Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 12 Min.

So wird die neue 2.Liga


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2021 vom 21.07.2021

2. LIGA

SPORT BILD: Herr Neururer, Herr Mattuschka: Warum wird die neue 2. Liga geiler als die 1. Liga?

PETER NEURURER (66): Weil in der 2. Liga nur fünf Vereine spielen, die noch nie in der ersten Liga waren, und 13 Klubs aufsteigen wollen – das gab es noch nie!

TORSTEN MAT-TUSCHKA (40): Den Spruch, dass es die geilste 2. Liga aller Zeiten wird, gibt es ja jedes Jahr. Nur: Jetzt stimmt er auch! Wenn ich allein ans Eröffnungsspiel Schalke gegen den HSV denke, bekomme ich schon Gänsehaut. Die Zuschauer wollen sehen, dass du als Spieler sofort alles raushaust. 25 000 Fans in der Arena werden schreien wie 60 000. Das wird total geil. Und bei dem Klub, der verliert, ist direkt Alarm.

„Dass Schalke sofort wieder aufsteigt – im Leben nicht!“

PETER NEURURER

Sie haben für uns die neue SPORT BILD-Magnet-Tabelle ausgefüllt. Herr Neururer, warum steigt Schalke bei Ihnen nicht auf?

NEURURER: Ich hoffe, dass ...

Artikelbild für den Artikel "So wird die neue 2.Liga" aus der Ausgabe 29/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
KULT-TRAINER Peter Neururer (66) trainierte in der 2. Liga u.a. schon Schalke, Bochum und Duisburg. Für Sport1 ist er diese Saison u.a. als Experte beim neuen Zweitliga-Topspiel am Samstag im Einsatz
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sport Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 29/2021 von Goretzka und Kimmich MUSS Bayern halten!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Goretzka und Kimmich MUSS Bayern halten!
Titelbild der Ausgabe 29/2021 von Rechenspiele mit Haaland. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rechenspiele mit Haaland
Titelbild der Ausgabe 29/2021 von VOLLER FOKUS AUF DER BAYERN-BANK. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VOLLER FOKUS AUF DER BAYERN-BANK
Titelbild der Ausgabe 29/2021 von Bayern sagt NEIN ! zu neuen Mega-Gehältern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bayern sagt NEIN ! zu neuen Mega-Gehältern
Titelbild der Ausgabe 29/2021 von 200-MIO.-ANGRIFF AUF BAYERN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
200-MIO.-ANGRIFF AUF BAYERN
Titelbild der Ausgabe 29/2021 von Dortmunds Risiko mit Malen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Dortmunds Risiko mit Malen
Vorheriger Artikel
Gericht lehnt Schnell-Entscheid über Super-League-Verrä…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Schalke hofft auf Opa-Achse
aus dieser Ausgabe

... Schalke aufsteigt – ich glaube da nur nicht dran! Platz 1 ist für mich utopisch. Ich habe Schalke 1989 in einer ähnlichen Situation in der 2. Liga übernommen und wurde auf Platz 2 entlassen. Nur: Finanziell sieht es heute noch schlechter aus! Was da in letzter Zeit passiert ist, ist für mich immer noch unfassbar, auch fußballerisch.

„Bei mir landet St. Pauli drei Plätze vor dem HSV“

TORSTEN MATTUSCHKA

MATTUSCHKA: Ich finde, dass sich Schalke zum jetzigen Zeitpunkt sehr gut verstärkt hat. Mit Kaminski, Pálsson, Latza, Terodde und Bülter, der viel Tempo mitbringt, haben sie gestandene Spieler. Du brauchst eine erfahrene Achse mit fünf, sechs Spielern, die 34 Spieltage den Druck aushalten. Dazu kommen fünf, sechs andere, die Schalke als Riesenchance sehen müssen. Es muss eine Ehre sein, das Schalke-Trikot tragen und das Wappen küssen zu dürfen. Denn klar ist: In der 2. Liga schlägt die Mentalität die Qualität.

