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So teuer wird HiFi 2022


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 18.03.2022

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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 3/2022

Zunächst einmal: können Sie alles liefern, was ihre Kunden derzeit nachfragen?

Dirk Räke: Dank analoger Technik können wir alles liefern!

Mansour Mamaghani: Zum Glück können wir sagen: In den meisten Fällen ja.

Frank Hagemann: Das wäre zu schön. Zugegeben ist unser Sortiment mit den drei HiFi-Marken Dali, NAD und Bluesound und dem Hausautomationssystem Elan nicht gerade klein und daher kann es immer mal vorkommen, dass ein Artikel nicht sofort geliefert werden kann. Wir haben im Laufe der Pandemie einerseits einen starken Nachfragezuwachs des Verbrauchers erlebt und zeitgleich eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Bauteilen und Störung der Lieferund Logistikketten. Somit müssen wir leider feststellen, dass wir auch heute noch mit nicht unerheblichen Lieferproblemen zu kämpfen haben; das Schlimmste scheint jedoch hinter uns zu liegen.

Martin Bühler: Ja, wir sind in der glücklichen Lage, 98 % ...

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Martin Bühler: Ja, wir sind in der glücklichen Lage, 98 % unseres aktuellen Produktsortiments ab Lager lieferbar zu führen. Das ist eine Ausnahmeerscheinung im derzeitigen HiFi-Markt, in dem viele andere Anbieter mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen haben. Damit wir unsere Kunden nicht vertrösten müssen, mussten wir in den vergangenen zwei Jahren hart arbeiten und viel investieren, um uns Bauteile, Produktionsplätze und Transportkapazitäten zu sichern. Das zahlt sich jetzt aus.

Thomas Henke: Zu 90 %. Es gibt hier und da kleine Engpässe, aber die sind auch der hohen Nachfrage geschuldet.

Jens Ragenow: Dank sorgfältiger Planung und einem großen Hochregallager in Deutschland: Ja, wir können nahezu alles entweder sofort oder mit einer kurzen Verzögerung (1–2 Wochen) liefern.

Können Sie überhaupt die Nachfrage erfüllen?

Dirk Räke: Die Nachfrage ist groß, lässt sich aber bewältigen.

Jan Kretschmer: Das ist oberste Priorität. Aufgeben ist selbstverständlich keine Option und ja, die Nachfrage ist in den letzten zwei Jahren überdurchschnittlich hoch.

Christoph Kraus: Wir sehen nach wie vor eine sehr hohe Nachfrage nach unseren neuen Smart-Produkten. Diese übersteigt zum Teil das Angebot welches durch den weltweiten Chipmangel etwas eingeschränkt ist.

Jens Ragenow: Eine neu eingeführte Produktserie wie beispielsweise die Monitor Audio Silver 7G-Serie stellt unsere Logistikkette schon auf die Probe und es braucht erst Mal ein paar Tage, bis sich alles eingespielt hat.

Glücklicherweise arbeiten wir mit international agierenden Herstellern zusammen, die solche Themen weit im Voraus gut planen und kommunizieren, so dass auch wir uns entsprechend vorbereiten und unser Lager füllen können. Also: Ja, wir sind trotz einer gestiegenen Nachfrage fast vollständig lieferfähig.

Thomas Henke: Wie bereits gesagt zu 90 % ja. Außerdem waren und sind wir immer sehr eng in Kontakt mit unseren Lieferanten und sind eingeweiht in deren Produktionspläne. Somit können wir immer dem Kunden sehr genau mitteilen, wann er mit seinem Produkt rechnen kann, auch wenn es mal etwas länger dauert.

Wie lange muss der Endkunde im Moment auf ein Produkt aus Ihrem Hause warten?

Dirk Räke: Wir haben bis auf Ausnahmen keine Lieferverzögerungen, weil wir uns auf die neuen Bedingungen eingestellt haben.

