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Sogar Heavy-Metal-Bands zählen zu ihren Kunden: Kerzenhof-Café: Kuchen und Konzerte


Landbäckerei - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 18.08.2019

Vor 23 Jahren kauften Dorte Bork und ihr Mann einen alten Bauernof am Nord-Ostsee-Kanal. Im Kuhstall von 1850 richtete die Hamburgerin ein gemütliches Café ein. Dort können Besucher Kaffee und Torten genießen sowie Kerzen färben und Livemusik erleben, denn Stephan Bork betreibt gleich nebenan ein Tonstudio, in dem auch Laien eine CD aufnehmen kö


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Bildquelle: Landbäckerei, Ausgabe 5/2019

Idylle unterm Reetdach: Das Kerzenhof- Café befindet sich im Dorf Schafstedt in Schleswig-Holstein


Die Tortenstücke werden auf Vintagegeschirr serviert, das die Chefin auch verleiht


Dorte Bork backt Biskuitböden auch im Akkord, wenn’s sein muss


Dorte und Stephan ...

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... Bork haben auf ihrem Hof jeweils neue Tätigkeitsfelder gefunden


Wer die kopfsteingepflasterte Auffahrt des Reetdachhofs betritt, wird nicht selten von Gitarrenklängen und Gesang empfangen. Denn wenn der Hausherr Stephan Bork Zeit hat, spielt er gern mal ein Lied für die Gäste. Der Multiinstrumentalist und seine Frau Dorte haben sich im beschaulichen Schafstedt (Schleswig-Holstein), direkt am Nord-Ostsee-Kanal, einen Traum erfüllt: Ihr idyllisch gelegenes Anwesen ist zugleich Tonstudio, Heimatmuseum, Dekoladen, Kulturcafé und Kerzenfärberei.
„Dass wir diesen schönen Resthof gefunden haben, verdanken wir einem glücklichen Zufall“, erinnert sich Dorte Bork. Jahrelang waren sie und ihr Mann mit den beiden Kindern zwischen Hamburg und Husum hin- und hergependelt. Stephan hatte in der nordfriesischen Stadt als Musiker und Dorte als PR-Assistentin bei einem großen Unternehmen in Hamburg gearbeitet. „Wir suchten ein neues Domizil in der Mitte und entdeckten diesen Hof aus dem Jahr 1850 in einer Zeitungsanzeige.“
Das war vor 23 Jahren. Das Ehepaar brachte den Resthof erst einmal auf Vordermann. „Unsere Kinder Anna und Jonathan sollten hier in Ruhe aufwachsen“, fährt die 51-Jährige fort. „Bald hatten wir einen traumhaft schönen Garten mit Ziegen, Hühnern, Hängebauchschweinen, Katzen, Hasen und Hund – alles wie gewünscht.“ Dorte kümmerte sich zunächst nur um die Familie, den Hof, die Tiere – und backte Käsekuchen. Doch nach drei Jahren wurde es der Powerfrau zu langweilig.

Ein Kuhstall auf dem platten Land wird zum Kulturcafé

Der ehemalige Kuhstall unterm Reetdach war viel zu schade, um nur als Abstellraum zu dienen, fand Dorte. Daher hatte sie die Idee, dort ein Café einzurichten, am besten mit einer Kerzenzieherei. Stephan, den alle nur Borky nennen, war einverstanden. So entstand mit Ausdauer, harter Arbeit und viel Liebe Dortes eigenes Kerzencafé. „Ich hab’ zwei Wochen lang Tag und Nacht renoviert“, erinnert sie sich. „Während Borky mit seiner Band auf Tour war, strich ich Fensterrahmen, Dielen und Holzbalken, vertäfelte schiefe Wände – alles mit günstigen Baumarktfarben, um meine 15.000 Euro Existenzgründerdarlehen zu schonen. Für die Einrichtung fuhr ich mit dem Hänger zu Restaurantauflösungen sowie nach Holland und Dänemark zu Flohmärkten.“
Vieles ist charmant selbst gemacht: Der Tresen zum Beispiel besteht aus zwei aufgearbeiteten Küchenbuffets aus den 30er-Jahren. Über fast jeden Gegenstand im ehemaligen Kuhstall kann Dorte eine eigene Geschichte erzählen. Altes Geschirr und Tischdecken kamen von den Dorfbewohnern. Das Back-Know-how holte sie sich bei der Konditorin im Dorf. Dortes Werbung bei Busreiseveranstaltern wirkte, die Gäste kamen und waren begeistert von der Atmosphäre wie früher in Omas guter Stube.
Welch ein Tiefschlag, als kurz nach der Eröffnung das Ordnungsamt kam und bemängelte, die Deckenhöhe stimme nicht, Dorte müsse schließen! Später sollte sie 3500 Euro Strafe zahlen, weil sie auf dem Parkplatz einen Tisch aufgestellt hatte, der nicht angemeldet war. Doch damit nicht genug: Sie musste auch noch eine Brandschutzmauer für 5000 Euro einziehen lassen. „Da hab’ ich dann wirklich geheult“, gesteht die Cafébesitzerin. Viel Ärger, kein festes Einkommen, kaum Urlaub – vor allem am Anfang gab es viele Rückschläge. „Meine Naivität war groß, der Stress auch, aber die Leidenschaft war größer!“ Schließlich wurde ihr Durchhaltevermögen belohnt: „Falls ich je meine Memoiren schreibe, muss die Geschichte mit Wacken rein“, sagt die 51-Jährige. „Sonst glauben meine Enkel nie, dass ich mal Torten für Iron Maiden gebacken habe. Ich konnte es ja selbst kaum glauben, als 2014 der Veranstalter des weltgrößten Heavy-Metal- Festivals anrief und mir den Auftrag gab, seine Bands zu beliefern. Seitdem geht’s jedes Jahr im August rund in meiner Backstube!“
Mittlerweile ist der holprige Start Geschichte, die Kinder sind erwachsen, die Tiere abgeschafft. Borky hat sein Tonstudio von Husum auf den Hof nach Schafstedt verlagert. Der 61-Jährige ist vielen Schleswig-Holsteinern ein Begriff, denn er war jahrelang Mitglied der Band „Godewind“, spielte als Bassist bei Hans Harz und zog mit den „Late September Dogs“ über die deutschen Festivalbühnen.

