Lesezeit ca. 6 Min.
arrow_back

So lief das EBERL-AUS wirklich!


Logo von Sport Bild
Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 02.02.2022

BUNDESLIGA

Sein Büro hat er noch gar nicht ausgeräumt. Max Eberl (48) wollte einfach nur weg. Raus aus dem Borussia-Park. Raus aus der Bundesliga. Raus aus dem Fußball-Geschäft. Erst mal ins Ausland, wo ihn niemand kennt und wo er neue Kraft tanken möchte. Und – wie er selbst sagte – wo er einfach Max Eberl sein kann.

Mit der Pressekonferenz am vergangenen Freitag endete die 23-jährige Ära von Eberl in Gladbach. Nach fünfeinhalb Jahren als Spieler, knapp vier Jahren als Nachwuchschef und mehr als 13 Jahren als Sportdirektor. Der Mann, der aus einem Verein, der sich im Abstiegskampf befand, einen Vorzeige-Klub in Europa formte, ist weg. 8428 Tage Borussia pur. Vorbei!

SPORT BILD verrät, wie das Eberl-Beben hinter den Kulissen wirklich ablief.

Der Donnerstag vergangener Woche, 27. Januar: Krisensitzung mit Eberl, seinem Kaderplaner Steffen Korell (50), Finanzboss Stefan Schippers (54) und Vize-Präsident ...

Artikelbild für den Artikel "So lief das EBERL-AUS wirklich!" aus der Ausgabe 5/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
?Ich beende was, was mein Leben war!? Unter Tränen verkündet Max Eberl am vergangenen Freitag seinen Abschied in Gladbach. In seinen 13 Jahren als Sportdirektor erreichte der Klub sechmal Europa, darunter dreimal die Champions League
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Ich bin mir sicher: Eberl kommt zurück!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ich bin mir sicher: Eberl kommt zurück!
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Kruse wird in Wolfsburg scheitern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kruse wird in Wolfsburg scheitern
Titelbild der Ausgabe 5/2022 von Das Bosse-BEBEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das Bosse-BEBEN
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Kruse wird in Wolfsburg scheitern
Vorheriger Artikel
Kruse wird in Wolfsburg scheitern
Das Bosse-BEBEN
Nächster Artikel
Das Bosse-BEBEN
Mehr Lesetipps

... Rainer Bonhof (69). Auch Marc Kosicke, der Berater von Liverpool- Trainer Jürgen Klopp (54), ist dabei. Vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens hat sich Eberl mit Kosicke abgestimmt.

Gegen 15 Uhr ist die Ära Eberl vorbei – 13 Monate nach seiner letzten Vertragsverlängerung.

Herbst 2020: Die Bosse hören von Gerüchten, dass sich der FC Bayern wieder konkrete Gedanken über eine Verpflichtung Eberls machen soll. Der Sportdirektor, unter dem sich der Traditionsklub auch ohne Hilfe eines Investors sechsmal für Europa (davon dreimal für die Champions League) qualifizieren konnte, bekommt einen neuen Vertrag. Langfristig, bis 2026. Höher dotiert. Eberl stellt dabei eine wichtige Bedingung: Er wolle im Januar 2021 eine Auszeit von vier Wochen nehmen. Die Bosse willigen sofort ein.

Das Motto „Max macht das schon“ – es funktionierte nicht mehr

Seine Verschnaufpause in den Schweizer Bergen wird dann vorzeitig und mit aller Wucht beendet. Weil Breel Embolo (24) bei einer illegalen Corona-Party über Dächer geflohen ist und sich in einer Badewanne vor der Polizei versteckte. Kurz darauf informiert Trainer Marco Rose (45) Eberl, dass er seine Ausstiegsklausel ziehen und zum BVB wechseln werde. Trotz der sportlichen Talfahrt und massiver Kritik der Fans hält Eberl an Rose fest. Die Borussia beendet die Saison auf Platz acht. Statt der im Winter möglichen Champions-League-Qualifikation (als Siebter nur ein Punkt Rückstand) reicht es nicht mal für die neue Conference League. Es folgte ein Transfer-Sommer, der für Gladbach kein richtiger Transfer- Sommer wird. Denis Zakaria (25), Matthias Ginter (28) und Marcus Thuram (24) können nicht verkauft werden. Borussia fehlen auf einen Schlag mehr als 50 Millionen Euro für den geplanten Umbau der Mannschaft.

Eberl zweifelt nach der Transferperiode erstmals daran, dass er die Kraft für die hammerharten Aufgaben aufbringen kann, die jetzt vor dem Klub liegen. Sein Perfektionismus, der ihn als Manager überhaupt erst so erfolgreich hat werden lassen, kostet zu viel Energie. Das Motto „Max macht das schon“ – es funktioniert nicht mehr.

