Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Solarthermische Systeme: Sonnenwärme am Scheideweg


ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben - epaper ⋅ Ausgabe 8/2014 vom 05.09.2014

Solarthermische Anlagen sind die Klassiker der Sonnenenergienutzung. Sie unterstützen die Heizung und liefern warmes Wasser. Doch anhaltend hohe Preise und Konkurrenztechnologien machen ihnen das Leben schwer.


Artikelbild für den Artikel "Solarthermische Systeme: Sonnenwärme am Scheideweg" aus der Ausgabe 8/2014 von ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: FASA AG

So richtig kann niemand etwas gegen die Sonnenwärme sagen. Sie für warmes Wasser und Heizung zu nutzen, ist sinnvoll und hat ein großes Potenzial, denn über 70 Prozent der in privaten Haushalten verbrauchten Energie wird als Wärme benötigt. Um hier einen Umstieg von Öl und Gas auf erneuerbare Energieträger zu schaffen, ist Solarthermie die erste Wahl. Allerdings sind Kollektoranlagen ...

Weiterlesen
Artikel 0,76€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Spezial Wohnen und Leben. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Altbausanierung: Ganz normal geht auch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Altbausanierung: Ganz normal geht auch
Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Volle Dämmung!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Volle Dämmung!
Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Gebäudestandards: Durchblick im Wortgeklingel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gebäudestandards: Durchblick im Wortgeklingel
Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Energieeinsparverordnung 2014: Neue Standards erst ab 2016. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Energieeinsparverordnung 2014: Neue Standards erst ab 2016
Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Energieautarkie: Der Traum vom Aussteigen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Energieautarkie: Der Traum vom Aussteigen
Titelbild der Ausgabe 8/2014 von Klimaschutzsiedlung: Keine Frage des Geldes. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Klimaschutzsiedlung: Keine Frage des Geldes
Vorheriger Artikel
Nano-BHKW: Doppelpack im Kleinformat
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Holzpelletheizungen: Holzheizung mit Komfort
aus dieser Ausgabe

... seit Jahren weitgehend gleich teuer, massive Preisnachlässe wie bei der Sonnenstromnutzung per Photovoltaik gab es bislang nicht.

Dazu kommt die Konkurrenz um die verfügbare Dachfläche. In den vergangenen Jahren entschieden sich private Hausbesitzer und Investoren eher für die renditestarke Photovoltaik. Ob die Sonnenwärmenutzung von der massiven Kürzung der Einspeise vergütung für Solar strom profitiert, bleibt abzuwarten, im Moment sieht es nicht danach aus.


Erst ein Prozent des Wärmebedarfs wird von der Sonne gedeckt


Denn auch 2013 ist die in Deutschland neu installierte Kollektorfläche deutlich gesunken. Um elf Prozent auf etwas mehr als eine Million Quadratmeter in 136.000 Anlagen. Das war schon der zweite zweistellige Rückgang in Fol ge. Zum Vergleich: 2008 wurden noch 2,1 Millionen Quadratmeter installiert. Insgesamt befinden sich damit mehr als 17 Millionen Quadratmeter Solarkollektoren auf deutschen Dächern. Das klingt beachtlich, aber nach Zahlen des Bundesverbands Solar wirtschaft (BSW) wird dadurch erst ein Prozent des Wärmebedarfs deutscher Haushalte gedeckt.

Das Potenzial ist also da, die Technik auch. Warum geht es dann mit der an und für sich einfach zu beherrschenden Technologie im Moment rückwärts? Zum einen liegt es sicherlich am Preis: Um die 850 Euro pro Quadratmeter installierter Kollektorfläche muss man investieren. Der Wert ist seit Jahren in etwa gleich, was an steigenden Rohstoffkosten, etwa für das Kupfer in den Kollektoren, liegt. Gleichzeitig haben die Montagekosten einen hohen Anteil am Anlagenpreis, und zurzeit sind Heizungsbetriebe gut mit anderen Aufgaben ausgelastet. Geht es an den oft unvorhergesehenen Komplettaustausch einer alten Heizung, fehlt zudem oft die Zeit und die Bereitschaft, die Solaranlage zusätzlich zu installieren. Hier sind bei den Hausbesitzern eine bessere Vorberei tung und Information sowie von den Herstellern kostengünstigere und leichter zu installierende Anlagen notwendig. Das zeigt auch die Anlagenstatistik: 60 Prozent der 2013 installierten Anlagen dienten lediglich der einfacher zu realisierenden Trinkwasserbereitung, 40 Prozent unterstützen auch die Heizung. Der Trend zur Heizungsunter stützung, der vor einigen Jahren ablesbar war, hat sich nicht fortgesetzt.

