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Socorro


Divemaster - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.07.2019

Walhaie und Mantas zählen zu den bedrohten Tierarten. Im Naturschutz Reservat rund um die Revillagigedo Inseln sind sie geschützt. Hier helfen Sie der Forschung ihre Lebensrythmen und Wanderwege zu ergründen. divemasterwar mit einem internationalen Expertenteam rund um den Meeresforscher Laurent Ballesta tauchen.


revillagigedo

Artikelbild für den Artikel "Socorro" aus der Ausgabe 3/2019 von Divemaster. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Divemaster, Ausgabe 3/2019

revillagigedo

Gebannt starren Laurent und Yannick auf den kleinen iPhone Monitor. „Unglaublich, wie deutlich man alles sieht. Wie tief meinst Du ist eer?“ fragt Laurent und Yannick, unser Kameramann und ein erfahrener Drohnenpilot schätzt die Tauchtiefe des gerade unter der Drohne ...

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... im Blauwasser vorbeiziehenden Mantas auf maximal drei Meter. „Wenn man seine Position mit den Umrissen des Boilers vergleicht“ erläutert er seine Einschätzung.

NATURSCHUTZGEBIET ISLAS REVILLAGIGEDO

Fernreisende, Großfisch-Fans und UW-Fotografen wissen bei diesen Stichworten natürlich genau wo wir uns befinden, inmitten des mexikanischen Naturschutzgebietes rund um die Islas Revillagigedo. Einen der aktuell vielleicht schönsten Großfisch-Spots, bei uns meist als Socorro bezeichnet. Wobei Socorro nur eine der insgesamt vier kleinen bis kleinsten Inseln ist, taucherisch eher unbedeutend. Und der Boiler, der von vielen „Socorro“-Tauchern als „must-dive“ bezeichnete Tauchplatz liegt vor San Benedicto, der ersten Insel auf dem Weg in das Innere der Islas Revillagigedo.

UNTERWEGS MIT FRANZÖSISCHEN WISSENSCHAFTLERN

Bis zum Rasseln der Ankerkette vergehen mindestens 30 Stunden vom Ausgangsort der Expedition in Cabo San Lucas ganz im Süden der Baja California. Zeit genug, um uns auf die Aufgaben unserer Expedition vorzubereiten. Wir, ein französischer, zwei amerikanische und ein deutscher Fotojournalist begleiten auf Einladung der UhrenmanufakturBlancpain das französische Forscherteam rund um Laurent Ballesta auf seiner ersten „Socorro-Walhai- Expedition“ nach Errichtung des Naturparks im Jahre 2016. Im Rahmen desBlancpain Ocean Commitment hat die Uhrenmarke über zwei Millionen Dollar allein in ihre Naturreservat- Projekte gesteckt und auf Einladung des mexikanischen Präsidenten soll unser Team zeigen, ob sich in den zwei Jahren, seit Errichtung des Naturparks schon erste positive Ergebnisse dokumentieren lassen. Und natürlich wird Laurent wieder Filmmaterial fürArte produzieren und meine Aufgabe besteht darin, die Expedition fotografisch zu begleiten und gemeinsam mit Jason Heaton für den US-amerikanischen Tauchergemeinde aufzubereiten. Unser deutscher Kollege, Dietmar Fuchs, ist ein langjähriger Freund von Laurent und dieses mal mit auf Tour, weil er gemeinsam mit demVDST-sporttaucher und dem divemaster die wissenschaftliche Seite im Tauchsport aufbereiten und dokumentieren kann (die Kurzdokumentation erschien in der Ausgabe 5/18 desVDST-sporttaucher , Anm.d. Red.). Zusammen mit Laurent’s Team sind wir gerade einmal neun Taucher, die sich auf der riesigenNautilus Undersea einrichten dürfen. So bekommt jeder ein Einzelzimmer und wir alle haben genügend Platz für das umfangreiche Foto- und vor allem Filmequipment, dass wir mitschleppen. Insgesamt 13 Tauchkisten allein aus Frankreich finden ihren mühevollen Weg bis ans Boot, dasBlancpain komplett gechartert hat, um unserer Expedition jedwede Möglichkeit zu gewähren, das zu machen, wofür wir hergekommen sind: Fotos von Mantas und Walhaien anzufertigen, um mit Hilfe der Körperstrukturen, die meist schon katalogisierten Tiere im Computer wiederzufinden und anhand des aktuellen Standortes ihre Wanderrouten nachzuvollziehen.

UNSER TEAM

Zusammengewürfelt aus Journalisten, Fotografen, Tauchern und Wissenschaflern haben wir Dank des Sponsors und seiner guten Kontakte zur Mexikanischen Regierung mit nur neun „Mann“ ein ganzes „Foschungsschiff“ für uns allein.

UNSER SCHIFF

Nautilus Undersea , das vielleicht robusteste Schiff der Nautilus Flotte, nicht so luxuriös, aber genial, wenn man mit deutlich mehr an Equipment unterwegs ist und gern seine eigenen Routen mitbestimmt und abfährt.