Mansour Mamaghani: Wenn es sich nicht um eine spezielle Version oder eine Sonderanfertigung handelt, können wir derzeit fast alles sofort liefern.

Jens Ragenow: In der Regel haben wir all unsere Produkte direkt am Lager in Hamburg, so dass der Endkunde sein Wunschprodukt drei bis vier Tage nach Bestellung beim Fachhändler seiner Wahl in Empfang nehmen oder ein Aufbautermin vereinbart werden kann. Wenn doch mal etwas nicht lieferbar sein sollte, dauert es für gewöhnlich rund ein bis zwei Wochen und der Spaß kann beginnen.

Wie blicken Sie auf die letzten 2 Jahre Pandemie zurück?

Mansour Mamaghani: Am Anfang war es nicht einfach. Nicht nur weil ich Velodyne Acoustics erst wenige Wochen vor Beginn der Pandemie gekauft habe, sondern auch, weil die Situation für uns alle neu war und wir nicht wussten, was passieren würde und wie wir damit umgehen sollten. Aber nach ein paar Monaten konnten wir uns damit arrangieren und haben das Jahr letztendlich sehr gut abgeschlossen.

Frank Hagemann: Mit sehr gemischten Gefühlen. Viele Menschen sind mit COVID19 infiziert worden und haben mit gesundheitlichen Langzeitfolgen zu kämpfen, nicht wenige sind zudem an der Krankheit gestorben. Die Pandemie hat uns darüber hinaus aufgedeckt, wie verwundbar unser soziales Gefüge ist und hat die Querdenkerbewegung ans Tageslicht gebracht – alles in allem eine bedenkliche Entwicklung. Geschäftlich gesehen können wir uns jedoch glücklich schätzen, dass viele Kunden wieder mehr Wert auf das Audioerlebnis zu Hause legen, denn anders sind die gestiegenen Investitionen in den Heim- Audio-Bereich nicht zu erklären.

Bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung auch eine Nachhaltigkeit mit sich bringt und die Menschen auch nach der Pandemie gerne und viel Musik zu Hause erleben wollen.

Jan Kretschmer: Unsere kleine Branche hat verhältnismäßig viel Glück gehabt. Und wir sollten nicht vergessen auch mal in Demut nach links und nach rechts zu schauen. Jeder Konzertveranstalter, Club-Betreiber oder Restaurantbesitzer würde doch mit Sicherheit gerne lieber die aktuellen „Probleme“ unserer Industrie in Kauf nehmen, als vor den eigenen laufenden Kosten und Existenzängsten machtlos resignieren zu müssen. Da sollte es doch bitte verkraftbar sein, wenn ein reines Genussmittel (und das sind HiFi-Produkte!) ein paar Wochen oder Monate Lieferzeit hat oder evtl. etwas teurer geworden ist. Und das ist nur ein Blickwinkel auf einen Mikrokosmos von vielen in der Pandemie. Weltweit sind sehr viele Menschen mit oder an Corona verstorben. Das darf man niemals außer Acht lassen. Denen die HiFi herstellen, verkaufen und kaufen können, geht es meiner Ansicht nach doch verhältnismäßig gut. Vor allem global betrachtet.

Martin Bühler: Wirtschaftlich gesehen gab es Höhen und Tiefen.

Vor allem im Jahr 2020 konnten wir ein signifikantes Umsatzplus verzeichnen. Die Leute haben es sich zuhause gemütlich gemacht. Viele haben die Gelegenheit genutzt, um die heimische HiFi-oder Heimkinoausstattung zu modernisieren. Wer nicht ins Kino kann, genießt die Filme eben im eigenen Wohnzimmer – Netflix & Co. sei Dank. Mit einer Nubert Soundbar oder einem richtigen Surround- Set kommt dabei auch das richtige Kino-Feeling auf! Es gab natürlich auch einige Herausforderungen zu meistern, ab der zweiten Jahreshälfte hatten wir mit Lieferengpässen, Produktionsverzögerungen und anderen unvorhergesehenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Weil wir aber rechtzeitig und vorausschauend reagiert haben, konnten wir die zwischenzeitlichen Lieferprobleme glücklicherweise schnell beheben. Zum Weihnachtsgeschäft 2021 war unser komplettes Sortiment wieder verfügbar.

