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SO BLEIBT ALLES IM TAKT


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 01.06.2022
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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 7/2022

Neben dem EGK liefert ein Ultraschall des Herzes wichtige Hinweise auf eine Erkrankung

45 % der Frauen in Deutschland kennen die geschlechtstypischen Vorboten eines Herzinfarkts nicht

Quelle: Umfrage der BKK VBU, 2022

Prof. Martin Smollich, Pharmazeut am Institut für Ernährungsmedizin des Uni-Klinikums Schleswig-Holstein

Prof. Christiane Tiefenbacher, Kardiologin am Marien-Hospital Wesel

Susanne Schmidt-Tesch, Ernährungsberaterin an der Technischen Universität München

Gesunde Ernährung ist für Petra Reimann heute im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit. Die Angestellte aus der nordbayerischen Gemeinde Postbauer-Heng will nämlich damit verhindern, einen weiteren Herzinfarkt zu bekommen. Zwei hat die 63-Jährige schon überlebt. Bei dem ersten war sie gerade mal 43 Jahre alt. „Ich saß in einer Schulung, als mein Brustkorb so heftig schmerzte, als würde ein Elefant auf mir sitzen. Und plötzlich war mir übel“, erinnert sie sich. Noch vor dem Eintreffen der Notärztin wurde sie ...

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... bewusstlos. Auslöser war ein zu hoher Blutdruck, der bei Petra Reimann unentdeckt geblieben war, aber auf Dauer die Herzgefäße verengte. „Der Infarkt traf mich wirklich aus heiterem Himmel. Bis dahin fühlte ich mich kerngesund.“

Die zweite Herzattacke ereilte sie dann im Alter von 55 Jahren. Der Grund dieses Mal: zu viel Stress durch 16-Stunden-Arbeitstage. Erneut hatte Petra Reimann Glück und wurde rechtzeitig behandelt. Wieder wurden ihr Medikamente verschrieben. „Erst in der Reha lernte ich, dass es andere Lösungen als Pillen geben muss. Zum einen, mehr auf mich achtzugeben“, erzählt Petra Reimann. Sie trat beruflich kürzer und stellte ihre Ernährung um – Auslöser ihres zu hohen Blutdrucks. Heute setzt die 63-Jährige auf selbst gebackenes Vollkornbrot, viel Gemüse, Salate, Obst, Hülsenfrüchte und frische Kräuter aus ihrem Garten. „Als gebürtige Fränkin liebe ich Bratengerichte, Klöße und Würste, aber ich muss an meine Gesundheit denken. Daher kommt jetzt bei mir nur einmal pro Woche mageres Fleisch auf den Tisch.“ Und statt Weißmehlprodukten isst die Herz-Patientin nur noch Vollkornreis oder Dinkelbrötchen.

Sich gesund zu ernähren ist eine lebenswichtige Maßnahme, um das Herz bei seiner täglichen Schwerstarbeit zu unterstützen. Schließlich braucht das Organ rund um die Uhr viel Kraft, um jede einzelne Zelle im Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Bestimmte Faktoren wie ein zu hoher Blutdruck stören eine reibungslose Funktion, denn auf Dauer werden die Innenwände der Herzkranzgefäße beschädigt, wo sich dann vermehrt Cholesterin, Kalk und andere Blutbestandteile bilden können (s. Infografik). Diese als Plaque bezeichneten Ablagerungen verengen die Gefäße und eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) entsteht. Das macht es dem Herz immer schwerer, über die verstopften Kanäle den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Im schlimmsten Fall reißt eine Plaque auf, ein Blutgerinnsel bildet sich und das Gefäß macht dicht – es kommt zum Infarkt. „Dabei wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und beginnt abzusterben“, sagt Kardiologin Prof. Tiefenbacher. Mehr als 20 000 Frauen sterben jedes Jahr in Deutschland an einer Herzattacke. Das Tückische: Ein Infarkt bleibt oft lange unentdeckt oder sogar unbehandelt. Grund dafür sind die teilweise unterschiedlichen und wenig bekannten Symptome bei Frauen (s. Kasten nächste Seite). „Viele Todesfälle ließen sich vermeiden, wenn Betroffene diese Anzeichen richtig deuten und Hilfe anfordern würden“, sagt die Expertin. Besonders Frauen ab 65 Jahren scheuen sich häufig davor, den Notruf zu wählen, aus Sorge, falschen Alarm zu schlagen. So geht wertvolle Zeit verloren, wie eine Studie vor einigen Jahren ergab.

