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SO VERÄNDERT WHATSAPP UNSERE SPRACHE: SO BEEINFLUSST DER MESSENGER UNSERE SPRACHE - ODER EBEN NICHT


Smartphone Extra - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 08.11.2019

Messenger sind gerade für junge Menschen das Kommunikationsmittel Nummer Eins. Hat dieses Verhalten Einfluss auf ihr Sprachvermögen bzw. ihre Sprechgewohnheiten? Die Antworten darauf sind erstaunlich.


Artikelbild für den Artikel "SO VERÄNDERT WHATSAPP UNSERE SPRACHE: SO BEEINFLUSST DER MESSENGER UNSERE SPRACHE - ODER EBEN NICHT" aus der Ausgabe 1/2020 von Smartphone Extra. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Smartphone Extra, Ausgabe 1/2020

Wir haben in WhatsApp-Nachrichten alle schon mal Abkürzungen gelesen, die wir nicht verstanden haben. So ist etwa die Buchstabenfolge „brb“ keine lautsprachliche Umschreibung dessen, was vom Bohneneintopf des Vortages übrig blieb, sondern ein Kürzel für den englischsprachigen Hinweis „be right back“, was übersetzt „komme gleich zurück“ bedeutet. Und wenn wir unserem Kumpel auffordern, mit uns einen ...

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... Gerstensaft zu konsumieren, dann schreiben wir kurz und bündig „Bier?“ oder schicken ihm überhaupt nur ein Bier-Emoji ggfs. mit der Uhrzeit und dem Treff- punkt. Solche Abkürzungen haben sich gerade bei jüngeren Nutzern etabliert. Das spart Zeit, weil es dann nicht erforderlich ist, ausformulierte Texte zu verfassen und im Idealfall versteht das Gegenüber, was damit gemeint ist. Ansonsten wird es ziemlich kryptisch, denn inzwischen haben sich so einige dieser Kürzel eingebürgert.

Für ältere Nutzer und Traditionalisten mit einem Hang zu präziser Sprache sind derlei Verkürzungen der Sprache eine Zumutung. Wer allerdings auch die Textnachrichten seines Enkels verstehen möchte, ist gut beraten, sich zumindest ansatzweise mit diesen neuen Sprachmerkmalen anzufreunden. Wirklich schwer ist dies ja auch nicht.

Kurz ist gut, aber auch lang ist okay!

Immerhin geht es nicht nur um das Abkürzen des geschriebenen Textes, vielmehr hat sich in Messengern tatsächlich eine eigene Sprache etabliert. Anders ist die Eigenart vieler Nutzer, bestimmte Buchstaben geradezu inflationär zu verwenden, nicht zu erklären. Denn Floskeln wie „Aaaaaalter“, „coooool“ oder „aaaawwww!“ könnte man durchaus kürzer schreiben. Hier geht es also nicht um Effzienz beim Schreiben, sondern um das Zeigen von Gefühlen, wie dies auch durch die Verwendung von Emojis der Fall ist. Die Zeichenfolge „aaaaawwww!“ (mit unterschiedlicher Anzahl an Vokalen und Konsonanten) entstammen hier der englischen Lautsprache, nach einer sinnvollen Übersetzung suchen Sie vergebens. Mithin verleihen die (meist weiblichen) Nutzer ihren Emotionen auch in Deutsch Ausdruck - dann steht so etwas wie „süüüüüß“ oder „niiieeeedlich“ im Textfenster. Hier können Sie zum Beispiel getrost davon ausgehen, dass das jüngst gesendete Katzenvideo besonders gut angekommen war.

Die Frage, die sich Sprachwissenschaftler ebenso stellen wie viele ältere Anwender, ist, ob diese Verkürzungen oder eben Verlängerungen in einem Chat Einfluss auf die Art und Weise unserer Kommunikation, und womöglich sogar unserer Sprache haben?

Und hier scheiden sich die Geister: „Selbstverständlich“ sagen die einen, „Sicher nicht“ die anderen. Lassen wir Experten zu Wort kommen, dann können wir beruhigt sein. Es sei einen eigene Sprache, die Sprache des Netzes, neben der auch noch die Sprache der realen Welt existiere, sind sich die meisten Sprachforscher einig.

Fakt ist, dass WhatsApp & Co. nach der SMS einen Kommunikationswandel herbeigeführt haben. Es gibt praktisch keine Mengen- und Kostenbegrenzung mehr, dafür aber Emojis. Außerdem kann man ganz ohne Text auch Bilder, Videos und Links versenden.

Ein Reich für geschriebenen Dialekt

Da man im Prinzip unbegrenzt Nachrichten verschicken kann und dies über das Mobilinternet ohne Zeitverzögerung funktioniert, entspricht die Messenger-Kommunikation im Grunde dem normalen Dialog. Der findet bisweilen auch synchron statt, man kann sich z.B. ins Wort fallen. Ein Facebook-Chat steht dem in nichts nach. Durch diesen Umstand greifen extrem viele Nutzer auf die Sprache zurück, die sie auch tatsächlich sprechen: auf ihren Dialekt. Studien nicht nur in der Schweiz belegen das, überall findet zumindest eine Regionalsprache wenn nicht gar eine Mundart ihren Weg in den Austausch via Messenger.

Die Zeiten von „LOL“ sind vorbei, dafür gibt es den. Akronyme, die sich nicht durch ein Emoji ersetzen lassen (z.B. „fyi“ stellvertretend für „for your interest“) oder Homophone („cu“, das klingt wie das englische „see you“), sind ebenso Abkürzungen, die es schon immer gegeben hat und immer geben wird, solange Buchstaben existieren, die effizient Informationen tragen sollen. Und die üblichen Verschleifungen („Flursn?“ = „Wie viel Uhr ist denn?“) sind auch nicht erst Folgen der digitalen Kommunikation.

Messenger wie WhatsApp tragen also nicht zu einer Verkümmerung des Sprachvermögens bei. Vielmehr fördern sie eine zweite Sprachvarietät, die den Eigenheiten des Mediums Rechnung trägt. Sie verhelfen außerdem dem Dialekt abseits von Speisekarten und Mundartgedichtbänden zu einer breiten Existenz in der Schrift. Soll diese Vielfalt und der kreative Umgang mit sprachlichen Zeichen schädlich sein? Wohl kaum.


Bildquelle: Shutterstock [Sunny studio]