Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

SO GEHT’S: DEEP HOUSE


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

HIT-REZEPTE FÜR SPOTIFY & CO.

Der Versuch, eine allgemeingültige Definition von Deep House zu formulieren, fällt wie bei vielen anderen elektronischen Genres sehr schwer. Dies verwundert wenig, denn seit in den späten 1980er Jahren die ursprüngliche jazzige Form des Deep House entstand, haben zahlreiche musikalische Einflüsse Einzug in die Stilrichtung gehalten, wodurch sich schließlich Subgenres wie Future House und Tropical House gebildet haben. Je nach Spielart weisen moderne Deep House-Produktionen eine Songstruktur mit einem Fokus auf den Gesang oder einen typischen Club-Spannungsaufbau auf, bei dem ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Beat. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von JETZT STARTEN: Drei Top-DVD-Vollversionen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JETZT STARTEN: Drei Top-DVD-Vollversionen!
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Navigator: Best of Beat # 164. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Navigator: Best of Beat # 164
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Magazin. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Magazin
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Lerneffekt und gute Laune. Ahoi!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lerneffekt und gute Laune. Ahoi!
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Melodischer Deep House im Songformat. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Melodischer Deep House im Songformat
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Talk: Deep House mit Sans Souci. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Talk: Deep House mit Sans Souci
Vorheriger Artikel
Lerneffekt und gute Laune. Ahoi!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Melodischer Deep House im Songformat
aus dieser Ausgabe

... der Flow im Vordergrund steht. So widmen wir uns in dem ersten Workshop der radiotauglichen Variante, bei der Vocals im Mittelpunkt stehen. In dem zweiten Workshop zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie einen clubbigen Deep House-Remix produzieren.

Damals…

Die Initialzündung für das Genre lieferten Produzenten wie Larry Heard (Mr. Fingers) sowie Marshall Jefferson (On The House), die Chicago und Garage House mit Elementen aus Jazz-Funk, Soul und R&B kombinierten. Samples akustischer Instrumente, jazzige Akkorde und soulige Vocals sowie lebendig groovende Beats verliehen dem Stil dabei einen organischen, lebendigen Sound. Als prägend wird vor allem der Song „Can You Feel It“ von Mr. Fingers angesehen. Um klassischen Deep House von den moderneren Spielarten abzugrenzen, wird heutzutage oftmals die Bezeichnung Soulful House verwendet. Eine weitere Genre-Variante entstand in den frühen 1990er Jahren, als verstärkt Disco-Elemente in den Stil einflossen. Besonders einflussreiche Artists und Produzenten waren in dieser Zeit Joey Negro, Kerri Chandler, Ron Trent sowie Mateo & Matos. Auf der anderen Seite brachten Theo Parrish und Moodymann mehr Komplexität sowie vertracktere Rhythmen in die Stilrichtung.

…und heute

Die moderne Variante des Deep House ist stark europäisch geprägt, wobei durch Künstler wie Âme und Solomun auch Inspirationen aus Techno und Tech-House eingeflossen sind. Auch wenn die meisten Produktionen, die heute als Deep House bezeichnet werden, einen deutlich moderneren und auf Hochglanz polierten Sound besitzen, haben sie einige Gemeinsamkeiten mit der ursprünglichen Spielart: Noch immer kommen gerne soulige Vocals, gesamplete Jazz-Akkorde und organische Klangfarben zum Einsatz (z. B. E-Pianos wie Fender Rhodes und Wurlitzer oder Marimbas). Für die gewünschte „Deepness“ sorgen dabei oftmals abgrundtiefen und häufig eher softe Basslines. Die bekannteste Ausprägung des Deep House erfreut sich seit Anfang der 2010er einer immensen Popularität. Die Rede ist natürlich von der kommerziellen, radiotauglichen Variante von Künstlern Robin Schulz, Felix Jaehn, Alle Farben, Sam Feldt und Bakermat.