Bereits im September sucht er erstmals das Gespräch mit den Verantwortlichen. Erst mit Finanzboss Schippers, direkt danach mit dem Präsidenten Königs. Schon zu diesem Zeitpunkt sagt er, dass ihm die Kraft fehle.

Im November konfrontiert SPORT BILD Eberl mit dem Gerücht, dass er aufhören wolle und die Klubführung schon informiert hätte. Zu dem Zeitpunkt dementiert er klar: „Nein, das ist kein Thema für mich.“

Eberl sagt bewusst die Unwahrheit, um den Klub zu schützen. Die Krux: Für die Bosse keimt dadurch neue Hoffnung auf, dass er doch bleiben könnte.

Das Heimspiel gegen Union verfolgte Eberl heimlich in einer Stadionloge

Auch durch TV-Auftritte im „Doppelpass“ und im „Sportstudio“, in denen Eberl leidenschaftlich für seinen Klub kämpft. Die Energie ist zurück – glauben sie.

Doch es wird nicht besser. Im Gegenteil. Eberl geht es auch körperlich nicht gut.

Dienstag vor zwei Wochen, der 19. Januar. Auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel in Hannover nennt Eberl den aktuellen Trainer Adi Hütter (51) gleich zweimal versehentlich „Dieter“ – wie Ex-Trainer Dieter Hecking (57). Beim 0:3-Debakel fehlt er krankheitsbedingt. Eine schlimme Migräne setzt Eberl zu, er liegt zu Hause in einem stockdunklen Raum, um die Schmerzen erträglich zu halten.

Beim darauffolgenden Liga- Spiel gegen Union (1:2) lässt er sich ebenfalls entschuldigen. Die Wahrheit: Eberl ist im Stadion, verfolgt das Spiel heimlich in einer Loge. Er will keinesfalls gesehen werden, schon gar keine Interviews geben. Aus Selbstschutz.

Der Verein merkt nun, dass es unwahrscheinlich wird, Eberl langfristig als Manager in Gladbach zu halten. Sie versuchen jedoch alles, um ihm Brücken zu bauen. Allen voran Korell macht sich Gedanken. Die Idee, dass Eberl eine weitere, zweite Auszeit nimmt, fällt. Zudem wird ihm nochmals vorgeschlagen, dass er eine höherrangige Position bekleidet – und so aus dem Tagesgeschäft gezogen wird. Bereits 2019 war im Gespräch, dass mit dem jetzigen Schalker Rouven Schröder (46) ein Sportdirektor eingestellt wird, der ihm zuarbeitet. Damals lehnte Eberl ab, weil er keine Aufgaben abgeben wollte. Jetzt, weil er keine Kraft mehr hat.

Mit den Klub-Bossen spricht er daraufhin über seine eigene Nachfolge. Eberl sagt, dass es für ihn den perfekten Kandidaten gebe: Seine Nummer eins ist Steffen Korell. Die Verantwortlichen finden seinen Vorschlag gut, fragen Korell. Doch der lehnt ab. Er will Kaderplaner bleiben und nicht in die erste Reihe aufrücken. Deshalb sieht sich die Borussia nun extern nach einem neuen Eberl um.

Aufsichtsrat schlug eine Job-Sperre oder fixe Ablöse für Eberl vor

Was ist mit seinem Vertrag? Der ruht aktuell, Eberl bekommt kein Gehalt. Im Zuge der Auflösungsgespräche vor Weihnachten schlägt der Aufsichtsrat dem Präsidium eine Job-Sperre vor, um einen der erfolgreichsten Manager der Liga nicht einfach so zu verlieren.

Eine Idee: Eberl soll ein, zwei Jahre für keinen anderen Klub arbeiten dürfen. Sollte ihn doch jemand vorher verpflichten wollen, soll eine fixe Ablösesumme festgehalten werden. Die Meinung des Aufsichtsrats ist klar: Man darf am Ende nicht mit leeren Händen dastehen, sollte Eberl zu einem anderen Klub wechseln wollen. Zwischenzeitlich geisterte eine Summe um die zehn Millionen Euro durch den Raum. Eine Einigung gibt es bis heute nicht.

Für Eberl zählt das alles im Moment aber auch nicht. Er will einfach raus – dahin, wo er wieder Max Eberl sein kann.

BIELEFELD – GLADBACH

Samstag, 5. Februar, 15.30 Uhr, live bei Sky, Highlights direkt nach Abpfiff auf BILD.de, Sportbild.de und in der Sport BILD-App