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So versteht er Ihre Signale


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 13.07.2022
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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 8/2022

Anne Krüger-Degener

Sie arbeitet täglich mit Tieren verschiedenster Gattungen und klare Kommunikation gehört zu ihrem Handwerkszeug: die Tiertrainerin und Buchautorin hat aus mehr als 30 Jahren Erfahrung die eigene Methode „Harmonilogie®“ entwickelt. Ihr aktuelles Buch „Wenn Hunde uns vertrauen“ ist im Kosmos Verlag erschienen. www.kosmos.de

D ie Bindung ist die Grundlage einer jeden guten Beziehung. Je stärker diese zwischen dem Hund und seinem Menschen ist, umso sicherer fühlt sich das Tier auch in für ihn schwierigen Situationen. Für Anne Krüger-Degener sind es vier Faktoren, die Bindung erzeugen, nämlich geistiger und körperlicher Kontakt, wie zum Beispiel beim Spielen und Kuscheln, Verbindlichkeit, Glaubwürdigkeit und eine eindeutige Sprache.

Ohne sie kommt es immer wieder zu Missverständnissen, die das Vertrauen zerstören können. „Sage, was du meinst und meine, was du sagst“, so bringt es die ...

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... Tiertrainerin auf einen klaren Nenner. Doch gerade das, was einfach klingt, ist oft das Schwierigste.

Gemeinsame Sprache

So zu kommunizieren, dass der eine den anderen eindeutig versteht, das schafft ein Zugehörigkeitsgefühl und ist das wichtigste Bindeglied zwischen Individuen. Eine gemeinsame Sprache mit dem Hund zu finden, ist für uns Menschen durchaus eine Herausforderung, denn wir denken zu komplex, erklärt die Kommunikationsexpertin.

„Der Mensch denkt in verschiedenen Ebenen, der Hund dagegen linear nur bis zum nächsten Punkt. Und diese lineare Kommunikation fällt uns Menschen schwerer, als wir gemeinhin denken. Es gibt die räumliche Sprache, die man sehr gut beherrschen sollte, also das Einteilen und Managen von Räumen. Ebenso gibt es die leibliche Sprache, sie erfordert das Erlesen meines Gegenübers, dass ich also in der Lage bin, wahrzunehmen, welches Ausdrucksverhalten mir da eigentlich entgegengebracht wird und ganz am Ende steht beim Hund die akustische Sprache. Und die Harmonilogie® bringt dies alles zusammen.“

Während für uns Menschen die akustische Sprache die wichtigste Ausdrucksform ist, spielt bei den Hunden die räumliche Sprache eine entscheidende Rolle. Wie sie sich zum Beispiel zu ihrem Gegenüber positionieren, ist niemals zufällig, sondern Teil der Kommunikation. Wenn Hunde uns richtig verstehen sollen, dann müssen auch wir lernen, räumlich zu denken, Raum zu geben und zu fordern. Nur wenn alle drei Dimensionen der Sprache, also räumlich, leiblich und akustisch, für den Hund ein stimmiges Bild ergeben, dann ist ein Signal für ihn klar und eindeutig.

Der Mensch muss also in der Lage sein, Räume zu erkennen und sich darin zu positionieren, seinen Hund und dessen Körpersprache zu lesen und im Sinne einer Sprachhygiene seine akkustischen Signale zu reduzieren und zu sortieren.

