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So sah ROM wirklich aus


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 15/2019 vom 05.04.2019

Vom einstigen Machtzentrum der Welt sind nur noch Ruinen übrig. Mit modernster Technik lassen Wissenschaftler dasForum Romanum wieder im altem Glanz erstrahlen


Auf dem Forum Romanum schlug mehr als 1200 Jahre lang das Herz des Römischen Reichs. Auf diesem Platz wurde Geschichte geschrieben, er war Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Lebens und Machtzentrum der damals bekannten Welt. Hier residierten und regierten Könige und Kaiser, die prächtige Tempel und Statuen errichten ließen, um sich und ihre Taten zu verherrlichen.

Doch die Spuren dieser vergangenen Größe ...

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... sind nur schwer zu entdecken. „Heute, nach 2000 Jahren Zerstörung und Plünderung, sind nur noch wenige Fragmente der einstigen Pracht erhalten“, sagt der US-amerikanische Historiker James E.

Das FORUM ROMANUM

In seiner Glanzzeit Mitte des 4. Jahrhunderts präsentiert sich das Forum in voller Pracht. Wissenschaftler rekonstruierten den Platz mithilfe antiker Quellen und moderner Computertechnik

Packer. Der emeritierte Professor für Klassische Philologie an der Northwestern University ist Experte für die Geschichte Roms. Zusammen mit dem Architekten Gilbert J. Gorski, einem mehrfach ausgezeichneten Fachmann für Illustrationen, hat er ein Buch (siehe Buchtipp Seite 32) über das Forum Romanum veröffentlicht, aus dem die Bilder auf diesen Seiten stammen. „Jahr für Jahr besuchen Millionen Touristen diesen Ort. Die meisten von ihnen nehmen nur eine vage Vorstellung davon mit, wie die Ruinen, die sie dort sehen, in der Antike tatsächlich aussahen“, sagt Gorski.

Das wollen Gorski und Packer ändern. Ihr einmaliges Projekt: die originalgetreue Rekonstruktion des Forum Romanum, so wie es um 360 nach Christus aussah. „Natürlich erstreckt sich die Geschichte all der Bauwerke über mehrere Jahrhunderte“, sagt Packer. Aber die beiden Amerikaner haben einen guten Grund für ihre Wahl der Jahreszahl: „Zu jener Zeit standen alle berühmten Bauten noch.“

Mithilfe modernster Computertechnik und 3-D-Grafiken ist es ihnen gelungen, das gesamte Forum Romanum auf rea-listische Weise in seiner spektakulären Pracht auferstehen zu lassen. „Um die Gebäude korrekt zu positionieren, haben wir eine Reihe von Quellen bemüht: Satellitenbilder, Fotos, unveröffentlichte Zeichnungen und Fotografien aus Archiven sowie Artikel und Bücher“, erklärt Gorski.

JULIUS CAESAR
Er leitete die römische Kaiserzeit und damit das Ende der Republik ein


Die BASILICA IULIA

Von Julius Caesar 46 v. Chr.errichtet . In dem 107 Meter langen und 51 Meter breiten Hallenbau war zunächst das Gericht von Rom untergebracht. Im Mittelalter diente er als Kirche

BUCHTIPP James E. Packer und Gilbert J. Gorski: „Das Forum Romanum“, Prachtband im Schuber mit 307 Abbildungen, wbg Academic, 464 Seiten, 224 Euro


Anfänge im Sumpf

Die Geschichte des Forums beginnt am 21. April 753 v. Chr.mit der Gründung der Stadt Rom. Zwar hatten sich dort bereits im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. Menschen angesiedelt, doch das Tal, in dem das Forum knapp 100 Jahre später entstehen sollte, war damals noch Sumpfgebiet. „Hier, wo die Märkte jetzt sind, lagen früher morastige Sümpfe, Löcher, mit Wasser gefüllt, stieg im Tiber die Flut“, schrieb der römische Dichter Ovid 700 Jahre später.

Die Sümpfe, ursprünglich als Begräbnisstätte genutzt, wurden um das Jahr 600 v. Chr.durch ein aufwendiges Entwässerungssystem trockengelegt und gepflastert. Die Via Sacra („Die heilige Straße“) wurde der Hauptweg des Forum Romanum. Der Abwasserkanal, die Cloaca Maxima, gilt als Prototyp der antiken Kanalisation und befindet sich noch heute unter dem Forum Romanum. Damit waren die Voraussetzungen für die Entstehung des zentralen Platzes geschaffen. Eines der ersten großen Bauwerke war die Regia, laut Legende Residenz des zweiten römischen Königs Numa Pompilius (750 bis 672 v. Chr.). Zum Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr.entstand der Tempel der Vesta, dann die Curia Hostilia, das Senatshaus und das Comitium, Ort der römischen Volksversammlungen. „Die Erbauer des Forums legten den Grundstein für eine kontinuierliche Weiterentwicklung während der folgenden fünf Jahrhunderte, und zur Zeit der späten Republik erinnerte nichts mehr an den einstigen Sumpf“, sagt Packer.

