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”So kann es nicht weitergehen“


Divemaster - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 13.07.2021

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Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 3/2021

Dr. Friedrich Naglschmid »MEINUNGSMACHER«

Nein, nicht, dass in einer demokratisch orientierten Gesellschaft all die Themen angesprochen und diskutiert werden. Ganz im Gegenteil, es ist eine der großen Errungenschaften dessen, was wir als westliche Werte bezeichnen, dass wir ungestraft unsere Meinung äußern dürfen. Ich erkenne auch an, dass es unterschiedliche Meinungen und Interessen gibt und vor allem, dass meine Meinung in einzelnen Bereichen nicht unbedingt von anderen akzeptiert werden muss. Vielleicht ist es die vielfach geäußerte Frage: „Wann können wir wieder so leben wie vor Corona?“, die nachdenklich machen sollte. Wenn damit gemeint ist, ohne Todesangst, ohne Masken und Abstand, einfach als soziale Wesen zu leben, dann verstehe ich Frage und Wunsch und hoffe wie alle anderen darauf.

Aber ansonsten hoffe ich, dass sich vieles ändert, denn so wie bisher kann es nicht weiter gehen: Zum Beispiel im Artenschutz, mit der Vernichtung natürlicher Lebensräume, der Vermüllung der Meere und Kontinente, der Vergiftung der Sphären unserer Erde, der grenzenlosen Ausbeutung der nicht lebenden und lebenden Ressourcen - wozu auch Menschen gehören, der Missachtung der Menschenrechte bis hin zum akzeptierten und geförderten Terrorund Kriegsgeschehen. Das mag ja alles klingen, wie ein Aufruf zur Weltverbesserung. Und weil dies tatsächlich erforderlich ist, darum kann und darf es nicht so weitergehen wie bisher. Das gilt im Großen wie im Kleinen.

Das weltumspannende Geschehen des Zweiten Weltkriegs hat vieles vom Erforderlichen für eine bessere Zukunft erst ins Laufen gebracht. Viele Staaten, Konzerne, Firmen bis zu Einzelpersonen waren und sind daran beteiligt oder darum bemüht. Von der UN bis zu den kleinsten Interessengruppen. Und es hat sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wenngleich nur mühsam und durch viel, meist privates Engagement, schon Einiges verändert. Ich möchte mich auf die Dinge beschränken, von denen der Tauchsport betroffen ist. Der Walfang konnte soweit eingeschränkt werden, dass sich die Bestände wieder erholen konnten. International bemüht man sich um den Schutz zum Beispiel von Meeresschildkröten, Haien, Korallenriffen, Muschel- und Schneckenarten, Mangrovenwälder. Von Schaumkronen bedeckte, giftige Flussläufe konnten in einigermaßen saubere Gewässer zurückgeführt werden.

„Bemüht“ und „einigermaßen“ sind dabei die Schlüsselworte, die in jedem Arbeitszeugnis die Wahrheit umschreiben. Dahinter steckt:

Es hat nicht gereicht und es reicht so auch in Zukunft nicht. Selbst in den kleinsten Dingen, die den Tauchsport betreffen, hakt es. Jeder weiß doch, was er dabei hat und man sollte meinen, er nimmt seinen Müll auch wieder mit. Weit gefehlt! Für manche scheint es cool, zumindest bequemer und billiger zu sein, die Landschaft zuzumüllen. Wen wundert es also, wenn Gemeinden und Besitzer der Gewässer diesen Müll nicht mehr auf ihre Kosten entsorgen wollen. Es nicht mehr dulden, dass die Uferzonen von Fahrzeugen durchfurcht werden. Warum wurde die Zeit des Lockdown von den Tauchsportanbietern nicht genutzt, hier einen gemeinsamen Umweltkodex auf den Weg zu bringen? Ja es darf auch Eigeninteresse zu Verbesserungen führen. Gerade im Tauchsport hat Corona gezeigt, welche Folgen das Wegbrechen des Tourismus hat. Was wäre, wenn niemand mehr in vermüllte oder von Ekelschlamm vergiftete Urlaubsziele reisen will? Viele Betroffene haben dies schon erkannt und kämpfen um jede kleinste Verbesserung. Doch der Anteil derer, die sich um nichts scheren, führt zu uneingeschränkten Verboten und Schäden für alle.

Wir hatten in drei Jahrzehnten drei internationale Jahre der Korallenriffe und die Riffe sterben weiter. Wir haben internationale Fischereiabkommen und die Meere werden weiter geplündert. Wir kennen die Gefahren von Plastikmüll und exportieren ihn weiter zur billigeren, leider kriminellen Entsorgung.

Es scheint allein ob dieser drei Beispiele schon fast aberwitzig neue weitergehende Forderungen aufzustellen, zumal hier oft die Machtstrukturen kriminell agierender Regierungen und Staaten, des Organisierten Verbrechens, der persönlichen Habgier, sogar ideologische oder religiöse Wahnvorstellungen verblendeter Terrorgruppen und nicht selten einfach Nachlässigkeit betroffen sind.

Die neue UN Ocean Dekade könnte die Chance für eine wirklich bessere Zukunft sein. Tausende Satelliten zum Beispiel bieten zusammen mit wachsender Künstlicher Intelligenz einzigartige Möglichkeiten illegalen Raubbau, ja illegales Handeln zu unterbinden und ein Internationaler Gerichtshof müsste die Täter verurteilen und bestrafen. Auch das könnte Globalisierung sein zum Wohle unseres gesamten Planeten. Doch um das zu verwirklichen, bedarf es aus heutiger Sicht wohl erst einer neuen Species oder zumindest einer neuen globalen Gesellschaftsordnung.

Im Namen der Redaktion divemaster wünsche ich uns allen, dass endlich mehr gehandelt als diskutiert wird.

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Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 3/2021

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