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So kommt Ihr ans Ziel


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Cavallo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 20.12.2022
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Zufriedenes Pferd, zufriedene Reiterin: Es gibt mehrere Wege, dieses Ziel zu erreichen.

MEIN ZIEL

Optimal loben für mehr Motivation

WEG 1

NINA STEIGERWALD arbeitet seit knapp 20 Jahren mit positiver Verstärkung und bietet Kurse mit Huhn und Pferd dazu an. www.steigerwald-t.de

Meine Methode: Ich lobe mit Clicker und Futter. Pferdetraining und Lernen im Allgemeinen, auch beim Menschen, funktioniert nach dem Prinzip der operanten Konditionierung. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Lernen, indem etwas Unangenehmes vermieden wird (negative Verstärkung), oder indem etwas Positives erreicht wird (positive Verstärkung). Für ein partnerschaftliches Miteinander mit dem Pferd halte ich die positive Verstärkung für den besten Weg, und die funktioniert wie ich finde am einfachsten über Futterlob.

Warum nicht anders? Wer mit Stimmlob oder Pausen als Lob arbeitet, arbeitet im Grunde meist mit negativer Verstärkung. Warum? Im Moment des Stimmlobs hört beispielsweise auch ein Touchieren auf, und in der ...

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Warum nicht anders? Wer mit Stimmlob oder Pausen als Lob arbeitet, arbeitet im Grunde meist mit negativer Verstärkung. Warum? Im Moment des Stimmlobs hört beispielsweise auch ein Touchieren auf, und in der Pause wird der Druck durch die Körpersprache aufgehoben. Das Futterlob dagegen ist ein starker Motivator. Das Pferd tut etwas, weil es dafür Futter erhalten will und wird. Für die Mitarbeit des Pferds bezahle ich sozusagen mit Futterlob. Warum sollten unsere Pferde nur ehrenamtlich arbeiten, wenn es doch auch nur wenige von uns Menschen tun?

Meine Erfolgsgeschichte: Einer von vielen Fällen war eine Stute mit Zahnproblemen, die sich heftig wehrte. Durch Clickertraining lernte sie, einen Hammer mit integrierter Taschenlampe freiwillig ins Maul zu nehmen. Man konnte schließlich in aller Ruhe frei stehend die Zähne kontrollieren und reinigen.

Praxistipp: Jeder sollte einmal fünf Minuten filmen, wie er mit seinem Pferd interagiert. Analysieren Sie: Was mache ich (Auslöser), wie reagiert das Pferd (Verhalten) und was ist die Folge (Konsequenz) daraus? Das ist sehr aufschlussreich, um an der eigenen Kommunikation und dem Timing zu arbeiten.

Wer gibt mir sonst noch recht? Die positive Verstärkung wird seit Jahrzehnten mit vielen Tierarten angewendet – ich selbst durfte das zum Beispiel in Zoos und beim Urgestein des Trainings mit operanter Konditionierung, Bob Bailey, lernen.

Wann lieber anders: Wenn jemand starke Vorbehalte hat, etwa denkt, „ich will kein Futterautomat sein“, wird er nie richtig gut werden. Dann bleibt man lieber bei dem, was einem liegt.

WEG 2

STEFAN VALENTIN arbeitet als Tierpsychologe unter anderem mit Problempferden und bietet Führungskräftetraining an. www.steva-saar.de

Meine Methode: Ich lobe Pferde am liebsten durch Weglassen sämtlicher Anforderung: nicht ansehen, nicht ansprechen, nicht berühren. Stattdessen biete ich dem Pferd einen Zustand der inneren Ruhe an, in den ich mich auch selbst begebe. Das entspricht auch der Kommunikation in der Herde. Fordert ein Pferd ein anderes beispielsweise auf, einen Schritt zur Seite zu gehen und dieses reagiert, lässt es daraufhin komplett von ihm ab. Und Pferde genießen auch das gemeinsame Ruhen und Dösen in der Gruppe sehr.