Ob er wiederkommt, hängt auch von der Konkurrenzsituation ab: Preiswerte Photovoltaikanlagen in Kombination mit Wärmepumpen unterbieten die Herstellungskosten von Solarwärmeanlagen teilweise schon heute (siehe auch ÖKO-TEST-Magazin 5/2014). Zudem ist Solarstrom flexibel nutzbar: Neben einem Teil des Haushaltsstroms kann ein Elektro mobil gespeist werden. Und im Sommer wird überschüssiger Strom ins Netz eingespeist, während solarthermische Anlagen die reichlich zur Verfügung stehende Solarstrahlung ungenutzt verpuffen lassen, weil der Speicher bis zum Maximum aufgeheizt ist.

Dabei ist Sonnenwärme gerade im Altbaubestand eine gute Möglichkeit, fossile Energieträger wie Öl und Gas durch umweltfreundliche Energie zu ersetzen. Hier sind die Verbräuche so hoch, dass durch die Installation auch größerer Anlagen ein deutlicher Anteil des Bedarfs an Heizwärme und Warmwasser gedeckt wird. Im Neubau sinkt der Wärmebedarf durch bessere Dämmung in Zukunft so stark, dass kaum noch Wärme erzeugt werden muss. Kleine flexible Heiztechniken, viele davon auf Strom basierend, werden hier wohl das Rennen machen.


Preissenkungen durch Innovationen sind notwendig und machbar


Die Möglichkeiten, mehr Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung einzusetzen, sind da. Zu diesen optimistischen Aussichten trägt eine im Juni 2012 veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft bei. Die beauftragten Experten sehen in ihrem Fahrplan guten Chancen für Solarthermie, die bei sehr energie effizienten Gebäuden hinsichtlich Klimaschutz mehr Vorteile als die Investition in eine immer dicker gedämmte Gebäudehülle habe. Großes Potenzial wird dabei Sonnenhäusern bescheinigt, die einen großen Teil ihrer Heizenergie über die Sonne decken. Um wirklich die installierte Kollektorfläche wie vorgesehen zu verdreifachen und den Anteil der Solarwärme am gesamten Wärmeverbrauch von weniger als einem auf immerhin rund drei Prozent bis zum Jahr 2020 anzuheben, müssten Solaranlagen allerdings preiswerter werden, schlussfolgern auch die Autoren der Studie. Vor allem bei der Montage durch stärker vorgefertigte Komponenten, aber auch beim Ersatz teurer Materialien wie Kupfer und Aluminium durch neue Technologien – zum Beispiel Kollektoren aus Kunststoff – sowie im Einsatz effizienterer Speichersysteme sehen die Autoren Einsparpotenzial. Damit könne die Zeit, bis sich die Investition in eine Solarwärmeanlage ausgezahlt hat, von heute durchschnittlich 15 Jahren auf nur noch drei Jahre sinken, angenommen die Energiepreise stiegen um acht Prozent jährlich. Doch der Innovationsschub bleibt bislang aus. Rückläufige Verkaufszahlen verhindern niedrigere Stückkosten; die Installateure haben wie erwähnt gut zu tun und bei den Kunden färben negative Berichte über Sonnenstrom auf die Sonnenwärmeanlagen ab, obwohl diese mit dem Hickhack um Einspeisevergütungen und Stromkosten nichts zu tun haben. Die Technik ist nach wie vor ausgereift, man muss sie nur einsetzen. Nachfolgend ein Überblick:

