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So schützen Sie Ihren Hund vor Giftködern


Mein Hund & Ich - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 14.08.2019

Nägel, Rasierklingen, Gift – die Methoden, mit denen Hundehasser unseren Vierbeinern ans Leben wollen, werden immer grausamer. Und es häufen sich die Meldungen in ganz Deutschland, dass wieder tödlich präparierte Köder gefunden oder gefressen wurden. In ihrem Anti-Giftköder-Training zeigt Hundetrainerin Sonja Meiburg, wie man die Gefahr reduziert

Artikelbild für den Artikel "So schützen Sie Ihren Hund vor Giftködern" aus der Ausgabe 5/2019 von Mein Hund & Ich. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Hund & Ich, Ausgabe 5/2019

Einem Hund beizubringen, einen gefundenen Leckerbissen liegen zu lassen, ist schwer. Es kann aber sein Leben retten


Wenn Vera Hallhuber (Name von der Redaktion geändert) heute ihre Labradorhündin anschaut, ist sie dankbar, dass Luna noch am Leben ist. Denn Luna ...

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... hat Giftköder gefressen – kleine Wurststückchen, die ausgestreut auf dem Spazierweg lagen. Zum Glück war die Hündin an der Leine und Frauchen Vera konnte ihr den Großteil der Beute aus dem Maul nehmen. Der sofort aufgesuchte Tierarzt gab der Hündin eine Spritze, damit sie sich erbricht. „Glücklicherweise hatte Luna nicht viel erwischt”, erzählt Vera Hallhuber. „Später habe ich von zwei anderen Hunden gehört, die auch diese Würstchen gefressen hatten und wochenlang schwer krank waren.” Vera Hallhuber ist immer noch sehr emotional, wenn sie von diesem Vorfall erzählt, denn die Gefahr, dass ihr Hund durch präpariertes Fressen ermordet wird, ist für sie noch nicht vorbei. „Erst kürzlich hat jemand Kekse mit Rasierklingen über unseren Gartenzaun geworfen.”

Das ist auch der Grund, weshalb die Hundehalterin nicht möchte, dass ihr Name genannt wird. Sie hat Angst. „Ich schere mich sonst um nichts und niemanden, aber wenn es um meinen Hund geht, da bin ich feige.” Ganz hilflos will sich Vera Hallhuber dieser Bedrohung aber nicht ausliefern. Sie hat mit Luna ein „Anti-Giftköder-Training” gemacht.
Sonja Meiburg von der Hundeschule Holledau bietet diesen zehnstündigen Kurs an und hat sogar ein Buch darüber geschrieben. „Ich gebe in ganz Deutschland und sogar im Ausland Seminare zu dem Thema und die sind normalerweise immer ausgebucht”, berichtet die Trainerin. „Momentan gibt es tatsächlich eine gesteigerte Nachfrage. Ich denke, das liegt auch daran, dass den Leuten jetzt langsam klar wird, dass das nichts ist, mit dem man einfach leben muss, sondern dass es wirklich möglich ist, mit dem Hund auf eine nette Art und Weise zu üben, dass er das Futter liegen lässt.” Auf eine nette Art und Weise – damit meint Sonja Meiburg, ohne Zwang, Meideverhalten und Geschrei.
Das funktioniert, indem man dem Hund eine Alternative bietet und ihn so dazu bringt, sich vom Futter auf dem Boden weg und zum Menschen hin zu richten.
Das ist nicht einfach und kann richtig in Arbeit ausarten. Der Vorteil ist aber immens. „Die Königsklasse ist natürlich, wenn der Hund dann, durch ein vorher geübtes Verhalten, das Futter anzeigt.
Aber auch wenn er nur zögert, haben Sie kostbare Zeit gewonnen, um zu verhindern, dass er das Futter am Boden frisst.” Und das kann im Ernstfall das Leben Ihres Hundes retten.

Die Expertin

SONJA MEIBURG ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und setzt auf gewaltfreie Hundeausbildung. In ihrem Buch beschreibt sie den Weg zum sicheren Gassi.Anti-Giftköder-Training von Sonja Meiburg, CADMOS Verlag, 14,95 Euro Infos zu Sonja Meiburg:www.Hey-Fiffi.com