Warum nicht anders? Im Zusammenleben mit Pferden nutzen wir ganz von selbst verschiedene Möglichkeiten zu loben. Ich lobe auch mal mit der Stimme oder frage ein Weichen ab, bevor ich meinem Pferd sein Futter hinstelle. Früher habe ich auch zwei meiner Pferde mit dem Clicker ausgebildet. Aus zwei Gründen bin ich davon weggekommen: Als Mensch denkt man, man hört beim Clickern positiv auf. Wenn das Pferd aber mehr Futter will, kann das Trainingsende Frust bedeuten. Verhaltensbeobachtungen zeigen, dass dann teils ein anderes Herdenmitglied den Ärger abbekommt. Außerdem wird es in Situationen schwierig, in denen das Pferd großen Stress hat: Da will kein Pferd fressen. Dann müsste man das Pferd schrittweise mit dem Stressauslöser konfrontieren, aber diese Möglichkeit hat man nicht immer.

Meine Erfolge: Gerade in Stresssituationen habe ich immer wieder Erfolg mit negativer Verstärkung. Guckt sich das Pferd zum Beispiel irgendwo fest, hole ich es da heraus, indem ich ihm eine Aufgabe stelle, es mir zum Beispiel weichen lasse. So kann ich es aus dem Fluchtmodus bringen, ohne an Interesse am Futter in dieser Stresssituation gebunden zu sein.

Praxistipp: Wie bei jedem Lob ist auch bei der Pause oder dem Wegnehmen von Anforderung das Timing entscheidend. Anfangs belohne ich schon kleine Schritte oder richtige Ideen: Will ich rückwärtsrichten und das Pferd verlagert nur das Gewicht nach hinten, reicht mir das zunächst schon für eine kurze Pause.

Wann lieber anders? Ich schaue mir jedes Mensch-Pferd-Paar an – für manche ist Clickertraining der beste Weg. Futter ist ein großer Motivator, ohne muss ich mehr an mir arbeiten.

MEIN ZIEL

Mein Pferd korrekt dehnen

WEG 1

KNUT KRÜGER lernte bei Paul Stecken und setzt sich intensiv mit der Dehnung auseinander. Mehr zum Thema unter: www.knut-krueger.de/dh

Meine Methode: Das „Zügel aus der Hand kauen lassen“ ohne Begrenzung nach unten. Das Pferd soll lernen, dass der Reiter nachgibt, wenn es sich nach unten dehnt – anfangs so deutlich, dass der Zügel durchhängt. Erst mit Erreichen der Losgelassenheit wird Anlehnung wichtiger.

Meine Erfolge: Bei fast allen Pferden bemerkt man bei dieser Arbeit innerhalb der ersten Stunde eine deutliche Verbesserung der Losgelassenheit und Rittigkeit. „Unarten“ wie Durchgehen, Erschrecken oder Abwehrhaltungen wie Wegdrehen beim Trensen verschwinden bald darauf.

Praxistipp: Erst wenn das Pferd ohne Einwirkung und Zügelkontakt konstant mit aus dem Widerrist fallengelassenem Hals in allen Gangarten zu reiten ist, hat es grundlegende Losgelassenheit erreicht. Dann erst nimmt es bei jedem Anheben des Kopfs ohne Handeinwirkung mehr Last mit der Hinterhand auf.

Wer gibt mir sonst noch recht? Das Zügel aus der Hand kauen lassen ohne Zügelkontakt verlangte schon Paul Stecken von den Bereitern: Sie sollten bei den Remonten die Zügel bis zur Schnalle herauskauen lassen können und so „mit tiefer langer Nase“ unter anderem zwei bis drei Runden galoppieren können. Die Reiter sollten immer wieder zum Sitzen und Treiben kommen.

Wann lieber anders: Im weiteren Verlauf der Ausbildung kann die Tiefe auch in Anlehnung geritten werden.

WEG 2

UTA GRÄF ist mehrfache Grand-Prix-Siegerin in der Dressur und steht für feines Reiten. www.gutrothenkircherhof.de

Meine Methode: Die meisten Pferde gehen in der Dehnungshaltung meiner Erfahrung nach besser über den Rücken, wenn sie dabei an die Hand heranziehen. Die Nase auf Buggelenkshöhe ist bei den meisten Pferden ein guter Orientierungspunkt für ausbalanciertes Gehen.

Warum nicht anders? Bei vielen Pferden plätschert der Zug, sprich die Gehfreude und die Energie, ein bisschen aus dem Körper, wenn man keine Verbindung in der Dehnung hat. Außerdem fallen viele Pferde etwas auf die Vorhand, wenn die Nase tiefer als auf Buggelenkshöhe kommt.

