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So neu und schon vierstellig


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 18/2019 vom 02.05.2019

DerOpel Astra K ist noch taufrisch. Trotzdem gibt es schon Angebote unter 10 000 Euro. Ein guter Deal?


BEIM AKTUELLEN ASTRA hat Opel abgeliefert. Die 2015 vorgestellte Generation K vermeidet die wichtigsten konstruktionsbedingten Schwachstellen des Vorgängermodells. Der J galt als fettleibiggängermodells. Der J galt als fettleibig, äußerlich überdimensioniert und innen zu eng.

Beim Neuen versprach Opel bis zu vier Zentner Gewichtsersparnis. Und der Blick in unsere Testdatenbank belegt: Das haben die Rüsselsheimer geschafft. Ein vergleichbarer Diesel speckte beim Modellwechsel von 1528 Kilo auf nur ...

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... noch 1330 Kilo ab. So fährt sich der Neue nicht nur agiler, er ist auch tatsächlich bequemer geworden. Obwohl gut fünf Zentimeter kürzer, genießen vor allem die Fondpassagiere spürbar mehr Platz.

GewichtsObendrein haben die Ingenieure das Cockpit entschlackt. Aus der Schalterwüste wurde ein angenehm schlichtes und reduziertes Bedienpanel, das keinerlei Rätsel aufgibt.

Wegen der gelungenen Optimierungen leidet die alte Generation J unter krassem Wertverlust. Bereits vier Jahre alte Modelle werden auf dem Gebrauchtwagenmarkt teilweise zu Schleuderpreisen angeboten.

Opel Astra 1.6 CDTI

Baujahr

2017

Laufleistung

157400 km

Preis

9480 Euro

Das Design der Generation K hat Opel behutsam angepasst. Viel tief greifender ging es dafür der Technik an den Kragen


Kaum Extras: Dieser Astra lief fast in Basisausstattung vom Band


Für unseren nur zwei Jahre alten Astra K verlangt der Händler überschaubare 9480 Euro. Allerdings ist der vierstellige Verkaufspreis für ein aktuelles Astra-Exemplar die Ausnahme. Grund ist in diesem Fall die übeme. Grund ist in diesem Fall die überdurchschnittlich hohe Laufleistung jenseits der 150 000 Kilometer. Zudem weigerte sich der Erstbesitzer beharrlich, bei den Extras Kreuze zu machen.

Sofort nach dem Anlassen des Motors macht sich ein weiterer Vorteil gegenüber dem Vorgänger bemerkbar. Der 1.6 CDTI rödelt deutlich besser gedämmt im Maschinenraum vor sich hin. Fragte sich der Fahrer im schweren Vorgänger noch, wo die Leistung abgeblieben ist, dürften die meisten Piloten im Astra K eher anerkennend nicken – für 110 PS geht die gebotene Performance mehr als nur in Ordnung. Ebenso tadellos: der Verbrauch. Im Alltag lässt sich eine Vier vorm Komma leicht realisieren. Mehr als sechs Liter auf 100 Kilometer erfordern schon einen sehr schweren Gasfuß – oder einen ungeschickten Umgang mit dem knackig zu schaltenden Sechsganggetriebe.

Angesichts der hohen Laufleistung ziehen wir den Hut vor dem Zustand des Innenraums. Weder sind abgewetzte Materialien, durchgesessene Sitze noch eine labberige Schaltführung zu bemängeln. Die Bremse hat anfangs mit der langen Standzeit zu kämpfen. Doch nachdem die Scheiben blank geschliffen sind, packt sie wie gewohnt herzhaft zu. Sollte das mal nicht so sein, liegt es möglicherweise an einer Verunreinigung des Hydrauliksystems. Ein entsprechender Rückruf von Opel nimmt sich dem Problem seit Februar dieses Jahres an (siehe Schwachstellen Seite 68).

Auf der Hebebühne überrascht der Unterboden mit reichlich Kantenrost an Achsschenkeln und Karosseriefalzen. Sogar die Stahlfelgen sind großflächig betroffen. Allerdings ein Sonderfall, der vermutlich auf das Konto eines feuchten Stellplatzes geht. Beim Thema Korrosion entwickelt sich der K hoffentlich so wie seine Vorgänger, die in diesem Kapitel beim TÜV seit Jahren überwiegend positiv auffallen.

Der aktuelle Astra ist fünf Zentimeter kürzer als sein Vorgänger, bietet innen aber mehr Platz


Die typischen Beschwerden des Astra, über die Kunden klagen, lassen sich mit dem Begriff Kinderkrankheiten zusammenfassen. Darunter fällt beispielsweise das Beschlagen der Frontkamera, der die Verkehrszeichenerkennung, Notbremsund auch Fernlichtassistenten versorgt. Wenn bei niedrigen Temperaturen die Windschutzscheibe beschlägt, hält sich der Dunst um die Kameralinse hartnäckig, da sie unter einer großflächigen Abdeckung im Bereich des Innenspiegels liegt. In den Foren finden sich zudem Klagen über den 1,4LiterTurbobenziner (125/150 PS), weil beim Beschleunigen jenseits von 2500 Touren ein Ruckeln auftritt. In einigen Fällen beseitigt ein Update des Steuergeräts das Problem.

Wermutstropfen bei unserem Diesel ist nur die hohe Laufleistung – das Risiko eines Kettenwechsels sollte nicht ignoriert werden.

Der gut gedämmte und sparsame Diesel dreht nicht gern


Der 1.6-CDTIMotor wird von einer Steuerkette angetrieben. Der Wechsel ist aufwendig, dauert knapp 14 Stunden

Dass der Neue besser ist als sein Vorgänger, wussten wir schon vor diesem Test. Angenehm überrascht sind wir aber, wie unverbraucht der Astra nach knapp 160 000 Kilometern Dauerstress wirkt. Modelle mit altersgemäßen Laufleistungen sind entsprechend teuer, bleiben dennoch eine Empfehlung.


FOTOS: T. RUDDIES (3), T. BADER (2), R. RÄTZKE