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So zerrissen ist der HSV


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 03.08.2022

2.LIGA

Am Dienstag lud Thomas Wüstefeld (53) die Journalisten in Hamburg kurzfristig zu einem Medien-Gespräch ein. Der beim HSV umstrittene Finanzvorstand und Investor wollte aus seiner Sicht die Dinge, die in den vergangenen Wochen für Negativ-Schlagzeilen sorgten, erklären. Angefangen von den riesigen Finanzproblemen bei der Stadion-Sanierung bis zum massiv gestörten Verhältnis zu seinem Vorstandskollegen Jonas Boldt (40), der den Bereich Sport verwaltet. Wüstefeld setzt jetzt auf Transparenz – denn das Bild, das der Klub nach außen abgibt, ist desaströs, und der Klub auch intern so zerrissen wie seit Jahren nicht mehr!

Seit Januar ist Wüstefeld im operativen Geschäft tätig. Vorläufig ausgestattet mit einem Vertrag bis zum Jahresende – ohne Vergütung vom HSV. Seit er da ist, kracht es regelmäßig. „Meine

Transformationsarbeit sorgt natürlich für Unruhe“, gibt Wüstefeld im Gespräch mit SPORT BILD zu. ...

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Wüstefeld hat jetzt der Mannschaft zum Beispiel im VIP-Sektor des Volksparkstadions den Logen-Bereich „Die Raute“ weggenommen. Dabei war die seit Jahren nach Spielen der Treffpunkt für die Profis und ihre Angehörigen. Künftig sind sie in der Loge „Klassiker Süd“ untergebracht, die in einem anderen Bereich liegt.

Ebenfalls nicht gut angekommen ist bei der sportlichen Leitung um Boldt, dass sich Wüstefeld zierte, eine Teambuilding-Maßnahme vor dem Zweitliga-Start bei Eintracht Braunschweig (2:0)

Mitte Juli freizugeben. Der Ausflug zur „Golf Lounge“ in Hamburg kostete rund 12 000 Euro.

Auch das Trainingslager im österreichischen Bad Loipersdorf soll spät genehmigt worden sein und sorgte für Organisationsstress. Aus Kostengründen wurden Linienflüge gebucht. Die Rückreise konnte dann nicht wie geplant angetreten werden, weil Eurowings die Maschine von Wien zurück nach Hamburg gestrichen hatte. Das Team musste kurzfristig doch auf einen Charter ausweichen – die Rückreise verschob sich um Stunden. Das hätte vermieden werden können, so die sportliche Führung.

Richtig unbeliebt machte sich der Finanzboss vor allem bei Tim Walter (46). Wüstefeld soll dem Trainer nach seinem Antritt in einem Gespräch versprochen haben, ihm Rückendeckung zu geben, wenn es sportlich mal nicht laufen sollte. Das war vergangene Saison im März/April der Fall, doch das Vorstandsmitglied ging auf Tauchstation – dabei wollte er anfangs nach erfolgreichen Spielen wie im DFB-Pokal-Achtelfinale beim Bundesligisten 1. FC Köln (4:3 im Elfmeterschießen) noch auf dem Platz mit in den Kreis, als der Coach zur Mannschaft sprach und alle feierten.

Seine internen Gegner gaben Wüstefeld den Spitznamen „Zerwüstefeld“

Als der HSV in der Relegation an Hertha BSC scheiterte und trotzdem Euphorie und gute Stimmung herrschten, mischte sich Wüstefeld plötzlich in den Sport ein und verkündete einen Tag später das Ziel für die Saison 2022/23: Aufstieg in die Bundesliga! Ohne Absprache mit Sportvorstand Boldt, der das mit Verwunderung zur Kenntnis nahm, da es das ungeschriebene Gesetz gebe, sich nicht über die Kernbereiche eines anderen Vorstands zu äußern.

Wüstefeld verteidigt sich: „Meine Aussage damals ist nicht gut angekommen. Ich habe es gesagt, weil es mein Wunsch ist als HSV-Vorstand und als Fan, dass wir nächstes Jahr aufsteigen. Aber ansonsten habe ich mich nie in den Sport eingemischt. Ich habe auch niemals Jonas Boldt gesagt, wir müssen einen Spieler verkaufen. Denn als ich kam, war die Prognose, dass wir für das Geschäftsjahr 2021/22 ein Minus im zweistelligen Bereich machen werden. Darum musste eingespart werden.“

Laut Wüstefeld wird der HSV am Ende eine

schwarze Null schreiben – statt wie im Winter noch prognostiziert zwölf Millionen Euro Miese machen.

Das gelang, weil es durch das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinales und der Relegation Zusatzeinnahmen in Millionenhöhe gab und Aufstiegsprämien an die Spieler nach der verpassten Bundesliga-Rückkehr dagegen nicht gezahlt werden mussten. Dazu, darauf verweist Wüstefeld, habe er durch seine Maßnahmen die Kosten um zwei Millionen Euro reduziert und Geldgeber wie Ärmel-Sponsor „Popp Feinkost“ oder die „HanseMerkur“ für den HSV gewinnen können.