Schalke hat vergangene Saison fünf Trainer gehabt. Wie viele brauchen sie jetzt, um aufzusteigen?

MATTUSCHKA: Ich glaube, dass so viele Trainer wie noch nie entlassen werden – auch wenn Dimitrios Grammozis für mich der Richtige ist, weil er die Liga kennt. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, rumort es sofort überall. Gerade bei Traditionsklubs. Ich kenne das noch aus Dresden. Da hieß es immer: Am ersten Tisch in der VIP-Loge sitzen die Alten. Die schießen gegen dich, wenn es nicht läuft. Wenn Schalke Erfolg haben will, muss bei Misserfolg Ruhe bewahrt werden.

NEURURER: Von außen betrachtet ist das komplett richtig. Das Problem bei Schalke ist nur, dass es im Gegensatz zu Dresden nicht einen Tisch im VIP-Raum gibt, von dem geschossen wird – da steht mindestens in jeder Ecke so ein Tisch! Wer das Innere des Klubs nicht kennt, wird dort Schiffbruch erleiden.

Das gilt auch für die Spieler, bei denen ich skeptisch bin.

„Dass Frank Baumann weiter das Vertrauen bekommt, zeigt mir, in welcher Ohnmachts-Situation Werder geführt wird“

NEURURER

„Füllkrug kann der Star der 2. Liga werden“

MATTUSCHKA

Warum?

NEURURER: Viele der neuen, die aus Österreich oder Belgien kommen, wissen nicht, wie Schalke funktioniert. Sie können es höchstens noch lernen. Aber Schalke muss man für den Wiederaufstieg SOFORT können und nicht erst lernen. Dass Schalke sofort wieder aufsteigt – im Leben nicht. Auch wenn der Klub mit Simon Terodde jetzt einen absoluten Tor-Garanten hat.

Wie sehen Sie Dimitrios Grammozis?

NEURURER: Als ich das zweite Mal beim VfL Bochum war, trainierte Dimi dort die A-Jugend. Ein toller Mann, der sogar Erstliga-Fähigkeiten hat. Jetzt kommt das Aber: Ich bin damals von Peter Knäbel gefragt worden, ob es richtig ist, Grammozis zu verpflichten. Ich sagte: Ja. Nur: Der Zeitpunkt der Verpflichtung war eine Katastrophe.

Grammozis kam Anfang März, als der Klub schon so gut wie abgestiegen war.

NEURURER: Ja, es hätte verhindert werden müssen, dass er das Gesicht des Abstieges wird. Im Augenblick herrscht große Euphorie auf Schalke, 40 000 Dauerkaten wurden verkauft, doch beim Auftaktprogramm knallt es sofort: HSV, Kiel, Aue. Wenn du nach den ersten drei Spielen nicht mit oben stehst, hast du sofort ein Problem. Dann wird es wieder ein Stühlerücken geben.

Herr Mattuschka, wann versaut der HSV in dieser Saison den Aufstieg? Zum vierten Mal in Folge in der Rückrunde? Sie haben die Hamburger nur auf Platz 6 eingeordnet ...

MATTUSCHKA: Wenn der HSV am 24., 25. Spieltag oben dabei ist, wird die Angst des Scheiterns wieder präsent sein. Das Thema kommt automatisch in die Kabine, und das muss man ausschalten können. Denn wenn der Kopf nicht funktioniert, funktionieren die Beine auch nicht. Das hat man beim HSV jetzt dreimal gesehen.

Hatte der HSV also zu wenige Leader, die den Druck aushalten können?