Menschlich hat uns die Pandemie alle stark gefordert. Wir haben es geschafft, die empfohlenen Hygienemaßnahmen schnell umzusetzen und viele Aufgaben ins Homeoffice zu verlagern, um die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gewährleisten. Nubert ist insgesamt gut durch diese schwierige Zeit gekommen, die sich nun hoffentlich dem Ende zuneigt.

Christoph Kraus: Das war eine sehr herausfordernde Zeit. Nach dem ersten Lockdown mussten wir unsere bewährten Produktionsabläufe teilweise komplett neu aufteilen. Dies haben wir aber gut hinbekommen. Die Tätigkeiten in den Büros sind bis heute vielfach ins Homeoffice verlegt worden.

Markolf Heimann: Aus persönlicher Sicht etwas traurig, weil das Leben mit Familie, Freunden und Partnern lange auf Videocalls beschränkt wurde, die niemals den persönlichen Kontakt ersetzen können. Aber es gab auch Positives, ich hatte noch nie so viel Zeit für meine Frau und Tochter wie am Anfang der Pandemie. Das hat uns noch enger zusammengeschweißt. Aus wirtschaftlicher Sicht waren die letzten beiden Jahre für ATR sehr erfolgreich. Die ganze Branche erlebte eine Sonderkonjunktur, weil wir alle gezwungen waren zu Hause zu bleiben, wo klassisches HiFi nun einmal stattfindet. Konzertbesuche konnten nicht stattfinden, und z. B. auch Reisebudgets wurden in ein noch schöneres zu Hause investiert. Da gehört HiFi offensichtlich wieder vermehrt dazu, was klasse ist. Auf der anderen Seite führt unser seit Mai 2020 existierender Showroom in Eltville noch immer ein Schattendasein, weil wir keine Veranstaltungen machen konnten.

Jens Ragenow: Sie hat uns nochmal die Aufgaben eines guten Vertriebes und die Wichtigkeit von engen Partnerschaften zum Fachhandel und dem Hersteller vor Augen geführt. Es gab große Herausforderungen bezüglich der Warenverfügbarkeit und Lagerhaltung aber auch (bedingt durch Lockdown) zeitweise starke Einschränkungen, unsere Produkte dem interessierten Kunden überhaupt vorführen zu können.

Bei einem so individuellen und emotionalen Thema wie HiFi war das ein riesiges Problem, welches unsere Fachhändler aber clever gelöst haben. Beispielsweise mit Terminvereinbarungstools im Internet und Besuchen beim Kunden zu Hause. Vielen Dank dafür!

Hat Corona zu Lieferengpässen von Bauteilen geführt?

Mansour Mamaghani: Nicht sofort, denn wir haben stets einen sehr großen Bestand gehabt und die Hersteller konnten gut liefern. Wir konnten bis ins 1. Quartal 2021 normal agieren. Erst danach wurde die Liefersituation bei allen Herstellern langsam enger.

Jan Kretschmer: Ja, hat es. Ein Phänomen von dem allerdings viele Branchen betroffen sind.

Jeder der aktuell zum Beispiel ein neues Auto bestellt wird bemerken müssen, dass es etwas länger dauert oder ein Ausstattungswunsch nicht erfüllt werden kann…

Markolf Heimann: Ja, für unsere Markenhersteller sind die Lieferengpässe eine ständige Herausforderung. Das gilt nicht nur für Bauteile, auch Rohstoffe wie z. B. Aluminium und Kupfer sind knapp. Gestörte globale Lieferketten/Transportwege verschärfen die Situation. Das führt zwangsläufig zu steigenden Preisen.

