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So wird Ihr Kind zum TEAMPLAYER


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Mit anderen gemeinsam etwas schaffen, einen Platz in der Gruppe finden: Als Teil einer Mannschaft erwerben Kindersoziale Kompetenzen . Und die sind nicht nur wichtig fürs Gewinnen, sondern sorgen später auch für mehr Lebensglück und Erfolg


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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 7/2019

Unser Sieg! Im Team Erfolge und Niederlagen zu teilen ist für Kinder eine wertvolle Erfahrung


Wenn Jogi Löws Elf bei Länderspielen als Sieger vom Platz geht, ist ihr der Jubel der deutschen Fans si- cher. Und auch, wenn einzelne Publikumslieblinge besonders beklatscht werden, gilt der Applaus doch immer vor allem der geschlossenen Mannschaftsleistung. Nur wenn der ...

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... Nationaltrainer in der Vorbereitung alles richtig gemacht hat, stehen nicht nur lauter begabte Individualisten auf dem Feld, sondern ein Team, das gemeinsam das Runde in das Eckige bringt. Aber was ist Teamfähigkeit überhaupt? Sicher ist, dass es dabei um weit mehr geht als nur darum, im richtigen Moment abzuspielen. Damit Mannschaftsgeist entsteht, müssen mehrere Kompetenzen zusammenwirken. Zentral ist die Fähigkeit zur vielfältigen, lösungsorientierten Kommunikation wie Absprachen treffen und Regeln aushandeln können, mit anderen in Kontakt treten, Konflikte aushalten und lösen, sich selbst organisieren und mit den anderen Spielern Ziele defi - nieren, zuhören, beraten, sich selbst und andere einschätzen können, Hilfe geben und annehmen sowie sich einfügen.

Es gibt immer mehr kleine „Ichlinge“

Auch wenn viele Kinder vor jeder EM und WM begeistert Panini-Bilder von den deutschen Kickern sammeln – bei vielen von ihnen scheinen Gemeinschaftsgefühl und die Teamfähigkeit zunehmend weniger ausgeprägt zu sein. Das jedenfalls diagnostiziert der Kinderpsychologe Dr. Stephan Valentin. Er hat beobachtet, dass Kinder heute mehr und mehr zu kleinen „Ichlingen“ werden.
„Kinder ziehen immer häufiger digitale Medien dem Spiel mit Gleichaltrigen vor. Und viele Kinder haben große Schwierig keiten, sich in den anderen hineinzu versetzen. Auch, weil es ihnen von den Eltern nicht vermittelt wird“, sagt er und führt ein Beispiel an: „Auf einem Flug von Neapel nach Paris saß ein vierjähriges Mädchen hinter mir und trat ständig gegen meinen Sitz. Ich habe mich umgedreht und ihr nett erklärt, dass das nicht sehr angenehm ist und dass es ja auch nicht will, dass ihm jemand in den Rücken tritt. Das Mädchen hat genickt, aber die Elternschauten mich ganz pikiert an, was mir denn einfiele.“

Erfolgsdruck schon im Kleinkindalter

Aber woher kommt diese Tendenz zur Vereinzelung? „Die Gesellschaft erwartet sehr viel von Kindern und setzt auch die Eltern unter enormen Erfolgsdruck“, sagt Stephan Valentin. „Kinder sollen bereits ab den ersten Lebensmonaten zu leistungsstarken Individuen geformt werden. Wir leben in unserer westlichen Kultur in der Vorstellung, dass nur der Stärkste sich durchsetzt und siegt.“
Schnell werden auf diese Weise schon Kleinkinder zu Konkurrenten: „Meiner läuft schon! Deine nimmt sich wohl noch Zeit …“ Anstatt Kinder vor allem gemeinsam spielen zu lassen, wartet auf sie der Englisch- oder Malkurs und die Turnstunde.
Oder sie sitzen vor Lern-Apps und verbringen viel Zeit mit einem virtuellen Gegenüber, dem eines völlig fehlt: Mitgefühl. „Wann bleibt bei solchen überfüllten Stundenplänen noch Zeit, um soziale Kompetenzen zu entwickeln? Die Devise lautet schon früh: Ellenbogen ausfahren!“, sagt Stephan Valentin.
Dabei ist Teamgeist eine der wichtigsten Voraussetzungen, nicht nur für eine gute Platzierung in einem Turnier, sondern auch für ein gelungenes Leben mit anderen, in der Familie, in der Kita, in der Schule oder später im Berufsleben.

