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SOFTWARE-SYNTHESIZER BRAINWORX BX OBERHAUSEN


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 02.05.2019

Mit dem BX Oberhausen stellt Brainworx sein erstes virtuelles Instrument vor. Dabei steigt der Hersteller direkt mit der digitalen Nachbildung eines Klassikers ein: Der Oberheim SEM aus den Siebzigern verspricht neben legendärem Analogsound auch einige interessante Neuerungen.


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Bildquelle: Keys, Ausgabe 6/2019

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Der aus Leverkusen stammende Software-Entwickler Brainworx ist durch seine Auswahl hervorragender Effektprozessoren bekannt, die größtenteils Studio-Hardware nachbilden. Die Firma um Dirk Ulrich, Gründer der Software-Plattform Plugin Alliance, stößt nun in die Gefilde der virtuellen Instrumente in Form besagter ...

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... Oberheim-SEM-Emulation vor.

Oszillatoren
Wie das monophone Original verfügt der BX Oberhausen über zwei mischbare VCOs, die jeweils entweder Sägezahn- oder in der Pulsweite justierbare Rechteckwellenformen erzeugen können. Beide VCOs können 24 Halbtöne nach oben und unten gestimmt werden, ein Cent-Regler ermöglicht die Feinabstimmung um einen zusätzlichen Halbton. Zwischen VCO1 und VCO2 befinden sich Syncund FM-Schalter mit Intensitätsregler. Sync bewirkt, dass der Zyklus von VCO2 zurückgesetzt wird, sobald VCO1 seinen Zyklus beendet. Der FM-Schalter verwandelt VCO2 in ein Träger- und VCO1 in ein Modulationssignal und ermöglicht damit mehr oder weniger stark geprägte FM-Klänge mit charakteristischem Obertonspektrum. Beide Oszillatoren können per FREQ/ PW-Drehregler in Frequenz und Pulsweite durch die entsprechende Hüllkurve oder den LFO1 moduliert werden. Schließlich findet man noch die beiden Regler für das Justieren der Pulsweite und des Spread-Parameters. Letzterer bestimmt den Anteil des Signals, der sich im Seitenband einer M/S-Codierung befinden soll. In der Filter-Sektion kann anschließend per Mischregler festgelegt werden, ob mehr Mitten- oder Seitensignal durch das Filter geschickt wird.

Filter, Hüllkurven, LFOs und TMT
Zu den Oszillatoren gesellt sich ein Filter, das stufenlos zwischen Tief- und Hochpass überblendbar und auf Bandpassbetrieb umschaltbar ist. Dieses State Variable Filter bietet seit jeher viel Potenzial für interessante Sweeps. Unter den beiden Standardreglern für die Filter-Frequenz und -resonanz findet man die Modulation der Filter-Einsatzfrequenz, bei der man zwischen Hüllkurve 2 und LFO1 wählen kann. Zusätzlich bietet BX Oberhausen zwei ADS-Hüllkurven, bei der die Release-Zeit dem Decay entspricht. Neben den Hüllkurven findet man die Einstellungsmöglichkeiten für LFO2. Diese umfassen eine mögliche Host-Synchronisation, einen Retrigger-Schalter sowie die Wahl der Wellenform zwischen Sinus, Rechteck und Sägezahn. LFO1 lässt sich hingegen nur in der Frequenz justieren. Dieser wird allerdings von Brainworx’ „Tolerance Modeling Technology“ (TMT) beeinflusst. Aktiviert man diese in der General-Sektion, die außerdem Einstellungen für Lautstärke, Portamento/Legato, Pitchbend und Transponierung birgt, werden wie bei Hardware-Geräten fertigungsbedingte Toleranzen in das Ergebnis einbezogen. Diese betreffen nicht nur die Geschwindigkeit des LFOs, sondern alle Schaltungsteile, darunter auch die VCOs, Filter und Hüllkurven. Bei einer bis zu 32-fachen Polyphonie inklusive Unisono-Modus kommt dieser Effekt tatsächlich immens zur Geltung, da sich jede Stimme leicht unterscheidet. Das Signal wirkt so um einiges lebendiger, druckvoller und „analoger“.


>>Aufgrund der durchweg sinnvollen Ausstattung und der gegenüber dem Original möglichen Polyphonie überzeugt der BX Oberhausen klanglich auf ganzer Linie.<<


Hier ist die Mod-Toolbar des Instruments am oberen Bildrand zu sehen.