In Räumen denken

Wie man räumliches Denken praktisch umsetzt, das erklärt die erfahrene Hundetrainerin gerne mit einem Bild: „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Eisbär und stehen auf einer Eisscholle. Wenn Sie nun einen anderen Eisbären auf

Die 4 Säulen Harmonilogie®

Säule 1

Ansprechbarkeit: Sie ermöglicht den Dialog von Mensch und Hund

Säule 2

Lobbarkeit: Sie begründet die Basis von Vertrauen und Respekt

Säule 3

Störbarkeit: Sie ist ein Regulativ, um Handlungen zu unterbrechen

Säule 4

Abgrenzbarkeit Sie regelt die Balance von Nähe und Distanz

Ihre Scholle einladen möchten, dann müssen Sie ihm Platz machen, ihm Raum geben. Wenn Sie dagegen nicht möchten, dass ein Fremder Ihre Scholle betritt, dann treten Sie ihm entgegen und fordern Raum.“ Im Zusammenspiel mit dem Hund bedeutet das: wenn ich möchte, dass mein Hund zu mir kommt, dann muss ich ihm Raum geben und einen Schritt zurückgehen. Anne Krüger-Degener nennt das „die ziehende Hilfe“. Sie ist ein elementarer Baustein der ersten Säule ihrer Harmonilogie®-Methode: der Ansprechbarkeit.

Die ziehende Hilfe

Man trainiert die ziehende Hilfe mit dem angeleinten Hund. Dazu lädt man ihn mit der einen Hand zu sich ein, nimmt gleichzeitig die andere Hand mit der Leine hinter den Rücken und tritt einen Schritt zurück. Zur Unterstützung kann man zuerst bei einem Welpen ein lockendes akkustisches Signal einsetzen, später spricht man stattdessen freundlich den Namen aus. Kommt der Hund dann freudig auf seinen Menschen zu, wird er überschwenglich gelobt und gestreichelt. Dieser Ablauf wird immer wieder trainiert. Wenn der Hund die Handlungskette verstanden hat, können langsam immer mehr Außenreize dazukommen.

“Sage, was du meinst und meine, was du sagst. ”

Klappt das zuverlässig, können Sie, wieder in reizarmer Umgebung, beginnen, die ziehende Hilfe auch ohne Leine zu üben. Durch diese Handlungskette lernt der Hund: wenn mein Mensch meinen Namen ruft und mir Raum gibt, komme ich zu ihm und werde gelobt.

Wenn die ziehende Hilfe zuverlässig auch unter den stärksten Außenreizen funktioniert, ist sie ein wichtiges Werkzeug, um die verschiedensten Situationen zu meistern. Denn Sie können Ihren Hund so dazu bringen, sich zu Ihnen zu orientieren und Störfaktoren, wie zum Beispiel fremden Hunden, den Rücken zuzudrehen. Außerdem lernt er zuverlässig auf seinen Namen zu hören, ein erster Schritt in Richtung Freiheit.

Ansprechbar sein

Das Training der ziehenden Hilfe schafft die Grundlage für die Ansprechbarkeit des Hundes. Für Anne Krüger-Degener ist sie die erste der vier Säulen der Harmonilogie®. „Das ist ein bisschen so, als hätte der Hund eine Telefonnummer und er verspricht mir, immer dranzugehen. Wenn ich ihn anrufe, geht er dran. Kein Funkloch, kein Handy verloren und auch der Akku ist nicht leer. Wenn alle Hunde immer und zu jedem Zeitpunkt ansprechbar wären, dann hätten wir keine Probleme mit ihnen“, erklärt die Tierlehrerin. Warum aber sollte ein Hund ständig erreichbar sein wollen? Ganz klar, weil er dafür reich belohnt wird – mit Lob, Spiel und ganz viel Liebe. Eine Futterbelohnung hält Krüger-Degener hier nicht für sinnvoll. „Damit wird der Hund bezahlt und nicht mehr gewürdigt.“

“Es ist wichtig , Hunde mit Liebe zu fluten und Respekt und Vertrauen in Einklang zu bringen. ”