Apfelmustorte

Dorte backt ihre Torten alle selbst. Der Biskuit wird zweimal geteilt


Auf den untersten Boden gibt Dorte eine Schicht Sahne und verteilt sie mit der Palette …


… danach folgt eine Schicht Apfelmus


Die Apfelmustorte mit drei Biskuitböden ist der Renner in Dortes Café. Sie ist herrlich saftig und fruchtig!


Zutaten für 12 Stücke

5 Eier
100 g Zucker
150 g Mehl (Type 405)
50 g Speisestärke
1 TL Backpulver
400 g Sahne
360 g Apfelmus (Glas)

1. Ofen auf 160 °C vorheizen. Den Boden einer Springform (26 cm Ø) mit Backpapier auslegen. Eier mit Zucker und 100 ml Wasser schaumig schlagen. Mehl, Backpulver und Stärke mischen, über die Eimasse sieben und unterheben. Teig in die Springform geben und im Ofen ca. 50 Minuten backen (Stäbchenprobe).

2. Boden auskühlen lassen und horizontal in drei Teile schneiden.

3. Sahne steif schlagen und die Hälfte für die Füllung verwenden. Auf dem unteren Boden die Sahne und dann das Apfelmus verteilen. Den zweiten Tortenboden darauflegen und alles wiederholen, ebenso beim dritten Boden.

4. Restliche Sahne in einen Spritzbeutel füllen. Die Hälfte auf Deckel und Rand der Torte verstreichen. Die Oberfläche am Rand mit Sahnetupfern garnieren. Zum Schluss das restliche Apfelmus in der Tortenmitte verteilen.

Urig und gemütlich: die Sitzgelegenheiten im alten Kuhstall


In Borkys Tonstudio stehen Instrumente und Profi-Equipment auch Laien zur Verfügung


Dorte verkauft auch Etageren, die ihre Tochter Anna gefertigt hat


Je häufiger der Rohling eingetaucht wird, desto kräftiger wird die Farbe


Auch Laien können bei Borky eine CD aufzunehmen

Wenn bei ihm nicht gerade Schauspieler ein Hörbuch einlesen oder Profimusiker eine CD aufnehmen, öffnet er sein Tonstudio auch gern für Laien. Diese können dann mittels Playback selbst einen Song produzieren lassen. „Wenn die Leute drüben bei Borky im Studio sind, bewirte ich im Café ihre Angehörigen. Manche Kunden präsentieren hier später auch ihr Werk.“ Dortes üppige Sahnetorten, Cupcakes und Kuchen sind nur eine Attraktion. Einen Raum weiter duftet es nach Paraffin. Hier wartet Wachs in vielen Farben bei 60 °C darauf, dass Kerzenrohlinge hineingetaucht werden. Für die kleinen Gäste gibt es außerdem eine Spiel- und Verkleidungsecke. Angegliedert an das Café ist ein kleiner Hofladen, in dem man wunderschöne Geschenkartikel erwerben kann. Familie Bork organisiert Konzerte, Flohmärkte, Familienfeiern, Junggesellenabschiede, Kindergeburtstage, Ausstellungen und Lesungen. Ein Besuch lohnt in jedem Fall – und mit Glück trägt der Hausherr dann plattdeutsche Lieder vor.

Kontakt:
Kerzenhof-Café
Dorte und Stephan Bork Judenstraße 10, 25725 Schafstedt
Tel. 04805/304
www.kerzenhof-dithmarschen.de


Fotos: Ann-Christin Baßin (10), privat