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller wieder mehr selbst und vor Ort zu produzieren?

Frank Hagemann: Wir verfolgen in unserem Dali Werk in Dänemark schon immer die Devise eine möglichst große Wertschöpfung im eigenen Haus zu haben.

Das „D“ in Dali steht für „Danish“ und somit legen wir sehr großen Wert auf eine hohe Fertigungstiefe in Dänemark. Unabhängig von der Pandemie haben wir unseren Gehäusebau und die Oberflächenveredelung zwischenzeitlich neu aufgestellt und sind somit weniger von Zulieferern aus Fernost abhängig. Doch Abhängigkeit allein ist hier nicht der einzige Beweggrund, denn wir wollen auch schneller und flexibler werden. Somit: Selbstverständlich ist es sinnvoll mehr selbst und vor Ort zu produzieren, wenn damit steigende Kosten durch andere Effekte kompensiert werden können.

Markolf Heimann: Absolut! Das wird nicht für alle Hersteller und Gerätekategorien funktionieren, aber wo es möglich ist, sollte lokal produziert und gesourct werden. Auch und besonders aus Nachhaltigkeitsgründen! Es findet auch bereits an vielen Stellen ein Umdenken statt, grade in unserer Partnerstruktur.

Dirk Räke: Wir produzieren schon immer vor Ort oder mit einem kleinen Netzwerk aus Betrieben, die alle im direkten Umkreis liegen, da hat sich nicht viel verändert.

Martin Bühler: Nubert arbeitet traditionell bevorzugt mit Produktionspartnern in Deutschland und unseren europäischen Nachbarländern zusammen. Allerdings sind die Produktionswege inzwischen soweit international verzweigt und verflochten, dass eine Fertigung realistisch gesehen nicht umsetzbar ist, bei der absolut jedes Einzelteil und jeder Rohstoff „Made in Germany“ ist.

Christoph Kraus: Canton stellt seit 1972 fast alle Lautsprecher in den firmeneigenen Produktionsstätten in Deutschland und Tschechien her. Unser Geschäftsmodell hat sich seit 50 Jahren bewährt und ist nun aktueller denn je.

Mansour Mamaghani: Ja, es ist sehr wichtig, alles so weit wie möglich in der EU zu produzieren und den EU-Binnenmarkt zu stärken. Wir haben in letzter Zeit auch vermehrt festgestellt, dass bestimmte Teile in der EU inzwischen billiger sind als in Fernost, wenn man die hohen Transportkosten einkalkuliert.

Jens Ragenow: Dass selbst produzieren sinnvoller ist, als sich auf fremde Fabrikanten zu verlassen, erleben wir mit Monitor Audio und Roksan hautnah. Probleme lassen sich rechtzeitig erkennen und es kann viel effizienter gegengesteuert werden, als das mit einem Auftragsfertiger je möglich wäre. Bei einem global agierenden Unternehmen wie der Monitor Audio Group muss man sich zudem die Frage stellen, was „vor Ort“ eigentlich heißt. Was für uns viel wichtiger ist: Wir haben an unseren Produktionsstandorten in England und China Mitarbeiter, die zum Teil bereits über 40

Jahre im Unternehmen sind und jedes Produkt bis ins letzte Detail kennen. Diese Menschen bringen eine unfassbare Expertise mit, die bei einer Produktionsverlagerung unweigerlich verloren gehen würde. Zudem kommen einzelne Rohstoffe und Bauteile für unsere Produkte ohnehin aus aller Herren Länder, womit es aus meiner Sicht die reibungslose Produktion eher eine Frage der Organisation als des Standortes ist.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Preisentwicklung im HiFi-Segment?

Haben die Kunden höhere Preise in Kauf nehmen müssen, um ggf. höhere Produktionskosten auszugleichen?