Praxistipp: Um die Dehnung in Verbindung zu erarbeiten, lasse ich die Zügel immer wieder ein kleines Stück länger, warte also nicht, bis das Pferd sie sich holt. Dann reite ich sozusagen der Hand hinterher und treibe an sie heran. Sucht das Pferd den Kontakt, lockere ich den Schenkeldruck wieder. Wichtig ist, auf gleichmäßiges Tempo zu achten.

Wann lieber anders? Die Methode funktioniert bei gut gerittenen Pferden sehr gut. In manchen Fällen muss ich mich aber anpassen: Kommt ein Pferd stark auf die Vorhand, reite ich statt Dehnungshaltung viele Übergänge. Tut sich ein Pferd schwer, den Hals fallenzulassen, lasse ich es auch tiefer als auf Buggelenkshöhe und lobe jeden Ansatz zum Fallenlassen. Dann kann auch die Verbindung mal aufgegeben werden. Auch viele Westernpferde gehen zum Beispiel ohne Kontakt in toller Balance in Dehnung. Ich bin da nicht dogmatisch.

MEIN ZIEL

Beim Führen Sicherheit geben

WEG 1

DR. CLAUDIA MÜNCH ist Bodenarbeitsexpertin der FN und bietet Kurse zu Gelassenheitstraining und Dressur am Boden an. www.bodenarbeit.net

Meine Methode: Ich bewege mich beim Führen stets auf einer Höhe zwischen Genick und Schulter des Pferds. Komme ich an Gefahren vorbei, gehe ich zwischen der Gefahr und dem Pferd, um ihm Sicherheit zu geben. So erwischt mich das Pferd nicht, wenn es zur Seite wegspringt.

Warum nicht anders? Gebe ich meine Position an der Seite des Pferds auf und gehe vor ihm, kann ich Anzeichen für ein mögliches Scheuen nicht sehen, es könnte mir plötzlich in den Rücken springen. Gehe ich hinter den Pferdeohren, habe ich dagegen Ohrenspiel und Gesichtsausdruck im Blick. Wenn ich mich zwischen Gefahr und Pferd befinde, kann ich meinem Pferd dadurch auch Sicherheit geben: Wenn ich näher dran bin und gelassen bleibe, signalisiere ich dem Pferd, dass alles in Ordnung ist.

Praxistipp: Neben dem Pferd kann ich in Schrecksituationen mit leichter Stellung zu mir vorwärtsseitwärts Übertreten abfragen. So konzentriert sich das Pferd auf mich, Umweltreize werden weniger wichtig und es wird mit der Schulter nicht gegen mich drängeln. So kann man auch gut Schreckhindernisse umrunden.

Wann lieber anders? Bei Engpässen im Gelände oder wenn die räumliche Situation es erfordert, muss ich natürlich auch mal vor dem Pferd gehen. Daher übe ich das durchaus, aber nicht dann, wenn das Pferd Angst hat und ich Sicherheit geben möchte und muss.

WEG 2

YVONNE GUTSCHE macht spektakuläres Gelassenheitstraining und hat ein Konzept für Sicherheit beim Reiten entwickelt. www.yvonne-gutsche.de

Meine Methode: Wichtig ist mir: Es gibt nicht richtig oder falsch, sondern nur passend oder nicht. Ich schaue, was das Pferd gerade braucht. Ist es ängstlich, orientiere ich mich am Verhalten in der Herde, und da geht der souveräne Herdenführer voraus. Also muss ich meine Führposition entsprechend wählen und vorangehen, wenn das Pferd vor etwas Angst hat. Ich befinde mich dabei leicht versetzt mit etwa einer Pferdelänge Abstand vor dem Pferd.

Warum nicht anders? Bewege ich mich in einer Angst-Situation auf Schulterhöhe des Pferds, sind Kopf und Hals vor mir. Das Pferd ist in einer selbstentscheidenden Position. Von leicht nach schwer zu arbeiten, bedeutet für mich, zunächst vorneweg zu gehen. Später kann ich auf Schulterhöhe bleiben und im letzten Schritt das Pferd aus der Longierposition über ein Hindernis schicken. Starte ich dagegen damit, meinen Schützling vorangehen zu lassen, muss sich das Pferd fühlen wie Kanonenfutter.

Praxistipps: In meinem ganzen Trainer-Leben kam es noch nie vor, dass ein Pferd von hinten in mich reingesprungen ist. An mir vorbei, ja. Aber nicht in mich, weil ich vorher den Raum kläre. Kommt ein Pferd zu nahe, muss ich es energisch zurückschicken. Hält es daraufhin nicht mehr Abstand, muss ich deutlicher werden. Die Reaktion dient der Überprüfung.