Der Ära der Könige folgte ab 509 v. Chr.die Zeit der Republik, in der viele Gebäude funktional ausgerichtet waren. So gab es etwa eine Rednertribüne, die spätere Rostra. Der Tempel des Saturn diente als Aufbewahrungsort für den Staatsschatz. „Im 4. Jahrhundert v. Chr.waren diese Tempel bereits durch eine Reihe von Wohnhäusern Adliger miteinander verbunden“, erklärt Packer. Gesellschaftliche Einschnitte spiegelten sich auch im Forum wider. So wurde etwa um 450 v. Chr.an dem Rednerpult in Bronze das Zwölftafelgesetz ausgestellt, für viele Jahrhunderte die Basis des römischen Rechts. Und im Norden entstand das Macellum, der Markt mit seinem regen geschäftlichen Treiben. Im 1. Jahrhundert v. Chr.nahm mit der beginnenden Kaiserzeit eine neue Ära ihren

Anfang. Julius Caesar ordnete die grundlegende Umgestaltung des Forums an, die aber durch seine Ermordung 44 v. Chr.jäh unterbrochen wurde. „Erst nachdem Augustus 31 v. Chr.seine letzten großen Rivalen Marcus Antonius und Kleopatra besiegt hatte, setzte man am Forum Romanum drei wichtige Bauvorhaben fort, die im Zuge der politischen Unruhen zum Erliegen gekommen waren“, sagt Packer: den Tempel des vergöttlichten Caesar, die neue Basilica Iulia und die neue Curia.

Die Entwicklung des FORUMS

Der BOGEN DES SEPTIMIUS SEVERUS

Der dreitorige Triumphbogen ehrt Kaiser Septimius Severus, der 193 bis 211 regierte. Das im Jahr 203 eingeweihte Monument ist das einzige noch fast intakte Bauwerk auf dem Platz

SEPTIMIUS-MÜNZE
Der Kaiser regierte fast 18 Jahre


DIE REDNERTRIBÜNE
Das Relief auf dem Triumphbogen zeigt eine Rede Kaiser Konstantins auf der Rostra


ILLUSTRATIONEN: GILBERT GORSKI/WBG ACADEMIC; FOTOS: AKG-IMAGES, , BÖHME/INTERFOTO

Die westliche ROSTRA

Die Tribüne, von der aus Redner zum Volk sprachen, war zur Zeit der Republik von Statuen flankiert. Caesar ließ den Platz vor dem alten Senatsgebäude kurz vor seinem Tod umgestalten und eine neue Rostra errichten

Glanzvolle Kaiserzeit

Doch wie wurden die teuren Bauwerke finanziert? „Was die Infrastruktur, also Straßen, Brücken und Häfen, betraf, griff Augustus zum Teil in die eigene Tasche, für den Rest kamen die Kommunen und private Stifter auf“, sagt Packer. Auch die Beute aus Feldzügen wurde genutzt. „Die Eroberung Ägyptens 31 v. Chr.hatte Augustus so reich gemacht, dass er die meisten seiner frühen Gebäude selbst bezahlte. Zugleich demonstrierte er damit den Römern seine Freigebigkeit“, so Packer. Der Erhalt der Bauwerke wurde dann mit Steuern der örtlichen Landbesitzer finanziert.

Am Ende seiner Herrschaft im Jahr 14 n. Chr.hatte Augustus das Forum vollständig umgebaut. Bis dahin hatte es sich über Jahrhunderte immer nur stückweise verändert. Unter Augustus hatten die Bauherren erstmals die gesamte Architektur des Platzes im Blick. „Entwurf, Materialien und Details der Bauten des Augustus waren die homogenen Schöpfungen einheimischer Handwerker und zahlreicher auswärtiger, erfahrener hellenistischer Künstler“, so Packer. Ziel war die Glorifizierung des Kaisers und seines Imperiums. „Durch ihre Größe, ihre teuren Materialien und ihre detailreich ausgeführten Ornamente stellten die Bauten die Macht und Majestät des allmächtigen Imperiums zur Schau, das sich die Völker und Ressourcen des Mittelmeerraums einverleibt hatte.“

Verheerende Brände

In der Folgezeit ging es vor allem darum, diesen Glanz zu erhalten. Die Geschichte des Forums ist auch die eines beständigen Wiederaufbaus nach Kriegen, Plünderungen und Bränden. So brannte etwa der Tempel der Vesta sechsmal ab.

Die Baugeschichte des Forums endete im Jahr 608 mit der Errichtung einer Säule zu Ehren des byzantinischen Kaisers Phokas – 1200 Jahre nach der Trockenlegung des einstigen Sumpfgebiets. Bis zum Beginn des 9. Jahrhunderts behielt das Forum seine zentrale Funktion, dann begann der Zerfall. Bauwerke wurden abgerissen, weil man Material für neue Gebäude benötigte. Im 12. Jahrhundert lag das Forum endgültig in Trümmern.