MATTUSCHKA: Ja, sonst wären sie jetzt ja schon oben, denn die Qualität war im Gegensatz zur Mentalität da. Ich habe das Spiel des HSV vergangene Saison in Sandhausen kommentiert, da ging es die ganze Zeit in Eins-gegen-eins-Duellen auf dem ganzen Platz richtig zur Sache. Das ist ein anderer Fußball, den ich annehmen muss. Dann muss ich als Aaron Hunt oder Sonny Kittel, um nur zwei Namen zu nennen, jeden Zweikampf bestehen und gewinnen wollen. Das ist aber nicht passiert. Das 1:2 war damals der Turnaround in die falsche Richtung. Und bei einem hat Peter recht: Egal, ob es Schalke, Werder oder der HSV ist: Jeder andere Klub wird Bock haben, alles rauszuhauen und es ihnen zu beweisen.

Ist Tim Walter der richtige Trainer für den HSV?

MATTUSCHKA: Ich kann ihn nur von außen betrachten, da wirkte er auf mich bei seinen vorherigen Stationen ein wenig schwierig. Weil es immer so aussah, als wenn er von oben herab auf die Spieler wirkt. Sollte er mit den Jungs auch intern so umgehen, dann verliert er die Kabine ganz schnell, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Als Trainer musst du heute empathisch sein. Ich habe noch unter Ede Geyer in Cottbus trainiert. Da hieß es: Marschieren und Schnauze halten. So kannst du heute aber nicht mehr arbeiten. Deswegen bin ich gespannt, ob Tim Walter den HSV in die richtige Richtung lenken kann.

NEURURER: Walter muss gar nicht dafür sorgen, dass er die Kabine behält – er muss dafür sorgen, dass er sie überhaupt erst mal hinter sich bekommt! Denn so, wie er in der Vergangenheit rüberkam, werden die Spieler nicht in Jubel-Arien ausgebrochen sein, da stimme ich Tusche zu. Zuletzt hat Tim Walter auch die Leistung seiner Mannschaft nach einem Testspiel hart kritisiert. Das ist in einer so frühen Phase gefährlich, ein Ritt auf der Rasierklinge.

Bei Ihnen ist der HSV dennoch auf Platz 1 ...

NEURURER: Ja, weil ich dort das Potenzial sehe, dass sie direkt aufsteigen, auch wenn mit Terodde der wichtigste Spieler weg ist. Ich glaube, dass sie es packen.

„Tim Walter muss beim HSV erst mal dafür sorgen, dass er die Kabine hinter sich bekommt“

NEURURER

Terodde hat vier Spieltage vor Schluss auf Schalke seinen Vertrag unterschrieben, als der HSV noch voll im Aufstiegskampf war. Zudem gab es Fotos, wie er vom Schalke- Gelände für Klub-Medien winkt. Wie hätten Sie darauf als HSV-Trainer reagiert, Herr Neururer?

NEURURER: Simon Terodde hätte das unter meiner Leitung nicht gemacht.

MATTUSCHKA: (lacht) Weil er längst beim HSV verlängert hätte, oder Peter?

NEURURER: Ja, das meine ich. Es gibt ja Gründe, warum Simon sich in der Situation für Schalke entschieden hat. Der HSV hat ihn vielleicht zu lange im Unklaren über die Zukunft gelassen und hat so auch Zweifel an ihm zugelassen. Vielleicht ist der HSV am Ende auch deshalb nicht aufgestiegen. Denn natürlich kann sich das alles auf die Leistung eines Spielers auswirken.

MATTUSCHKA: Sie haben ihn definitiv im Unklaren gelassen. Hätte Simon im Februar, März ein Angebot bekommen, hätte er beim HSV verlängert. Aber dann kam Schalke, und das war clever. Denn Terodde hat gezeigt, dass er nachweislich 20 Tore und mehr in der 2. Liga garantiert.

„Kiel wird bei mir Dritt er, und mein Ex-Klub Hannove r steigt als Zweiter auf“

NEURURER

Auf Schalke verdient Torhüter Ralf Fährmann 2,6 Millionen Euro in der 2. Liga. Bielefeld ist 2020 mit einem Etat von 13 Mio. Euro aufgestiegen. Wird es in der Kabine zum Problem, wenn alle wissen, dass einer so groß abkassiert?