Wann lieber anders? In dem Moment, in dem ich mit dem Pferd kommunizieren möchte, hole ich es neben mich.

MEIN ZIEL

Mein Pferd in Balance bringen

WEG 1

CLAUDIA BUTRY ist Dressurausbilderin und bildet sich unter anderem bei Anja Beran fort. www.neuesreiten.de

Meine Methode: Wenn ein Pferd sehr schief im Körper ist, beginne ich schon früh in der Ausbildung, über das Reiten in Außenstellung oder Seitengänge an der Geraderichtung zu arbeiten. Dabei arbeite ich in einem ruhigen Tempo. Das Gehirn kann die Bewegungsmuster besser abspeichern, und es ist weniger verschleißend für die Gelenke.

Warum nicht anders? Natürlich braucht ein Pferd das Vorwärts. Doch ich denke, der Satz „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ von Reitmeister Gustav Steinbrecht wird oft falsch verstanden. Wer im Affentempo auf der ganzen Bahn unterwegs ist, belastet besonders ein noch schiefes Pferd stark. Ich verstehe unter Vorwärtsreiten dagegen, dass das Pferd jederzeit auf die vortreibenden Hilfen reagieren muss. Fordert man bei einem noch sehr schiefen Pferd zu viel Tempo, kann das sogar zu Widersetzlichkeit führen. Die Pferde fangen etwa an zu bocken.

Praxistipp: Deutlich sieht man den Effekt geraderichtender Arbeit oft beim Angaloppieren. Möchte ich ein rechts hohles Pferd auf der rechten Hand angaloppieren, ist es oft gefühlt auf 15 Hufschlägen unterwegs, hat Stress, bockt mitunter sogar. Reite ich vorher vielleicht nur zwei Runden auf der rechten Hand in leichter Außenstellung auf dem Zirkel, können viele Pferde plötzlich vorwärts-aufwärts angaloppieren. Die Vorhand ist auf die Hinterhand ausgerichtet, so dass das linke Hinterbein besser in den Rechtsgalopp einspringen kann.

Wer gibt mir sonst noch recht? In der Skala der Ausbildung steht die Geraderichtung erst an fünfter Stelle – doch dass die Skala nicht als lineares Stufensystem zu verstehen ist, schreibt auch die FN selbst in den Richtlinien. Es macht keinen Sinn, erst am Ende der Fahnenstange mit der Geraderichtung zu beginnen. Schon für einen guten Takt, den ersten Punkt auf der Ausbildungsskala und damit die Basis, ist sie wichtig. Denn ein räumliches und zeitliches Gleichmaß von Schritten, Tritten und Sprüngen, das Takt definiert, wird nur ein immer besser geradegerichtetes Pferd auch immer besser erreichen.

Wann lieber anders: Man muss die Methode nur an den Ausbildungsstand anpassen, Seitengänge etwa erst später reiten.

WEG 2

STEFAN SCHNEIDER ist Tierarzt, Working-Equitation-Turnierreiter und bildet Jungpferde aus. www.gutrothenkircherhof.de

Meine Methode: Ich lege in der Ausbildung der Jungpferde den Fokus auf das Vorwärts. Dazu geht es zunächst an der Longe in den Roundpen, wo ich den Pferden das Schnalzen als Signal dafür beibringe und sie Spaß am Vorangehen entwickeln sollen. Ich arbeite ohne Ausbinder und immer schön nach vorne. Diese Arbeit kommt für mich ganz klar vor dem Geraderichten.

Warum nicht anders? Ich glaube, dass man ein Pferd gar nicht geraderichten kann, wenn es nicht vorwärts geht. Nicht umsonst heißt der berühmte Satz von Steinbrecht: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ – in dieser Reihenfolge und nicht andersherum. Ich habe sicher schon rund 500 Jungpferde auf diese Weise ausgebildet, und jedes hat selbstverständlich eine natürlich Schiefe, hat eine Lieblingshand. Die Schiefe bearbeite ich dann im nächsten Schritt.