„Nach zwei Herzinfarkten achte ich heute auf mich und meine Gesundheit"

Petra Reimann (63) reduzierte ihren Stress und trat beruflich kürzer

Cholesterin: mal gut, mal schädlich

Gut

HDL (High Density Lipoprotein)

Nimmt Cholesterin von Körperzellen auf und transportiert es zur Leber zurück

Kann festsitzendes LDL-Cholesterin in Blutgefäßen lösen und aufnehmen

Schlecht

LDL (Low Density Lipoprotein)

Transportiert Cholesterin von der Leber zu anderen Organen Trägt zu gefährlichen Ablagerungen in den Blutgefäßen bei

WICHTIGE VORSORGE-UNTERSUCHUNGEN

BLUTDRUCK Kaum ein Check-up funktioniert so einfach und verrät so viel über die Herzgesundheit. Dabei geht es um den Druck, der in den Arterien herrscht. Das Ergebnis wird mit zwei Werten angezeigt: Der obere (systolische) entsteht während der Anspannung des Herzmuskels, der untere (diastolische), wenn nach dem Herzschlag erneut Blut in die Herzkammer fließt. Liegen die Werte dauerhaft höher als 140/90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule), spricht man von Bluthochdruck bzw. Hypertonie.

BLUTWERTE Für das Herz sind vor allem zwei Werte wichtig: der Cholesterin- sowie der Blutzuckerspiegel. Enthält das Blut zu viel Cholesterin oder zu viel Zucker, steigt das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Im Normbereich befindet sich das Gesamtcholesterin, wenn die Werte unter 200 Milligramm pro Deziliter liegen (mg/dl). Wie hoch der LDL-Cholesterinspiegel sein sollte, hängt vom Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, ist der Grenzwert z. B. 100 mg/dl. Für den Blutzuckerwert gilt: Nüchtern gemessen sollte er 100 mg/dl nicht übersteigen.

EKG Die Elektrokardiografie misst über Elektroden auf der Haut die Herzströme, also die kleinen Stromschläge, die das Zusammenziehen und Erschlaffen der Herzkammern auslösen. Die Grafik liefert Informationen über Gesundheit und Funktion des Herzes (z. B. Herzinfarkt, Herzrhythmus-Störungen, Herzschwäche).

ULTRASCHALL Die Ultraschall-Kardiografie (UKG) hilft dem Arzt, Herzprobleme genauer zu diagnostizieren. Die Echtzeitbilder machen krankhafte Veränderungen von Herzbeutel, Herzklappen und Herzwänden sichtbar, z. B. Vergrößerungen des Herzmuskels.

Blutwert-Untersuchung, EKG und Ultraschall werden bei Symptomen kostenfrei durchgeführt. Den Blutdruck messen Hausärzte routinemäßig

Bei Verdacht sofort 112!

Demnach dauert es bei dieser Altersgruppe im Durchschnitt mehr als viereinhalb Stunden, bis Betroffene mit Symptomen eines Herzinfarkts in die Notaufnahme kommen – bei gleichaltrigen Männern geht es eine Stunde schneller. „Vor allem in der zweiten Lebenshälfte sollten Frauen daher immer auch an die Gefahr eines Infarkts denken. Er ist keineswegs eine reine Männersache“, warnt Prof. Christiane Tiefenbacher. Das gilt vor allem für diejenigen, die rauchen oder starkes Übergewicht haben. Denn im gefährlichen Bauchfett bilden sich Entzündungsbotenstoffe, welche die Herzgefäßwände schädigen.

Doch auch jüngere Menschen sind nicht vor einem lebensbedrohlichen Infarkt geschützt. So nimmt die Zahl der Herzattacken zwischen 40 und 50 Jahren zu, wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie festgestellt hat.

