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So ticken die ULTRAS im Ausland


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 31.08.2022
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Die ?7? auf dem Shirt der Choreo-Figur (großes Foto) steht für ?Thira 7?, die Ultra-Gruppe von Olympiakos. Sie gilt als die emotionalste in Griechenland

In Deutschland kam die Welle der Ultras erst in den Neunzigerjahren an – da war sie in den Kurven anderer Länder schon längst aktiv! Ihre Grundlage hat die Fanbewegung in den 50er- und 60er-Jahren in Italien, erreichte in den 80er-Jahren Frankreich oder Österreich. Inzwischen gibt es Gruppen mit Tausenden von Mitgliedern, auch in Osteuropa, der Türkei oder Nordafrika. SPORT BILD erklärt, wie die Ultras im Ausland ticken!

Gerade die kleineren Ligen wie in Griechenland oder Serbien sind für ihre Ultra-Gruppen bekannt. Das Belgrader Derby zwischen Roter Stern und Partizan gilt als das heißeste Spiel des Kontinents. Weil die Vereine auch in Sportarten wie Basketball, Handball oder Wasserball erfolgreich sind, verlagern sich die Ultra-Aktionen teilweise in die Sporthallen. Die Pyro-Show der Piräus-Fans im Frühjahr in der Basketball-EuroLeague gegen AS Monaco nannte Augenzeuge und NBA-Star Kevin Durant ...

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... (33) eine „Apokalypse“.

„Unabhängig vom Land gilt: Fans und Ultras wollen ganz eng eingrenzen, wo sie dazugehören und mit was sie sich identifizieren oder mitleiden wollen“, erklärt Fanforscher Professor Harald Lange (54) von der Uni Würzburg.

Zur Unterscheidung: Die südamerikanischen Fangruppen, vor allem die in den Vereinen noch machtvolleren „Barras bravas“ der Argentinien-Klubs wie Boca Juniors oder River Plate, sind mit europäischen Ultras kaum zu vergleichen, genauso wenig wie die „Torcidas“ in Brasilien, die viel breiter aufgestellt sind und teilweise auch Senioren oder Kinder ansprechen sollen.

Teilweise drehen die Ultras sogar in der Politik am großen Rad. 2013 taten sich die Gruppen der drei großen Istanbuler Klubs Galatasaray, Fenerbahçe und Besiktas zusammen, protestierten als „Istanbul United“ auf dem Taksim-Platz gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (68). Ihr Vorbild: der arabische Frühling und die Fanbewegung in Ägypten. 2011 unterstützten Ultras der Hauptstadtklubs Al-Ahly und Zamalek die Revolution gegen das Regime von Hosni Mubarak († 91) auf dem Tahrir-Platz, schützten die Zugänge.

Weil sie auch die folgenden Machthaber kritisierten, gerieten sie ins Visier regierungstreuer Gruppen. Schlimmer Tiefpunkt: ein Massaker verfeindeter Fans an Al-Ahly-Ultras mit 74 Toten 2012 in Port Said – auch, weil die Polizei wegschaute. „Gerade in der Türkei oder in Nordafrika ist die politische Botschaft der Ultras viel stärker mit ihren Aktivitäten verwoben als in Deutschland“, sagt Fanforscher Lange: „Das liegt auch daran, dass dort die gesellschaftlichen Themen grundlegender und bedrohlicher sind als hier.“ Auf Ultra-Portalen im Internet werden die Videos von Ultras aus Marokko oder Indonesien immer mehr.

Nur das Mutterland des Fußballs schien lange immun gegen die Bewegung. Doch auch in England wächst die bisher kleine Ultra-Szene. Vorreiter ist Crystal Palace und deren „Holmesdales Fanatics“ mit rund 200 Ultras. Anfangs für organisierte Gesänge und Zaunfahnen belächelt, sind ihre Choreos jetzt landesweit Thema – die Stimmung im Selhurst Park gilt ihretwegen als die lauteste.

Bei Tor 7 geht es zur Sache

Die Ultras von Griechenlands Dauermeister Olympiakos Piräus (47 Titel) sind zusammen mit den Erzrivalen von Panathinaikos Athen die emotionalsten im Land. Rund 15 000 Mitglieder gehören zur Gruppe „Thira 7“ (dt. „Tor 7“), benannt nach dem Tribünenbereich der Ultras im alten Stadion. Eine Besonderheit ist ein Fangesang, der mit einem Solo eines Kurventrompeters eingeleitet wird. Typisch ist der Support in allen Sportarten von Olympiakos wie Basketball oder Volleyball, bei denen auch in geschlossenen Hallen Pyrotechnik abgefackelt wird. Die Olympiakos-Ultras sind Teil der „orthodoxen Brüder“, einer Freundschaft zwischen Fans von Olympiakos, Roter Stern Belgrad und Spartak Moskau, die alle aus christlich-orthodoxen Ländern kommen.