UNSER AUTOR

Mark Strickland , Altmeister der amerikanischen UW-Fotografie. Mark hat Blancpain Expeditionen von den Similans, über Fakarava bis aktuell nach Mexiko begleitet. Seine Reportagen werden seit den späten 80ern weltweit in unzähligen Publikationen veröffentlicht.

Manta Matcher: Bei der Fotojagd auf Mantas und Großfische, wie hier den Thunfisch war das Team erfolgreich. Weniger bei den Haien. Weitere Infos finden Sie auch unter dem QR-Code auf sporttaucher.net


UNSERE TAUCHAUSRÜSTUNG

Rebreather: auf seinen Tieftauch-Expeditionen zu den Quastenflossern, seinem Antarktis Abenteuer oder bei seinem 24-Stunden-Tauchgang unter den Haien von Fakarava, immer vertrauen Ballesta und sein Team auf die Rebreather von AP-diving.
e Tauchanzüge: aufgrund der langen Tauchzeiten waren wir teils „trocken“ unterwegs oder zumindest in den maßgeschneiderten Halbtrockies von Aqualung.
e Instrumente: nicht nur weil sich der Sponsor freut, sonder auch als unkaputtbares Backup waren die Fifty Fathoms Uhren immer mit dabei.

UNSERE FOTOAUSRÜSTUNG

Seacam & Nikon , Laurent Ballesta vertraut seit Jahren auf Nikon im Seacam Gehäuse. Sein Team hatte immer mehr als vier Kameras unter Wasser, entsprechend des Einsatzes mit Superweitwinkel Optiken und Ports.
e Ikelite & Polaroid , Im Bild mitte links ist Fuchs mit seinem Gehäuse aus den frühen Siebzigern unterwegs. Zitat: „So dokumentiere ich etwas fotografisch wirklich Einzigartiges, ohne den Einsatz von viel Geld.

Diese sind extrem wichtig bei der Errichtung von neuen Naturschutzgebieten, denn wenn die Routen der Großfische durch die bekannten Fischfanggründe ziehen, sind diese Tiere extrem gefährdet - ob nun als Beute für Flossenjäger oder Beifang ist dabei völlig egal. Inmitten der Islas Revillagigedo finden die wunderbaren Großfische jetzt einen einzigartigen Ruhepol und das ist der Hauptgrund, warum diese Region so populär bei Tauchern und Fotografen ist.

DER BOILER, MANTA DORADO DER SUPERLATIVE?

Der Boiler besteht aus einem Lavastein, der sich knapp fünf Meter unter der Oberfläche befindet. Oben auf dem Felsen ist Tauchen wegen der starken Wogen kaum möglich, weil man sich dabei verletzen könnte aber auch, um die empfindliche Korallenwelt nicht zu beschädigen. Auf der Ostseite des Boilers befindet sich ein weiteres, kleines Plateau in einer Tiefe von circa 15 Meter. Hier kann man dann die Fischwelt zwischen den Korallen bewundern, was aber meist vergessen wird, weil alle nur Mantas sehen wollen. Einzig unser deutscher Kollege, unterwegs mit seiner historischen Polaroid-Ausrüstung, findet Gefallen an den seichten, lichtdurchfluteten Plateaus und dümpelt auch mal am oberen Rand herum. „Ich habe schon so viele Manas auf den Malediven erlebt und bin das erste Mal am Boiler, da will ich mehr sehen, als nur ein paar fette Flattermänner“, entschuldigt Fuchs sich lax. Später heisst es, er hätte Angst vor den „Teufelsrochen“ und Wassertiefen unterhalb von zehn Metern.

Im Westen des Boiler liegt das „Tiefenplateau“ in gut 25 Meter Tiefe. Rund um den Lavastein ist der Tauchplatz hier bis zu 45 Meter tief und der Sandboden meist gespickt mit Haien, die sich in der Strömung ausruhen. Da wir mit Rebreathern tauchen sind Tauchzeiten und -tiefen kein Problem und wir können den Boiler komplett erkunden, einmal ringsum und von oben bis ganz unten. Deshalb haben wir uns auch weiter weg ins Blauwasser begeben, um die kolportierten Hammerhai Schulen zu filmen. Leider hatten wir dabei kein Glück. Ganz anders unser Erlebnis mit einer Delfinschule: Schon während des Tauchganges haben wir bemerkt, dass sich ein Delphinweibchen mitten im Geburtsvorgang befand. Die Schwanzflosse des Nachwuchses ragte schon deutlich sichtbar heraus. Da so eine Geburt bis zu sechs Stunden dauern kann, konnten wir diesen leider nicht live erleben. Aber wir wissen, dass alles gut gegangen ist, weil unserem Kamerateam die Mutter mit neugierigem Nachwuchs schon am nächsten Tag von die Linse schwamm (Video auf sporttaucher.net / QR-Code im Bild, Anm.d.Red.) Bekannt ist der Boiler allerdings tatsächlich aufgrund der vielen Mantas, die rund um die Plateaus kreisen. Erstmals haben wir, überaus erfolgreich übrigens, das Aufspüren der Mantas mit Hilfe einer Drohne bewerkstelligt. Die beiden oberen Boiler-Plateaus sind sehr gut auszumachen und unser Drohnenpilot an Bord der Nautilus konnte der Beiboot-Crew so genau sagen, wo man am Boiler die jeweiligen Tauchteams absetzen sollte. Damit hatten wir von Anfang an die Chance Mantas zu filmen und zu fotografieren. Bei den Walhaien, wie schon bei den Hammerhaien, wurden wir am Boiler leider nicht fündig. Schon beim ersten Tauchgang haben wir festgestellt, dass Mantas offene Tauchsysteme klar bevorzugen. Sobald Sie den Blasenstrom erkannten, begaben sie sich direkt über unsere „Gerätetaucher“ und vernachlässigten die Rebreather dabei total. Kein Wunder, denn das Kribbeln der Blasen am Bauch erinnert die Riesen anscheinend an eine besonders emsige Putzkolonne. Für unsere Fotografen war das natürlich ideal und wir bestimmten immer zwei „Köder“ Taucher, die mit Druckluftflaschen tauchen mussten, um Mantas anzulocken.

