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So bleibt Ihre Lunge gesund


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natürlich gesund und munter - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 17.02.2022

TITELTHEMA / LUNGE

Es gibt vieles, was Sie tun können, um das feingliedrige zarte Organ Lunge zu schützen und zu stärken. Ob Asthma bronchiale, Allergisches Asthma, COPD oder Chronische Bronchitis, ob zur Vorbeugung von Infekten oder zum Auskurieren von Lungenerkrankungen: Der Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle – im Positiven wie im Negativen. „So kann Schlafmangel und Stress Asthma verstärken“, erklärt der Pneumologe Dr. Volker Brauner. Guter, ungestörter Schlaf ist hingegen nicht nur für die Wärmeregulation der Schleimhäute enorm wichtig. Er führt auch zu einer besseren Regulation des Immunsystems – und ein gutes Immunsystem fördert wiederum die Lungengesundheit.

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Bildquelle: natürlich gesund und munter, Ausgabe 2/2022

Brokkoli aktiviert ein Gen, das die Lunge vor den Auswirkungen von Luftverschmutzung und Rauchen schützt. Je mehr Sie davon essen ? am besten täglich ? desto besser.

Warum ein gutes Immunsystem die Lunge schützt

DER GRUND, WARUM DIE LUNGE von einer starken Abwehr profitiert, liegt im Darm, in dem 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen beheimatet sind. Das Immunsystem in der Darmflora ist mit den ...

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DER GRUND, WARUM DIE LUNGE von einer starken Abwehr profitiert, liegt im Darm, in dem 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen beheimatet sind. Das Immunsystem in der Darmflora ist mit den Schleimhäuten in Nase-, Mund oder Bronchien eng vernetzt. Erstaunlicherweise hat die chinesische Medizin schon vor 3000 Jahren erkannt, dass Lunge und Dickdarm als Bruder und Schwester in enger Verbindung stehen. Warum das so ist, hat die Medizinwissenschaft erst in den letzten Jahren erforscht und besser verstanden. „Sowohl die Lunge als auch der Darm haben denselben embryonalen Ursprung“, erklärt der Pneumologe Dr. Martin Ehlers. Beide entwickeln sich aus dem embryonalen Urdarm, beide verfügen über röhrenförmige Hohlräume und eine Schleimhaut mit einem hochaktiven Mikrobiom. Zudem produzieren in beiden Organen die ansässigen Bakterien die kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Propionat und Butyrat, die sogenannten SCAFs. Diese festigen die Verbindungen zwischen den Epithelzellen der Schleimhaut, die sogenannten Tight junctions.

Wie Ernährung die Lunge stärkt

„Da beide Organe über die Darm-Lungen-Achse miteinander verbunden sind, kann erstaunlicherweise auch die Ernährung die Lungengesundheit positiv beeinflussen“, so der Dr. Ehlers, der auch vermutet, dass dieser Kommunikationsweg ebenso in umgekehrter Weise, also von der Lunge zum Darm, funktioniert. Beide Organe profitieren gleichermaßen von einer gemüse- und obstreichen Ernährung sowie vom Verzehr von Nüssen und Vollkornprodukten. „Die Ernährung ist bei allen Lungenkranken ein großes Thema“, bestätigt auch der Lungenspezialist Dr. Volker Brauner. Eine Umstellung auf mediterrane Kost könne nicht nur zu Beginn einer Lungenerkrankung von Nutzen sein, sondern spiele auch bei fortgeschrittener Erkrankung eine große Rolle. Es gibt noch eine Reihe weiterer Nahrungsmittel, die die Gesundheit der Lunge stärken.

Brokkoli als Gemüse gilt in Punkto Lungengesundheit als das Nonplusultra. Er enthält besonders viel Sulforaphan, ein Flavonoid, das nachweislich die Lunge vor Schadstoffen schützt, so das Ergebnis einer Doppelblindstudie aus China, die in einer schnell wachsenden Industrieregion durchgeführt wurde.

Präbiotika aus Chicorée, Knoblauch und Zwiebeln, Lauch und Artischocken, Schwarzwurzeln sowie Topinambur liefern den nützlichen Bakterien das perfekte Futter, denn bei deren Abbau entstehen die wertvollen SCAFs.

Probiotika unterstützen die Vielfalt des Mikrobioms. Ob in fermentierten Milchprodukten wie Buttermilch, Joghurt, Kefir, beziehungsweise in rohem, eingelegtem Sauerkraut oder im Brottrunk – in all diesen Lebensmitteln tummeln sich jede Menge Bakterien, die sowohl die Darmflora als auch das Lungenmikrobiom unterstützen.