NEURURER: Wenn die Leistung stimmt und Ralf Fährmann den Mitspielern hilft, dass sie ihre Punktprämien bekommen, dann wird es ihnen vollkommen egal sein. Außerdem geht Ralf vorneweg, verhält sich wie ein Schalker, hat sich in schwierigen Zeiten klar zum Verein bekannt. Ich glaube nicht, dass das ein Problem wird.

Wer wird der Star der 2. Liga?

NEURURER: Wenn es auf Schalke läuft, Simon Terrodde.

MATTUSCHKA: Bleibt Niclas Füllkrug bei Werder und zudem gesund, traue ich ihm das zu. Genauso wie Josh Sargent.

Werder Bremen ist ein gutes Stichwort. Was sagt es über den Klub aus, dass Frank Baumann noch im Amt ist – nachdem er es nach dem Abstieg sogar geschafft hat, dass es zum Bruch mit Trainer-Legende Thomas Schaaf kam?

NEURURER: Dass es bei einem Verein wie Werder Bremen überhaupt möglich ist, einen Mann wie Thomas Schaaf auf so eine Art und Weise loszuwerden, hat mich total überrascht. Ich kenne Marco Bode (Aufsichtsrats- Vorsitzender; d. Red.) sehr gut. Für mich hat er auch oft eine gute Figur abgegeben. Dass Baumann trotz der negativen Entwicklung als sportlich Verantwortlicher weiter das Vertrauen bekommt, zeigt mir aber auch, in welcher Ohnmachts-Situation der Verein insgesamt geführt wird. Wenn es jetzt zum Start nicht gleich gut laufen sollte und er auch die Spieler nicht mehr verkauft bekommt, die man noch loswerden möchte und auch loswerden muss, wird Frank Baumann der Nächste sein, der Werder verlassen muss.

MATTUSCHKA: Aber: Können sie die wichtigsten Spieler halten, steigen sie direkt auf. Am Ende ist Werder wie die ganze 2. Liga eine brutale Wundertüte. Aber das ist ja das Schöne. Wenn wir nach der Saison auf unsere Magnet-Tabellen gucken, kann einer schön die Klappe aufreißen, und der andere bleibt etwas ruhiger (lacht).

Ist der neue Werder-Coach Markus Anfang ein Aufstiegstrainer?

NEURURER: Für mich ja. Wenn man ihn in Köln nicht drei Spieltage vor Saisonende auf Platz 1 entlassen hätte, wäre er schon mal aufgestiegen. Auch in Kiel und Darmstadt hat er großartig gearbeitet und immer die Punkte geholt.

MATTUSCHKA: Ich habe mit Markus noch in Cottbus zusammengespielt und immer wieder Kontakt zu ihm. Was ihn auszeichnet: Er kann Teams entwickeln. Sein Ballbesitz-Fußball hat in Darmstadt zu Beginn nicht funktioniert, also hat er umgebaut und eher Pressing spielen lassen. Dann lief es richtig gut. Markus kennt die 2. Liga, kann auch mit Namen umgehen. Er ist der richtige Mann für Werder.

„Heidenheims Tim Kleindienst hetzt sogar ein Zebra tot“

MATTUSCHKA

Herr Mattuschka, Sie haben St. Pauli mit Trainer Timo Schultz auf Platz 3 getippt – drei Plätze vor dem HSV! Wer wird die Überraschung der Saison?

MATTUSCHKA: Als Schulle (St. Paulis Trainer; d. Red.) das gehört hat, hat er mir direkt geschrieben und gefragt, ob ich besoffen bin (lacht). Aber ich traue ihm das absolut zu. St. Pauli hat nach einer schweren Hinrunde eine extrem starke Rückrunde gespielt. Den Turnaround so zu schaffen, das macht was mit dir – das gibt jedem einen riesigen Schub. Auch wenn St. Pauli mit Zalazar und Marmoush zwei wichtige Spieler verloren hat, bin ich von der Mannschaft überzeugt, zumal sie sicher noch ein, zwei Spieler holen werden und durch die Fans am Millerntor eh noch mal richtig gepusht werden.

