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So werden Sie jetzt nicht gestochen


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 28/2018 vom 06.07.2018

Kennen Sie das auch? Dass Insektenstiche neuerdings anschwellen wie Ballons? Wir haben Experten gefragt, woran das liegt. Und was die Plagegeister in Schach hält


Die Deutschen leiden immer mehr unter Mückenstichen. „Wir bemerken schon seit einigen Jahren, dass die Mücken durch den Klimawandel bessere Entwicklungsbedingungen haben, dadurch mehr Menschen gestochen werden und diese deswegen auch zu uns in die Praxis kommen“, sagt der Münchener Dermatologe Dr. Christoph Liebich. Der Grund für die Arztbesuche: Bei den Stichen bleibt es häufiger als früher nicht nur bei kleinen Erhebungen. „Es gibt mehr ...

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... heftige Reaktionen wie große Rötungen und starke Schwellungen, die auch richtig dick werden können“, sagt Dr. Liebich.

Schuld an den Symptomen ist der betäubende und gerinnungshemmende Speichel, den Mücken beim Stich injizieren. Das Immunsystem reagiert auf die Proteine darin mit Quaddeln und Juckreiz. „Bei Stechmücken fällt diese normale Reaktion des Körpers in der Regel nicht dramatisch aus“, erklärt Dr. Liebich. Anders bei den Kriebelmücken, die neben den bekannten Stechmücken und Gnitzen ebenfalls Blut saugen. „Diese Mücken haben andere Stoffe im Speichel, die aggressiver sind, dadurch kann der Körper heftiger reagieren“, so Dr. Liebich.

Unbekannte Mücken stechen schlimmer

Der Körper kann sich an Mücken aber gewöhnen. „Unser Immunsystem reagiert auf Mücken nicht mehr so stark, die es bereits kennt. Ändert sich das Artenspektrum, etwa weil es mehr regnet oder wir in den Urlaub fahren, schlägt es bei einem Stich Alarm“, sagt Dr. Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung.

Das Problem: Allein in Deutschland gibt es 50 verschiedene Stechmücken-Arten. Hinzu kommen zweiflüglige Einwanderer. Die asiatische Buschmücke etwa hat es sich schon in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, die asiatische Tigermücke in der Rheinebene bequem gemacht. Neben neuem Speichel können die Tiere theoretisch gefährliche Tropenerreger übertragen. „Allerdings müssten sie dazu einen infizierten Reiserückkehrer stechen“, gibt die Mückenexpertin Entwarnung.

Doch nicht immer muss die Mücke schuld sein, wenn ein Stich anschwillt: „Wer daran kratzt, riskiert, dass Dreck in die Wunde und es so zu Eiterungen oder Infektionen kommt“, erklärt Dr. Liebich. Gegen den Juckreiz hilft Kühlung oder ein Wärmestift – die Hitze zerstört die Speichel-Proteine.

Insektenschutzspray für die Haut wirkt über den Geruch


Das hält die kleinen Biester auf Abstand

Stechmücken – Eimer umdrehen
→ Stechmücken fliegen auf das Kohlendioxid aus der Atemluft und auf Schweiß. Schutzmittel aus der Apotheke oder Hausmittel wie Zitronenöl oder Knoblauch bilden einen Geruchsmantel, der sie vertreibt. „Zudem kann man die Tiere zurückdrängen, indem man ihnen die Brutmöglichkeiten nimmt. Also: Regentonnen abdecken und Eimer umdrehen, damit es nirgendwo stehendes Wasser gibt, in dem sich die Larven entwickeln können“, sagt Mückenexpertin Dr. Doreen Walther.

Kriebelmücken und Gnitzen – lange Kleidung tragen
→ Kriebelmücken sehen aus wie kleine Fliegen, schwirren tagsüber häufig in Feuchtgebieten und auf Wiesen. Die noch kleineren Gnitzen sind dort ab der Dämmerung aktiv. „Beide stechen nicht, sondern reißen zum Blutsaugen mit ihren Mundwerkzeugen eine Wunde in die Haut“, sagt Dr. Walther. Davor laufen sie auf der Haut umher und suchen nach einer geeigneten Stelle. Lange Kleidung schützt.

Wespen – bloß nicht anpusten → Sie werden von Süßem und von Fleisch angezogen. „Wespen stechen allerdings erst, sobald sie sich bedroht fühlen, “ sagt die Wespenexpertin Dr. Melanie von Orlow vom NABU. Daher: Nicht fuchteln und nicht anpusten, das Kohlendioxid aus der Atemluft macht sie aggressiv. Essen abdecken, überreife Weintrauben zehn Meter entfernt lenken sie ab.

Hornissen – sich von Nestern fernhalten → Hornissen sind Spätzünder: „Die Königinnen gründen ihre Nester im Mai“, sagt von Orlow. Die bis zu 3,5 cm langen Brummer stechen nur zu, wenn ihr Nest bedroht wird. Übrigens: Ihr Stich schmerzt stärker als der einer Biene – ist aber harmloser.

Bremsen – in den Wald flüchten → Dünne Kleidung ist für Bremsen kein Hindernis: Sie stechen einfach hindurch. Die Wunde blutet und schmerzt stark. Bremsen können u.a. Lyme-Borreliose übertragen. Schutz findet man im Wald, weit weg von Teichen oder Rindern und Pferden.

Flugplan der Insekten

Wespen: März/April bis Ende Oktober → mit Höhepunkt im August /September

Hornissen: Mai bis Ende Oktober → mit Höhepunkt Mitte August bis Mitte September

Stechmücken: März bis Oktober/November → Höhepunkt regional unterschiedlich

Gnitzen: März bis Oktober/November → mit Höhepunkt im April und Mai

Kriebelmücken: März bis Oktober/November → mit Höhepunkt Juli/August

Bremsen: Mai bis Oktober → mit Höhepunkt im Juli und August

Extratipp

Was fliegt bei mir? Wo welche Mückenarten bei uns vorkommt bzw.bereits eingewandert ist, erforscht das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung mit dem Projekt „Mückenatlas“. Jeder kann dafür Mücken einfangen und sie zum Identifizieren an die Forscher schicken.
→ Infos: www.mueckenatlas.de


Text: Christine Böhringer; Fotos: Shutterstock, Getty (2), Juniors, Mauritius, Christian Ohde/FOTOFINDER.COM, Science Photo