D-Mannose fördert das Wachstum der nützlichen Bakterien. Enthalten ist sie in Blau-, Stachelund Preiselbeeren sowie Kohlgemüse und Bohnen. Auch gut: Pektin aus Äpfeln.

Spermidin unterstützt die Zellen dabei, beschädigte Teile loszuwerden. Dadurch kann es sogar helfen, bereits eingedrungene Sars-CoV-2 Viren abzuwehren. Deutsche Wissenschaftler konnten jedenfalls in einem Experiment nachweisen, dass Spermidin das Wachstum von Coronaviren in bereits infizierten Zellen hemmt. Dr. Ehlers rät deshalb, täglich Nahrungsmittel mit viel Spermidin zu verzehren. Hochkonzentriert sei es in Weizenkeimen enthalten. Gute Quellen sind auch Sojabohnen, Kürbiskerne, Pilze, Nüsse, Erbsen, Brokkoli, Blumenkohl, Mango, Äpfel und manche Käsesorten.

Dinner Cancelling erleichtert die Atmung

Extra-Tipp des Lungenspezialisten Dr. Martin Ehlers: Wer abends auf eine Mahlzeit verzichtet, pflegt damit den großen Hauptatemmuskel, das Zwerchfell. Er kann sich gut erholen, wenn der Oberbauch leer ist und er beim Einatmen auf keinen mechanischen Widerstand stößt. Von der Entlastung des Zwerchfells profitieren vor allem Menschen mit chronischer Lungenerkrankung wie COPD oder Asthma.

Wie Sie Virusinfekten vorbeugen können

IN DIESEN MONATEN, in denen nicht nur Erkältungen und Virusgrippe drohen, sondern auch die Gefahr sehr groß ist, sich mit einem Coronavirus anzustecken, ist es besonders wichtig, die Schleimhäute sowie die eigenen Abwehrkräfte zu stärken.

Zink und Vitamin D3 tragen nachweislich dazu bei, die Infektanfälligkeit zu vermindern. Während Vitamin C und Zink schon vorbeugend eingenommen werden können, sofern man sich an die jeweiligen Empfehlungen zur Dosierung hält, ist es laut Dr. Volker Brauner prinzipiell ratsam, den Vitamin- D3-Wert zuvor im Labor bestimmen zu lassen. Bei niedrigen Spiegeln seien höhere Gaben (bis zu 20 000 Einheiten) erforderlich. Wer den Wert nicht im Rahmen einer Blutanalyse bestimmen lässt, könne täglich ohne Bedenken 2000 Einheiten einnehmen. Vor einer Überdosierung müsse man sich nicht fürchten. Nur bei einigen Erkrankungen wie bestimmten Nierensteinleiden sei eine Einnahme von Vitamin-D3-Präparten allerdings nicht verträglich. In diesem Fall sollte der Arzt unbedingt zuvor konsultiert werden.

Bewegung an der frischen Luft – am besten täglich – aktiviert die Durchblutung der Schleimhäute in der Nase und den Atemwegen. Besonders empfehlenswert: Spaziergänge am Meer, und zwar möglichst nah an der Meeresbrandung, oder im Wald. Am Meer schwirren feinste, salzhaltige Aerosole durch die Luft. Sie gelangen mit jedem Atemzug über Nase und Rachen tief in die Atemwege. Dort verbessern sie die Durchblutung und lindern Entzündungen und Schwellungen. Auch Allergiker und Menschen mit COPD, Asthma oder Bronchitis profitierten von dem reinigenden Effekt der Aerosole. Im Wald nehmen die Lungen Millionen Botenstoffe auf, die von den Bäumen produziert werden, um sich vor Erregern und Schädlingen zu schützen. Diese Phytonzide lassen auch beim Menschen die Zahl der Killerzellen ansteigen. Das verringert die Chancen zur Wirkung von Bakterien und Viren beträchtlich.

Saunieren aktiviert nicht nur die Immunzellen, die Hitze fördert auch die Durchblutung der Schleimhäute, erklärt Dr. Ehlers. Bei einem Saunaaufguss steigt zudem die Luftfeuchtigkeit deutlich an. Festsitzendes Sekret in den Atemwegen löst sich, und die Atmung fällt leichter. Wer sich nach dem Saunagang mit kaltem Wasser abkühlt, trainiert die Schleimhautdurchblutung und macht sie weniger erkältungsanfällig.

