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SO FAHREN WIR 2072


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Auto Bild Spezial TÜV Report - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 12.11.2021

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Bildquelle: Auto Bild Spezial TÜV Report, Ausgabe 1/2022

Zukunftsvisionen, wie wir einmal fahren und reisen werden, gab es auch früher schon. Ende der 1950er-Jahre glaubte man etwa an fliegende Autos, Turbinen-Pkw, Schwebebahnen in der Wüste oder atombetriebene Züge und Flugzeuge.

Heute bestimmen der Klimawandel und die Endlichkeit der Ressourcen die mobile Entwicklung. Wir stehen erst am Anfang der verkehrstechnischen Umgestaltung von Städten. E-Mobilität, fahrerlose Transportsysteme, vernetzte Fahrzeuge sind die Entwicklungen für morgen. Das wirft neue Fragen auf: Welchen ethischen Grundsätzen werden selbstfahrende Autos unterliegen? Wem gehören die Daten? Wie sehen zukünftig Autos aus? Vielleicht wie dieser hier vorgestellte Langstrecken-Tourer? Und wie fliegen wir in den Urlaub? Mit dem Luftschiff? Tauchen Sie ein in die mobile Welt von übermorgen …

Das Modulauto der Zukunft

Im Jahr 2072 wird es noch immer Autos geben. Eine Fahrzeuggruppe könnte wie ...

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... dieser große Überland-Reisewagen „Grantour“ (siehe links) aussehen – ein emissionsfrei angetriebenes, autonomes, auf maximal 150 km/h ausgelegtes Fahrzeug mit Option zum Selbstfahren. Der kompakte Radnabenmotor (an allen vier Rädern) bildet mit der sehr großen lenkbaren 29-Zoll-Felge eine Einheit. Flache Reifen aus recyceltem Material verfügen über eine erneuerbare schmale Lauffläche, der Reifenabrieb ist organisch abbaubar. Auf allen Glasflächen befinden sich lichtempfindliche Solarzellen. Der Grantour besteht aus drei Modulen: Front- und Heckmodul sind identisch und dienen als Antriebseinheit, Kofferraum und Batterielager. Die wohnliche Fahrgastzelle und Steuerzentrale im Mittelmodul ist in verschiedenen Längen wählbzw. austauschbar und bietet viel Platz zum Sitzen, Liegen und Verstauen. Im Überlandmodus dockt das Fahrzeug für den Datenaustausch an das intelligente Straßenleitsystem an. Gebaut als Gemeinschaftsproduktion der großen Autofirmen, hat jede Marke dennoch ihr eigenes Gesicht, hier als VW. Sichtbare Kfz-Kennzeichen gibt es nicht mehr, das Fahrzeug wird online in einer digitalen Datenbank geführt.

Das Reisetempo sinkt

Wie wir heute schon an der Mobilitätswende ablesen, werden Fahrzeuge in 50 Jahren wahrscheinlich elektrisch angetrieben – unabhängig davon, welche Speichertechnologie, etwa Brennstoffzelle oder Batterie, an Bord ist.

Ich tippe auf Elektromotor und Batterie. Entsprechend werden die Fahrzeuge andere Karosserie- und Designkonzepte als heute haben. Design unterliegt Moden, es wird sicher stromlinienförmig sein, smarte Oberflächen bestimmen den Innenraum. Da nicht unendlich viel regenerativ erzeugte Energie zur Verfügung steht, sind Größe und Effizienz der Autos entscheidend. Wir werden darauf achten, dass sie klein sind, digital vernetzt und aus nachwachsenden Rohstoffen, die nach der Nutzung wiederverwertet werden. Für jede Komponente eines Fahrzeugs sind geschlossene kreislaufökonomische Systeme nötig. In urbanen Regionen wird es statt privater Automobilität Fahrzeuge geben, die über Flotten betrieben und im Verbund neben Systemen des Öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt werden. Für die erste und letzte Meile wird es flexible Angebote geben wie Mikromobilität, Fahrräder, Carsharing für den Transport oder Ridesharing, bei dem Flotten von kleinen, elektrisch angetriebenen Fahrzeugen im Dauerbetrieb fahren, um kleinere Gruppen von Menschen zu transportieren. Solche Fahrzeuge müssen digital vernetzt und robust sein.