28 MANTAS, 5 WALHAIE

Insgesamt kamen wir schon bei unseren Fotoshootings auf 28 unterschiedliche Tiere, was zumindest ein ordentlicher Einstiegserfolg war. Walhaie allerdings konnten wir nicht fotografieren. Noch nicht, denn der Walhaispot liegt noch etwas weiter im Südwesten, der Roca Partida dem wahrscheinlich am meisten fotografierten Tauchspot der Revillagigedo Inseln. Nur zwei spitze Zacken ragen aus der Tiefe des Pazifiks über die Oberfläche hinaus, strahlend weiß, aufgrund des Guano unzähliger Seevögel. Zu wenig für den Phosphatabbau, ausreichend, um die beiden Felsen schon von Weitem zu erkennen. Und rund um den Roca wurden wir dann auch in Sachen Walhai fündig. Insgesamt fünf, allerdings eher kleine Exemplare konnten wir mit der Drohne ausfindig machen, anfahren und betauchen. Das die Tiere ziemlich scheu waren und uns aus dem Weg schwammwn gibt Anlass zur Sorge, und tatsächlich gibt es andere Regionen weltweit die Walhai lastiger sind als Socorro. Mit Sicherheit gibt es andere Tauchergruppen die mehr Walhaie oder Mantas sichten, Naturerlebnisse lassen sich halt nicht vorbuchen. Gerade deshalb geht meine Bitte an alle Fotografen, ihre Walhai- und Manta-Fotos der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. An welche Organisation ist eigentlich egal, da die Fotos einmal aufgenommen, allen Interessierten Wissenschaftlern zur Verfügung stehen. (z.B. Manta Matcher/Wildbook for Whale Sharks/sporttaucher.net /QR-Code im Bild, Anm.d. Red). Sehr erfolgreich dagegen war unser Filmteam und wir warten alle auf den fertigen Film und hoffen auf eine gute Sendezeit im Fernsehen. In Deutschland sendetarte die Filme des französischen Forscherteams und dieses Jahr gab es Laurent Ballesta auch erstmals weltweit in derInternational Ocean Filmtour zu sehen, allerdings noch mit seinen „700 Haien“ aus Fakarava, wo er ebenfalls zusammen mit Fuchs eine Reportage erstellt hat, die demnächst im divemaster erscheinen kann.

Gebannt starren wir jetzt alle auf den Auswurfschacht der alten Polaroid und staunen nicht schlecht, als Dietmar stolz ein Polaroid mit einem Manta präsentiert. Und wir dachten er traut sich nicht so weit raus.

NEUES WISSEN: WALHAI

Obwohl der größte , je vermessene Walhai (Rhincodon typus ) nur 13,7 Meter lang war, findet man ältere Angaben von beobachteten 18 bis 20 Meter Länge. Die weißen Fleckenmuster dieser größten heute lebenden Knorpeltiere erlauben eine genaue Identifizierung jedes einzelnen Exemplars.

NEUES WISSEN: RIESENMANTA

• Wie die Walhaie sind auch die Riesenmantas (Mobula birostris, Syn.: Manta birostris) Planktonfresser. Mit gewaltigen Spannweiten von bis zu sieben Metern und einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen durchstreifen sie die lichtdurchfluteten, oberflächennahen Schichten der warmen Meere. Ihren Namen Teufelsrochen verdanken sie den beiden Kopfflossen, mit denen sie das planktonreiche Wasser ins Maul lenken. Im Gegensatz zu anderen Rochenarten besitzen Riesenmantas keine Stacheln am Schwanz.

FOTOS: M. STRICKLAND, L. BALLESTA, C. SCHOENFELD, D. FUCHS GRAFIK: STEPHANIE NAGLSCHMID