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So zahlt Ihr Haus eine Extra-Rente


Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 17.06.2020

Wollen Sie ein Leben lang ab sofort eine Extra-Rente? Den Schlüssel dazu haben Sie bereits in der Hand – Ihr Haus. Denn immer mehr Ältere verkaufen ihre Immobilie, wohnen weiter darin, müssen sich auch nicht mehr um Reparaturen kümmern – und erhalten trotzdem jeden Monat Geld. Klingt interessant? Ist es auch, wie das Beispiel von Rente & Co-Leserin Renate Müller zeigt.


Artikelbild für den Artikel "So zahlt Ihr Haus eine Extra-Rente" aus der Ausgabe 3/2020 von Rente & Co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Rente & Co, Ausgabe 3/2020

Das eigene Haus schenkt Sicherheit – und kann auch eine Zusatz- Rente erzeugen.



44% mehr Rente Wer das Haus verkaufen will, sollte vergleichen. Im Exklusiv-Test gab es 760 oder 1.090 Euro* monatlich. * für 75-Jährige bei 300.000 Euro ...

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44% mehr Rente Wer das Haus verkaufen will, sollte vergleichen. Im Exklusiv-Test gab es 760 oder 1.090 Euro* monatlich. * für 75-Jährige bei 300.000 Euro Immobilien-Wert


Seit 1980 wohnt Renate Müller in ihrem schmucken Einfamilienhaus im Rheinland. Sie hat es selbst bauen lassen; doch seit dem Tod ihrer Mutter ist es für die 78-Jährige zu groß. „Und ständig muss etwas repariert werden“, erzählt sie, „deshalb bin ich froh, dass ich das Haus verkaufen konnte, eine Zusatz-Rente erhalte und auch meinem Neff en die Erbschaftssteuer erspare, der das Haus ja ohne den Verkauf geerbt hätte.“

Renate Müller ist kein Einzelfall. Überall in Deutschland nutzen Ältere die hohen Preise für Immobilien, um ihre Häuser zu verkaufen – und bleiben trotzdem darin wohnen. Das Prinzip: eine lebenslange Leibrente. Jeden Monat überweist der Käufer von Renate Müllers Haus, der Finanz- Dienstleister Deutsche Leibrenten, eine feste Summe, und nach ihrem Tod geht das Eigentum ohne Lasten über. Doch bis dahin lebt Renate Müller in ihrer vertrauten Umgebung.

Im eigenen Haus bleiben

Falls sie doch in den Süden ziehen möchte oder in ein Pfl egeheim muss, kann sie das Haus vermieten. „Und wenn heute etwas kaputt ist, rufe ich in Frankfurt an, dann kümmert sich jemand darum – das ist beruhigend.

„Der wesentliche Unterschied zum alten Prinzip der Leibrente ist“, sagt Michael Feigl vom Institut für Finanzdienstleistungen, „heute ist ein kommerzielles Unternehmen der Käufer.“ Und auf diesem Markt tummeln sich inzwischen viele Anbieter: reine Finanz-Dienstleister, die darauf spekulieren, dass die Preise weiter steigen; aber auch kirchliche oder private Stiftungen, die so ihr Vermögen erhöhen, dann findet die Übertragung als Zustiftung statt.

„Angesprochen werden derzeit viele ab 65“, sagt Michael Feigl, „denn das Alter spielt, neben der Lage der Immobilie, bei der Rente die entscheidende Rolle: je älter Immobilien- Besitzer beim Verkauf, desto höher die monatliche Rente.“

Warum die Nachfrage nach Immobilien- Renten so stark gestiegen ist, erläutert Friedrich Thiele, Vorstand der Deutschen Leibrenten-Grundbesitz: „Was oft vergessen wird: Jeder Vierte hat die Immobilie mit Eintritt in den Ruhestand noch nicht komplett abbezahlt. Und viele stellen fest, dass das Geld für den Alltag nicht so üppig ist, weil Kosten für Gesundheit oder häusliche Pflege dazukommen.“

Wohnwert ist entscheidend

Gesucht werden idealerweise frei stehende Einfamilienhäuser am Ortsrand, wie bei Renate Müller, mit guter Bausubstanz. Das Alter der Immobilie spielt keine große Rolle; wichtiger ist, dass es keinen großen Renovierungsstau gibt. Entscheidend für die mögliche Rente sind der Wert der Immobilie, der Wohnwert (wird aus Vergleichsmiete errechnet), die Instandhaltung – und das Alter der Verkäufer (und damit deren Lebenserwartung). Denn eine Immobilien- Rente wird in der Regel lebenslang gezahlt. Berechnet wird die Leibrente dann bei allen Anbietern ähnlich: Wert der Immobilie minus Wohnwert (Vergleichsmiete x 12 Monate x Lebenserwartung) gleich Wert der Leibrente. Dieser wird dann durch die Lebenserwartung geteilt.

