTS zu deaktivieren.

Display dimmen

Das Display ist einer der größten Stromverbraucher und das Absenken der Hintergrundbeleuchtung ist einer der ältesten Tricks, um Strom zu sparen. Bei einem OLED-Bildschirm ist es außerdem sinnvoll, dunkle Hintergründe zu verwenden, denn bei der Darstellung von Schwarz werden die entsprechenden farbigen Pixel einfach abgeschaltet und verbrauchen gar keine Energie.

E-Mail-Abruf umstellen

Die permanente Synchronisation des E-Mail-Kontos belastet den Akku – besonders, wenn man mehrere Mail-Konten nutzt und viele Nachrichten bekommt. Das Umstellen des Abrufintervalls auf manuell oder auf mehrere Stunden verlängert die Laufzeit des Stromspenders.

Verbraucher finden

iOS und Android bieten mittlerweile detaillierte Statistiken darüber, welche App wie viel Energie zieht. Es lohnt sich, diese einmal genauer anzuschauen, denn unter Umständen können Sie hier einen Stromfresser, etwa eine unsauber programmierte oder ständig mitlaufende, aber nicht benötigte App entlarven – und gegebenenfalls aus dem Smartphone-Programm-Pool löschen.

Energiesparmodi ein

Spezielle Energiesparmodi, die auf Wunsch automatisch aktiviert werden, wenn der Akkustand unter ein bestimmtes Niveau fällt, gehören zur Smartphone-Grundausstattung. Sie kombinieren die meisten der hier vorgestellten Maßnahmen. Sogenannte Ultramodi gehen sogar noch darüber hinaus und schalten die meisten Verbraucher einfach ab, sodass Sie nicht viel mehr machen können, als telefonieren und E-Mails abrufen. Auf diese Weise bleiben Sie noch ein paar Stunden länger erreichbar, wenn es mal knapp wird, aber eine echte Dauerlösung ist das nicht. Wer öfter ans Limit kommt, nimmt am besten einen voll aufgeladenen Akkupack mit (siehe Folgeseiten).

PREMIUM: ANKER POWERCORE+

Die Kapazität von 13400 mAh reicht, um das Smartphone drei bis vier Mal aufzuladen, dabei wird der Schnellladestandard Quick Charge 3.0 unterstützt. Das 300 Gramm leichte Teil kommt im Aluminiumgehäuse.
www.anker.com/de; Preis: ca. 60 Euro

STILVOLL UND SCHNELL: ANKER POWERPORT QI 10

Das sieben Millimeter dünne Pad informiert mit LEDs über den Ladestatus. Drahtlos getankt wird im Rekordtempo mit 10 Watt. Diesen Turbo unterstützen momentan aber nur Samsungs Galaxy- und LG-Modelle.
www.anker.com/de; Preis: ca. 20 Euro

OUTDOOR: RAVPOWER 25000 MAH

Mit 660 Gramm kein Leichtgewicht, dafür ist die Kapazität ordentlich. Die Powerbank selbst kann auch über das aufgebrachte Solarpanel geladen werden, die Ladezeit beträgt dann eine Woche. Das Gehäuse ist IP66 spritzwassergeschützt.
www.ravpower.de; Preis: ca. 55 Euro

KOMPAKT: ANKER POWERCORE 5000

Mehr als eine Smartphone-Ladung ist nicht drin, dafür verschwindet der Stick unauffällig in jeder Tasche. Das Gewicht von 130 Gramm spürt man kaum. Drei LEDs informieren über den Ladestatus.
www.anker.com/de; Preis: ca. 15 Euro

EXTRAFLACH: AUKEY USB-C 20000 MAH

Das flache Gehäuse (14 Millimeter) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen ordentlichen Brocken handelt (400 Gramm). Aber dafür ist die Kapazität hoch und man kann vier Geräte gleichzeitig laden, die Ausgangsleistung liegt bei 15 W.
www.aukey.com; Preis: ca. 35 Euro

FÜR DEN SCHREIBTISCH: TA OTRONICS TT-DL043 DE

Licht und Strom aus einer Quelle liefert diese Lampe: Die Farbtemperatur lässt sich in fünf Stufen einstellen, die Helligkeit über ein Sensorfeld regeln. Die iPhones X und 8 (Plus) lädt die LED-Leuchte kabellos mit 7,5 Watt, Qikompatible Samsungs und andere mit 10 W. Einen USB-Anschluss gibt’s auch.
www.taotronics.com; Preis: ca. 60 Euro

DRUCKVOLL: BELKIN BOOST UP

Das Qi-Ladegerät drückt die Energie mit 7,5 Watt ins Smartphone – allerdings nur bei der aktuellen iPhone-Generation, alle anderen Phones werden mit den üblichen 5 Watt geladen. Das Extratempo und die Apple-Exklusivität haben ihren Preis.
www.belkin.com/de; Preis: ca. 55 Euro

DRUCKBETANKUNG

Beim Nachladen gilt: je schneller, desto besser. Das Tempo lässt sich aber nicht beliebig erhöhen, dazu ist die Akkuzelle zu empfindlich.