Regelmäßiges Lüften sorgt für eine höhere Feuchtigkeit in den Innenräumen und somit für eine bessere Befeuchtung der Atemwege. Auch Zimmerpflanzen wie Zyperngras, echter Papyrus, Zimmerlinde und Zimmerbambus sorgen für mehr Luftfeuchtigkeit. Ideal sind 40 bis 60 Prozent.

Gute Luft für Ihr Zuhause

Natürliche Aromaöle wie Zitrone, Orange, Weißtanne und Thymian (Demeter-zertifiziert von Taoasis; in Bioqualität, zum Teil aus kbA, von Primavera) reinigen die Raumluft und können sogar die Zahl der Erreger reduzieren, übrigens auch der Sars-CoV2-Viren. Anwendung: Mischen Sie die Öle in einer 5-ml-Braunglasflasche und geben Sie circa 5-8 Tropfen in einen Vernebler oder ins Wasser einer Duftlampe.

Wenn es Sie doch erwischt hat

SOWOHL BEI EINER VIRUS-GRIPPE als auch bei der Covid-19-Infektion ist Bett- oder zumindest körperliche Ruhe, also Schonung, wichtig. Außerdem ist digitales Detox angesagt, denn Reizüberflutung gilt es ebenso zu vermeiden wie Stress. Außerdem sollten Betroffene heißen Kräutertee trinken, um die Durchblutung der Schleimhäute zu verbessern. „Je höher das Fieber, desto mehr muss getrunken werden“, so Dr. Ehlers.

Immunstärkende Mittel: Während es bei einem grippalen Infekt kaum einer weiteren Behandlung bedarf, hält es der Lungenarzt Dr. Volker Brauner im Fall einer Virusgrippe und einer akuten Bronchitis für ratsam, die Immunkräfte anzukurbeln. Auf Wunsch erhalten seine Patienten per Infusion eine hohe Dosis Vitamin C. Bei Infekten verordnet er gern die Heilpflanze Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoide), da sie die Dauer eines Virusinfekts verkürzen und die Symptome lindern kann.

Schleimlösende Mittel: Bei einer akuten Bronchitis haben sich schleimlösende pflanzliche Mittel, etwa Eukalyptusextrakte, als lindernd erwiesen. Bei Husten hilft Saft aus pflanzlichen Mitteln wie Spitzwegerich, Thymian oder Efeu. Dr. Brauner rät, diese anfangs möglichst hochdosiert einzunehmen.

Wickel und Auflagen: In der Anthroposophischen Medizin zählen Auflagen mit ätherischen Ölen wie Thymian und Lavendel zu den bewährten und effektiven Behandlungsmethoden. Während bei starkem Husten mit Auswurf eine Auflage auf den Brustkorb mit Thymianöl lindernd wirkt, wird bei trockenem Husten stattdessen Lavendelöl empfohlen. Geht eine Bronchitis mit hohem Fieber einher, kann mit einem Senf- oder Ingwer-Brustwickel einer Lungenentzündung vorgebeugt werden. Der Wickel steigert die Durchblutung und Stoffwechseltätigkeit und führt zu einer besseren, sprich tieferen Atmung. Aus diesem Grund vermag ein solcher Wickel auch die Atembeschwerden bei einer chronischen Bronchitis, bei Asthma und sogar bei COPD zu lindern. Die ätherischen Öle im Senfmehl dringen schnell ein und lösen ein intensives Wärmegefühl aus. Damit es bei der Anwendung nicht zu Verbrennungen kommt, ist es wichtig, die Hinweise genau zu befolgen. Anleitungen finden Sie beispielsweise auf www.anthromedics.com.

Ein altes Hausmittel sind auch Brustwickel mit erwärmtem Oliven- oder Sonnenblumenöl. Begünstigt durch die Wärme des Brustwickels dringt das Öl besser in den Körper ein und sorgt dort dafür, dass sich zäher Schleim wieder verflüssigt. Um Verbrennungen zu vermeiden, sollten Sie das Öl nicht zu stark erhitzen.

Überwärmungsbad: Ist das Fieber abgeklungen (unter 38 °C) kann nach Auskunft von Dr. Brauner auch diese traditionelle Behandlungsmethode zu schneller Erholung führen. Während Sie in der heißen Badewanne liegen, trinken Sie zusätzlich schluckweise heißen Lindenblütentee. Durch diese Schwitzkur steigt die Zahl der Leukozyten im Blut an und das Immunsystem wird aktiviert. Der Schleim in Nase und Bronchien beginnt sich zu lösen.