Praxistipp: Ich arbeite mit jungen Pferden viel am Boden und vor allem auch am langen Zügel. Nachdem ich das Vorwärts an der Longe entwickelt habe, gehe ich dazu über, mit den Pferden an Langzügel und LK-Controller in der Mitte des Roundpens ein Viereck anzulegen. Der innere Zügel löst das Abwenden aus. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich übe Wendungen und gerade Linien. Jungpferde kleben gerne an der Bande, weil sie unausbalanciert und schief sind. Mit dieser Übung bekomme ich sie davon weg und arbeite so an der Geraderichtung. Außerdem gehe ich am langen Zügel auch zügig schreitend ins Gelände und wechsele dabei immer wieder die Seite, auf der ich selbst gehe. So beuge ich Einseitigkeit vor.

Wer gibt mir sonst noch recht? Gutes Vorwärts ist das A und O der Pferdeausbildung. Das hat beispielsweise auch in den Arbeitsreitweisen eine lange Tradition. Unsere Impulsreitweise orientiert sich daran: Ich muss nicht treiben, sondern kann mich in die Bewegung einfühlen. Nur wenn das Pferd den Entschluss fasst, langsamer zu werden, gebe ich einen Impuls.

Wann lieber anders: Im Lauf der Ausbildung kommen geraderichtende Lektionen wie Seitengänge dazu. Dabei beginne ich stets mit der einfacheren Hand und versteife mich nicht auf die schwierige.

MEIN ZIEL

Eine feine Anlehnung erreichen

WEG 1

BRITTA SCHÖFFMANN ist Inhaberin des Goldenen Reitabzeichens und Dressurausbilderin. www.britta-schoeffmann.com

Meine Methode: Als Verfechterin der klassischen Reitweise bin ich der Meinung, dass eine feine Anlehnung und gymnastizierendes Reiten mit Gebiss besser funktionieren.

Warum nicht anders? Ich bin selbst schon öfter gebisslos geritten, auch in hohen Lektionen – doch für die Ausbildung und Feinarbeit würde ich immer auf das Gebiss setzen. Auch ohne Gebiss kann das Pferd eine gewisse Anlehnung an die Reiterhand finden. Was mit Gebiss meiner Meinung nach aber viel besser geht: Stellung im Genick zu erzeugen, weil ich punktgenau einseitig aufs Maul einwirken kann. Mit gebisslosen Zäumungen geht das meiner Erfahrung nach weniger präzise. Außerdem kann ich mit dem Gebiss beispielsweise sehr differenziert nach oben einwirken und so die Lefzen ansprechen. Das löst beim Pferd einen Kau-Reflex aus, der das Genick lockert und so die Losgelassenheit im ganzen Körper fördert.

Wer gibt mir sonst noch recht? Schon aus den 20er-Jahren gibt es Fotos vom gebisslosen Reiten. Dennoch hat es sich nicht breit durchgesetzt – weil Gymnastizierung eben nicht gleichermaßen möglich ist wie mit Gebiss.

Wann lieber anders? Wir haben als Reiter eine große Verantwortung, weich auf das Maul einzuwirken. Ab und zu gebisslos zu reiten, kann der Überprüfung dienen: Geht das Pferd dann nicht durchs Genick, wurde es vorher festgezogen.

WEG 2

MONIKA LEHMENKÜHLER hat den gebisslosen „LG-Zaum“ entwickelt und bildet bis zu Lektionen der hohen Schule gebisslos aus. www.lgzaum.de

Meine Methode: Ich bin selbst 20 Jahre lang mit Gebiss konsequent nach klassischen Grundsätzen geritten. Mein Trakehner-Halbblüter Marti zeigte mir schließlich ganz deutlich, was er von Gebissen hielt: Nichts. Ich experimentierte mit den wenigen damals verfügbaren Zäumen und entwickelte letztlich den LG-Zaum bzw. das Glücksrad, das sowohl seitwärtsweisende Hilfen als auch Vertikalkontrolle präzise und leicht verständlich möglich macht.

Warum nicht anders? Pferde verstehen Druck auf der Außenseite des Kopfs viel leichter als Zug im Maul, der zudem Schmerzen und in der Folge Abwehrreaktionen auslösen kann. Es ist verständlicher für sie, einem klar zuzuordnenden Druck auf der Nase nachzugeben. Es geht mir beim Reiten zunächst darum, dem Pferd einen gewissen Rahmen empfehlen zu können, um so die Haltung herzustellen, die es befähigt, den Reiter ohne Schaden zu tragen. Das geht selbstverständlich auch gebisslos.