Thomas Henke: Ja, Preiserhöhungen musste es geben, auch wegen der dramatisch gestiegenen Transportkosten. Diese lagen zeitweise 10 × so hoch wie vor der Pandemie.

Jan Kretschmer: Ja. Wir mussten bei Dynaudio, wie auch bei MOON die unverbindlichen Verkaufspreise bereits anpassen, um weiterhin wirtschaftlich agieren zu können. So wie viele andere Hersteller auch. Ohne Anpassung geht es nicht. Die gestiegenen Kosten werden an den Endkunden weitergereicht. Im ersten Moment hört sich das zwar ungerecht an, allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch die Hersteller ungefragt mit gestiegenen Kosten konfrontiert werden und diese ebenfalls kompensieren müssen.

Jens Ragenow: Wir haben zum Teil echte Preisexplosionen erlebt – und erleben sie immer noch.

Die Frachtkosten haben sich vervielfacht, die Preise für Holz und nahezu jedes weitere Bauteil gehen geradezu durch die Decke, Energiekosten steigen immer weiter… Wir warten mit jeder Preisanpassung ab, um festzustellen, ob es sich lediglich um eine temporäre Erscheinung handelt, welche wir nur überbrücken müssen oder ob sich eine neue, nachhaltige dauerhafte Situation einstellt. So haben wir in der Vergangenheit beispielsweise bei der Monitor Audio Gold-und Studio-Serie auch schon Preise gesenkt. Die jetzige Situation zwingt uns derzeit dazu, unsere Preise bei Monitor Audio und Roksan zum April 2022 um rund fünf Prozent anheben, um diese Entwicklungen zumindest ein Stück weit auszugleichen. Dies beobachten wir auch bei vielen unserer Mitbewerber. Also klares Ja, die Preise werden steigen oder sind sogar schon gestiegen.

Dirk Räke: Einfach gesagt ist alles teurer geworden. Rohmaterial, Energie, Lebenshaltungskosten und damit Gehälter etc. Leider mussten wir deswegen die Preise unserer Produkte anpassen.

Frank Hagemann: Es sind nicht nur gestiegene Rohstoff-und Komponentenpreise, die hier eine Rolle spielen. Wir haben alle gehört, dass die Halbleiterindustrie mit der gestiegenen Nachfrage nach Computerchips zu kämpfen hat und Produktionsvolumina nicht ausreichen. Da Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, haben wir hier eine deutliche Bewegung nach oben gesehen. Wir dürfen aber nicht außer Acht lassen, dass auch die Logistikkosten explodiert sind und wir zwischenzeitlich beispielsweise bei den Seefrachtcontainern mit den 8-fachen Frachtraten konfrontiert waren. Auch wenn unsere Kalkulationen immer ein wenig Spielraum haben müssen, um etwaige Schwankungen auszugleichen (z. B. Währungsschwankungen), reichten diese Vorkehrungen jedoch bei weitem nicht aus und wir mussten Preiserhöhungen an den Handel weitergeben.

Inwieweit beeinflussen die Inflationstreiber Energie und Rohstoffe die Preisgestaltung fertiger Produkte? Dirk Räke: Höhere Energie-und Rohstoffpreise bedingen höhere Preise für Produkte.

Mansour Mamaghani: Der Preisanstieg, den wir derzeit erleben, ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Rohstoffen gestiegen ist. Aber die Transportkosten haben nicht nur erhöht, sondern auch wegen eines komplizierten Mix auf Container-Mangel und anderer logistischer Probleme. Vieles spielt eine Rolle.

Jan Kretschmer: Alle Kosten, die im Rahmen der Produktion und in der Logistik höher ausfallen, müssen durch eine Anpassung der Verkaufspreise kompensiert werden.

Das ist eigentlich recht einfach und logisch. Dazu zählen natürlich auch Kosten für Rohstoffe und Energie. Kupfer und Aluminium beispielsweise spielen bei uns schon eine gewisse Rolle.