FAZIT: ultra-emotional!

Celtics „Green Brigade“ veränderte die Stadionkultur

2006 aus Frust über die schlechte Stimmung im Celtic Park gegründet, wurde die sogenannte „Green Brigade“ zur bekanntesten Ultra-Gruppe Großbritanniens. 2011 stellte Glasgows damaliger Trainer Neil Lennon (51) den Ultras den Meisterpokal demonstrativ vor ihren Block und erklärte: „Sie haben die Kultur im Stadion verändert.“ Explizit wollen die rund 1000 Mitglieder Politik und Fanunterstützung mischen. Zum Beispiel im Nordirlandkonflikt mit Gesängen für die irische Terrororganisation IRA.

FAZIT: ultra-politisch!

Sporting-Ultras griffen eigene Spieler an

Auch wenn Sporting hinter Benfica und Porto sportlich lange die Nummer drei in Portugal war, ist die Ultra-Szene die wichtigste des Landes. Die größte und älteste Gruppe (seit 1976) ist die „Juventude Leonina“ (dt. „Löwen-Jugend“) mit rund 10 000 Mitgliedern. Traurige Berühmtheit erlangte die Gruppe 2018 mit einer Attacke von rund 50 Mitgliedern auf das eigene Trainingszentrum, bei der sie aus Enttäuschung über schlechte Ergebnisse die eigenen Spieler angriffen. Unter anderem wurde Ex-Bundesliga-Profi Bas Dost (33) am Kopf verletzt. Später kam heraus, dass der damalige Präsident Bruno de Carvalho (50) die Ultras anstachelte.

FAZIT: ultra-gefährlich!

In Neapels „Stadio Diego Armando

In der großen italienischen Ultra-Szene stellten sich in den letzten Jahren die Ultras Napoli von der SSC Neapel als die einflussreichste Gruppe heraus. Ihren Gesang „Un giorno all’improvviso“ (dt. „Plötzlich eines Tages“) übernahmen unter anderem Fans vom FC Liverpool für einen umgetexteten Song. Beispiel für ihre Macht: Vor dem Pokalfinale 2014 gab es Krawalle mit Roma-Fans, ein Napoli-Ultra wurde angeschossen. Die Gruppe drohte, das Spiel aus Protest nicht stattfinden zu lassen, erst Vorsänger „Genny der Schreckliche“ schlichtete zwischen Fans, Spielern und Polizei. 2019 wurden die Napoli-Profis Opfer von Vandalismusattacken der Ultras.

FAZIT: ultra-mächtig!

Die „Löwen“ sind in über 60 Ländern aktiv

Besiktas, Fenerbahçe, Trabzonspor: In der türkischen Liga gibt es viele extrem große Fan-Gemeinschaften. Doch die „UltrAslan“ von Galatasaray Istanbul ist die bedeutendste. Gegründet wurde sie kurz nach dem Uefa-Cup-Sieg 2000, der Name besteht aus den Wörtern „Ultra“ und „Aslan“, deutsch „Löwe“. In über 60 Ländern sind Untergruppen aktiv, dadurch reisen auch bei europäischen Auswärtsspielen Tausende Gala-Fans in die Stadien. Für Proteste gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) taten sich die Gala-Ultras 2013 ausnahmsweise mit den Ultras der Stadtrivalen Fenerbahçe und Besiktas zusammen, traten auf dem Taksim-Platz als „Istanbul United“ auf.

FAZIT: ultra-weitverbreitet!

Stimmung aus beiden Marseille-Kurven

Die Kurve von OM ist bekannt für die beste Stimmung Frankreichs, besonders in den Topspielen gegen PSG oder Rivale Lyon. Durch die Nähe zu Ultra-Herkunftsland Italien gründete sich schon 1984 die erste Gruppierung. Die Besonderheit: Die Marseille-Ultras (geschätzt 27 000) verteilen sich im Orange Vélodrome auf beide Hintertortribünen, sind in der Nord- und Südkurve jeweils mit mehreren Gruppen vertreten. Gerade der berühmte Wechselgesang „Aux armes“ (dt. „Zu den Waffen“) wird dadurch extrem laut. Die Tickets in den Kurven dürfen die Ultras selbst verkaufen. Zur Präsentation von Zugang Alexis Sánchez (33) kamen zuletzt Tausende Fans. Bedenklich dagegen: Im Januar 2021 randalierten 300 Fans auf dem Klubgelände.

FAZIT: ultra-laut!

