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So fühlen unsere Katzen


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Geliebte Katze - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 06.12.2022

PSYCHOLOGIE

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Bildquelle: Geliebte Katze, Ausgabe 1/2023

Seien wir doch zunächst einmal ehrlich zu uns selbst: Gefühle und Emotionen bei einem menschlichen Gegenüber richtig zu deuten ist meist ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst uns nahestehende Personen geben uns oft durch ihr Verhalten und ihre Gefühlsregungen so einige Rätsel auf. Wie sollen wir dann erst die Emotionen von Tieren und Katzen im Besonderen verstehen? Ein grundlegendes Problem ist die unterschiedliche Kommunikation zwischen Mensch und Tier.

Was sind Emotionen?

Wo Menschen mit einer gemeinsamen Sprache und Gestik kommunizieren und so Gefühle verdeutlichen können, ist dies mit Katzen schwierig. Bevor wir die Gefühlswelt unserer Vierbeiner näher zu ergründen versuchen, sollten wir zunächst einmal den Begriff der „Emotionen“ definieren.

Laut Internet-Lexikon Wikipedia bezeichnet eine Emotion eine Gemütsbewegung im Sinne eines Affektes – also eine vorübergehende positive oder ...

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... negative Gemütserregung, die durch äußere Ursachen oder psychische Vorgänge ausgelöst wird. Der amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman, der besonders für seine Forschungen zur nonverbalen Kommunikation Berühmtheit erlangte, identifizierte anhand von Gesichtsausdrücken in empirischen Untersuchungen sieben Basisemotionen: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit und Überraschung. Unabhängig von den genannten zählen Liebe, Hass und Vertrauen zu den Grundgefühlen, die nicht unbedingt durch Gesichtsausdrücke erkennbar sind. Die Frage ist allerdings, ob diese Erkenntnisse auch auf Katzen anwendbar sind. Maßgeblich verantwortlich für die Entstehung und die Verarbeitung von Gefühlen bei Säugetieren ist das limbische System, das die sozialen Empfindungen wie Sorge um den Nachwuchs, Angst, Liebe, Lust und auch den Spieltrieb regelt. Bei Menschen und Katzen!

Das sagt die Wissenschaft

Das Gefühlsleben von Katzen wissenschaftlich zu erforschen ist keine leichte Aufgabe, Emotionen sind nur schwer methodisch messbar. Und manch Wissenschaftler hat bis heute Probleme damit, Tieren Emotionen überhaupt zuzugestehen. Dabei erregte bereits der britische Naturwissenschaftler Charles Darwin im 19. Jahrhundert Aufmerksamkeit mit seiner These, dass Tiere in der Lage sind, neben physischen Schmerzen auch psychische zu spüren. Im Laufe der Zeit setzte sich dann auch die Überzeugung durch, dass die Mehrzahl der Säugetiere nicht durch das gegenseitige Bekämpfen überlebt, sondern durch Kooperation und Fürsorge. Versuche an Säugetieren haben ergeben, dass Mitglieder einer Gruppe ihren Artgenossen auch dann halfen, wenn sie selbst keinen Nutzen davon hatten. Forscher der University of Chicago bestätigten durch ein Experiment, dass beispielsweise Ratten über Empathie verfügen. Also die Fähigkeit, Leid zu erkennen und sich gedanklich in dieses Lebewesen hineinzuversetzen.