Martin Bühler: Gerade Lautsprecher sind besonders rohstoffintensive Produkte, die aufgrund ihrer beachtlichen Größe und ihres hohen Gewichts obendrein recht hohe Transportkosten verursachen. Insofern haben uns die jüngsten Preissteigerungen spürbar getroffen.

Christoph Kraus: Da wir weltweit Rohstoffe einkaufen und diese selbst verarbeiten, unterliegen wir auch den Schwankungen an den Rohstoffmärkten.

Ist aus Ihrer Sicht inflations-bzw. pandemiebedingt mit höheren Preisen zu rechnen?

Thomas Henke: Natürlich beeinflussen Inflation und gestiegene Energie-und Rohstoffpreise die Preise vieler Hersteller. Wir mussten bislang, je nach Produkt, zwischen 10 % und 15 % erhöhen, haben aber auch Hersteller, die bislang keine Erhöhung vornehmen mussten.

Christoph Kraus: In Einzelfällen mussten auch wir die Preise leicht anheben. Dies wollen wir auch in Zukunft so moderat wie nötig handhaben.

Martin Bühler: Ja, wie gesagt: Wir waren gerade erst gezwungen, unsere Verkaufspreise zu korrigieren. Wir hoffen, dass sich die Lage auf den Rohstoff-, Energie-und Transportmärkten wieder beruhigt.

Wie hoch könnte ein Preisanstieg ausfallen? Mansour Mamaghani: Bis Ende 2021 haben wir die Preise stabil halten können. Da viele unserer Hersteller im Laufe des Jahres 2021 die Preise erhöht haben und die Transportkosten drei bis vier mal teurer geworden sind, mussten wir Anfang 2022 ebenfalls Anpassungen vornehmen. Weitere Erhöhungen sind nicht ausgeschlossen, aber derzeit noch nicht genau vorherzusehen.

Martin Bühler: Bei uns glücklicherweise nur wenige Prozentpunkte: Die Preise unserer von asiatischen Fertigungspartnern hergestellten Produkte werden zum 1. März um drei bis fünf Prozent nach oben korrigiert, also deutlich unter den aktuellen Maßnahmen anderer Marktteilnehmer. Die Preise unserer Produkte Made in Germany und Made in Europe bleiben gewohnt günstig.

Frank Hagemann: Wir haben bereits im Jahr 2021 diverse Preiserhöhungen von unseren Lieferanten erfahren und auch bei DALI selbst zwei Erhöhungen vornehmen müssen. Die Höhe ist jeweils sehr unterschiedlich ausgefallen un d teils modellabhängig. Zwischen 2 % und 20 % haben wir schon alles gesehen.

Könnte damit HiFi für den Kunden neben der Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und Wünsche auch eine kluge Geldanlage sein?

Dirk Räke: Alle Transrotor-Plattenspieler, die ein gewisses Alter haben, sind heute mehr wert als der Anschaffungspreis. HiFi ist allerdings eher zum Hören und Anschauen da, zum Spekulieren eignen sich andere Dinge wohl besser.

Mansour Mamaghani: Ich kann nicht sagen, ob sich HiFi als Geldanlage lohnt, ich kann nur sagen, dass die Momente und die guten Zeiten, die man vor eine tolle Anlage erlebt, egal ob es sich um ein Stereo-oder Mehrkanalsystem handelt, unbezahlbar sind.

Frank Hagemann: Ich gebe zu, dass wir das alle gerne so sehen würden, es aber eher unrealistisch bzw. eine Ausnahme bleibt. Kurzfristig mag es sogar klappen, wenn wir uns an den unverbindlichen Preisempfehlungen orientieren und von steigenden Preisen ausgehen. Mittel bzw. langfristig gehe ich nicht von einer „Rendite“ aus, da die technische Weiterentwicklung den heutigen Stand der Technik einholt und der Hörer sich bei Neuinvestitionen vorwiegend den aktuellen Technikstand ins Haus holt. Anders als bei Sportwagen aus Zuffenhausen werden viele Produkte der Unterhaltungselektronik in größeren Stückzahlen gefertigt und erfüllen somit nicht das Attribut „knapp“ zu sein.

