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So geht’s dem Reitpferd gut!


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2022 vom 07.10.2022

TIERSCHUTZ EIN LEBEN LANG

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Jeder Pferdebesitzer möchte das Beste für sein Pferd. Mit der richtigen Haltung kann man eine Menge dazu beitragen.

Würden Sie Ihr Pferd fragen, welche Haltung ihm am liebsten ist, wäre die Antwort klar: große Weide mit Witterungsschutz, Kumpels, ausreichend Gras und Zugang zu frischem Wasser. Das ist zwar nicht immer machbar, aber Georg W. Fink, Fachmann für Pferdehaltung, der im bayerischen Aufkirchen ein Ingenieurbüro für Reitanlagen betreibt, sagt, ein Trend sei erkennbar: „Artgerechte Haltung und Bewegungsställe werden immer stärker nachgefragt“, so der Diplom-Agraringenieur. Innenboxen ohne Außenfenster hingegen hätten einen schlechten Stand. „Der Mindeststandard ist eine Box mit Fenster, darunter sollte es nichts mehr geben. Besser noch mit Paddock – oder gleich die Gruppenhaltung, das sind die Trends.“ Fink berichtet weiter, dass in der Schweiz schon mehr als 50 Prozent auf Gruppenhaltungskonzepte setzten, in Deutschland seien es immerhin 35 bis 40 Prozent – von denen rund die ...

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... Hälfte Sportreiter seien.

Das kann Prof. Dr. Uta König von Borstel von der Abteilung für Tierhaltung und Haltungsbiologie an der Universität Gießen nur begrüßen: „Innenboxen haben vermutlich gar keine Vorteile, außer eventuell die geringste Ausbruchs- und Verletzungsgefahr, die jedoch noch durch keine wissenschaftliche Studie bewiesen werden konnte. Und die einfache Verfügbarkeit des Pferdes für den Besitzer, die er jedoch auch in pferdefreundlicheren Haltungssystemen haben kann“, sagt sie. Dem gegenüber seien die Nachteile enorm, wenn das Pferd keinerlei Möglichkeit hat zu freier Bewegung und Weidegang. Sie reichen von nachhaltigen gesundheitlichen Schäden über ein gestörtes Sozialverhalten bis hin zur Entwicklung von Verhaltensstörungen. Eine Luke zum Herausschauen auf die Stallgasse bringt schon leichte Verbesserungen.

Aber grundsätzlich gilt wie bei jeder Boxenhaltung: „Wenn Pferde das ganze Jahr über ausreichend Weidegang haben, ist diese Haltungsweise vertretbar“, so Georg Fink, der aber auch weiß: „Die Praxis zeigt, dass die meisten Landwirte ihre Grünflächen schonen wollen oder müssen und die Pferde sich die Beine in den Bauch stehen.“ Auch das Bedürfnis des Pferdes, kontinuierlich Futter aufzunehmen, wird nicht ausreichend befriedigt. „Die gesamte Physiologie des Magen-Darm-Traktes wird durch kurze große Mahlzeiten belastet. In der übrigen Zeit haben Pferde – vor allem wenn sie auf Spänen stehen – keine Möglichkeit zur Futteraufnahme. Das bringt Stress, der oft durch Verhaltensstörungen wie Koppen oder Zähnereiben an Trog und den Gitterstäben entladen wird“, berichtet Prof. Dr. König von Borstel. Und nicht nur die Psyche leidet Stress. Die Gefahr von Magengeschwüren und Koliken steigt – Pferde produzieren ständig Magensäure. Wenn es nichts zu verdauen gibt, greift die Säure die Magenschleimhaut an. Die Folge: Geschwüre. Aus diesem Grunde verbietet es sich auch, Pferde stundenlang ohne Heu auf dem Paddock stehen zu lassen. Fresspausen sollten maximal vier Stunden dauern.

Paddockbox

Eine echte Verbesserungs fürs Pferdeleben ist eine Paddockbox. „Jeder noch so kleine Paddock (Mindestgröße = Boxengröße!) ist immer noch besser als gar kein Paddock“, so Prof. Dr. König von Borstel. „Die Pferde haben bessere Möglichkeiten zu Sozialkontakten und können sich mehr mit ihrer Umwelt und Klimareizen auseinandersetzen.“Auch Hengste können nach Georg Finks Erfahrung in Paddockboxen stehen. „Dann muss eben die Regel gelten, dass vormittags die Boxen 1,3,5 offen sind und nachmittags 2,4,6, sprich die Hengste keinen direkten Nachbarn im Paddock neben sich haben. Letztlich ist alles eine Sache der Gewöhnung.“ Die Pferde sind zufriedener.

