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So lange es die Liebe gibt


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Die neue Frau - epaper ⋅ Ausgabe 43/2022 vom 19.10.2022

LOVE-STORY

Artikelbild für den Artikel "So lange es die Liebe gibt" aus der Ausgabe 43/2022 von Die neue Frau. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Karina sah aus dem Fenster in den Regen. Sie stellte sich vor, wie Christian die Zeitung zur Seite legen, zu ihr kommen und ihren Nacken küssen würde. Fast hörte sie ihn sagen: „Ich liebe dich wie am ersten Tag.“

Der erste Tag! Karina fröstelte. Sechs Jahre war es her. Bald wollten sie ihren fünften Hochzeitstag feiern. „Daraus wird wohl nichts mehr“, murmelte sie unglücklich.

„Hast du was gesagt?“, kam es aus der anderen Ecke des Zimmers.

„Nichts. Gar nichts“, erwiderte Karina und spürte, wie sich die Traurigkeit in ihr breitmachte. Wie hatte sie diesen Mann einmal geliebt! Die Art, wie er sprach, dieses Lächeln und die Leidenschaft, die sie beide überkam, wenn sie sich nur berührten.

Wann hatten sie verlernt, einander das Herz zu öffnen? Es mochte während der ersten ...

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... Schwangerschaft passiert sein, als sie das Baby in der achten Woche verloren hatte. Oder beim zweiten Versuch. Da war ihr Bauch schon deutlich gerundet gewesen, als sie die Fehlgeburt erlitt. Damals war Karina so verzweifelt gewesen, dass niemand mehr zu ihr durchdrang, auch nicht Christian.

Karina war sich nicht bewusst, dass sie ihren Mann anstarrte und sie erschrak, als er jetzt aufsah. In seinem Blick lag eine Einsamkeit, die er nicht einmal sich selbst eingestand.

„Was ist denn heute eigentlich los mit dir?“ Er gab sich immerhin Mühe, nicht allzu gereizt zu klingen.

Es gibt ka um ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.

„Nichts“, log Karina, weil sie ihre Gedanken nicht mehr aussprechen konnte. „Es ist nur der Regen.“

„Aha“, meinte Christian und zuckte mit den Schultern. Es war diese eher unbewusste Bewegung, die sie aus ihrer Erstarrung riss. Ich bin ihm gleichgültig, schoss es Karina durch den Kopf. Er will von mir in Ruhe gelassen werden.

Wie zur Bestätigung blätterte ihr Mann jetzt geräuschvoll um. Mit brennenden Augen löste sie sich von ihrem Platz am Fenster und sagte beiläufig: „Ich mache einen Spaziergang.“ Draußen goss es in Strömen., doch Karina bemerkte es nicht. Sie lief und lief, ohne Ziel. Aber ihre Beine schienen den Weg allein zu kennen – bis sie vor demGloria-Palaststand. Dort, im Foyer des Kinos, war sie Christian begegnet, und nun musste sie dort wohl Abschied nehmen.

Die Frau an der Kasse musterte sie voll Neugierde und Misstrauen und Karina begriff, dass sie, durchnässt wie sie war, einen seltsamen Anblick bot. „Der Film ist aber in einer halben Stunde zu Ende“, sagte die Frau.

Draußen goss es in Strömen. Karina bemerkte es nicht

„Das macht nichts“, erwiderte Karina, nahm die Karte, ging hinein und ließ sich in einen der Sitze fallen. Der Film war ihr egal, sie wollte in Ruhe nachdenken und zu einer Entscheidung kommen. Doch in ihrem Kopf herrschte nur Leere. Es ist vorbei, dachte sie, dies war der einzige Gedanke, zu dem sie fähig war.

Sie starrte auf die Leinwand, und erst nach einer Weile nahm sie auf, was sie sah. Ein nicht mehr ganz junges Paar stand sich gegenüber, zu fern, um sich zu berühren, zu nah, um einander fremd zu sein. Wie Christian und ich, dachte Karina. Der Mann sagte etwas, und die wenigen Worte, trafen ihr Herz: „Lass uns reden. Nichts ist verloren, so lange es Worte gibt.“

Plötzlich entdeckte sie Bilder, die sie vergessen hatte

Karina fuhr zusammen. Solange es Worte gibt, dachte sie, und solange es die Liebe gibt. Erst jetzt, in diesem dunklen Kinosaal, fand sie den Mut, ihren Gefühlen nachzuspüren. Plötzlich entdeckte sie Bilder, die sie vergessen geglaubt hatte. Bilder der Zärtlichkeit und des Lachens: Christian schaute sie an, voller Liebe. Karina wartete das Ende des Films nicht ab. Sie eilte hinaus. „Christian!“, rief sie laut in den Regen, „Christian, ich liebe dich!“ Dann machte sie sich auf die Suche nach einem Taxi.

Seit einer Weile lief Christian unruhig auf und ab. Erst als Karina das Haus verlassen hatte, war ihm klar geworden, dass etwas nicht stimmte. Seine Frau hasste Regen. Normalerweise hätte sie an so einem Tag keinen Fuß vor die Tür gesetzt.

Plötzlich hielt er in seiner „Wanderung“ inne. Es schien ihm fast, als sei da eine Stimme irgendwo tief in seinem Innern. Christian war ein vernünftiger Mann, der keinen Sinn für Mysterien hatte. Aber jetzt zögerte er keine Sekunde, holte den Wagen aus der Garage.

Während der Fahrt fragte er sich, ob er verrückt wurde. Da bildete er sich ein, eine Stimme zu hören. Karinas Stimme! Er überlegte, dass es klüger wäre, umzudrehen. So wie es seiner Meinung klüger gewesen war, nach dem Ende all ihrer Hoffnungen auf ein Kind, das Leben ganz normal weiterzuleben. Was für einen Sinn hätte es gehabt, immer wieder darüber zu reden? Erst an diesem regnerischen Sonntagnachmittag, auf einer törichten Autofahrt, kam ihm der Gedanke, dass er damit das Schweigen in ihre Ehe gebracht hatte.

Zehn Minuten später fand er seine Frau fröstelnd in der Nähe des Kinos. Er begriff, dass er sie beinahe für immer verloren hätte, und sein Herz, das so lange stumm gewesen war, quoll jetzt vor Zärtlichkeit über. „Komm nach Hause, Karina. Bitte“, sagte Christian mit unsicherer Stimme.

Sie sahen sich an – und diesmal fanden sie in ihren Augen die Liebe wieder, die niemals gestorben, jedoch fast vergessen worden war.

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