Messung emotionaler Reize

Doch Emotionen auch mit belegbaren Zahlen zu bestätigen ist selbst mit Hightech nicht möglich. Allerdings ähneln sich diejenigen Hirnareale bei Katzen und Menschen, in denen Emotionen verarbeitet werden. Zudem reagieren sie auf emotionale Reize in vergleichbarer Art und Weise. Eine Messung dieser Gehirnströme ist zwar mittels Elektroenzephalogramm (EEG) möglich, jedoch besteht hierbei die Gefahr der Ergebnisverfälschung. Auf einen Menschen können wir im Vorfeld beruhigend einwirken, bei Katzen ist dies nur bedingt möglich. So ist in einem Versuch der Stresspegel hoch und dementsprechend die Messung schwierig. Welche Katze ist in einem solch ungewohnten Umfeld schon dazu in der Lage, Freude, Liebe oder Zuneigung auszudrücken. Wenn wir allerdings die Evolution betrachten, steht fest, dass Säugetiere – und somit natürlich auch Katzen – das Überleben ihrer Art aufgrund ihres Sozialverhaltens gesichert haben. Kurzum: Gefühle gestalten das Leben der Vierbeiner nicht nur angenehm, sie bewahren sie auch vor dem Aussterben. Doch wie zeigen sich diese Emotionen?

Gut beobachtet

Am besten geeignet ist das Beobachten der Katzen in ihrer gewohnten Umgebung – im Alltag mit uns. Natürlich besteht auch hier die Gefahr einer falschen Deutung. Schließlich neigen wir zur Vermenschlichung und ziehen daraus eventuell Schlüsse, die wissenschaftlich nicht belegbar sind. Aber wer könnte besser die Gefühle von Katzen beschreiben als wir Halter. Schließlich leben wir tagein, tagaus mit ihnen. Oder besser gesagt: Meist dürfen wir die positiven Emotionen unserer Lieblinge spüren, müssen aber ab und zu auch die negativen ertragen … Gefühle äußern sich bei Katzen – und das müssen wir Menschen zu Beginn unseres Katzenhalterdaseins erst noch lernen – durch Körpersprache, Gesichtsausdruck, Bewegung oder sogar Lautsprache. Doch fangen wir natürlich mit den positiven Dingen an. Beispielsweise mit einer der schönsten Emotionen: Freude.

Jetzt fängt der Spaß an

Wir alle kennen dieses Szenario: Nach einem arbeitsreichen Tag kommen wir zurück nach Hause, öffnen die Haustür und da steht sie dann. So als hätte sie dort die ganze Zeit nur auf uns gewartet. Sehnsüchtig werden wir von unserer lieben Katze mit hoch erhobenem Schwanz begrüßt. Und ihre Freude über das Wiedersehen mit uns zeigt sie sehr deutlich – wenn sie nicht gerade zu der Spezies gehört, die sich zwar kurz zeigt, aber tief beleidigt aufgrund unserer Abwesenheit uns erst einmal nicht mehr beachtet.

Zurück zur Freude: Neben dem Reiben des Köpfchens an unseren Beinen wird häufig laut und intensiv geschnurrt. Nicht selten dauert diese freudige Begrüßung mehrere Minuten an – einschließlich wilder Hatz durch die ganze Wohnung. Ganz so, als müsste sie uns beweisen, wie toll sie doch ist und was wir ohne sie natürlich verpasst haben. Die Freude bricht quasi aus ihr heraus, die freigesetzte Energie mündet in wilder Hatz. Inklusive anschließendem genüsslichen Räkeln und Herumrollen auf dem Boden.

Wir spüren in diesem Moment ganz einfach, dass sich unsere Katze freut, uns wiederzusehen, und uns vermisst hat. Doch nicht nur bei der Begrüßung zeigen Katzen ihre Freude. Es gibt beispielsweise auch jene Momente, in denen uns Katzen zublinzeln. Für Katzen ist dies ein freundliches Lachen, wenn sie sich wohlfühlen und ihrem menschlichen Gegenüber das auch zeigen möchten. Wenn sie sich dann noch eng an uns herankuscheln, ist das ein Zeichen von wahrer Liebe …