NEURURER: Ich habe St. Pauli auch oben auf Platz 5, sehe aber noch zwei andere Klubs davor: die Kieler, die bei mir Dritter werden, und mein Ex-Verein Hannover als Zweiter. Bei 96 bewegt sich was.

Kiel hat doch drei Stars mit Serra, Lee und Meffert verloren ...

NEURURER: Aber Ole Werner macht das als Trainer unheimlich konsequent mit einem klaren Konzept. Ich habe ihn noch nicht einmal jammern hören. Egal, ob es um Spielabsagen in Pandemiezeiten mitten im Aufstiegskampf ging oder bei den Abgängen von guten Spielern. Diese Konsequenz ist sonst vielleicht nur noch bei Frank Schmidt in Heidenheim so erkennbar. Von daher glaube ich, dass weiter Großes möglich ist.

Heidenheim hat mit Tim Kleindienst, der schon in der Rückrunde in 15 Spielen elf Tore erzielte, den teuersten Transfer der Liga getätigt und ihn für 3,5 Mio. Euro fest verpflichtet. Kann Heidenheim Aufstieg?

MATTUSCHKA: Die spielen in der 2. Liga eine überragende Rolle, werden sicher wieder einstellig. Dass Frank Schmidt mittlerweile 14 Jahre bei einem Verein ist, ist unfassbar in der heutigen Zeit. Das zeigt mir auch, wie sehr er sich selbst entwickelt hat. Da nutzt sich nichts ab. Und mit Kleindienst habe ich in Cottbus in seiner ersten Männersaison noch zusammengespielt. Was er investiert und wie er rennt, ist überragend. Der hetzt sogar ein Zebra tot!

„ Bei Dynamo und Hansa geht mir das Herz auf. Was da abgeht, ist total gei l“

MATTUSCHKA

Die neuen Trainernamen bei Hannover und Düsseldorf mussten selbst die Spieler erst mal googeln mit Jan Zimmermann und Christian Preußer. Welchen von den Namen muss man sich merken?

NEURURER: Beide hoffe ich! Fortuna will und muss unbedingt nach oben, genau wie Hannover. Da zwei Trainer zu verpflichten, von denen man erst mal nicht viel weiß, kann aber eine gefährliche Kiste sein. Denn gerade bei diesen Klubs braucht man ganz viel Erfahrung.

MATTUSCHKA: Da gebe ich dir total recht. Preußer hat hier bei uns in Altglienicke noch gespielt. Er ist inhaltlich sehr stark, zudem richtig empathisch. Das Ding ist: Bei Freiburg II hat es mehr oder weniger keinen interessiert, wie die Spiele ausgingen. In Düsseldorf ist eine Medienlandschaft da, mit der er erst mal umgehen können muss. Da braucht Christoph auch einen guten Pressespre-cher neben sich, der ihn da gut vorbereitet.

Darmstadt ohne 27-Tore-Dursun – ist der Blick nach oben damit vorbei?

NEURURER: 27 Tore kannst du nicht einfach ersetzen. Es ist richtig, was Torsten Lieberknecht gesagt hat als neuer Trainer: Es geht darum, die Großen zu ärgern.

Karlsruhes bester Stürmer Philipp Hofmann hatte nach 13 Toren ein Angebot vom HSV, bleibt aber lieber beim KSC. Gaga oder genial?