Wer gibt mir sonst noch recht? Ein korrekt gefördertes Pferd bringt sich und den Reiter immer mehr ins Gleichgewicht – das ist reiterlicher Konsens. Dabei sind es die Lektionen, die es dazu veranlassen, nicht die Zäumung. Jedes Equipment ist lediglich ein Hilfsmittel.

Wann lieber anders: Den LG-Zaum empfehle ich uneingeschränkt. Wer nur mit Sidepull oder Halfter ausbilden will, kann das tun, braucht aber eine bedeutend ausgefeiltere Reittechnik.

MEIN ZIEL

Den Pferderücken im Trab schonen

WEG 1

SABINE ELLINGER ist Dressurausbilderin und betreibt ein Reha-Zentrum für Pferde in Baden-Württemberg. www.dressur-design.de

Meine Methode: Ich trabe bei meinen Reha-Pferden sehr viel leicht und habe damit gute Erfolge. Oft dauert es vier Monate bis ein halbes Jahr, bis ich wieder aussitze. Bei diesen Pferden kommt es mir darauf an, den Rücken wieder mehr zum Schwingen zu bringen, ich reite sie viel in Dehnungshaltung und entlaste den Rücken durch Leichttraben.

Warum nicht anders? Möglichst viel aussitzen zu wollen, führt oft zu zweifelhaften Ergebnissen: Wer nicht sehr gut reitet und sehr athletisch ist, tut sich auf Pferden mit viel Schwung beim Aussitzen schwer – also auf den meisten Warmblütern. Arbeitstempo ist dann körperlich oft gar nicht machbar, und der Reiter reduziert das Tempo teils unbewusst bis zum Schlurftrab herunter. Der ist leichter zu sitzen, aber die Hinterhand wird inaktiv, der Rücken hängt durch und das Pferd nutzt die falschen Muskelgruppen. Aber auch wenn das Pferd den Rücken noch nicht loslassen kann, entsteht schnell eine Negativspirale, weil auch der Reiter dann verspannt.

Praxistipp: Gymnastizierend arbeiten kann man im Leichttraben genauso gut wie im Aussitzen, also Stellung, Biegung und Seitengänge abfragen. Aussitzen ist also gar nicht unbedingt nötig, bis das Pferd fit genug ist.

Wann lieber anders: Wenn ein bestimmtes Pferd sich im Aussitzen besser bewegen würde als im Leichttraben, wäre das für mich ein Grund, anders zu arbeiten. Und einige Rassen wie Iberer oder Isländer mit weniger schwungvollen Gängen machen das Aussitzen dem Reiter leichter. Ist es mühelos, spricht nichts dagegen.

WEG 2

NATHALIE PENQUITT studierte Tiermedizin; sie unterrichtet klassische Dressur bis Zirkuslektionen. www.penquitt-pferdeschule.de

Meine Methode: Das Aussitzen hat meiner Meinung nach Vorteile gegenüber dem Leichttraben: Je weniger ich mich unnötig im Sattel bewege, umso feiner wird die Kommunikation. Wenn ich sitzenbleibe, kann ich viele Hilfen präziser geben als im Leichttraben. Früher habe ich viele Pferde angeritten und festgestellt, dass man auch beim jungen Pferd sehr gut aussitzen kann, wenn der Trab das hergibt.

Warum nicht anders? Ich bin nicht dogmatisch gegen das Leichttraben, sondern nutze es sehr situationsabhängig und abhängig vom Pferd. Das Leichttraben sollte ursprünglich bei Jagden in erster Linie den Reiter schonen. Fällt er beim Aussitzen in den Rücken, ist es natürlich auch fürs Pferd angenehmer, wenn er leichttrabt. Doch wir sollten bedenken: Tragen muss es uns trotzdem. Das Gewicht verteilt sich nur anders. Je nach Technik des Reiters und Sattelpassform kann das fürs Pferd auch unangenehm sein, etwa weil viel Gewicht auf die Bügel kommt und das Gewicht so schlechter verteilt wird. Richtiges Leichttraben ist gar nicht so leicht!

Praxistipp: Man kann auch im Aussitzen die Zügel abwechselnd mehr aufnehmen und hingeben – so vermeidet man eine Fehlkonditionierung. Viele Pferde haben gelernt: Aussitzen bedeutet, dass eine Anforderung folgt. Darum verspannen sie sich. Leichttraben dagegen heißt locker vorwärts. Beides sollte entspannt gehen.