Effekte, Arpeggiator und Modulationsmatrix
Neben den Funktionen der eigentlichen Bedienoberfläche hat Brainworx dem BX Oberhausen umfangreiche Effektund Modulationsmöglichkeiten verpasst. Klappt man den oberen Arbeitsbereich auf, wird man zunächst von einer Effektpalette begrüßt. Diese umfasst Distortion, ein digitales Delay, ein Maag Audio Air Band, Flanger, Chorus sowie Hall. Darunter befindet sich ein gut ausgestatteter Arpeggiator. Neben Spielreihenfolgen und Oktavumfang kann gewählt werden, ob das Loslassen oder Herunterdrücken einer Taste den Arpeggiator neu auslösen und ob bereits gespielte Noten gehalten werden sollen. In den Clock-Einstellungen befinden sich Regler für die Spielgeschwindigkeit sowie den Swing-Parameter.
Schließlich findet sich auch noch eine umfangreiche Modulationsmatrix. Als Modulatoren stehen das Modulationsrad, Pitchbend, die Hüllkurven, die LFOs sowie Velocity, Aftertouch und die Tastaturposition zur Verfügung. Anhand dieser lässt sich im Grunde jeder Parameter des Synthesizers auf verschiedene Weisen modulieren, wobei sämtliche Modulationen unabhängig von denen der Bedienoberfläche geschehen.

Klang und Praxis
Aufgrund der durchweg sinnvollen Ausstattung und der gegenüber dem Original möglichen Polyphonie überzeugt der BX Ooberhausen klanglich auf ganzer Linie. Die Software ermöglicht knarzende oder (nicht nur im Unisonomodus) drückende Bässe, verträumte Flächen und Soundscapes, knackige Plucks, perlende Arpeggios, Percussions und vieles mehr. Die bis zu 32 Stimmen in Kombination mit der TMT-Funktion sorgen dabei für einen hervorragenden, vollen und lebendigen Sound, der so manchem Hardware-Kollegen ernsthaft Konkurrenz macht. Durch die zusätzlichen Möglichkeiten wie M/S-Processing, Modulationsmatrix, Eff ektsektion und Frequenzmodulation erweitert die Emulation das Klangpotenzial der originalen Hardware zudem in sinnvoller Weise. Die simple Bedienoberfläche sorgt für ergebnisorientiertes Arbeiten, ohne das Eintauchen in die ein oder andere ausufernde Spielerei zu verhindern. So ist es vielleicht auch erklärbar, dass Brainworx hier auf eine Klangpolyphonie für die einzelnen Stimmen verzichtet, die man im Sinne der Klassiker Two- und Four-Voice durchaus hätte erwarten können und die Mitbewerber Arturia durchaus aufgreift. Ebenfalls gut gelöst: Der in mehrere Kategorien unterteilte Preset-Manager inklusive NKS-Unterstützung für etwas mehr Hardware-Gefühl. Die über 300 mitgelieferten Presets klingen durchweg anständig und beherbergen einige Klangperlen für den sofortigen Einsatz – oder als Basis für eigene Patches.

FAZIT

Brainworx hat beim BX Oberhausen ganze Arbeit geleistet. Zugegeben: Großartige Software-Synthesizer gibt es zuhauf und der ein oder andere wird sich die Frage stellen, ob ein weiterer Vertreter in der Plug-in-Sammlung nötig ist. Mich persönlich hat insbesondere die Simplizität des Originals kombiniert mit den durchweg sinnvollen Ergänzungen vollends überzeugt. Hinzu kommt der großartige, Hardware- ähnliche Klang, der der Software eine uneingeschränkte Kaufempfehlung beschert.

KEYS INFO SEM OBERHEIM

Fofo: Paul D. Pape

Der Oberheim SEM, ein Akronym für Synthesizer Expander Module, war der erste analoge Synthesizer von Tom Oberheim. Der Name verrät bereits das angedachte Einsatzgebiet des Geräts: Layern, Andicken, Ergänzen. Die monophone Synthesizer-Stimme bot zwei analoge Oszillatoren, das bis heute beliebte zweipolige State-Variable-Multimode-Filter, zwei ADS-Hüllkurven sowie einen LFO. In bis zu achtfacher Kombination waren mehrere SEM-Einheiten später auch als Two-, Four- und Eight-Voice-Modelle zu haben, mit denen Oberheim einen wichtigen Grundstein für die polyphonen Synthesizer legte. Nach einer Wiederauflage des SEM vor einigen Jahren wird der Hardware-Dauerbrenner inzwischen leider nicht mehr produziert.