Wichtig ist daher eine gute Vorsorge: Bis Mitte 50 sollte man alle drei Jahre einen Herz-Kreislauf-Check-up machen, danach am besten jährlich. Auf Wunsch kann der Arzt zudem eine Koronarangiografie (z. B. bei Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße), ein Herz-CT oder -MRT anordnen, um abzuklären, ob der Herzmuskel entzündet ist.

Die 63-jährige Petra Reimann war weder übergewichtig noch rauchte sie, aber sie ernährte sich ungesund. „Ich bin immens dankbar, dass ich sogar gleich zweimal glimpflich davongekommen bin“, beteuert sie, „und ich bin stolz darauf, dass ich durch meine neue, gesunde Küche das blutdrucksenkende Medikament reduzieren konnte.“ Heute schluckt sie lediglich eine halbe Tablette am Tag, nach der ersten Attacke waren es noch zwei. Das Herz mit gesunder Küche vor Erkrankungen schützen und somit auch vor einem Infarkt: Diese Strategie funktioniert ganz hervorragend, wie etliche Studien belegen.

In Bewegung bleiben

Wer Übergewicht vermeidet, nicht raucht und körperlich aktiv ist, senkt sein Risiko um bis zu 50 Prozent, das zeigte bereits 2016 eine Untersuchung der amerikanischen Harvard-Universität. „Eine herzgesunde Kost gilt bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher als erste Wahl – noch vor Medikamenten“, bestätigt Prof. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Der Pharmazeut und Buchautor („Das große Praxisbuch Ernährungsmedizin“, GU, 30 Euro) befasst sich mit der medizinischen Wirkung von Ernährung, im Fachjargon Pharma-Konutrition genannt. „Wir wissen heute, dass es möglich ist, durch gewisse Inhaltsstoffe von Lebensmitteln bestimmten Krankheiten vorzubeugen. Bei Herzleiden sind das vor allem Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe“, so Prof. Smollich. „Dafür ist Gemüse in jeglicher Farbe und Form der beste Lieferant.“

Experten empfehlen, täglich drei Portionen Paprika, Blumenkohl, Zucchini & Co. zu essen, also etwa 400 Gramm. „Die darin enthaltenen Ballaststoffe sättigen lange und beugen so Übergewicht vor – einer der größten Risikofaktoren für Infarkte. Außerdem binden sie im Darm Gallensäure und Cholesterin. Dadurch sinkt der Cholesterinspiegel im Blut“, erklärt der Experte. Grundsätzlich ist Cholesterin nicht ungesund. Im Gegenteil: Es handelt sich um einen wichtigen körpereigenen Fettstoff, um etwa bestimmte Hormone zu bilden und den Stoffwechsel am Laufen zu halten. Auch in Nahrungsmitteln wie Butter oder Eiern ist es enthalten. Doch es gibt zwei Arten von Cholesterin, ein gutes (HDL) und ein schlechtes (LDL). Hierzulande haben ungefähr 60 Prozent der Menschen erhöhtes Cholesterin, eine sogenannte Hyper-Cholesterinämie.

Infarkt-Symptome richtig deuten

Atemnot sowie Schmerzen und ein Enge-Gefühl in der Brust sind typische Vorboten einer Herzattacke. Bei Frauen sind diese Anzeichen weniger stark ausgeprägt. Zusätzlich sollten sie auf folgende Warnsignale achten:

→ Kurzatmigkeit

→ Kalter Schweiß

→ Taubheitsgefühl in den Armen

→ Schmerzen in Rücken und Oberbauch

→ Unerklärliche Müdigkeit

→ Übelkeit, Erbrechen

Dauern die Symptome länger als 5 Minuten an: Bitte Notruf wählen!

Cholesterin prüfen lassen

Da diese Krankheit erst einmal symptomfrei verläuft, bemerkt man sie lange Zeit nicht. Deshalb raten Experten, schon in jungen Jahren den LDL-Cholesterinwert mindestens einmal überprüfen zu lassen. Das geht per Schnelltest in einigen Apotheken oder beim Hausarzt. Außerdem sinnvoll, um sein Herz zu schützen: Ausdauertraining, und zwar drei Mal pro Woche 20 bis 60 Minuten. Besonders gut senkt Wassersport wie Aquawalking bei Frauen das schlechte Cholesterin.