TRAINING: VOR DEM FUTTER STOPPEN

Erste Schritte: Testen Sie, welche Leckerlis Ihr Hund am liebsten mag, und machen Sie eine Top-10-Liste. Außerdem sollte Ihr Hund entweder den Clicker kennen, oder Sie konditionieren ihn auf ein kurzes Markerwort wie „Klick”, „Zack” oder Ähnliches. Außerdem müssen Sie ein Freigabesignal wie „Nimm’s” trainieren. Ihr Hund, ausgestattet mit Geschirr und Leine, wird angebunden oder von einer zweiten Person festgehalten und schaut zu, wie Sie in einigem Abstand ein mäßig spannendes Futter auf einem Teller am Boden anrichten.
Beim Üben variieren: 1. Top-Futter und Clicker sind griffbereit.
Gehen Sie mit angeleintem Hund auf den Teller zu, bleiben aber im sicheren Abstand davor stehen. Seinen Blick zum Teller belohnen Sie mit Klick oder Markerwort. Dann zeigen Sie das Leckerchen in Ihrer Hand und bringen ihn dazu, sich zu Ihnen hin zu drehen. Er bekommt das Top-Leckerli und darf nach Ihrem Freigabesignal auch das Futter auf dem Teller fressen. Natürlich wird er später dieses Futter nicht immer bekommen. Damit er im Laufe des Trainings nicht frustriert wird, darf er es in der Anfangsphase ab und zu haben.
2. Er soll lernen, dass er sich, bevor er das Futter auf dem Boden erreicht, zu Ihnen umdreht und dort eine tolle Belohnung bekommt. Wenn das sitzt, ändern Sie immer einen Faktor wie Ort oder Zeit des Trainings, Art der Leckerlis, mit Teller oder ohne. Wenn Sie sicher sind, dass er sich umdreht und sich nicht auf das Futter stürzt, verringern Sie den Abstand, bis Sie neben dem Teller stehen. Später können Sie ein Leckerchen verlieren, an dem Sie das Stoppen und Umdrehen üben.

TRAINING: FUTTER ANZEIGEN

Nächstes Level: Das Anzeigeverhalten sollte ein Signal sein, das der Hund schon kennt und das er gerne ausführt. Wenn er es im Schlaf kann, verfeinern Sie das Futter-Stopp-Training, bis der Hund in etwa 30 Zentimeter Entfernung entspannt vor dem tollsten Futter stehen kann, ohne es anzurühren, sondern zu Ihnen schaut. Im nächsten Schritt warten Sie mit dem Clickern und geben stattdessen das Anzeigesignal. Wenn Sie sicher sind, dass der Hund es beherrscht, lassen Sie das Signal weg und warten ab, ob Ihr Hund das Anzeigeverhalten trotzdem zeigt. Wenn ja, dann bekommt er den Jackpot.
Die Krönung: Wenn nicht, dann war er noch nicht so weit, und Sie müssen weiter mit Signal arbeiten. Wichtig: Der Hund ist zunächst angeleint, sodass er nie ohne Freigabe die Möglichkeit hat, an das Futter zu gelangen. Ihre Geduld wird gekrönt, wenn Ihr Hund später kein Futter, egal wie verführerisch, vom Boden frisst, sondern Sie darauf aufmerksam macht.

TRAINING: SIGNAL „NIX DA!”

Fotos: Cadmos Verlag/Michele Baldioli, Adobe Stock

Ein neues Signal: 1. Setzen Sie sich vor Ihren Hund auf den Boden. Die eine Hand, gefüllt mit unattraktiverem Futter, strecken Sie ihm geschlossen auf dem Boden entgegen. Die andere Hand mit den Top-Leckerlis ist hinter Ihrem Rücken verborgen. In dieser Hand halten Sie auch den Clicker. Wenn der Hund sich zur ausgestreckten Hand wendet, sagen Sie freundlich „Nix da!”. Egal, was Ihr Hund jetzt anstellt, an das Futter in Ihrer ausgestreckten Hand kommt er nicht heran.
2. Sollte er kurz innehalten, dann clickern Sie und locken ihn mit der Top-Leckerli-Hand von der anderen Hand weg.
Im Gehen üben: Er darf das Top-Leckerli fressen, und wenn er beim letzten Bissen ist, darf er nach Ihrer Freigabe auch das Futter in Ihrer anderen Hand fressen. Im nächsten Schritt bekommt er erst den Klick, wenn er sich von der Hand am Boden weg zu Ihnen oder der Top-Leckerli-Hand wendet. Wenn er das zuverlässig macht, können Sie auch mal versuchen, das Futter am Boden offen hinzulegen.
Dann müssen Sie aber schnell sein und das Futter mit der Hand abdecken, falls er sich doch darauf stürzen will. In diesem Fall sollten Sie mit Ihrem Training wieder einen Schritt zurückgehen. Klappt das mit dem offenen Futter, dann wieder die Faktoren wie Ort, Zeit oder Leckerli variieren. Probieren Sie es nach einiger Zeit auch mal mit richtig gutem Futter, das Sie auslegen. Die Belohnung sollte dann entsprechend gut sein. Um das Signal „Nix da!” im Gehen zu üben, bauen Sie die Übung ähnlich wie beim Futter-Stopp-Training auf. Das müssen Sie eine ganze Weile trainieren, variieren und verfeinern.

Verhalten im Notfall

Sollten Sie vermuten, dass Ihr Hund einen Giftköder gefressen hat, bringen Sie ihn auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt. Wenn möglich nehmen Sie Reste des vermeintlich giftigen Futters mit. Dann kann ausgeschlossen werden, dass spitze Gegenstände enthalten sind, bevor der Hund zum Erbrechen gebracht wird. Und der Köder kann im Labor untersucht werden, um festzustellen, um welches Gift es sich handelt.
Machen Sie eine Anzeige bei der Polizei! Und informieren Sie andere Hundehalter mit Warnzetteln oder in sozialen Netzwerken. Verschiedene Handy-Apps warnen vor Bedrohungen.