Stallklima und Licht

STALLTEMPERATUR Soll der Außentemperatur im Tages- und Jahresrhythmus unter Vermeidung von Extremwerten folgen.

LUFTFEUCHTIGKEIT 60 bis 80 Prozent beträgt die optimale relative Luftfeuchtigkeit. Darüber wird’s kritisch, weil Bakterien, Schimmelpilze und Parasiten ideale Bedingungen finden. Für Larven der Strongyliden gehören feuchte Wände z. B. zu ihrem Entwicklungskreislauf. Zu trockene Luft begünstigt Staubbildung und reizt die Schleimhäute der Atemwege.

LUFTGESCHWINDIGKEIT Mindestens 0,2 Meter/Sekunde, um Wasserdampf, Schadgase, Staub und Keime ab- und Frischluft zuzuführen. Bei hohen Temperaturen sind höhere Luftgeschwindigkeiten angenehm, da Pferde so leichter Wärme abgeben können.

ZUGLUFT Eine großflächig auf den Körper auftreffende Luftströmung, wie bei stärkerem Wind, ist für das Pferd keine Zugluft, denn das Pferd reagiert auf diesen großflächigen Kältereiz. Es reguliert selbst seine Körpertemperatur. Zugluft hingegen ist ein partieller Luftstrom, der kälter als die Umgebungstemperatur ist und auf den die Thermoregulation nicht reagiert.

SONNENLICHT Sonnenlicht beeinflusst Verhalten, Widerstandskraft, Leistungsfähigkeit und Fruchtbarkeit des Pferdes positiv. Daher sollte jedes Pferd täglich ins Freie können (Auslauf, Paddockbox, zumindest Außenfenster).

BELEUCHTUNG Mindestens 80 Lux sollten im Pferdestall über acht Stunden täglich herrschen.

FENSTERFLÄCHE Mindestens ein Zwanzigstel der Stallfläche, bei Verschattung durch Bäume/Gebäude etc. mehr.

KOHLENDIOXID-KONZENTRATION Wert sollte unter 1000 ppm liegen (0,1 Liter/m³) – erhöhte Werte deuten auf ungenügende Lüftung.

AMMONIAK: Schädlichstes Gas im Pferdestall (Atemwegserkrankungen, Strahlfäule), entsteht durch die bakterielle Zersetzung von Kot und Harn. 10 ppm (0,1 Liter/m³) dürfen nur kurzfristig überschritten werden.

SCHWEFELWASSERSTOFF: Entsteht durch die Fäulnis organischer Substanzen und beeinträchtigt die Sauerstoff-Aufnahme im Blut. Grenzwert: 0 ppm (0,001 Liter/m³).

Nervöse Pferde werden ruhiger, da sie viel mehr mitbekommen und sich auch mehr bewegen können. Durch die Wetterreize werden die Pferde robuster, das Stallklima verbessert sich. Was die Verletzungsgefahr angeht, lehrt die Erfahrung: Bei richtiger Konstruktion des Paddocks ist die nicht höher als in der Box. Drei Bedingungen müssen gegeben sein: genügend große Türen, sichere Zäune und ein rutschfester Untergrund. Außerdem darf der Paddock nicht so groß sein, dass er zum Galoppieren anregt. Böden, die zum Wälzen anregen, sind ebenfalls ungeeignet. „Das Wälzen birgt eine Verletzungsgefahr, da Pferde mit den Beinen durch die Trenngitter gelangen können“, warnt Georg Fink.

Fakten rund um die Einzelbox

(entnommen aus den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

BOXENFLÄCHE > (2 x Widerristhöhe)² – bei einem Pferd von 1,70 Stockmaß wären das 11,6 m² – eine 3 mal 4 Meter Box wäre ausreichend. Ein Pferd von 1,80 Stockmaß ist in einer Box mit den Maßen 3,50 x 4 Meter besser aufgehoben. Generell haben Pferde in Boxen mit 3,50 x 4 Meter mehr Drehraum. „Jeder Stall sollte zusätzlich zu den normalen Boxen einige größere Boxen haben, in denen sich auch sehr große Pferde wohlfühlen“, rät Fink.