Die Ladegeschwindigkeit ergibt sich aus der elektrischen Leistung (Watt). Die wiederum ist ein Produkt aus der elektrischen Spannung und der Stromstärke. Bei älteren USB-Steckern sind Spannung und Stromstärke auf maximal 5 Volt und 2 Ampere festgelegt, was die elektrische Leistung auf 10 Watt limitiert. Das reicht längst nicht mehr, um die großen Smartphone-Akkus schnell zu laden. Daher haben die Hersteller eigene Verfahren entwickelt, die einen höheren Energiedurchsatz erlauben, aber nicht untereinander kompatibel sind.
Der populärste Standard ist Quick Charge von Qualcomm, hinzu kommen Super Charge (Huawei) und Dash (Oppo). Ein weiterer wichtiger Standard, der sich bisher aber nicht bei Smartphones etablieren konnte, ist USB Power Delivery (USB-PD). Qualcomms neueste Version Quick Charge 4+ schraubt den Durchsatz auf 27 Watt. Die empfindliche Akkuzelle kann die Energie aber nicht beliebig schnell aufnehmen, kritisch sind die Hitzeentwicklung sowie die Absetzung von Lithium an der Anode. Eine interne Steuerelektronik überwacht permanent Temperatur und Spannung der Zellen und reguliert entsprechend den Energiedurchsatz. Dabei gilt: Je höher der Ladezustand des Akkus, desto langsamer muss die Energie zugeführt werden.
Deshalb werben die Unternehmen auch immer damit, wie schnell ein bestimmter Ladezustand erreicht ist, aber nie damit, wie lange es dauert, bis der Akku voll ist. Bei Quick Charge 4+ etwa verspricht Qualcomm, dass etwa fünf Minuten an der Steckdose für weitere circa fünf Stunden Laufzeit reichen.

MYTHEN ZUM AKKU

DER MEMORY-EFFEKT?

Der Akku sollte möglichst leer sein, bevor man ihn wieder auflädt, weil er sonst frühzeitig an Kapazität verliert?
Dieser Effekt tritt nur bei älteren Nickel-Cadmium-Akkus auf, die in Smartphones verbauten Lithium-Ionen-Akkus sind davon nicht betroffen. Im Gegenteil: Wird der Akku nicht immer vollständig entladen, hält er länger.

DAS FALSCHE NETZTEIL?

Weit verbreitet ist auch der Glaube, dass es richtige und falsche Netzteile gibt und dass der Akku Schaden nimmt, wenn das Smartphone falsch eingestöpselt ist. Richtig ist: Die vorgeschaltete Ladeelektronik kontrolliert den Vorgang und lässt nur einen definierten Energiefluss zu. So wird eine mögliche Überladung vermieden. Man kann sein Smartphone also mit jedem beliebigen Netzteil auftanken. Soll es allerdings besonders schnell gehen, muss es den Schnellladestandard des Smartphones (Quick Charge, Super Charge) unterstützen.

DAS ERSTE AUFLADEN?

Es ist nicht notwendig, das neue Smartphone besonders lange an der Steckdose zu lassen. Bei Lithium-Ionen-Akkus führt das nicht zu einer besseren Leistung.

VOLLSTÄNDIG AUFLADEN?

Man muss das Smartphone nicht am Stecker lassen, bis der Akku 100 Prozent zeigt. Im Gegenteil: Ein ständiger Ladezustand zwischen 30 und 70 Prozent wirkt sich positiv auf die Lebensdauer aus.

JEDES EINSTÖPSELN ZÄHLT?

Ein Akku altert, seine Kapazität verringert sich mit der Anzahl der Ladezyklen. Aber das heißt nicht, dass sich jeder Ladevorgang negativ auf die Lebensdauer auswirkt. Denn ein Ladezyklus kann auch aus mehreren Ladevorgängen bestehen. Kurze Zwischenstopps an der Steckdose sind also kein Problem – im Gegenteil, sie helfen, den Ladezustand innerhalb der optimalen 30 bis 70 Prozent zu halten.

ÜBER NACHT AUFLADEN?

Wenn das Smartphone nachts an der Steckdose hängt, verbleibt der Akku für mehrere Stunden nahe der oberen Kapazitätsgrenze. Unbestritten ist, dass das der Lebensdauer schadet. Aber wie stark?
Hier gehen die Meinungen auseinander, zumal moderne Ladealgorithmen das Problem immer besser in den Griff bekommen. Letztendlich muss jeder abwägen: Lohnt es sich, mehr Komplexität in die Alltagsroutine zu bringen, damit der Smartphone-Akku nach einem Jahr einen Tick länger durchhält?