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So geht Teilzeit


myself - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 11.11.2020

Weniger arbeiten, mehr leben – das wollen viele. Mit diesen Tipps könnte es klappen


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Strikt zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen ist im Alltag nicht immer leicht. Ein Weg zu mehr Flexibilität: Teilzeitmodelle.


FOTOS: Tobias Hauser

Wo endet Vollzeit, wo beginnt Teilzeit?

Banale Frage? Gar nicht. Denn Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit. Zwar versteht man unter Teilzeitarbeit normalerweise alles, was bei weniger als 40 Stunden pro Woche liegt. Laut Gesetz ist Teilzeit aber erst mal einfach nur weniger als Vollzeit. Welches Pensum als Vollzeit definiert ist, legen Arbeitgeber aber selbst fest. Deshalb gibt es ...

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... deutsche Unternehmen, bei denen man mit einer 37-Stunden-Woche eine volle Stelle hat (z. B. bei Vattenfall), anderswo gehört man mit diesem Pensum zu den Teilzeitkräften, was wieder mal beweist: Mit der Teilzeit ist es so eine Sache. Trotzdem würden viele Deutsche gerne reduzieren, beobachtet Jutta Rump und bestätigt damit die Ergebnisse von Umfragen. „Die Menschen wollen selbstbestimmter und flexibler arbeiten“, sagt die Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen. „Ein Trend zur Vier-Tage-Woche hat sich schon vorher abgezeichnet, durch Corona hat sich das aber noch mal verstärkt.“ Weniger Stress, stattdessen mehr Zeit für Beziehungen, Spaß und Erholung – dafür würden viele weniger Gehalt in Kauf nehmen. Jetzt, da der Arbeitsmarkt Coronabedingt im Umbruch ist, ist womöglich eine gute Gelegenheit, es anzugehen.


Die Vier- Tage-Woche war schon immer ein Traum. Durch Corona ist er plötzlich näher gerückt


Welche Varianten gibt es?

An fünf Tagen früher Feierabend machen – das ist der Klassiker, muss aber nicht sein. Man kann genauso gut ganze mit halben Tagen kombinieren oder an nur drei Tagen pro Woche ins Büro kommen und die zwei übrigen freimachen. Wichtig ist, dass das Teilzeitmodell für einen selbst – und für Vorgesetzte – funktioniert. Wo anspruchsvolle Aufgaben gegen eine Reduzierung der Arbeitszeit sprechen, kann Jobsharing eine Lösung sein. In Deutschland wird das zwar selten praktiziert, aber es ist möglich, siehe zum Beispiel SAP: Das Softwareunternehmen schreibt alle Führungspositionen auch für Teilzeit-Tandems aus. Jobsharing eignet sich aber nicht für alle, denn ohne hohe Eigenverantwortung, extrem gute Kommunikations-Skills und Konfliktfähigkeit funktioniert die Abstimmung auf Dauer nicht. Egal, welche Teilzeitvariante es am Ende werden soll: Bevor man den Wunsch nach weniger Stunden offiziell anmeldet, sollte man wissen, wie sich die Reduzierung aufs Gehalt auswirken würde. Berechnen kann man das auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (bmas.de/teilzeitrechner).

Existiert ein Recht auf Teilzeit?

Wenn man länger als sechs Monate bei einem Unternehmen arbeitet und dort mindestens 15 Angestellte beschäftigt sind: ja. Den Wunsch muss man mindestens drei Monate vorher schriftlich ankündigen, eine E-Mail genügt. Spätestens einen Monat vor der geplanten Umstellung muss die Firma ablehnen (als Einwand gelten nur betriebliche Gründe), sonst gilt der Antrag als bewilligt. So weit die Theorie. In der Praxis kann es unschön werden, wenn Vorgesetzte Teilzeit genehmigen müssen, obwohl sie nicht wollen, warnt Diplom-Psychologin und Karriere-Coach Madeleine Leitner: „Ihr Arbeitgeber kann Sie von bestimmten Aufgabenbereichen ausschließen, auf einen Deppenposten setzen oder anderweitig schikanieren.“ Bevor man den Antrag einreicht, sollte man sich also genau überlegen, wie man die Chefin oder den Chef ins Boot holt.

Wie bekomme ich Teilzeit bei Vorgesetzten durch?