„Das Sport- und Essverhalten zu ändern genügt jedoch nicht, wenn eine genetische Veranlagung für erhöhtes Cholesterin besteht“, weiß Prof. Martin Smollich. Dann sind Medikamente gefragt.

DER 7-TAGE-ERNÄHRUNGSPLAN FÜRS HERZ

Diese Gerichte können Sie nach Herzenslust genießen! Unsere Ideen sind von der gesunden Mittelmeerküche inspiriert – ihre Zutaten sind gut für die Gefäße

Die Rezepte finden Sie auf unserer Internetseite, Adresse siehe Seite 3

MONTAG

Frühstück Haferflocken-Müsli mit Naturjoghurt, Walnüssen und saisonalen Früchten

Mittagessen Rotbarschfilet mit Senf-Zitronen-Kruste und Petersiliensauce, Chiligemüse und Dampfkartoffeln Abendessen Lauwarmer Tomatensalat mit Mozzarella, Basilikum und geröstetem Brot

DIENSTAG

Frühstück Vollkornbrötchen mit Birnen-Quark-Aufstrich

Mittagessen Rosmarin-Kartoffel-Pfanne mit geriebener Zitronenschale

Abendessen Bulgursalat mit Gemüse, Radieschen, Gurken und gebratenem Geflügel

MITTWOCH

Frühstück Müsli mit Quark und saisonalen Früchten

Mittagessen Grilltomaten mit Knoblauch und Pesto auf Zwiebelgemüse mit Lorbeer und Rosmarin

Abendessen Feigensalat mit Vanille-Orangen-Quark und gehackten Mandeln

DONNERSTAG

Frühstück Tomatenbrot mit Zwiebeln und Basilikum

Mittagessen Reisküchlein mit Keimen und gebratenen Pilzen

Abendessen Zanderfilet mit Blattspinat, Pinienkernen und gebratenen Kirschtomaten

FREITAG

Frühstück Vollkornbrot mit Quark

Mittagessen Lachssteak mit gebratenem Gemüse und Zitronen-Senf-Dillsauce

Abendessen Pellkartoffeln mit Gurken-Dill-Dip

SAMSTAG

Frühstück Honig-Quark mit saisonalen Früchten

Mittagessen Pfannengemüse mit frischen Kräutern

Abendessen Nudelsalat mit Kürbis, Avocado, Radicchio und Sardellen

SONNTAG

Frühstück Vollkornstange mit Feta, Gurkenwürfeln, Tomatenwürfeln und Pesto

Mittagessen Kaninchenkeulen aus dem Ofen mit Quitten, Zimt, Tomaten, Paprika und Fenchel

Abendessen Roter Linsensalat mit Gemüse, Äpfeln, Sardellen und Chili-Mozzarella

Quellen: Gerald Wüchner: „Mediterrane Küche. Genuss und Chance für Ihr Herz“, 23 Euro und „Salat & Co. Abwechslungsreich, frisch, bunt und gesund“, 14,95 Euro. Beide Bücher sind plus Versand erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung, www.herzstiftung.de

Fette in Fast Food

Fertigprodukte wie Pommes, Chips oder Donuts enthalten meist eine hohe Menge an künstlich hergestellten ungesättigten Fettsäuren, sogenannte Transfette (TFA).

Diese erhöhen das schlechte LDL-Cholesterin im Blut, senken das gute HDL-Cholesterin und vergrößern so das Risiko für Herzkrankheiten. Immerhin: Seit April 2021 hat die EU den Grenzwert für künstlich hergestellte TFA in Lebensmitteln auf maximal zwei Gramm pro 100 Gramm Fett festgelegt.

Sogenannte Statine hemmen die Cholesterinbildung in der Leber und helfen außerdem vor gefährlichen Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßen. Auch andere Mittel wie sogenannte PCSK9-Hemmer, die alle zwei Wochen gespritzt werden müssen, reduzieren erhöhte Cholesterinwerte. Ob eine familiäre Vererbung vorliegt, lässt sich mit einem Lipoprotein-Test beim Arzt herausfinden (Kosten: ca. 40 Euro).