„Alle für einen und einer für alle!“ – Sport in der Mannschaft fördert den kindlichen Teamgeist


Gute Teamplayer haben es im Leben leichter

„Der Weg zur Zufriedenheit und zum Glück führt bei den allermeisten Menschen über die Zugehörigkeit zu anderen Menschen“, sagt auch der Pädagoge Andreas Kleinmann, Experte für Teambildung im Sport. „Und das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit kann auch gut durch gegenseitige Hilfe beim mannschaftlich geschlossenen Üben, Trainieren und Spielen befriedigt werden.“
Kinder, die einen Mannschaftssport betreiben, lernen dabei, sich in eine Gruppe einzufügen, aber auch, sich durchzusetzen. Sie erfahren, dass für den Teamerfolg die Leistung jedes Einzelnen wichtig ist. „Da eine Sportmannschaft große Ähnlichkeit mit einem beruflichen Team haben kann, bestehen gute Chancen, dass Kinder spielerisch Fähigkeiten erlernen, die später im Beruf wichtig sind“, so Kleinmann.

GEEIGNETE KINDERSPORTARTEN:Was passt zu meinem Kind?

Fußball Ein echter Breitensport: Jeder dritte Junge in Deutschland kickt, es gibt rund 25 000 Vereine, in denen rund 1,3 Mio. Kinder trainieren. Gefragt sind Ausdauer, Körpergefühl und Ballgeschick. Ab fünf Jahren. Kosten: Vereinsbeitrag um 10 Euro, Schuhe 30 Euro, www.dfb.de

Tischtennis Eine der schnellsten Ballsportarten der Welt. Gefördert werden Gleichgewichtssinn, Ballgefühl und Reaktionsfähigkeit. Ab etwa sieben Jahren. Kosten: Vereinsbeitrag um 10 Euro, Schläger und Schuhe jeweils ca. 30 Euro, www.tischtennis.de

Hockey Ein rasantes Spiel. Da die Verletzungsgefahr durch den Einsatz von Schlägern hoch ist (Hockey kommt von dem altfranzösischen Wort für Schäferstock), ist das Regelwerk besonders auf Fairness und Teamgeist abgestimmt. Trainiert wird ab vier Jahren. Kosten: Mitgliedschaft etwa 15 Euro, Ausrüstung ca. 100 Euro, www.deutscher-hockey-bund.de

Tipp: Auf www.dak.de, der Webseite der DAK-Krankenkasse, gibt es viele Infos zu Kindersportarten (Suchwort „Sport für Kinder“).

Der vielleicht wichtigste Moment des ganzen Spiels …


Der lange Weg vom Ich zum Wir

Echte Teambildung ist Kindern erst ab einem gewissen Alter möglich, vorher haben sie die dafür nötigen Entwicklungsschritte noch nicht abgeschlossen. „Kindergartenkinder können sich und ihr Tun noch nicht realistisch einschätzen. Erst ab einem Alter von circa sechs Jahren empfinden sie die Einhaltung von Regeln beim Spielen als innere Verpflichtung. Auch ist das kooperative Verhalten bei Erstklässlern noch deutlich geringer ausgeprägt als bei Kindern, die in die dritte Klasse gehen“, sagt Stephan Kleinmann. Mit etwa neun Jahren seien Kinder dann soweit, dass sie gemeinsam ein Ziel verfolgen könnten.
Die Entstehung eines Teams beginnt mit dem Kennenlernen und der Gruppenbildung. Jeder versucht, seinen Platz zu finden. Ordnung ist noch nicht erkennbar, vielmehr überspielen die Kinder Unsicherheiten, probieren sich chaotisch aus. Gleichzeitig entwi ckeln sich langsam Gefühle und Beziehungen. Manche Kinder werden zu Freunden, andere sind sich zunehmend unsympathisch. Es gibt Bewunderung, Nähe, aber auch Rivalität.