MATTUSCHKA: Ja, für welchen Klub spricht das jetzt? Für den HSV eher nicht. An einen KSC-Aufstieg glaube ich aber auch nicht. Für mich hat der KSC vergangene Saison etwas über den Möglichkeiten gespielt. Für Christian Eichner als Trainer hat mich das gefreut, weil er ein guter Typ ist. Er hat auch angemahnt, dass es nicht nur mit jungen Spielern geht, sondern man auch mal ins finanzielle Risiko gehen muss. Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, dass sie ganz oben dabei sind.

Und Hansa Rostock und Dynamo Dresden, die Kult-Aufsteiger?

MATTUSCHKA: Da geht mir das Herz auf! Das Ostsee-Stadion, das Rudolf-Harbig-Stadion. Was da abgeht, ist total geil. Und das sage ich jetzt nicht nur als Ossi. Das ist Tradition pur. Am vierten Spieltag treffen beide direkt im Topspiel aufeinander, da kriege ich jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass ich das bei Sky mit Stefan Hempel live erleben werde. Wenn Hansa und Dynamo mit ihren Fans in Laufen kommen, kann für beide richtig viel gehen.

Was muss passieren, damit Dresden das neue Union Berlin wird und nicht nur aufsteigt, sondern sich in der Bundesliga etabliert?

MATTUSCHKA: Sie brauchen vor allem Kontinuität und Ruhe. Wenn dort alle mal ans große Ganze denken, kann es klappen. Dynamo ist ein schlafender Riese.

NEURURER: Schlafende Riesen gibt es ja viele, die haben immer nur ein Problem: Sie werden nie wach! Weil dort in der Regel zu viele Egoismen am Werk sind, als dass man zusammen viel bewegt.

Wer steigt ab?

NEURURER: Mir wird es richtig wehtun, aber Aue wird es leider erwischen. Ich kann die Außendarstellung der Person, die im Klub am meisten zu sagen hat (Neururer meint Präsident Helge Leonhardt; d. Red.) nicht mehr nachvollziehen. Darüber hinaus haben sie mit Testroet und Krüger das überragende Sturm-Duo verloren. Das können sie nicht auffangen.

Und der zweite Absteiger?

MATTUSCHKA: Ich tippe auf Ingolstadt.

NEURURER: Ich auch! Wenn ein Verein nach einem Aufstieg sowohl den Trainer Tomas Oral als auch den Sportdirektor Michael Henkel entlässt, ist das für mich nicht nachvollziehbar. Das zeigt, dass innerhalb des Vereins wenig stimmt, da ist maximal die Relegation drin.

Zum Schluss noch zwei schnelle Fragen: Herr Mattuschka, welcher Trainer bekommt dieses Jahr eher einen Job: Peter Neururer, Uwe Neuhaus oder Friedhelm Funkel?

MATTUSCHKA: Alle drei würden der Liga guttun, wobei alle drei eigentlich direkt in die Bundesliga gehören.

Herr Neururer, wann rechnen Sie dieses Jahr mit einem Anruf von Schalke 04?

NEURURER: Ich telefoniere täglich mit Schalke!

KLARTEXT AUS DEM ARBEITSZIMMER

SPORT BILD schaltete die Zweitliga-Experten per Video-Schalte zusammen: Peter Neururer war zu Hause in seinem Arbeitszimmer in Gelsenkirchen-Buer, Torsten Mattuschka meldete sich vom Trainingsgelände des Regionalligisten Altglienicke in Berlin. Nachdem beide die Magnet-Tabelle mit ihren Saisontipps ausgefüllt hatten, ging es los. Mattuschka war überrascht, als er Neururers Ergebnis sah: der HSV und Hannover auf den Aufstiegsrängen, Schalke nur auf Platz 4. Die Knappen sind neben Werder Mattuschkas Top-Favoriten.

NEUE TRAINER

Bei der halben Liga sitzt ein neuer Coach auf der Bank. Mindestens drei von ihnen haben das Ziel Aufstieg: Werders Markus Anfang, Tim Walter vom HSV und Düsseldorfs Christian Preu ßer