Was tun bei einer Covid-19-Infektion?

Während Ärzte ganz gut wissen, wie sich die Beschwerden bei Bronchitis, Erkältung oder Influenza lindern lassen, fehlt es ihnen bei der Behandlung von Coronainfektionen schlichtweg noch an Erfahrung. Bei 80 Prozent der Patienten verläuft die Erkrankung zum Glück milde. Dabei kommt es zu ähnlichen Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt: Husten, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Daher sind auch dieselben symptomlindernden Maßnahmen und schleimlösenden Mittel wirksam. Die Anthroposophische Medizin nennt in ihren Empfehlungen zudem zwei Mittel, die auch bei Erkältung und leichten grippalen Infekten empfohlen werden:

Sind die unteren Atemwege nicht infiziert, empfiehlt Dr. Christian Grah, Leiter der Pneumologie am Krankenhaus Havelhöhe, bei mäßigem Fieber und Gliederschmerzen Infludo Mischung (von Weleda). Die Kombination der Auszüge etwa aus Aconitum napellus, Eukalyptus, Ferrum phosphoricum und Bryonia bremst das Fortschreiten der Infektion im Bereich der unteren Atemwege und reguliert das Fieber, senkt es aber nicht (Dosierung: fünfmal täglich zehn bis 15 Globuli).

Bei Kopf- und Gliederschmerzen kann zusätzlich Gelsemium comp. Globuli velati (von Wala) eingenommen werden. Dosierung: fünfmal täglich zehn Streukügelchen.

Wieder richtig atmen lernen

WER EINE BRONCHITIS, einen grippalen Infekt, oder eine Virusgrippe überstanden hat, kann danach meist wieder normal atmen. Anders ergeht es Menschen, die Asthma bronchiale, chronische Bronchitis oder COPD haben. Sie leiden weiter unter Atemnot, der Dyspnoe. Dadurch gelangt zu wenig Sauerstoff in das Blut. Ist der natürliche Atemfluss gestört, wird zudem nicht genug Luft ausgeatmet. Die zarten Lungenbläschen blähen sich auf und kollabieren schlimmstenfalls. Nach und nach wird so immer mehr Lungengewebe zerstört. Gezieltes Atemtraining, angeleitet durch einen Therapeuten, kann das verhindern. „Wer das achtsame Atmen übt und es somit versteht, die Kraft und Riesenkapazität der Lunge richtig zu nutzen, kann sich seinen eigenen Himmel schaffen“, davon ist Dr. Christian Grah überzeugt. Die Kondition und der allgemeine Gesundheitszustand werden besser, zudem kann die spirituelle Erfahrung Lungenpatienten dabei helfen, ihre Erkrankung besser zu akzeptieren und mit den Belastungen der Erkrankung zurechtzukommen. So fühlen sich Asthmatiker oder Menschen mit chronischer Bronchitis meist nach einem halben Jahr Atemtraining deutlich vitaler. Auch für Long-Covid- Patienten ist die Atemtherapie neben dem Aufbau der Stützmuskulatur im Bereich des Brustkorbs eine erfolgversprechende Maßnahme. Sie vertieft nicht nur die Atmung, sondern wirkt auch dem Fatigue Syndrom und der Verhärtung der Lunge, der Lungenfibrose entgegen.

Der Lungenmediziner Dr. Martin Ehlers ist davon überzeugt, dass wir die Lunge auch im Alltag und ohne erkrankt zu sein als wichtigsten Grenzposten stärken müssen. Auch wenn man subjektiv keine Atemprobleme hat, lohnt sich die Beschäftigung mit der Atmung. „Wer sich seiner Atmung bewusst zuwendet, lenkt den Blick auf sein Innerstes. Bewusstes Atmen, also ein bewusstes Steuern der Atemströme, bringt uns zu geistiger Ruhe und emotionaler Ausgeglichenheit.“ Davon profitiert nicht nur die Lunge selbst, sondern der ganze Organismus.

Auflagen mit ätherischen Ölen sowie Brustwickel zählen zu den effektivsten Methoden einer naturheilkundlichen Behandlung. Nach Abklingen des Fiebers kann auch ein Überwärmungsbad die Genesung fördern.

Wer sich seiner Atmung bewusst zuwendet, lenkt den Blick auf sein Innerstes.