Für Neubauten ist eine kleine Solaranlage zur Trinkwassererwärmung eine Möglichkeit, die Vorgaben des ErneuerbareEnergienWärme gesetzes zu erfüllen, das beim Einsatz von Solarthermie einen Deckungsanteil von 15 Prozent am Energiebedarf vorsieht. Fast alle Hersteller von Ölund Gaskesseln bieten daher standardmäßig Solarwärmepakete an. Manche Hersteller kompakter Gasthermen verpacken ihre Brennwertgeräte gemeinsam mit einem solar fähigen Speicher unter einem Gehäuse, das spart Platz und Installationsaufwand.

Für eine reine Warmwasseranlage im Einfamilienhaus gelten etwa vier bis fünf Quadratmeter Kollektoren und ein 300LiterSpeicher als Standard für den Bedarf einer vierköpfigen Familie. Staatliche Zuschüsse gibt es für solche Anlagen nicht. Um die Anforderungen des ErneuerbareEnergienWärmegesetzes zu erfüllen, muss die Kollektorfläche einer Anlage vier Prozent der beheizbaren Wohnfläche betragen. Bei einem Haus von 150 Quadratmetern sind das sechs Quadratmeter. Damit deren Ausbeute auch genutzt wird, sollte man die Spülmaschine und eventuell die Waschmaschine mit sonnenwarmem Wasser versorgen – wobei Vorschaltgeräte für Waschmaschinen relativ teuer sind; für Spül maschinen sind sie nicht notwendig. Eine Standardanlage deckt etwa 60 Prozent des Energiebedarfs fürs warme Wasser.


Staatliche Unterstützung für Zukunftsinvestitionen


Wer nicht nur beim Baden und Duschen von der Kraft der Sonne profitieren will, installiert eine Anlage zur Heizungsunterstützung. Neben einer größeren Kollektorfläche ab etwa zehn Quadratmetern aufwärts unterscheiden sich die Anlagen vor allem durch den Speicher. Im Einfamilienhaus fasst er typischerweise 650 bis rund 1.000 Liter Wasser, das dann durch die Heizflächen gepumpt wird. Um die unerwünschte Verwirbelung des Heizungswassers durch einströmendes Warmwasser zu verhindern, setzen viele Hersteller Schichtenspeicher ein. Sie unterstützen die Temperaturschichtung des Wassers – kaltes unten, warmes oben – und lagern die von den Kollektoren kommende Wärme beim passenden Temperaturniveau ein. Das steigert die Effizienz um fünf bis zehn Prozent.

Unterstützt die Sonne die Heizung, erhält der Eigentümer eines vor 2009 errichteten Hauses auch Unterstützung vom Staat: Mindestens 1.500 Euro Zuschuss gibt es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, wenn wenigstens neun Quadratmeter Kollektorfläche (bei Vakuumkollektoren sieben Quadratmeter) das Dach zieren. Wird der Heizkessel erneuert, kommen 500 Euro dazu. Für Anlagen von 16 bis 40 Quadratmeter Kollektorfläche gelten derzeit Fördersätze von 90 Euro je Quadratmeter. Die Listenpreise für fertige Pakete bewegen sich je nach Größe zwischen rund 6.000 und 13.000 Euro ohne Montage. Mit 10 bis 15 Quadratmetern Kollektorfläche passen solche Anlagen noch problemlos auf die meisten Dächer. Anlagen mit Vakuumröhrenkollektoren nehmen bei gleicher Leistung rund 20 Prozent weniger Fläche ein, sind in der Anschaffung aber teurer. Etwa 20 Prozent der Heizkosten lassen sich damit einsparen. Ideal ist es, wenn zur Heizungsunterstützung die Kollektoren stärker als 30 Grad geneigt sind. Denn dann können sie, wenn die Sonne in der Übergangszeit niedrig am Horizont steht, besonders gut die Sonnen strahlen ernten.