MINDESTMASS Stm. 1,30 m = 6,76 m² 1,48 m = 8,76 m² 1,68 m = 11,29 m² Stute mit Fohlen: 1,30 m = 8,94 m² 1,48 m = 11,59 m² 1,68 m = 14,93 m² Länge der Boxenschmalseite: > 1,75 x Widerristhöhe (Wh) Lichte Deckenhöhe: > 1,5 x Wh

TRENNWANDHÖHE Trennwand mit Aufsatzgitter: > 1,3 x Wh 1,30 m = 1,69 m 1,48 m = 1,92 m 1,68 m = 2,18 m

TRENNWANDDICKE Hartholz wie Eiche ca. 4 cm Verleimte Mehrschichtplatten: ca. 2,5 cm Trennwände müssen durchtrittfest sein!

GITTERSTÄBE Außendurchmesser senkrechter Stäbe: 19-25 mm Waagerechter Stäbe: 38-51 mm Die Stäbe müssen vom Material her so stark sein, dass sie auch unter Last nur schwer verformbar sind.

TÜRBREITE > 1,20 m (Ponys > 1,10 m) Türhöhe bei Außenboxen und Schiebetüren: > 1,4 x Wh

AUSSENFENSTER Fenster aus zerbrechlichen Materialien in einer von den Pferden erreichbaren Höhe müssen gesichert sein.

PADDOCK VOR DER BOX > (2 x Wh)² „Das Paddock sollte die Breite der Box einnehmen und nicht länger als sechs bis acht Meter sein, um Rennen zu verhindern“, so Fink. Elektroabgrenzungen in Boxen und Kleinausläufen sind tierschutzwidrig!

Die Box mit „Terrasse“ ersetzt allerdings keine freie Bewegung. Studien zeigen, unter naturnahen Verhältnissen bewegen Pferde sich im Herdenverband im langsamen Schritt bis zu 16 Stunden am Tag grasend fort. „Eine Stunde Reiten in der Halle erreicht vielleicht fünf, sechs Kilometer Bewegung. Bei weitem nicht genug für eine gesunde Pferdehaltung“, warnt Fink. Die Folgen: Gelenkschmiere wird nicht ausreichend gebildet, Sehnen und Bänder verlieren ihre Elastizität, der Stoffwechsel wird eingeschränkt, das Atmungssystem nicht genügend gefordert und damit die Selbstreinigungsmechanismen eingeschränkt. Im Tierschutzgesetz ist verankert: „Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.“

Wer sein Pferd 23 Stunden in die Box sperrt, verstößt also gegen das Tierschutzgesetz. Die Sachverständigengruppe des Arbeitskreises Pferd der Tierärztlichen Vereiningung für Tierschutz e.V. (TVT) geht noch weiter: „Pferde benötigen nicht nur ausreichend groß bemessene Auslaufflächen, sondern auch adäquate Bewegungsanreize, wie zum Beispiel Sozialpartner und/oder Trennung in Funktionsbereiche. In allen Pferdehaltungen ohne direkt angrenzenden ausreichend groß bemessenen und galoppierfähigen Auslauf ist zum Ausgleich für den Aktivitätsverlust eine mehrstündige Bewegungsmöglichkeit anzubieten, möglichst im Freien.“ Gemeint ist hier freie Bewegung, die „durch kontrollierte Bewegung (Reiten, Führanlage, Laufband) ergänzt, aber nicht ersetzt“ werden könne. Denn frei bewegen sich Pferde überwiegend im entspannten Schritt. Ebenso arttypisch sei auch „Buckeln und Rennen aus Bewegungsfreude, zum Abbau von Verspannungen, Erregung und überschüssiger Energie“. Daher müssten Ausläufe für alle Pferde unabhängig von der Witterung das ganze Jahr über zur Verfügung stehen. Auch wird zur „Konditionierung des Bewegungsapparates“ zu unterschiedlichen Böden geraten.

Allein oder in der Herde?

Ob Einzelbox oder Gruppenhaltung ist nicht pauschal zu beantworten. „Pferde sind Individuen und was für die große Masse zutreffen mag, kann für das Einzeltier ganz anders aussehen“, so Prof. Dr. Uta König von Borstel. Doch die Bedürfnisse des Pferdes werden in einem Laufstall mit angrenzendem Auslauf oder einem Aktivstall eher befriedigt als in einer Einzelbox. „Generell sind solche Systeme oder aber die Weidehaltung mit Unterstand die tiergerechtesten. Selbst bei momentanen Beeinträchtigungen des Wohlbefindens wie beispielsweise durch starke Hitze oder Rangordnungskämpfe kommt es in solchen Haltungssystemen normalerweise nicht zur Entwicklung von Stereotypien wie Koppen oder Weben“, so König von Borstel. Die „Luxusvariante“ in der Gruppenhaltung ist der Aktivstall. Der Grundgedanke: die Pferde durch getrennte Funktionsbereiche zu mehr Bewegung animieren.

