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So wird Deutschland stillfreundlich – Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsvorhabens Becoming Breastfeeding Friendly (BBF)


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 10.01.2020
Artikelbild für den Artikel "So wird Deutschland stillfreundlich – Ergebnisse und Empfehlungen des Forschungsvorhabens Becoming Breastfeeding Friendly (BBF)" aus der Ausgabe 1/2020 von Kinderkrankenschwester. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 1/2020

Im Rahmen des Forschungsvorhabens hat eine Kommission aus Expert*innen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Medien Daten aus allen wichtigen Handlungsfeldern der Stillförderung recherchiert, bewertet und daraus Empfehlungen für Deutschland abgeleitet. www.gesund-ins-leben.de


Experten empfehlen, das Stillen als natürliche Ernährungsform für Säuglinge zu fördern. Trotz der bekannten positiven Effekte des Stillens auf die Gesundheit von Mutter, Kind und Familie werden nur etwa zwei Drittel der Kinder nach der Geburt ausschließlich gestillt. Nach 2 Monaten sind es 57 %, nach 4 Monaten 40 %, nach 6 Monaten 13 %. Kinder aus Familien in belasteten Lebenssituationen werden seltener und kürzer gestillt. Zudem besteht kaum ein Überblick über Akteur*innen und Maßnahmen der Stillförderung in Deutschland.

Erste systematische Bestandsaufnahme zum Thema Stillen und Stillförderung in Deutschland
Hier setzte das internationale Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly (BBF) an, welches in Deutschland auf Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom Netzwerk Gesund ins Leben und der Nationalen Stillkommission gemeinsam mit der Yale School of Public Health durchgeführt wurde.
Von September 2017 bis August 2019 haben Expert*innen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Medien Informationen zu allen relevanten Handlungsfeldern recherchiert und anhand einer standardisierten Toolbox analysiert. Auch der Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland e. V. (BeKD) war bei dem Prozess vertreten.

Stillförderung in Deutschland: Stärken und Schwächen
Derzeit ist Deutschland gemäß der BBFAnalyse moderat stillfreundlich. Zu den Stärken gehören die Gesetzgebung (z. B. Mutterschutzgesetz) sowie Finanzierung wichtiger Stillförderungsmaßnahmen (z. B. Elterngeld). Allerdings gibt es bis dato noch keine nationale Kommunikationsstrategie zum Stillen. Es gibt kaum sichtbare Prominente, die sich öffentlich für das Stillen einsetzen, Medien berichten mitunter polarisierend. Zwar existieren viele, oft lokale (Einzel-)Aktivitäten zum Stillen, allerdings ohne übergeordnete Koordination. Zudem sind stillrelevante Themen in den Ausbildungscurricula von Ärzt*innen sowie einschlägigen Gesundheitsfachberufen wie Hebammen, Gesundheits-und Kinderkrankenpfleger*innen, Gesundheits-und Krankenpfleger*innen, teilweise unzureichend enthalten. Angebote qualifizierter Stillberatung sind vorhanden, erreichen Familien in belasteten Lebenssituationen allerdings selten. Ein umfassendes Stillmonitoring ist noch nicht etabliert.

Acht Empfehlungen zur Stillförderung
Auf Basis dieser systematischen Bestandsaufnahme leiteten die BBF-Expert*innen die folgenden acht Empfehlungen zur Stillförderung in Deutschland ab:
A. Eine nationale Strategie zur Stillförderung in Deutschland entwickeln.
B. Eine gemeinsame Kommunikationsstrategie für die Stillförderung entwickeln und umsetzen.
C. Standards evidenzbasierter Stillförderung und -beratung implementieren.
D. Lehrinhalte zum Thema Stillen in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten und einschlägigen Gesundheitsfachberufen vereinheitlichen, soweit dies in den jeweiligen Ausbildungen bereits verankert ist. Aufgaben-und kompetenzbasierte Fort-und Weiterbildung in Stillförderung und -beratung für Ärztinnen und Ärzten, einschlägige Gesundheitsfachberufe und weitere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sicherstellen.
E. Durch Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure vor Ort einen niedrigschwelligen Zugang zu evidenzbasierter Stillberatung und -unterstützung ermöglichen.
F. Vereinbarkeit von Stillen und Beruf, Studium sowie Ausbildung fördern und hierzu adressatengerecht informieren.
G. Regelungen und Praxis zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten
prüfen, dokumentieren und hierzu informieren. H. Ein systematisches Stillmonitoring für Deutschland etablieren.

Wie geht es weiter?

Im Anschluss an den BBF-Prozess hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beschlossen: Das Netzwerk Gesund ins Leben wird eine nationale Kommunikationsstrategie zur Stillförderung (Empfehlung B) entwickeln und umsetzen. Das Institut für Kinderernährung am Max Rubner-Institut widmet sich der Entwicklung und Umsetzung einer langfristigen nationale Strategie zur Stillförderung (Empfehlung A) sowie der Etablierung eines systematischen Stillmonitorings.

Stillförderung ist eine gesamtgesellschaftliche und sektorenübergreifende Aufgabe – und damit Stillen gut gelingt, sollten Frauen und ihr soziales Umfeld auf allen Ebenen stillfreundliche Bedingungen vorfinden, die ihnen das Stillen ermöglichen.

Weitere Informationen zum internationalen Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly (BBF) erhalten Sie hier: www.gesund-ins-leben.de

AUTORIN

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Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 1/2020

Dr. Katharina Reiss Referat 622 – Netzwerk Gesund ins Leben Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Deichmanns Aue 29, 53179 Bonn Telefon: +49 (0)228 6845 5169 E-Mail: katharina.reible.de

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