Nur im persönlichen Gespräch. Und auf das sollte man sich laut Expertin Madeleine Leitner gut vorbereiten: „Überlegen Sie sich Ihre Traum- vorstellung, Ihre Mindestforderung und zu welchen Kompromissen Sie bereit wären.“ Gründe für den Wunsch nach Teilzeit muss man laut Gesetz nicht angeben, aber man wird Sie danach fragen, und Schweigen wirkt da nicht gerade stimmungsfördernd. Plausible Argumente sind Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Ehrenämter, eine geplante Weiterbildung, selbst der Wunsch nach mehr Freizeit ist – danke, Generation Y – inzwischen üblich. Idealerweise bringt die Umstellung auch dem Unternehmen Vorteile. Muss sowieso gespart werden? Das wäre durch eine Reduzierung Ihrer Arbeitszeit möglich! Bei Bedenken sollten Sie Lösungen anbieten, so der Job-Coach: „Gibt es überflüssige Prozesse, auf die man verzichten könnte? Wünschen sich andere Kollegen sowieso mehr Verantwortung?“ Wahr, aber kein gutes Argument: In Teilzeit ist man produktiver, das hat eine Studie der Universität Auckland ergeben. Umgekehrt können sich Vorgesetzte fragen, ob das heißt, dass Sie auf Ihrer vollen Stelle bummeln. Wenn’s blöd läuft, wird der Antrag auf Teilzeit abgelehnt, und man bekommt in Zukunft noch mehr Arbeit aufgebrummt.

50 Prozent weniger Arbeit bedeutet 50 Prozent mehr Zeit für alles, was einem wichtig ist: Familie, Freunde, Sport …


Was tun gegen die Teilzeitfalle?

Tja, wenn es nur eine Falle wäre. Tatsächlich sind es vier. Das erste Problem: Arbeitsprozesse lassen sich nicht so exakt begrenzen wie die Arbeitszeit. Um das Pensum dann doch zu schaffen, bleiben Teilzeitkräfte oft länger oder nehmen Arbeit mit nach Hause, leisten also mehr Stunden fürs gleiche Geld. Deshalb rät Madeleine Leitner, Stunden anfangs zu dokumentieren und nach sechs Wochen mit Vorgesetzten ein erstes Fazit zu ziehen: „Dann können Sie Abläufe korrigieren, bevor sie sich einschleifen.“ Falle Nummer zwei: Wenn man irgendwann gern wieder voll arbeiten würde, ist der Weg womöglich versperrt. Seit 2019 gibt es ein Rückkehrrecht in Vollzeit. Es gilt aber nur für Firmen mit mindestens 46 Mitarbeitern. Außerdem garantiert das Gesetz keinen Vollzeitjob, sondern sieht nur vor, dass man bevorzugt behandelt werden muss, wenn eine solche Stelle frei ist. Hält die Firma andere Anwärter für qualifizierter, war’s das mit dem Wiederaufstocken. Das kann – die dritte Falle – Karriereambitionen zunichtemachen, wenn man in einer Firma arbeitet, die Führung nur in Vollzeit vorsieht. Man muss also weit vorausdenken, wenn man weniger arbeiten will. Wie weit, das zeigt die vierte Falle, siehe die nächste Frage.


Mehr Flexibilität und Selbstbestimmung – das hat leider seinen Preis (und zwar nicht nur finanziell)


Muss ich in Teilzeit anders fürs Alter vorsorgen?

Wer weniger verdient, zahlt weniger in die Rentenkasse ein und muss privat mehr auf die Seite legen, um später seinen Lebensstandard zu halten – eigentlich logisch. Ausnahmen gibt es immer, etwa wenn man so viel verdient, dass man sogar mit 30 Stunden oder 35 Stunden pro Woche über der Beitragsbemessungsgrenze bleibt, aber wer tut das schon? Beschäftigungsexpertin Jutta Rump warnt: „Teilzeit eignet sich aufgrund des verminderten Rentenanspruchs nicht als Dauerlösung, sondern nur für bestimmte Lebensabschnitte. Wer langfristig weniger arbeiten möchte, muss es sich leisten können. Eine private Vorsorge ist dann Pflicht.“ Am besten fragt man bei der Deutschen Rentenversicherung, wie sich das Weniger an Gehalt auf die gesetzliche Altersrente auswirken würde. Zeigt die Berechnung, dass eine fette Lücke im Vergleich zum aktuellen Vollzeitjob klafft? Dann unbedingt privat vorsorgen! Kümmern Sie sich um einen Sparplan, eine private Rentenversicherung. Vielleicht bietet Ihr Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge an, die bezahlt oder bezuschusst wird. Gut möglich, dass es irgendwann viele Arbeitgeber wie Digital Enabler machen: Die IT-Firma aus Bielefeld hat 2017 den Fünf-Stunden-Tag eingeführt und zahlt Angestellten weiter volle Bezüge. Weniger arbeiten, mehr leben und dann noch bei vollem Gehalt – das wäre ein Traum, aber damit rechnen sollte man lieber nicht.