Während viele frühe Deep House-Tracks aufgrund der Nutzung komplexer Jazz-Akkordfolgen eher melancholisch klingen, vermitteln zahlreiche moderne Produktionen eine weitaus fröhlichere, wohlig entspannte Stimmung. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass mittlerweile viel mehr einfache Pop-Harmonien verwendet werden. Auch die undergroundigen, Club-tauglichen Tracks fallen inzwischen häufig ebenso melodisch wie die kommerzielle Variante aus, wobei meist weniger Gesang zum Einsatz kommt und auf eine klassische Songstruktur verzichtet wird. In den letzten Jahren haben sich Subgrenes entwickelt, wie z. B. Future House (oder auch UK Deep House), der Deep House- und UK-Garage-Einflüsse vermischt. Typische Interpreten sind EDX, Don Diablo und Oliver Heldens. Ebenfalls äußerst populär ist Tropical House, ein Stil, der mit entspannten, tanzbaren Beats, eingängigen Akkorden und Melodien und Instrumenten wie Marimba, Steel Pan und Saxophonen eine sommerliche Stimmung transportiert.

Bakermat: „Meine Signature-Sounds“

„Die meisten meiner Synth-Klänge erzeuge ich mit Lennar Digital Sylenth 1 und der Novation V-Station. Diese sind einfach großartig, um deepe und warme Sounds zu kreieren. Für Pianoklänge greife ich oft auf das FL-Studio-Plugin FL Keys zurück. Mein Signature-Sound entsteht durch die Synth-Klänge in Kombination mit der richtigen Effektbearbeitung wie z. B. Sidechaining. So komprimiere ich meine Drums meist sehr stark, damit sie im Club richtig knallen. Für eine schnelle und einfache Effektbearbeitung schätze ich die OneKnob-Serie von Waves. Für Kompression, Delay und Reverb setze ich die Kjaerhus-Plug-ins ein, außerdem den Massenburg EQ für das UAD-DSP-System, Oxford Dynamics und den Fruity Limiter.“

www.bakermatmusic.com

Sam Feldt: Mit Layering zum perfekten House-Piano

„Eines meiner Lieblings-Plug-ins ist der Korg M1, eine digitale Version des bekannten Hardware-Synthesizers. Ich mag seine Old-School-Klänge sehr gerne und die Möglichkeit, diese flexibel zu gestalten. Einer meiner Signature-Sounds ist ein obertonreicher House-Piano-Klang, den ich sehr viel nutze. Dieser setzt sich aus mehreren Layern zusammen: dem „M1 House Piano“ aus dem Korg-M1-Plug-in sowie Klängen aus 4Front TruePianos und Kontakt.

www.samfeldt.com

Groove

Typischerweise besitzen Deep House-Tracks ein eher gemäßigtes Tempo. Während in den Anfangstagen des Genres 110 - 115 BPM keine Seltenheit waren, bewegen sich die meisten Produktionen mittlerweile zwischen 120 und 125 BPM. Um die typischen entspannten Grooves zu erzeugen haben sich Swing/ Shuffle-Quantisierungen bewährt. Probieren Sie doch einmal eine 1/16-Swing-Quantisierung aus und stellen Sie den Swing-Faktor nach Belieben ein. Wenn Ihre DAW dies erlaubt, können Sie auch mit der Groove-Quantisierungsfunktion die rhythmischen Eigenschaften eines live eingespielten Drum-Loops extrahieren und auf programmierte Tracks anwenden. So weit, so groovy. Aber was ist bei der Auswahl von Drum-Sounds zu beachten? Im Deep House kommen sowohl Drum-Maschinen als auch Samples zum Einsatz. Bassdrums sollten dabei nicht zu aggressiv ausfallen und statt Snare-Sounds werden oft Claps genutzt. Mit Percussion-Instrumenten wie Congas oder Congas können Sie Ihren Grooves einfach und effektiv mehr Würze verleihen. Während Tech House eher auf repetitive sequenzierte Basslines setzt, fallen diese im Deep House häufig sehr melodisch und funky aus. Hier bietet sich das händische Einspielen an. Dabei finden oftmals synkopierte Basslines Verwendung, wodurch im Zusammenspiel mit den four-onthe-floor-Beats ein mitreißender Groove entsteht. In vielen Deep House-Basslines sorgen Übergangsnoten und kleine melodische Figuren für den gewünschten Pep. Für einen pumpenden Rhythmus wird insbesondere auf Synth-Spuren gerne Sidechain-Kompression eingesezt.