Die Ernährung ändern

Damit es dauerhaft gelingt, ausgewogen zu essen, kann es sinnvoll sein, sich von Ernährungswissenschaftlern oder Diät-Assistenten unterstützen zu lassen. Susanne Schmidt-Tesch ist Ernährungsberaterin an der Ernährungsambulanz der Technischen Universität München und erarbeitet mit ihren Patienten einen individuellen Essensplan – angepasst daran, wie groß sie sind, was sie gern essen und was sie gut vertragen. „Wir orientieren uns dabei an einer frischen, pflanzenbetonten und ballaststoffreichen Kost. Je nach Ausgangsgewicht ist die Energiezufuhr in den ersten Wochen oder sogar Monaten auf bis zu 1 200 Kilokalorien begrenzt“, erklärt die Ökotrophologin. Viele Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für die Einzelberatungsstunden ( jeweils ca. 60 – 100 Euro) oder mehrmonatige Gruppenkurse (ca. 500 Euro).

„ Bessere Ernährung hilft meinem Herz"

Ingeborg Trenck (75) änderte ihr Essverhalten und nahm ab

Wie wertvoll eine fachkundige Hilfe sein kann, weiß Ingeborg Trenck aus Germering bei München. Sie geht seit Herbst 2021 regelmäßig zur Ernährungssprechstunde bei Susanne Schmidt-Tesch. „Ich habe mir früher große Portionen gegönnt und vor allem bei Nudeln oder Kartoffeln gern mal nachgenommen. Zudem gab’s abends eine üppige Brotzeit, das ließ auf Dauer die Kilos wachsen – und mein Herz leiden“, erzählt die 75-Jährige. Ihr Blutdruck, aber auch das schlechte LDL-Cholesterin waren irgendwann viel zu hoch. „Mein Blutzucker ergab sogar Prädiabetes, eine Vorstufe der Zuckerkrankheit“, erzählt die Bayerin. „In diesem Moment wusste ich: Ich muss etwas ändern!“

Die Folgen von Corona

Das Corona-Virus attackiert in manchen Fällen auch das Herz. So zeigte eine US-Studie, dass bis zu 20 Prozent der Covid-Patienten im Krankenhaus Probleme wie Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelentzündungen hatten. Zudem können sich bestehende Herzkrankheiten durch den Infekt noch weiter verschlimmern.

Ingeborg Trenck lernte schnell, dass auch eine leichte Kost Genuss und Sättigung verspricht. Heute nutzt sie neben ihrem detaillierten Mahlzeiten-Plan auch ein Ernährungs-Tagebuch zum Abnehmen. „Das Dokumentieren motiviert mich sehr.“

In den vergangenen sechs Monaten nahm Ingeborg Trenck so bereits zehn Kilo ab. „Noch mal so viel muss runter, damit ich wieder Normalgewicht habe“, sagt sie. Die 75-Jährige hofft, dann auch das blutdrucksenkende Medikament absetzen zu können, das sie bislang täglich einnimmt. „Ich bin auf jeden Fall froh darüber, dass ich selbst aktiv geworden bin und etwas gegen mein Übergewicht unternommen habe. Schließlich möchte ich, dass mein Herz so lange wie möglich gesund bleibt.“

Bernhard Hobelsberger

DAS RISIKO SENKEN

Das können Sie tun, um Ihr Herz zu stärken

AUSREICHEND SCHLAFEN Wer nachts lange und gut schlummert (mind. 6 Stunden), läuft weniger Gefahr, Bluthochdruck und andere Herzleiden zu bekommen.

WASSER TRINKEN Bereits ein leichter, unbemerkter Flüssigkeitsmangel erhöht auf Dauer die Natrium-Konzentration im Blut und damit das Risiko für eine Herzschwäche. Pro Tag sind 1,5 Liter ein Muss. Gut zu wissen: Kalkhaltiges Wasser aus dem Hahn lässt die Herzkranzgefäße nicht verkalken!

SPAZIEREN GEHEN Drei Stunden Fernsehen soll das herzbedingte Sterberisiko um 54 Prozent erhöhen. Schuld daran ist wohl fehlende Bewegung. Ein Ausgleich zum Couch-Abend: täglich 10 Minuten zügig spazieren gehen. Das senkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen (und Diabetes) um 20 Prozent.