Die Listenpreise für eine kleine Warmwasseranlage liegen ungefähr zwischen 3.000 und 5.500 Euro. Für die Montage rechnen Branchenexperten zusätzlich mit etwa 25 Prozent der Anlagenkosten, wobei die tatsächlichen Werte stark schwanken. Man sollte mehrere Angebote einholen, wobei eine sorgfältige Montage einer schnellen vorzuziehen ist.

Trotz der staatlichen Zuschüsse für heizungsunterstützende Anlagen im Gebäudebestand und der Perspektive auf steigende Brennstoffkosten: Beim heutigen Preisniveau ist und bleibt eine thermische Solaranlage eine Zukunftsinvesti tion. Dank einer reinen WarmwasserSolaranlage mit fünf Quadratmetern Kollektoren lassen sich nach allgemeinen Annahmen umgerechnet etwa 200 bis 250 Liter Heizöl oder Kubik meter Gas im Jahr ein sparen. Bei den aktuellen Preisen um 80 Cent pro Liter Öl und circa 70 Cent für den Kubikmeter Gas sind das etwa 140 bis 200 Euro pro Jahr. Bei einer günstigen Anlage für circa 4.000 Euro inklusive Montage würde es nach dieser Rechnung zu den heutigen Preisen also im besten Fall zwei Jahrzehnte dauern, bis die Anfangsinvestition wieder erwirtschaftet ist. Voraus setzung dabei ist, dass in dieser Zeit kein Anlagenteil kaputt geht, was aber erfahrungsgemäß nicht immer der Fall ist. Im Gegenzug ist bei einer Solaranlage der Trinkwasserspeicher schon mit dabei, den man für einen guten Warmwasserkomfort auch bei einer Zentralheizung ohne Solarunterstützung dazukaufen muss. „Solarthermie rechnet sich nicht, aber sie lohnt sich“, sagt provozierend Bernhard WeyresBorchert, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie. Und weiter: „Warum muss sich ausgerechnet die Solartechnik rechnen? Dies schafft kein noch so effizienter Heizkessel.“ Zur Solartechnik gebe es keine Alternative – wozu also dieser Vergleich, so WeyresBorchert in einem Beitrag für die Mitgliederzeitschrift Sonnenenergie.

Kollektoren holen die Wärme der Sonne vom Himmel. Röhrenkollektoren sind bei bedecktem HImmel etwas effektiver.


Foto: © 2014 Vaillant GmbH, Remscheid

Kompakt

Zeichen der Qualität

■ Ein Qualitätsmerkmal für Kollektoren ist das Gütezeichen Solar Keymark der Europäischen Vereinigung der Solarthermiehersteller (Estif). Alle Kollektoren, die dieses Qualitätssiegel tragen, sind nach europäischen Normen getestet. Das ist einiges Geld wert: Wer sich die staatliche Förderung sichern will, muss auf dieses Zeichen achten, da es Vorausset zung für den Zuschuss ist.

■ Mittlerweile trägt auch eine ganze Reihe von Solarkollektoren den Blauen Engel UZ73. Das bedeutet, dass sie auf jeden Fall einen Mindestertrag erzielen. Den in den Anforderungen geforderten Ertrag schaff t aller dings jeder Qualitätskollektor, und umweltfreundlich ist Sonnenenergie sowieso:
www.blauerengel. de

■ Deutlich ausführlicher ist das RAL-Gütezeichen für Solarenergieanlagen, verliehen von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Mit diesem können sich die Hersteller, aber auch die Installationsbetriebe auszeichnen. Wer mit seinem Handwerker vertraglich vereinbart, dass er die Anlage nach den Anforderungen des Gütezeichens Solar instal liert, hat bei Streitfällen eine gute Rechtsposition. Vielen Herstellern sind die Auflagen des Gütezeichens allerdings zu aufwendig; bislang hat sich rund ein Dutzend Anbieter zertifizieren lassen. Trotzdem sollte man versuchen, die Regeln des Güteschutzzeichens zur Grundlage des Vertrags zu machen. Weitere Informationen unter
www.ralsolar.de