Aber, und das fällt vielen beim HSV negativ auf:

Wüstefeld kündigt oft große Dinge an, kriegt sie selten oder gar nicht umgesetzt. Beim Thema Hauptsponsor betonte er intern, dass er gute Kontakte zu Welt-Unternehmen wie „Tesla“ habe und machte Hoffnung, dass der Autobauer künftig auf der HSV-Trikot-Brust wirbt. Am Ende wurde es das Hamburger Versicherungs-Unternehmen, das bereits zum Sponsoren-Pool gehörte.

Auch sein angekündigter Stellenabbau von bis zu 125 Mitarbeitern sorgte auf der Geschäftsstelle für miese Stimmung. Mit Verwunderung verfolgen Beschäftigte, dass der Vorstand öffentlich betont, selber klimafreundlich unterwegs zu sein und mit dem Fahrrad zur Geschäftsstelle zu kommen – doch regelmäßig sieht man ihn vor dem Volksparkstadion in seinem Porsche Cayenne hinter dem Steuer.

Selbst mit HSV-Ikone und Nachwuchs-Chef Horst Hrubesch (71) hat es sich Wüstefeld verscherzt, weil eine Bürgschaft über 350 000 Euro für die Frauen-Mannschaft lange nicht freigegeben wurde.

Zudem gab es Ärger um neue Verträge für Trainer und Mitarbeiter im Jugendbereich. Der Ärger schaukelte sich so weit hoch, dass viele im Klub fürchteten, Hrubesch würde seinen Job hinwerfen.

Wüstefeld wollte weitere Anteile von Kühne kaufen. Das ist vorerst kein Thema

Wüstefeld, der das Medizin-Unternehmen „sana-Group“ leitet, ist Quereinsteiger im Fußball-Geschäft. Im Herbst 2021 erwarb er 5,11 Prozent der Anteile von HSV-Großinvestor Klaus-Michael Kühne (85), rückte in den Aufsichtsrat und wurde vom Kontrollgremium nach dem Aus von Ex-Finanzchef Frank Wettstein (48) in den Vorstand entsandt.

Mit dem Milliardär und dessen Abgesandten Markus Frömming, der ebenfalls im HSV-Aufsichtsrat sitzt und die Anteilsverkaufs-Gespräche für Kühne mit Wüstefeld führte, gibt es auch Zoff. „Beim Erwerb der Anteile hat uns weder die Kühne-Holding noch der HSV-Vorstand (damals Wettstein; d. Red.) mitgeteilt, wie es um die Liquidität bestellt ist beim Thema Sanierung des Volksparkstadions für die EM 2024. Dabei reden wir nicht über eine Million Euro, sondern über einen Betrag zwischen 22 und 40 Millionen Euro“, sagt Wüstefeld.

Das hat zur Folge, dass der Investor und Vorstand aktuell nicht bereit ist, mit weiteren Partnern zusätzliche rund fünf Prozent der Anteile von Kühne zu kaufen – so war es ursprünglich angedacht. Der HSV sei finanziell nicht nur viel schlechter aufgestellt als gedacht, der Wert des Klubs sinkt zudem nach dem Verkauf des Stadiongrundstückes an die Stadt Hamburg für 23,5 Millionen Euro – die laut Wüstefeld von seinem Vorgänger Wettstein bereits ausgegeben wurden, um Corona-Löcher zu stopfen. Kühne jedoch gilt als knallharter Verhandler, will seine Anteile nicht unter Wert verkaufen.

Trotz aller Probleme versichert Wüstefeld, dass die Stadion-Sanierung im November beginnen soll. Die Finanzierung soll bis dahin stehen. Beim HSV heißt es, es wird allerhöchste Zeit. Denn schon jetzt sind die Rohstoff-Preise und Zinsen für Kredite gestiegen.

Überall Ärger beim HSV – selbst im Aufsichtsrat. Dort gibt es mittlerweile zwei Lager: pro Wüstefeld und pro Boldt, das für eine baldige Absetzung des Finanz-Bosses ist. Eine Mehrheit dafür gibt es aber nicht.

Wegen des anhaltenden Streits in der Klub-Führung soll zuletzt Aufsichtsrats-Mitglied Hans-Walter Peters (67) sein Hilfsangebot zurückgenommen haben, bei externen Investoren Millionen-Beträge generieren zu wollen. Und was macht Kontroll-Chef Marcell Jansen (36), dem eine Nähe zu Wüstefeld nachgesagt wird? Der hält sich (noch) raus – und schaut zu, wie der Klub immer tiefer im Chaos versinkt.

HSV – HEIDENHEIM

Samstag, 6. August, 13 Uhr live bei Sky, Highlights kurz nach Abpfiff auf Sportbild.de, BILD.de und in der Sport BILD-App