Sie können auch automatisiert fahren. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir Varianten mit Fahrern brauchen. Eine entscheidende Rolle wird die virtuelle Mobilität mit gut ausgerollten Dateninfrastrukturen spielen, so können wir CO 2 sparen. Es entstehen neue Wohnphilosophien, bei denen Wohnen und Arbeiten in neue Nachbarschaftsformen integriert werden. Man muss nicht mehr überall hinfahren: Das Dorf 4.0 ist digital gut eingebunden, zwei, drei Tage die Woche arbeitet man zu Hause mit virtueller Infrastruktur, die Kinder gehen ein, zwei Tage virtuell zur Schule. Per Lieferlogistik werden mir Dinge, die ich brauche, nach Hause gebracht.

Weil wir aber weiterhin kulturelle Globalität und junge Menschen brauchen, die durch die Welt reisen, kann es keine Lösung sein, das Fliegen aufzugeben. Es technisch sauberer zu machen, hat auch seine Grenzen. 2072 wird das Luftschiff den Massenverkehr bestimmen. Es braucht viel weniger Energie, da es Selbst auftrieb hat. Für den Vortrieb kann man regenerative Energie nutzen, etwa auf Grundlage von Brennstoffzellen. Es benötigt keine Landebahn, keine Infrastruktur wie Hochgeschwindigkeitssysteme, die hochenergetisch sind. Das kann nicht vernünftig sein, wenn zehn Milliarden Menschen um das knappe Gut der regenerativen Energie konkurrieren. Hochgeschwindigkeitsmobilität wird nur noch für politische und militärische Eliten, für kritische Transporte wie Organtransporte zur Verfügung stehen. Langsamere Verkehre, bei denen viele mit weniger Energieeinsatz mobil sein können, ist ein Konzept für die Zukunft.

SO FAHREN WIR 2072

Auto als Egomobil

Alle Zeichen sprechen dafür, dass die Lust am Autofahren in den nächsten 50 Jahren weiter zunimmt. Was dieses Mobilitätsbedürfnis am ehesten erklärt, ist die „Angst, etwas zu verpassen“. Viele haben die Befürchtung, geradezu am Leben vorbeizuleben, wenn sie sich nicht regelmäßig in Bewegung setzen.

Das E-Mobil hat höchste Priorität, was nicht weiter überrascht, weil die Fahrgewohnheiten nicht geändert werden müssen. Eine grundlegende Änderung der Kauf-, Konsumund Fahrgewohnheiten ist nicht in Sicht. Das Auto bleibt auch in Zukunft ein Multioptionsmobil, ein Egomobil, das fast alle individuellen Wünsche erfüllt. Das E-Auto wird 2072 an einer normalen Haushaltssteckdose aufladbar und für eine Durchschnittsverdiener- Familie mit Kindern finanzierbar sein sowie eine Reichweite von 400 km garantieren. Der Computer wird Zug um Zug das Steuer übernehmen: Joystick statt Lenkrad. Ein präzises Satelliten-Navigationssystem leitet dann das Auto auf schnellstem Weg an den Zielort: Infrarot-Scheinwerfer leuchten die Fahrbahn aus, an der Karosserie installierte Kameras erkennen Radfahrer und Fußgänger, Schlaglöcher und Wildwechsel lange vor dem Autofahrer. In den nächsten 50 Jahren wird der Mensch mit optischen und akustischen Reizen so überflutet, dass er nur noch auf immer massivere Reizanstürme mit echten Empfindungen reagieren kann. Als Ausweg bietet sich die Automobilität an, die neue Empfindungsqualitäten schafft: Veränderte Körperlagen (z. B. beim Kurvenfahren) können fast rauschartige Zustände auslösen, die viel unmittelbarer, vitaler und opiatähnlicher auf den Körper einwirken, als es akustische und optische Reize vermögen. So „entlasten“ sich etwa Jugendliche nach dem Open-Air- Konzert durch die Sensation der Bewegung beim Autofahren.