Aktivställe bestehen aus Ruhebereichen, Komfortzonen mit Wälzbereich, befestigten Ausläufen und Laufwegen mit unterschiedlichen Belag. Kraftfutter gibt es entweder in Fressständen oder computergesteuert in Fressstationen, in denen die Pferde mittels eines programmierten, implantierten Chips ihre für sie bestimmte Menge abrufen können. So können sie je nach Programmierung jede Stunde eine kleine Menge Futter fressen. Je nach Ausstattung müssen die Pferde beispielsweise vom Heudosierer zur Kraftfutterstation laufen, über Raumteiler einen weiteren Weg nehmen, um von der Tränke zum Wälzplatz zu kommen und ruhen in speziellen Liegeräumen. Diese Haltung ist im Kommen. Auch Christian Mainzl im bayerischen Kastenseeon baute einen Aktivstall. Seine größte Kundengruppe nach anfänglicher Skepsis? „Jobmäßig stark eingespannte Reiter, die es zu schätzen wissen, dass ihr Pferd bewegt ist, auch wenn sie spontan mal einen Tag nicht kommen können. Und viele junge Mütter, bei denen die Zeit ja meist auch immer knapper wird.“ Mainzls Beobachtung: „Man merkt, dass sich enge Freundschaften bilden und es gibt Kleingruppen oder Pferdepaare – meist nicht gleichgeschlechtlich – die alles gemeinsam machen: schlafen, grasen, hin und her wandern. Sie wirken zufrieden und ausgeglichen.“

Einzelpferd-Haltungssysteme

STÄNDERHALTUNG tierschutzwidrig, verboten Hessen führte als erstes Bundesland ein Verbot der Ständerhaltung 1998 ein, ab 2002 folgten die restlichen Bundesländer. Als letztes zog Bayern nach: Seit 2014 muss auch im Freistaat kein Pferd mehr die Wand anstarren.

INNENBOX Einzelbox in einem Stallgebäude ohne für das Pferd nutzbare Öffnung nach außen, Sicht-, Hör- und Geruchskontakt sind ein Muss. Auch im Quarantänestall müssen die Pferde wenigstens einen Artgenossen sehen, riechen und hören können. An vier Seiten geschlossene Boxen sind tierschutzwidrig!

AUSSENBOX Einzelbox in einem Stallgebäude mit einer Öffnung, durch die das Pferd Kopf und Hals nach draußen richten kann.

AUSSENBOX MIT KLEINAUSLAUF (PADDOCKBOX) Einzelbox in einem Stallgebäude mit ständig zugänglichem, direkt angrenzendem Kleinauslauf (2 x Wh²). Der Paddock sollte so breit sein wie die Box und nicht länger als sechs bis acht Meter, damit das Pferd nicht anfängt zu rennen.

MEHRRAUM-AUSSENBOX MIT KLEINAUSLAUF Einzelbox in einem Stallgebäude mit über den Kleinauslauf zugänglichem separaten Fressbereich. Die Bewegung des Pferdes wird so maßgeblich erhöht.

OFFENSTALL, AUCH AUSSENKLIMASTALL GENANNT Eine Gebäudeseite ist ganz oder teilweise offen, die Wände sind meist nicht wärmegedämmt. Der geschlossene Stall hingegen beinhaltet Decken und Wände mit Wärmedämmung und hat keine offenen Gebäudeseiten.

Damit ein Aktivstall für die Pferde möglichst stressfrei funktioniert, ist gutes Stallmanagement erforderlich. Den Arbeitsaufwand aus Sicht des Stallbetreibers reduziert ein gut geführter Aktivstall nicht deutlich: „Der Fütterungsautomat ersetzt nicht den Menschen, der kontrolliert, ob die Pferde alle zu ihrem Recht kommen“, betont Katharina von Lingen, die im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck seit 2006 einen Aktivstall führt. Das beginnt bei der Eingewöhnung: „Bis sich bei einem neuen Pferd die Unruhe legt, können leicht drei Monate vergehen“, berichtet von Lingen. „Das kann bei vielen Aktivställen ein Problem werden, wenn dort ständig Fluktuation herrscht.