Akkorde

Doch welche Akkorde sind für Deep House charakteristisch? Sehr typisch sind vor allem Septakkorde, die häufig im Jazz anzutreffen sind. Dabei werden der Grund-, Terz- und Quintton von Dur- und Molldreiklänge der gewählten Tonart durch eine kleine oder große Terz (den siebten Ton der Tonart) ergänzt. Auch Nonenakkorde, bei welchen eine weitere Terz hinzugefügt wird (also der neunte Ton der Tonart) werden aufgrund ihres jazzigen Charakters gerne verwendet. Zum Glück muss man kein Virtuose sein, um stiltypische Akkordprogressionen zu erstellen: Durch das bereits seit den Anfangstagen des Deep House bewährte Sampling von Akkorden können Sie selbst komplexe Chords mit nur einem Finger spielen. Alternativ können Sie auch die Oszillatoren eines Synthesizers entsprechend stimmen (sofern dieser genügend Oszillatoren besitzt) oder den Akkordspeicher Ihrer DAW oder Ihres bevorzugten Klangerzeugers nutzen. Selbstverständlich müssen es nicht unbedingt Sept- oder Nonenakkorde sein: Mit den beschriebenen Techniken lassen sich auch mit einem einfachen Molldreiklang House-typische Chords erzeugen.

Septakkorde und Nonenakkorde sind ein bewährtes Mittel, um Deep House-Produktionen ein jazziges Feeling zu verleihen.


Sounds

Ob man klassische Tracks des Genres oder die modernen Spielarten betrachtet – alle zeichnen sich durch die Kombination organischer und elektronischer Sounds aus. Neben den Klängen akustischer und elektrischer Instrumente wie E-Piano und Percussion machen auch analoge und digitale Synthesizer eine hervorragende Figur. In den Anfangstagen waren die Synthesizer von Rolands Juno-Serie (u. a. zu hören in Mr. Fingers – „Can You Feel It“) sehr gefragt, wobei für Bass-Sounds oftmals die Pulswellenform zum Einsatz kam. Heutzutage sind Sie mit virtuell-analogen und Wavetable-Klangerzeugern sowie FM-Synths für die knackigen Bässe bestens für die Stilrichtung gewappnet. Die organischen Sounds können Sie hingegen mit hochwertigen Sample-Instrumenten oder Romplern wie dem Korg-M1-Plug-in abdecken. Für Drums werden die Klänge von Rolands TR-Serie noch immer gerne genutzt. Aber auch andere Drum-Synthesizer wie LinnDrum LM-1 können rhythmische Akzente setzen – vor allem bei Percussion-Sounds.

Gesang

Im Gegensatz zu anderen House-Genres spielen Vocals im Deep House häufig eine zentrale Rolle. Die Gesangsdarbietung fällt dabei meist gefühlvoll und soulig aus. In der kommerziellen Spielart sind hingegen vor allem eingängige Pop-Vocals angesagt. Während in den Anfangstagen männliche Stimmen dominierten, überwiegen mittlerweile Tracks mit weiblichem Gesang. Dabei reichen nicht selten ein paar geschickt inszenierte Vocal-Samples aus. Wenn Sie keine geeigneten Sänger/innen zur Hand haben, finden Sie in zahlreichen Sample-Paketen stilsichere Vocals für Ihre Deep House-Produktionen. Bei der Effektbearbeitung können Sie sich kreativ austoben – besonders Pitch-Shifting- und Slicing-Effekte sind in diesem Genre nach wie vor angesagt.