Jan Kretschmer: Wer den Versuch unternehmen möchte, dem sei empfohlen ein möglichst teures Produkt in möglichst geringer verfügbarer Stückzahl zu kaufen. Am besten ein limitiertes Produkt. Persönlich glaube ich allerdings, dass die in unserer Branche üblichen regelmäßigen Produktneueinführungen und Stückzahlen der Idee einen Strich durch die Rechnung machen. Da ist man mit Uhren und Autos besser beraten, wobei sich diese Trends ja auch immer erst im Nachhinein wirklich gut bewerten ließen….

Thomas Henke: HiFi als Geldanlage im Sinne von Wertsteigerung? Wäre schön, aber daran glaube ich nicht. Die Produktzyklen sind dafür einfach zu kurz und der Gebrauchtmarkt eher in der Hand der Schnäppchenjäger. Ausnahmen können streng limitierte High End Geräte sein wie der Luxman L-595SE, von dem es weltweit nur 600 Stück gibt.

Markolf Heimann: Wenn eine kluge Geldanlage nicht nur einen kurzfristigen finanziellen Return on Invest bedeutet, auf alle Fälle. Zu Hause gut Musik zu hören, macht Freude, entspannt und trägt zum Wohlbefinden bei. Deswegen ist für mich eine gute HiFi-Anlage immer auch eine gute Geld-Anlage.

Martin Bühler: Wer in Sinnesfreuden investiert, sei es Klanggenuss oder eine gute Flasche Wein, legt sein Geld immer richtig an! Eine gute Stereoanlage wirft somit reichlich Zinsen ab!

Vermissen Sie den Kontakt zum Kunden auf Messen?

Dirk Räke: Ja, sehr. Der Kontakt auf Messen war uns immer sehr wichtig für Anregungen und Ideenaustausch. Das kann das Internet für uns nicht ersetzen.

Mansour Mamaghani: Auf jeden Fall. Ich bin aber optimistisch, dass wir in diesem Jahr wieder an einigen Messen teilnehmen werden.

Frank Hagemann: Selbstverständlich ist uns der Kundenkontakt auf einer Messeveranstaltung sehr wichtig und wir haben diesen in den letzten 2 Jahren schmerzlich vermisst. Daher blicken wir hoffnungsvoll auf die Anstrengungen der Messeorganisatoren und würden uns wünschen, wieder viele Hörer persönlich sprechen zu können. Wir müssen allerdings auch erkennen, dass wir speziell in Deutschland in den letzten Jahren vor der Pandemie eine (zu) große Anzahl von regionalen Messeveranstaltungen hatten, die wir von der Vertriebsseite nicht alle begleiten konnten. Die Pandemie selbst hat unsere Wahrnehmung in dieser Hinsicht geschärft und wir wählen nun noch kritischer aus, welche Veranstaltung von uns begleitet wird.

Thomas Henke: Natürlich. Aber nicht nur zu den Endkunden, sondern auch zu den Vertriebskollegen. Unsere Branche ist ja nicht so groß und Messen haben immer auch was von HiFi-Familien Feier.