Gruppenhaltungs-Systeme

BAUWEISE Das Wichtigste in einem Offenstall sind zwei Türöffnungen zur windgeschützten Seite, damit ranghohe Pferde die Tür nicht blockieren können. Die Türen sollten für ein Pferd 80 bis 90 Zentimeter breit sein. Für zwei Pferde sollten sie breiter als 1,80 Meter sein. Gummiverkleidungen können vor Verletzungen am Türrahmen schützen. Für die maschinelle Entmistung muss ein Tor eingeplant werden.

LIEGEFLÄCHEN Pro Pferd wird eine Liegefläche von >2 mal Widerristhöhe zum Quadrat berechnet. Für Offenställe mit Trennung von Liege- und Fressbereich sollte eher >2,5 mal Widerristhöhe zum Quadrat gerechnet werden. Der Liegebereich muss trocken, verformbar und sauber (am besten mit nicht fressbarem Material) eingestreut sein und den Pferden eine möglichst gute Übersicht bieten.

FUTTERPLÄTZE Individuelle Fütterung: Einzel-Fress-Stände, in denen die Pferde voneinander getrennt stehen und je nach Bedarf angebunden werden und so die ihnen zugedachte Portion fressen können. Die Länge sollte mindestens 1,8 mal die Widerristhöhe betragen, also ca. 3 Meter. Maximale Breite 80 Zentimeter, damit nicht zwei Pferde versuchen, hineinzukommen. Errichtet werden sie meist aus Holz, wobei Blickkontakt möglich sein sollte. Möglich sind auch Systeme, die hinter dem Pferd schließen. Die Fütterung erfolgt per Hand oder via Futterautomat. Gruppenfütterung: Alle Pferde bekommen an frei zugänglichen Trögen oder am Boden ihr Futter. Nachteil: Rangniedrige Pferde können leer ausgehen, andere zu viel fressen. Vielfach werden Fressgitter verwendet, durch die das Futter von der Einstreu getrennt wird. Aus hygienischen Gründen liegt der „Futtertisch“ höher als der Stallbereich. Wichtig: Jedes zweite Feld sollte mit mehreren Stäben geschlossen sein (Abstand 5 cm, in der Fressluke 30 bis 35 cm), damit das Pferd den Kopf nicht in die Nachbarluke stecken kann.

AUTOMATISCHE FÜTTERUNG Den Pferden wird ein Chip implantiert oder der Fütterungsautomat identifiziert sie per am Halsriemen oder Halfter befestigtem Transponder. Die Futterration wird in einen Computer eingegeben. Die Fressstände sind mit elektronisch gesteuerten Klappen versehen, die sich durch den Chip öffnen und die für das Pferd berechnete Ration in mehreren kleinen Portionen freigeben.

AUSLAUF Bei zwei Pferden werden 150 Quadratmeter berechnet. Für jedes weitere Pferd werden 40 Quadratmeter zusätzlich geplant. Georg Fink rät: „Gruppenställe sollten mindestens vier Pferde beherbergen. Bei zwei Pferden ist die Gefahr groß, dass sie stark aneinander kleben und dann auch beim Reiten unkonzentriert sind.“ Wichtig: Ecken, in die Pferde gedrängt werden können, sollten abgeflacht werden. „Sackgassen“ oder spitze Winkel, aus denen Rangniedrige nicht flüchten können, sollten vermieden werden.

PADDOCKBODEN Meist müssen permanent zugängliche Ausläufe befestigt werden, z. B. mit Betonverbundsteinen, Rasengittersteinen, Gummirastern, Kunststoffmatten etc. Beim Aufbau eines Paddocks, der auch im Winter schlammfrei genutzt werden kann, sollten Fachmänner zur Rate gezogen werden. Achtung: Bei Untergrund mit geringem Grasbewuchs besteht Sandkolikgefahr!