Die Hoffnung, dass im Zeitalter von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) neue Verkehrsleitsysteme eine Verkehrsreduktion bewirken könnten, erfüllt sich nicht. Gemeint ist Telematik, eine Verbindung von Telekommunikation und Informatik, womit der Straßenverkehr problemlos gesteuert werden soll. Dagegen spricht die Erfahrung, dass eine effizientere Verkehrsgestaltung die Verkehrsteilnehmer eher dazu animiert, mehr Autofahrten zu unternehmen. Der Tag ist nicht mehr fern, da wir im Auto mehr warten als fahren. Und damit wir das nicht als Stillstand des Lebens fürchten lernen, rüsten wir das Auto zum vielseitigen Erlebnismobil auf.

Die Zukunft gehört dem Caravaning zwischen Wohnwagen und Wohnmobil. Die neue Glücksformel lautet: „My Car is my Castle“.

Das Auto wird mehr Glücks- als Statussymbol sein: „Ich fahre – also bin ich“.

ProtokolleaufgezeichnetvonSabineFranz

Vielfältige Antriebe

Autos von morgen werden weder fliegen können noch Flügeltüren haben. Stattdessen werden wir für Kurzstrecken kleine, wendige Fahrzeuge nutzen, für längere Fahrten großräumige. Da man diese seltener benötigt, wird sich hierbei Carsharing durchsetzen, während kleine Autos im Besitz der Fahrer und Fahrerinnen bleiben. Fahrzeuge werden im Innenraum sehr übersichtlich und einfach zu bedienen sein, dazu ergonomisch ausgestattet. Edlere Materialien geben ein gutes Gefühl. Hohe Geschwindigkeiten spielen keine Rolle mehr. Ich sehe nicht, dass Elektromobilität die Hauptrolle spielen wird.

Wahrscheinlich werden wir unterschiedliche Antriebe haben. Auch werden die verschiedenen Fahrzeuggrößen unterschiedlich angetrieben. In Ländern mit viel Sonne dominiert Solarenergie. In Gegenden mit viel Wind kann man Energie für Elektroantriebe speichern. In Deutschland wird es auch auf Wasserstoffantriebe hinauslaufen. Die Großstädte werden 2072 keine reinen Fußgänger- und Fahrradinnenstädte sein, auch Automobilität wird stattfinden. Gegenseitige Rücksicht ist in den so genannten Shared Spaces nötig. Vor allem Mobilität, die mit wenig Raumanspruch realisiert werden kann, gewinnt an Bedeutung, etwa der Transport per Drohne. Auch wird es Lufttaxis geben, aber die Vision vom Himmel voller Lufttaxis wird keine Realität. Das wäre viel zu energieaufwendig. Im ÖPNV wird man mittelgroße, flexible Einheiten haben – sie holen die Menschen überall ab und bringen sie an Zielorte. Ein fester Fahrplan passt nicht mehr in die Arbeitswelt.

Zukünftige Transportmittel werden Menschen und Güter an Bord nehmen.

Seilbahnen könnten eine Alternative in Ballungsräumen sein, aber nur dort, wo Höhenunterschiede überbrückt werden müssen. Unterirdische Transportmittel sind denkbar, auch Hochgeschwindigkeitstransporte in abgegrenzten Bereichen. Transportfahrräder werden ein wichtiges Verkehrsmittel. Das individuelle Steuern von Autos wird es immer geben, auch wenn ÖPNV-Dienste oder Taxifahrten automatisiert erfolgen. Die Menschen genießen das Gefühl, das wird nicht verschwinden. Es wird auch weiterhin Menschen geben, die Oldtimer hegen und pflegen. Technikbegeisterte werden das Auto weiterentwickeln und dabei klarer trennen zwischen einem Auto zum Vergnügen und reinem Transportmittel. Dem traditionellen Autofahren aber könnte es ähnlich wie dem Reiten ergehen. Pferde waren früher die Hauptantriebsart, heute findet Reiten nur noch als Sport oder in der Freizeit statt. Fahrzeuge, wie wir sie kennen, könnten sich auf Renn- oder Crosstrecken zurückziehen.