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SO WIRD AUS DEM MATCH…


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Cosmopolitan - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 13.07.2022

LIEBE

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Bildquelle: Cosmopolitan, Ausgabe 8/2022

LET’ S MEET!

s ieflog für ein erstes Date sogar nach Spanien, war maßlos überfordert von der großen Auswahl auf Dating-Apps, wurde nach einem Seelenstriptease geghostet – und riskierte dennoch immer wieder ihr Herz: Unsere Expertin ist nicht nur Psychologin, sondern glaubt auch an die Liebe und fand für sich einen Kompass im Online-Dating-Dschungel: die Wissenschaft. Im Interview erklärt Pia Kabitzsch, welche Fakten und Analysen es schon gibt – und was man sich für die Suche nach einem*r Partner*in (oder Sex) rausziehen kann.

IST ES SCHWERER, ONLINE DIE GROSSE LIEBE ZU FINDEN ALS IM ECHTEN LEBEN?

Das würde ich so nicht sagen. Schließlich ist die Auswahl im Netz um einiges größer, was zumindest die Wahrscheinlichkeit, jemanden Passenden zu finden, erhöht. Was die Online-Suche nach der großen Liebe allerdings erschweren kann: Eine Studie der Uni Flensburg von 2020 hat gezeigt, dass nur die Hälfte ...

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... aller Tinder-User*innen zwischen 18 und 27 wirklich solo sind.

Das hat mich schockiert! Die Nicht-Singles nutzen die Dating-Apps vor allem für Ego-Boosts, aus Neugier oder um sich vor lästigen Aufgaben zu drücken: Lernen, Steuererklärung, Arbeit.

UND FRAUEN SUCHEN LIEBE, MÄNNER SEX?

Nein, das ist ein lächerliches Klischee. In Umfragen kam sogar heraus, dass Frauen ein bisschen häufiger online nach Sex suchen!

WIE ERKLÄREN SIE DAS?

Auf Dating-Apps sind Frauen anonym, müssen keine Angst vor Verurteilung, dem „Slut Shaming“, haben und trauen sich deshalb eher, zu ihren Bedürfnissen zu stehen. Es ist kein Geheimnis, dass sowohl Männer als auch Frauen online teilweise „nur“ auf der Suche nach einer unverbindlichen Sexbekanntschaft sind. Trotzdem sollten Personen, die online die große Liebe suchen, optimistisch bleiben: Jedes vierte Tinder-Date führt im Durchschnitt nämlich zu einer Beziehung. Und: Die meisten Paare lernen sich heute online kennen.

WAS IST DER HÄUFIGSTE FEHLER BEIM DATEN ÜBER PLATTFORMEN?

Ich glaube, sich komplett ohne Plan durch den Online-Dating-Dschungel zu schlagen, sich vorher nicht zu überlegen, wonach man überhaupt sucht und was einem bei einem Partner, respektive einer Partnerin, wichtig ist.

WIE KANN MAN SICH DENN VORBEREITEN?

Indem man die Filterfunktionen auf den Apps gezielt für sich nutzt und so einiges an Frustration durch schlechte Dates vermeidet. Zudem sind eine offene Kommunikation und ein authentisches Profil entscheidend für den Erfolg auf Dating-Apps, haben Studien gezeigt.

GIBT ES DAS PERFEKTE M ATCH?

Nein, das belegen zahlreiche Untersuchungen. Man kann vorher nicht wissen, ob jemand wirklich zu einem passt und man in einer Beziehung harmoniert, bevor man es nicht ausprobiert habt. Fragebögen auf Dating-Apps und -Profilen können ein wenig Orientierung geben, indem sie anzeigen, dass eine Person ähnliche Werte und Interessen hat wie man selbst, aber ob es wirklich funkt, das kann kein Algorithmus der Welt vorhersagen.

GIBT ES EINE FORMEL, UM SICH ZU VERLIEBEN?