Jens Ragenow: Messen sind die perfekte Gelegenheit, sich mit Fans und Kritikern, mit Musikliebhabern und Technikbegeistern zu treffen, auszutauschen und zu vernetzen. Eben mit den Menschen, die uns unsere Leidenschaft – HiFi und Heimkino – überhaupt erst ermöglichen. Die wahrscheinlich besten Erinnerungen an Messen sind endlose Diskussionen und Gesprächsrunden in Hörräumen und auf den Fluren von HiFi-Messen mit Endkunden, die „nur noch eine Frage haben“ oder „noch mal schnell etwas hören wollen“. Allerdings leisten unsere Fachhändler vor Ort hier eine tolle Arbeit und das „Messe- Feeling“, die spannenden Gespräche und das Probehören lässt sich hier ebenfalls erleben. Nicht umsonst gibt es in der AUDIO TEST unter anderem ja auch die Kategorie „Fachhändler des Monats“, die dies noch einmal wirkungsvoll unterstreicht.

Christoph Kraus: In der aktuellen Pandemie sind sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld Kommunikation und persönliche Begegnungen nur eingeschränkt möglich. Darunter leiden wir glaube ich alle. Sobald es die Situation wieder zulässt, möchten wir unsere Kunden sowohl auf den Messen als auch bei uns in den Showrooms wieder zum Musikhören begrüßen.

Die MDHT, NDHT und DHT wollen mit Einschränkungen wieder in diesem Jahr für die Kunden die Möglichkeit schaffen, HiFi vor Ort zu erleben (siehe Interviews in AUDIO TEST 02/2022). Kann das 2022 angesichts hoher Infektionszahlen „schon wieder“ gelingen? Markolf Heimann: Momentan gewinne ich den Eindruck, dass uns das dieses Jahr schon wieder gelingen kann. Ich denke, mit cleveren Veranstaltungskonzepten werden wir HiFi in 2022 wieder lustvoll vor Ort erleben können.

Frank Hagemann: Diese Frage kann ich nicht beantworten, aber ich gehe davon aus, dass von den Messeveranstaltern Gesundheitskonzepte entwickelt werden, die eine Durchführung ermöglichen. Ich bin aufgrund der sich aktuell abzeichnenden „gebrochenen Infektionswelle“ zumindest guter Hoffnung.

Jan Kretschmer: Wie soll man denn in dem Kontext „gelingen“ überhaupt bewerten? Dafür gibt es im Rahmen der Pandemie einige neue Maßstäbe. Ein Maß-

stab für gutes Gelingen müssen zum Beispiel Infektionsschutz und Sicherheit sein. Allerdings muss sich eine Messe auch wirtschaftlich tragen und Spaß machen. Ich würde sagen, dass zunächst wieder eine gewisse Form von Alltag erlebbar werden muss. Je nachdem wie dieser neue Alltag dann aussieht, wird es auch wieder Messen, Konzerte und anderweitige Veranstaltungen geben – evtl. in angepasster Form.

Dirk Räke: Wir können natürlich nicht genau vorhersehen, was passieren wird, sind aber sehr zuversichtlich für die Zeit ab April. Die Messebetreiber haben sich ja auch sehr viele Gedanken gemacht, wie sich die Veranstaltungen durchführen lassen. Danke dafür!

Thomas Henke: Ich denke schon, solange nicht die nächste Mutation um die Ecke kommt...

Jens Ragenow: Regionale Messen sind stets ein Ort der Zusammenkunft und des Beisammenseins.

Sollten die Infektionszahlen weiterhin so hoch bleiben und wir nur mit starken Einschränkungen (bspw. starker Begrenzung der Personenzahl) zusammenkommen dürfen, wird es wohl mehr Sinn ergeben, die Messen noch ein weiteres Jahr zu schieben. Auf das Erlebnis HiFi muss dank unserer über 60 qualifizierten und motivierten Fachhändler in Deutschland aber niemand verzichten.

Eher im Gegenteil, kann sich hier der Besucher doch seine ganz eigene Auswahl zusammenstellen, die Produkte seiner Wahl 1 : 1 vergleichen und sich kompetent beraten zu lassen. Quasi „Messe for One“.

Vielen Dank für das Gespräch.

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts noch in Reichweite. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen sind daher hier nicht thematisiert worden.