Neid und Eifersucht

Neben den überwiegend schönen Emotionen, die uns Katzen schenken, gibt es allerdings auch manchmal Ärger, Neid und Eifersucht. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Je enger die emotionale Bindung zwischen Katze und Mensch ist, desto eher kann sich die Katze benachteiligt fühlen und eifersüchtig reagieren. Oftmals entsteht Eifersucht, wenn eine neue Katze einzieht und die dort bereits lebende fürchtet, nun ins Hintertreffen zu geraten. Aber auch wenn menschlicher Nachwuchs das Licht der Welt erblickt oder ein weiterer Mensch ins Katzenreich einzieht, keimt das Gefühl von Eifersucht und Neid. Eifersucht ist ein sehr vielschichtiges Gefühl, das bei Katzen Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst hervorruft. Sie erkennen sie daran, dass Ihre Katze mit Fauchen, Kratzen oder sogar Beißen auf die neue Situation reagiert. Ebenfalls möglich sind veränderte Verhaltensweisen wie das Klettern in Gardinen oder das Springen auf Tische. Bei diesen Emotionen ist leider auch immer wieder unerwünschtes Verhalten ein Thema. So können aus Eifersucht Protestmarkieren oder das Zerkratzen von Möbelstücken entstehen. Sensiblere Katzen ziehen sich oft zurück, leiden an Appetitlosigkeit und allgemeinem Unwohlsein und verfallen in Apathie.

Nicht selten können hierbei gesundheitliche Erkrankungen auftreten, weswegen Sie Ihre Katze genau beobachten und zur Vorsicht auch vom Tierarzt untersuchen lassen sollten. Apathie und eine verminderte Nahrungsaufnahme können aber auch ein Zeichen für Trauer sein.

In allen Fällen heißt es: Gehen Sie behutsam vor und geben Sie Ihrer Katze Zeit, mit der neuen Situation umzugehen. Gerade jetzt braucht sie Ihre volle Aufmerksamkeit und Liebe.

Ich trauere um dich

Trauer ist keine schön anzusehende Emotion, dafür kann diese aber umso intensiver ausfallen. Katzen trauern nachweislich, wenn ein geliebter Mensch oder auch ein Artgenosse verstorben ist. Sie kennen sicher diese rührselige Geschichte aus Indonesien: Auf der Insel Java hat eine Katze über ein Jahr lang auf dem Grab um ihre tote Halterin getrauert. Nur zum Fressen verließ sie das Grab, und auch das Angebot eines neuen Zuhauses schlug sie in ihrer Trauer aus. Herzzerreißend! Erkennen können Sie Trauer beispielsweise an einem verminderten Spieltrieb, an der gebeugten Körperhaltung oder auch an Stimmungsschwankungen der Vierbeiner. Sie erscheinen regelrecht depressiv.

Es ist auch schon beobachtet worden, dass Katzen miauend umherlaufen und den Partner verzweifelt suchen. Laut einer Studie der „American Society for the Prevention of Cruelty to Animals“ fressen Katzen nach dem Tod eines Artgenossen weniger, schlafen länger und häufiger und machen mehr Lärm.

Allerdings: Alle 160 untersuchten Katzen kehrten nach sechs Monaten zu ihren vorherigen Gewohnheiten zurück, die Trauer war überwunden. Wie auch bei Eifersucht sind Liebe, Verständnis und intensive Streicheleinheiten probate Heilmittel, um das Seelenleben Ihrer Katze wieder geradezurücken. Bachblüten und homöopathische Mittel können ebenfalls sehr hilfreich sein. Lassen Sie sich von dem Tierarzt Ihres Vertrauens oder einem zertifizierten seriösen Tierheilpraktiker beraten.

Ganze Gefühlswelten

Der Neurologe und Psychologe Joseph LeDoux von der New York University beschreibt den tierischen Gefühlshaushalt so: „Ich glaube zwar, dass Ratten und andere Säugetiere, vielleicht sogar Schaben, Empfindungen haben – aber ich wüsste nicht, wie ich das beweisen sollte.“ Das muss er aber auch gar nicht. Wir Katzenhalter wissen und spüren, dass unsere geliebten Vierbeiner voll und ganz dazu in der Lage sind, uns ihre Emotionen mitzuteilen. Und darauf freuen wir uns jeden einzelnen Tag!