Lob als solches empfinden

Sicherzustellen, dass ein Lob auch beim Hund als solches ankommt, ist die Basis der zweiten Säule der Harmonilogie®: die Lobbarkeit. „Schon in der Begriffsfindung bezieht sich die Lobbarkeit auf denjenigen, der gelobt wird und nicht auf denjenigen, der lobt. Es geht also nicht darum, wie ich lobe, sondern dass ich erkenne, wie mein Lob ankommt und angenommen wird. Da gehört ganz viel Bindungstraining dazu und auch ein bisschen Respekt und Vertrauen“, erklärt Anne Krüger-Degener. „Sie wissen es ja auch von sich, dass Sie sich nicht von jemandem loben lassen, den Sie nicht respektieren.“

Auch hier gilt es, die körperlichen Signale des Hundes zu erkennen. Genießt er Ihre Berührung? An welcher Stelle gefällt es ihm am besten und wo mag er nicht so gerne gestreichelt werden? Neben der Belohnung durch ausgiebiges Kuscheln und Streicheln ist auch das gemeinsame Spiel ein wichtiges lobendes Element. „Wir haben bei der Lobbarkeit ganz viel Spielverhalten. Da gibt es zum Beispiel das körperbezogene unterlegene Spiel. Im Begriff „unterlegen“ versteckt sich „raumgebend“. Ich gebe dem Hund Raum, ich renne nicht auf ihn zu, sondern gehe immer von ihm weg und lasse mich von ihm kriegen und aktiviere ihn dazu, auf meine ,Eisscholle‘ zu kommen. So können wir gleichwertig spielen und den Hund motivieren.“

Handlungen unterbrechen

Natürlich müssen wir auch unserem Hund klar kommunizieren, dass er Dinge, die er tut, unterlassen soll. Anne Krüger-Degeners dritte Säule ist die Störbarkeit, ein gezieltes „Aufwecken“, um das Handeln zu unterbrechen. Dabei geht es nur um eine Störung, nicht um eine Strafe.

Das ist ganz wichtig. Ein solcher Unterbrecher ist das akustische Signal „Neinneinnein“. Diese Melodie soll sich vom „Nein“, das wir im Alltag verwenden, unterscheiden. „Diesen Signalton verbrauche ich sonst nirgendwo im Umgang mit anderen Menschen. Das „Neinneinnein“ ist eine Melodie, die den Menschen daran erinnert, trotz Abgrenzung und Korrektur freundlich zu bleiben.“

Ein zweites Hilfsmittel zur Störung wäre das „räumliche Nein“, das mittels Körpersprache und Positionierung im Raum durchgesetzt wird. Hier behauptet der Mensch freundlich und langsam seine „Eisscholle“, beim „geometrischen Nein“ weist er dem Hund eine Richtung zu, in die er sich orientieren soll. „Hier fange ich an, den Hund in Raum und Zeit zu manipulieren, ich bin in der Lage, ihn mit oder gegen den Uhrzeigersinn zu aktivieren.“

Nähe und Distanz

Das Bedürfnis nach Nähe, aber auch nach Einhaltung eines gewissen Abstandes ist vollkommen natürlich. Die Wahrung der Individualdistanz ist ein Prozess, der in der Natur das Überleben sichert. Deswegen ist die Abgrenzbarkeit die vierte Säule der Harmonilogie®. Als Mensch sollte man Nähe und Distanz regulieren können. Der Hund darf also beispielsweise auf dem Sofa kontaktliegen und wird gestreichelt, er kann aber ebenso freundlich und bestimmt vom Sofa runtergeschickt werden. Dieses ohne Spannung und Druck zu regulieren schafft tiefes Vertrauen.

Das alles ist möglich, wenn die vier Säulen der Harmonilogie® auf dem soliden Fundament einer starken Bindung stehen. In 30 Jahren Arbeit mit Hunden hat Anne Krüger-Degener eines erkannt: „Es ist einfach wahnsinnig wichtig, dass wir die Hunde mit Liebe fluten und Liebe heißt für mich ganz klar, Respekt und Vertrauen in Einklang zu bringen, sonst ist Liebe nicht möglich.“

HEIKE REINHARDT