Nein, auch dafür ist die Liebe viel zu komplex. Es gibt aber ein paar kleine Stellschrauben, die man bedienen kann, um zumindest die Wahrscheinlichkeit ein wenig zu erhöhen. Für eine „gute Vorarbeit“ für ein erstes Date empfiehlt es sich etwa, ein wenig miteinander zu schreiben. Beim Texten auf den Dating-Apps entwickelt man nämlich sogenannte „hyperpersönliche Beziehungen“, weil man sich sicher und anonym fühlt und sich deswegen schneller emotional öffnet. Was ebenfalls helfen kann, ist, sich nach dem anfänglichen Small Talk an tiefgründige Themen zu wagen.

PIA KABITZSCH

Die in Berlin lebende (und datende!) Psychologin und Bestsellerautorin geht in „It’s a date!“ (Rororo, 12 €) Mythen rund ums Thema Online-Dating auf den Grund – und liefert wissenschaftlich belegte Antworten auf all jene Fragen, die uns beim Swipen beschäftigen Hier kann ich „36 Fragen zum Verlieben“ vom US-Psychologen Arthur Aron übrigens empfehlen. Die garantieren zwar keine wahre Liebe, aber immerhin fühlt man sich nach der gegenseitigen Beantwortung durchschnittlich emotional viel näher.

WAS MACHT EIN GUTES PROFIL DENN AUS?

Ich kann verstehen, dass man sich online so attraktiv wie möglich präsentieren möchte, aber vermeiden Sie zu perfekte Bilder, da die häufig nicht vertrauenswürdig und authentisch wirken. Eine Studie hat gezeigt, dass wir innerhalb von 0,1 Sekunden ein Blitzurteil über eine andere Person fällen – somit ist das erste Bild entscheidend für den ersten Eindruck und sollte überzeugen. Ich habe ein Foto hochgeladen, auf dem ich in eine ganze Pizza beiße, und das kommt total gut an, weil es echt und mitten aus dem Leben ist.

IST ONLINE-DATING ALSO OBERFLÄCHLICHER?

Es ist nur so oberflächlich, wie man es macht. Wenn man aussagekräftige Bilder von sich hochlädt und etwas über sich in der Profilbeschreibung erzählt, kann man das Online-Dating-Game tiefgründiger gestalten. Zeigen Sie, wofür Sie stehen und was Ihnen wichtig ist! Bei Bumble kann man etwa persönliche Fragen beantworten, Sie können angeben, ob Sie Vegetarierin sind, wie groß Sie sind, woran Sie glauben. Schauen Sie sich auch lieber die Profile anderer genau an, anstatt nur anhand des ersten Bildes zu entscheiden, ob Sie die Person nach links oder rechts wischen wollen. Und schreiben Sie ihm oder ihr so persönlich wie nur irgendwie möglich, indem Sie etwa Bezug auf die Angaben des*der anderen nehmen und ihn*sie mit Namen ansprechen. Dann bekommt man auch eher eine Antwort!

WIE WIRKT SICH TINDER EIGENTLICH AUFS WOHL-BEFINDEN AUS?

Allein das Swipen führt dazu, dass das Gehirn Dopamin ausschüttet und man ein Hochgefühl erlebt. Wenn sich allerdings kein Match einstellt oder man keine interessanten Profile entdeckt, stellt sich dieses Gefühl bald wieder ein. Das kann frustrierend sein. Gerade Männer berichten davon, dass sie selten Matches haben und darunter leiden. Das könnte daran liegen, dass auf jede heterosexuelle Frau bei Tinder im Durchschnitt zwei Männer kommen – das geht nicht auf! Einige Männer swipen deshalb immer nach rechts, um überhaupt eine Chance zu haben.

WIE LANGE SOLLTE MAN WARTEN, BIS MAN SICH MIT JEMANDEM TRIFFT?