Ein gutes Team braucht einen guten Trainer

Hier ist ein kompetenter Trainer gefragt, denn dies ist eine kritische Phase, von der es abhängt, wie erfolgreich das Team später zusammenspielt und wie gut sich die einzelnen Kinder einbringen können. Doch wie erkennen Eltern die Qualität eines Trainers? Stephan Kleinmann rät: „Sehen Sie sich das Training an, fragen Sie den Trainer, welches Verständnis er von Teamfähigkeit hat und ob er sich schon vertiefend damit auseinander gesetzt hat.“
Bei manchen Sportarten ist Teamfähigkeit leichter zu fördern, etwa beim Volleyball oder in der Akrobatik. Bei Fußball und Basketball hingegen sind (scheinbare) Erfolge auch durch Alleingänge mit minimalem Passen möglich und für etliche (egoistische) Spielertypen durchaus reizvoll. Wenn uns Jogi Löws Truppe durch gekonntes Zusammenspiel bezaubert, haben wir also doppelt Grund zu applaudieren.

INTERVIEW


Kinderpsychologe und Schriftsteller Dr. Stephan Valentin über fehlenden Teamspirit

familie&co: Warum haben Sie ein Buch über Ichlinge geschrieben?
Dr. Stephan Valentin: Mir ist immer wieder aufgefallen, wie einsam sich viele Kinder und Jugendliche heute fühlen und gleichzeitig, wie selbstsüchtig und egozentrisch sie geworden sind. Mit meinem Buch wollte ich ein Alarmsignal senden.

Was sind die Folgen dieser Verein zelung?
Dem anderen zuhören, ihn ausreden lassen, seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen – das fällt vielen Kindern schwer. In Kitas und Schulen wird es immer mehr zum Problem, dass die Kleinen sich oft nur schwer an Regeln halten können. Gruppenarbeit entwickelt sich schnell zu einem Chaos aus Schreien und Weinen, denn jeder will Recht haben. Das „Ich“ steht im Vordergrund.

Was läuft falsch?
Eltern sehen sich oft eher als Freund und scheuen sich, Autorität zu zeigen. Sie dulden, dass ihr Kind seine Wünsche und seinen Willen der Familie aufzwängt und so erreicht, dass sich alles nur um es selbst dreht. Auch die Förderhysterie ebnet den Weg für Ichlinge. Die Einzelleistung steht im Vordergrund. Sogar wenn Kinder einen Mannschaftssport spielen, geht es Elter n oft nur darum, wie gut ihr Kind ist.

Wie kann man gegensteuern?
Damit ein Kind zum Gemeinschaftsmenschen wird, sollte ihm genau das vorgelebt werden, etwa indem die Eltern ein gutes Team bilden. Und: Kinder lieben es, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Wichtig ist auch, nicht alles für das Kind zu tun, sondern es auch um Hilfe zu bitten. Kinder wollen gebraucht werden.

Zum Weiterlesen: ICHLINGE (s. Buchtipp rechts)

MEDIENTIPPS

Josef Griesbeck: Die 50 besten Gruppenspiele

Für drinnen und draußen: tolle Ideen für Kindergeburtstage, Spielnachmittage und Ferientage. DON BOSCO, 5 EURO

Stephan Valentin: Ichlinge

Verlernen unsere Kinder, Teamplayer zu sein? Der Psychologe und Schriftsteller liefert eine Analyse der Lage. GOLDMANN, 8,99 EURO

Jesper Juul u. a.: Miteinander

Wie Empathie Kinder stark macht. Experten plädieren für eine Erziehung zu mehr Mitgefühl. BELTZ, 14,95 EURO

Teufelskicker

Schöne Hörserie ums Kicken und Zusammenhalten. In „Sauber gespielt“ bauen die Teufelskicker gemeinsam eine Seifenkiste. CD, EUROPA, AB CA. 5 EURO


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