Wann lieber anders: Ich hatte selbst mal ein so unbequemes Pferd, das ich fast nur im Leichttraben gearbeitet habe. Das Aussitzen sollte für Pferd und Reiter angenehm sein.

MEIN ZIEL

Effektiv longieren in gesunden Hattung

WEG 1

DOROTHEE BAUMANN-PELLNY ist Amateurreitlehrerin FN und lernte bis zur Hohen Schule bei Egon von Neindorff. www.dorothee-baumann-pellny.de

Meine Methode: Der klassischen Lehre entsprechend gehören für mich beim korrekten Longieren des Pferds, je nach Ausbildungsstand, Ausbindezügel dazu. Zuerst lernt die Remonte am Kappzaum, sich auszubalancieren. Später wird dieser über der Trense verschnallt. Beginnt das Pferd sich zu tragen, kommen Ausbinder als Zügelersatz dazu, so eingestellt, dass sie durchhängen. Dabei gewöhnt es sich an das Zügelgewicht und lernt, in leicht aufgenommener Haltung, erste Anlehnung.

Warum nicht anders? Longieren mit Ausbindern entspricht sowohl schonendem Heranführen ans Reiten als auch einer Ergänzung dazu: Das Pferd lernt so schrittweise ohne Reitergewicht an der Longe, bei leichtem Zügelkontakt, locker über den Rücken zu gehen. Und: Solch gut ausgebildete in Haltung gehende Pferde, deren Rücken trägt und elastisch schwingt, brauchen wir für die so wichtige Sitzschulung des Reiters an der Longe. Diese funktioniert nur, wenn das Pferd nicht auseinanderfällt.

Wer gibt mir sonst noch recht? Bei der Gymnastizierung des Pferds sind Ausbinder sinnvoll, weil es so auch ohne Reiter seitlich eingerahmt bleibt und die aufgenommene Haltung übt. Deshalb wird in der klassischen Schule so gearbeitet.

Praxistipp: Die Ausbinder stets Tempo und Rahmen anpassen. Trägt sich das Pferd selbst, bleibt das Genick der höchste Punkt und die Nase vor der Senkrechten, arbeiten Sie reprisenweise in kürzerem Tempo; die Ausbinder sollen anstehen, aber nie zurückwirken. Zum Dehnen deutlich verlängern, zum Abschluss ausschnallen.

Wann lieber anders? Ich binde kein Pferd aus, das es nicht kennt. Das Pferd muss so geschult sein, dass es mittels aktiver Hinterhand Rücken, Hals und Genick loslässt und sich selbst trägt.

WEG 2

DANIELA WILSING ist Pferdewirtin mit Schwerpunkt Reiten und Ausbilderin für Pferd und Reiter.

Meine Methode: Ich beginne stets mit Führtraining, bei dem ich mein Pferd über Blicke und Körperbewegungen um Raum bitte. Nach und nach geht das auf größere Distanz und wird zum Longieren. Das Pferd gewinnt durch diese Arbeit Vertrauen, kann sich sicher fühlen neben einem souveränen Menschen. So kommt es aus falschen Haltungsmustern und kann eine gesunde Haltung einnehmen – jede Bewegung beginnt im Kopf. Meine Körperspannung gibt dabei vor, ob sich das Pferd mehr dehnen oder heben soll. Über den Kappzaum kann ich zudem Stellung geben.

Warum nicht anders? Ausbinder behandeln oft nur Symptome. Das Problem liegt zu 99 Prozent beim Menschen. Wir verpassen so viel Potential, an uns selbst zu arbeiten, wenn wir einfach Ausbinder einschnallen. Alles was wir brauchen, haben wir.

Praxistipp: Ein Beispiel zum Faktor Mensch: Ausbinder begrenzen, wenn das Pferd über die Schulter nach außen driftet. Oft macht aber einfach nur der Mensch zu viel Druck, weil Brustbein und Fußspitzen frontal zum Pferd zeigen. Sich mehr parallel zum Pferd zu positionieren, hilft da.

Wer gibt mir sonst noch recht? In erster Linie die Pferde, mit denen ich seit über 40 Jahren arbeite. Darunter sind Fälle wie mein aktuelles Ausbildungspferd Oskar mit gefestigten falschen Bewegungsmustern und Kissing Spines, die so gelernt haben, sich entspannt und gesund zu bewegen.

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