Eine Studie hat ergeben, dass der beste Zeitpunkt für ein erstes Date zwischen dem 17. und 23. Tag nach der ersten Kontaktaufnahme liegt. In diesem Zeitraum entwickelt man nämlich eine hyperpersönliche Beziehung zueinander, hat aber noch keine zu spezifische Vorstellung der anderen Person, die dann zu Enttäuschung führt. Dabei kommt es natürlich auch darauf an, wie viel Kontakt man pro Tag hatte. Trotzdem sollte jede*r für sich selbst entscheiden, wann er*sie sich treffen möchte. Ich persönlich bin auch eher „Team schnell treffen“. Wichtig: Achten Sie darauf, wie Ihr Gegenüber reagiert. Sie chatten über Gott und die Welt, aber Ihre Frage nach einem Treffen ignoriert er*sie? Das könnte bedeuten, dass er*sie noch ein wenig Zeit braucht. Dann lieber nicht weiter nachhaken, kein Fragezeichen hinterherschicken, sondern empathisch abwarten.

KANN MAN AUCH ZU LANGE MIT JEMANDEM HIN-UND HERTEXTEN?

Ja! Je länger Sie miteinander kommunizieren, desto höher werden die Erwartungen, das zeigt die Wissenschaft. Man fängt an, sich die Gestik, die Mimik, den Geruch, die Stimme des anderen idealisiert auszumalen. Unser Gehirn spinnt sich nämlich beim Schreiben die für uns bestmögliche Version der anderen Person zusammen.

MICH AN!

Und das kann zu einer großen Enttäuschung führen, weil die Erwartungen fast nie erfüllt werden.

WAS MACHE ICH, WENN ICH IMMER WIEDER AUF DIESELBEN MIESEN TYPEN REINFALLE?

Das Problem ist: Unser Gehirn findet es geil, wenn es Verhaltensweisen bei Menschen wiedererkennt und Parallelen zu einer Ex-Bekanntschaft sieht. Das bedeutet nämlich weniger Arbeit für den Kopf, weil er auf etwas zurückgreifen kann, was er schon kennt. Hier hilft es, solche Verhaltensmuster einfach mal aufzuschreiben und sein Umfeld als Unterstützung dszu zu holen, um nicht ständig in dieselben unguten Beziehungsmuster hineinzuschlittern.

WAS SAGT DIE FORSCHUNG ZU DER OMINÖSEN DREI-TAGE-REGEL?

Die klingt wissenschaftlich – aber in Wahrheit ist der Erfinder der Drei-Tage-Regel Barney Stinson aus der Sitcom „How I met your mother“! Immer wenn definitive Zahlen in Dating-Regeln vorkommen – etwa „Warten Sie X Tage, bis Sie ihn zurückrufen …“ –, kann das nicht stimmen, weil niemals eine Regel auf alle Menschen zutrifft.

Laut einer Studie von 2020 verlieren nur 16 Prozent das Interesse, wenn man sofort auf eine Nachricht antwortet. „Willst du gelten, mach dich selten“, ist also für die Tonne. Wenn Sie einer Person zeigen, dass Sie sie mögen, macht Sie das laut Studien sogar automatisch attraktiver. Sobald man anfängt, Spielchen zu spielen, geht es meist nach hinten los.

APROPOS SPIELCHEN: SIND WIR BEZIEHUNGS-UNFÄHIG GEWORDEN?

Nein, wir sind keine „Generation: beziehungsunfähig“. Wir müssen sogar heute beziehungsfähiger sein als die Leute früher – weil es so viele andere mögliche Partner*innen gibt. Aber man muss es wirklich wollen und an der Beziehung arbeiten, weil die nächste Option bloß einen Klick entfernt ist.

WER MEHR EMOJIS VERWENDET, HAT MEHR SEX – STIMMT DAS?

Studien zufolge ja. Menschen, die viele Emojis verwenden, haben durchschnittlich mehr Sex und auch mehr Dates. Aber: Es handelt sich hier „nur“ um einen Zusammenhang. Bedeutet nicht, dass Emojis Grund für den Erfolg sind. Trotzdem sind sie toll! Sie helfen einzuschätzen, wie bestimmte Aussagen gemeint sind, wenn man den anderen noch nicht gut kennt.