Keiner pfeift so laut wie Casablanca

Von keiner Ultra-Szene außerhalb Europas sind online mehr Videos zu finden als von der marokkanischen. Die bekanntesten: die Fans von Wydad Casablanca. Inspiriert von ihren italienischen Vorbildern nennen sie ihren Bereich im Stadion Mohammed V. „Curva Nord“, deutsch „Nordkurve“. Die ähnlich emotionalen Fans von Erzrivale Raja Casablanca stehen in der „Curva Sud“. Die Haupt-Ultragruppe nennt sich „Winners 2005“. Beim diesjährigen Finale der afrikanischen Champions League (2:0 gegen Al-Ahly) im eigenen Stadion wurden in der ersten Halbzeit konstant Lautstärken von über 90 Dezibel gemessen. Martino Simcik, Journalist für internationale Fankultur, sagte hinterher: „Das lauteste, was ich bisher gehört habe, waren die Wydad-Fans, wie sie die Gegner auspfeifen.“

FAZIT: ultra-laut!!

Hajduk Split hat den ältesten Fanklub Europas

Bei den Fans von Kroatien-Klub Hajduk Split gründete sich 1950 mit der „Torcida“ der wohl älteste Fanklub Europas. Inspiriert von brasilianischen Fanklubs, den „Torcidas“ (s. Haupttext), ist die Gruppe mit rund 8000 Mitgliedern neben den „Bad Blue Boys“ von Dinamo Zagreb die wichtigste Ultra- Gemeinschaft Kroatiens. 2007 fiel die streng nationalistische Gruppe durch ein T-Shirt mit den Worten „Hajduk-Jugend“ in Frakturschrift auf, das an die „Hitler-Jugend“ erinnerte und zudem den Reichsadler der NS-Zeit zeigte. 2020 feierte „Torcida“ das 70-Jahr-Jubiläum mit einer stundenlagen Pyro-Show in der Stadt.

FAZIT: ultra-alt und ultra-bedenklich!

Polizei verhindert Sturm auf Präsidentenloge

In Österreich hat Rapid Wien die größte Fanszene und mit den „Ultras Rapid 1988“ die älteste Ultra-Gruppe des Landes. Sie ist bekannt dafür, bei fast jedem Heimspiel eine Choreografie zu zeigen, und ist die größte von fünf Ultra-Gruppen bei Rapid. Ihr Erkennungszeichen ist ein Indianerkopf. Weil so viele Ultras Vereinsposten übernommen haben, wird über die „Ultrafizierung“ des Klubs gesprochen. Vergangene Woche versuchten die Hardcore-Fans nach dem peinlichen Aus in der Conference-League-Qualifikation gegen Vaduz (1:1/0:1) die Loge von Präsident Martin Bruckner (57) zu stürmen, was nur die Polizei verhindern konnte.

FAZIT: ultra-mächtig!

Gewaltbereit und politisch rechts

Ihre Kurve „Zyleta“ heißt übersetzt „Rasierklinge“, ihre krassen Gesänge und Plakate sind gefürchtet – das sind die Ultras von Polens Topklub Legia Warschau. 2016 wurden sie von den rund 800 000 Mitgliedern der Facebook-Seite „Ultras World“ weltweit auf Platz eins der Ultras gewählt. Im gleichen Jahr warnte der Klub vor einem Spiel gegen den BVB die Dortmunder Fans vor der Gewaltbereitschaft ihrer Fans. Wie die meisten polnischen Ultras sind sie rechts, singen gegen „Islamische Horden“ oder erklären auf Plakaten den „Jihad“ gegen den israelischen Gegner Hapoel Tel Aviv. Im Frühjahr zeigten sie eine Choreo, in der ein gehängter russischer Staatspräsident Wladimir Putin (69) zu sehen war.

FAZIT: ultra-bedrohlich!

Name in den Stadionsitzen verewigt

Bei Roter Stern Belgrad ist die größte Ultra-Gruppe „Delije“ längst zum Synonym für alle Roter-Stern-Fans geworden. Die Bedeutung der Gemeinschaft, die grob übersetzt „die Mutigen“ heißt, ist so groß, dass ihr Name im Sitzmuster der Tribüne im Rajko-Mitic-Stadion zu sehen ist. Sie entstand 1989 aus der Vereinigung von acht Fangruppen. Einige der ehemaligen Capos waren auch im Jugoslawien-Krieg im Einsatz. Größter Konkurrent sind die „Grobari“ von Stadtrivale Partizan, das Spiel gilt als heißestes Derby Europas. Bekannt wurde auch Delije-Mitglied Ivan Bogdanov, genannt „Ivan der Schreckliche“, der zweimal am Abbruch von Länderspielen der serbischen Nationalmannschaft beteiligt war. 2017 wurde er am Tag vor einem Auswärtsspiel in Köln von der deutschen Polizei als Schutzmaßnahme festgenommen.

FAZIT: ultra-bedeutsam und ultra-gefährlich!!