Renate Müller war 77, als sie ihr Haus verkaufte; seitdem erhält sie eine höhere dreistellige Zusatz- Rente jeden Monat. Wie sehr das Alter die Höhe der Rente bestimmt, zeigen Beispiele: Beim Verkauf mit 70 beträgt die Rente gerade 290 Euro, mit 75 dagegen schon über 755 Euro. Dennoch rät der Finanz-Experte Michael Feigl unbedingt, die Konditionen zu vergleichen und sich nicht von hohen Renten blenden zu lassen. Denn die Unterschiede sind enorm.

Der Exklusiv-Test ergab für eine Immobilie im Wert von 300.000 Euro (Abschluss-Alter 75) beim Anbieter Evangelische Hospiz-Stiftung Stuttgart ( 0711 866 60 17) 1.091 Rente im Monat, bei der Stiftung Liebenau ( 07542 10 16 77), die zur Caritas gehört, nur 760 Euro – fast 44 % Differenz.

Auch wenn das Haus verkauft ist, bleibt das lebenslange Wohnrecht.


Zustande kommen solche Unterschiede, weil die Käufer den Wohnwert unterschiedlich bewerten. Bei der 300.000-Euro-Immobilie setzte die Deutsche Leibrenten ( 0800 749 99 99) den Wohnwert auf 157.000 Euro an, die Evangelische Hospiz-Stiftung Stuttgart nur auf 106.000 Euro – entsprechend mehr Geld bleibt für die Leibrente.

Ähnlich groß sind die Unterschiede, wenn Verkäufer 70 sind: Die Wilhelm-Sander-Stiftung ( 089 544 18 70) bietet dann 658 Euro Monatsrente; HausplusRente ( 089 33 99 50) nur 531 Euro.

Aber der Test zeigt auch: Kleinste Diff erenzen, z. B. beim Altersunterschied bei Paaren, ergeben völlig andere Werte. Insofern lohnt es immer, viele Angebote einzuholen.

Da es sich beim Verkauf und der Immobilien-Rente um einen privatrechtlichen Vertrag handelt, lohnt das Verhandeln. „Da gibt es keine Standards“, sagt Finanz-Experte Michael Feigl, „es sollte ein Anwalt von vornherein eingebunden werden.“ Vor allem die Frage der Renovierun- gen sollte genau geklärt werden. Genauso wie eine Mindest-Laufzeit (was passiert, wenn Verkäufer kurz nach Vertragsschluss stirbt) und der

Eigenen Anwalt einschalten

Einschluss des Ehepartners (Rente sollte bis zum Tod des überlebenden Partners gezahlt werden). Wichtig ist zudem: Es gibt neben der klassischen Leibrente (also Haus gegen monatliche, lebenslange Rente) auch andere Modelle, z. B. größere Einmal-Zahlungen zum Start, dafür kleinere Rente sowie Teil-Übertragungen oder Auszahlen der Leibrente in einer Summe, während trotzdem ein Wohnrecht besteht.

Renate Müller ist froh, dass der Verkauf so schnell funktionierte: „Im Juli hatte ich das erste Gespräch, am 30. August war ich schon beim Notar, um zu unterschreiben. Überrascht hat mich, dass der Gutachter den Wert des Hauses höher ansetzte, als ich dachte, sodass auch meine Zusatz- Rente deutlich höher ausfi el.“


„Die Leib-Rente ermöglicht es, die Renten-Lücke zu schließen, weil man Geld aus der eigenen Immobilie erhält”
Michael Feigl, Institut fur Finanzdienstleistungen (iff)


Diese Details sind entscheidend

Auszahlung
→ Angeboten werden lebenslange Rente, Einmal-Zahlung oder Teil-Auszahlung.

Absicherung im Grundbuch
→ Wohnrecht und Rente mussen erstrangig eingetragen werden. Das schutzt auch vor Insolvenz des neuen Eigentumers. Dann wurde alles ruckgangig gemacht.

Laufende Kosten
→ Grundsatzlich geht die Pflicht zum Reparieren an den neuen Eigentumer. Wer sich auf etwas anderes einlasst, sollte eine hohere Rente verlangen.

Kaufpreis
→ Das Wertgutachten muss durch einen unabhangigen Gutachter erstellt werden. Keine Gutachter des Kaufers akzeptieren.

Wichtiger Wert, aber andere Dinge zahlen auch

Hohe der Rente
→ Masgeblich ist der Wohnwert (orientiert sich an der Vergleichsmiete).

Nutzungsrecht nach Auszug
→ Was passiert, wenn man ins Pflegeheim muss oder das Wohnrecht nicht nutzen kann? Dann gibt es zwei Modelle: Niesbrauch (siehe Rente & Co 2/2020) – man kann die Wohnung selbst weitervermieten – oder Abfindung.

Mindestlaufzeit im Erbfall
→ Uberlebender Ehepartner soll die Immobilie weiter nutzen; die Rente wird weitergezahlt. Ublich ist eine Todesfall-Leistung: Stirbt der Verkaufer in den ersten 5 bzw. 10 Jahren, wird eine Summe gezahlt, die sich am Rest des Wohnrechts bemisst.


Fotos: Getty Images/Westend61 (2), privat