ZÄUNE Ob Paddock oder Weidezaun, Hüte- und Verletzungssicherheit sind oberstes Gebot! Die Pferde dürfen nicht ausbrechen können. Dafür braucht es massive, sicher im Boden verankerte Zäune ohne scharfe Kanten, die gut sichtbar und respekteinflößend sind. Bei Weidezäunen eignen sich feste Zäune (z. B. Holz), breite Elektrobänder (mind. 4 cm) mit ausreichender Stromstärke (mind. 3000, in Wolfs- und Wildschweingebieten 4000 Volt) oder eine Kombination aus beidem. Als Höhe werden 0,8, besser 0,9 mal Widerristhöhe gerechnet mit mindestens drei Querverstrebungen, Pfahlabstand 3 bis 4 Meter, je nach Material des Zaunes. Vorsicht: Kleine Zwischenräume wie sie beispielsweise an Toren mit Griffen oft vorhanden sind, sollten mit weiteren Rohren unzugänglich gemacht werden. Jegliche Öffnungen, durch die Pferde ihren Kopf stecken, aber in Panik hängenbleiben können, sind potenzielle Gefahrenquellen. Das TVT-Positionspapier gibt außerem zu bedenken: „Darüber hinaus sind hinsichtlich der Zaunausführung und Hütesicherheit die jeweiligen Empfehlungen der Bundesländer gegen das Eindringen anderer Tierarten (z.B. Wölfe, Wildschweine) zu beachten. In Wolfsrisikogebieten sind entsprechende wolfssichere Zäune zu installieren. Es wird empfohlen, die zusätzlichen Litzen an der Außenseite der Pfähle anzubringen, um eine Nahbegegnung zwischen Wolf und Pferd zu verhindern.“

ACHTUNG Pferde in Gruppenhaltungen sollten idealerweise hinten unbeschlagen sein. Die TVT hat aber in ihrem Positionspapier festgehalten: „Praxiserfahrungen zeigen, dass bei Verträglichkeit innerhalb der Gruppe und ausreichender Bewegungsfläche ohne Engpäse ein Beschlag auch an den Hinterhufen möglich ist.“

Im Idealfall bleibt die Herde in ihrer Zusammensetzung auf lange Sicht zusammen, aber natürlich kann kein Pensionsbetreiber seine Kunden fesseln“, so von Lingen. Paddockboxen sind in den meisten Aktivställen zur Integration neuer Pferde mit angelegt. Dort können die Neuankömmlinge einige Tage bleiben und lernen die Gruppenpferde kennen. „Wir schauen ganz genau, welche Pferde und Besitzer wir aufnehmen. Und integrieren sehr behutsam. Wir stellen den Neuen täglich mit ein paar jeweils anderen Pferden aus der Herde in einen neutralen, nicht zum Stall gehörenden Paddock. So können sich alle unter entschärften Bedingungen kennenlernen, bevor der Neue in die Gruppe kommt“, berichtet von Lingen. Selbstverständlich muss das Pferd gesund sein, bevor es integriert wird – frei von ansteckenden Krankheiten.

Bei der Gewöhnung sollte nichts dem Zufall überlassen werden.

Für ideale Gruppengrößen gibt es laut Prof. Uta König von Borstel keine festen Regeln. „Wichtig ist immer, dass die Größe und die Art der Fläche – beispielsweise Ruheinseln für rangniedrige Pferde – zusammenpassen. Gerade Zahlen sind besser für die Paarbildung als ungerade, große Zahlen spalten sich oft von selbst in kleinere Untergruppen auf“, berichtet die Wissenschaftlerin. Hinsichtlich Geschlecht nennt sie leichte Vorteile – weniger Aggressionen – in einer reinen Wallachherde statt in einer gemischten oder reinen Stutenherde. Und das Alter? „Eine gemischte Alterszusammensetzung dürfte generell zu stabileren Herdenverbänden und dadurch weniger Rangordnungskämpfen führen, da die Hierarchie weniger angefochten wird.

Da gibt es keine Grenze von jung bis alt. Erst wenn ein Pferd gesundheitliche Probleme hat oder altersbedingt Schwächen zeigt, von anderen verdrängt oder belästigt wird, sollte man es besser mit einem ähnlich alten oder ruhigen Pferd zusammen halten und aus dieser Herde nehmen“, rät Dr. König von Borstel. Auch bei der Gewöhnung an die Futterautomaten sollte nichts dem Zufall überlassen werden. „Es gibt Pferde, die erst mal Probleme haben, in die engen Ständer zu gehen. Wir lernen sie alle in Ruhe an, denn viele verstehen auch erst mal nicht, dass sie gegen die Abgrenzung drücken müssen, um in die Station zu kommen oder bekommen Angst, wenn das ranghöhere Pferd von hinten an den Futterstand herantritt.“