Lesezeit ca. 12 Min.
arrow_back

Solide Basis


Logo von IT Administrator
IT Administrator - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 28.10.2022

Oracle Linux Virtualization Manager 4.4

Artikelbild für den Artikel "Solide Basis" aus der Ausgabe 11/2022 von IT Administrator. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IT Administrator, Ausgabe 11/2022

O racle ist vor allem für seinen gleichnamigen Datenbank- sowie Applikationsserver und verschiedene Unternehmenslösungen bekannt. Darüber hinaus bietet Oracle auch Client- und Servervirtualisierung an. So fand der Typ-2-Hypervisor "Oracle VM VirtualBox" mit der Übernahme von Sun Microsystems den Weg ins Portfolio. Aus der Servervirtualisierung für SPARC-Prozessoren Sun Logical Domains (LDOM) wurde der "Oracle VM Server for SPARC". Und auch für die x86_64-Prozessorarchitektur hat der Hersteller mit "Oracle VM Server for x86" inzwischen in der dritten Generation eine Software im Angebot, die im Kern auf dem Hypervisor Xen und einem von Oracle entwickelten Management basiert.

Die Tage des Oracle VM Servers sind allerdings gezählt, denn dessen regulärer Support ist bereits ausgelaufen. Im Rahmen des erweiterten Supports wird Oracle den Server nur noch bis Ende ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 10,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von IT Administrator. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Der Preis ist heiß!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Der Preis ist heiß!
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Blick unter die Motorhaube. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Blick unter die Motorhaube
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Teams-Drucker. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Teams-Drucker
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein wenig Licht am Ende des Tunnels
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Spieglein, Spieglein im RZ
Vorheriger Artikel
Spieglein, Spieglein im RZ
Abzüge in der B-Note
Nächster Artikel
Abzüge in der B-Note
Mehr Lesetipps

... März 2024 unterstützen und mit kritischen Sicherheitsupdates versorgen. Doch mit dem Oracle Linux Virtualization Manager (OLVM) hat Oracle bereits einen Nachfolger im Programm. Und die Frage, ob OLVM auch für Admins interessant ist, die ansonsten noch keine Produkte aus dem Hause Oracle einsetzen, können wir mit einem klaren Ja beantworten.

Bewährte Open-Source-Tools unter der Haube

Im Kern besteht Oracles Servervirtualisierung aus zwei Bausteinen, dem Hypervisor und dem zentralen Management für einen oder mehrere Hosts. In beiden Fällen hat Oracle das Rad nicht neu erfunden, sondern setzt auf etablierte Open-Source-Projekte. Die Basis bildet die hauseigene Distribution Oracle Linux mit dem Unbreakable Enterprise Kernel (UEK) und der Kernel-based Virtual Machine (KVM) in Verbindung mit dem Quick Emulator (QEMU) als Hypervisor. OLVM selbst baut auf dem Projekt oVirt auf, einer Anwendung für die Verwaltung von KVM-Hosts mitsamt Netzwerkverbindungen und Shared Storage, im Kontext von oVirt als Storage Domain oder Speicherdomäne bezeichnet.

Das Community-Projekt oVirt wurde ursprünglich von Red Hat ins Leben gerufen, doch Oracle arbeitet ebenfalls mit. OLVM ist kein Fork, also kein separater Entwicklungszweig und vollständig kompatibel zu oVirt. Oracle lässt nur stabile und bewährte Funktionen von oVirt in OLVM einfließen, sodass dessen Entwicklung etwas langsamer verläuft. So hatte oVirt bis zum Redaktionsschluss bereits die Version 4.5.2 erreicht, während im Fall von OLVM noch Version 4.4 aktuell war.

Zentrales Webmanagement

Das zentrale Element von OLVM bildet die oVirt Engine, eine Java-Webanwendung basierend auf dem JBoss Application Server. Der Webservice stellt eine grafische Oberfläche bereit, die sämtliche typischen Administrationsaufgaben abdeckt, darunter die Verwaltung der KVM-Hosts mit dem kompletten Lebenszyklus virtueller Maschinen (VM). Admins können über das Administrationsportal VMs, logische Netzwerke sowie Storage Domains verwalten. Die oVirt Engine kommuniziert dazu mit dem Virtual Desktop and Server Manager (VDSM), den jeder KVM-Host als Daemon ausführt (Bild 1).

Für Admins ist das Administrationsportal die erste Anlaufstelle. Daneben bietet OLVM mit dem VM-Portal einen reduzierten Funktionsumfang für Endanwender, denen Administratoren Aufgaben zur Verwaltung ihrer VMs delegieren. So können berechtigte Anwender im Self-Service VMs erstellen, ändern sowie entfernen, deren virtuellen Disks und Netzwerkkarten verwalten und auch Snapshots erzeugen oder Maschinen auf einen früheren Snapshot zurücksetzen.

Für das Monitoring der Umgebung setzt OLVM auf ein drittes Webinterface. Auch hier kommt mit Grafana eine etablierte Open-Source-Software zum Einsatz. Als Alternative zum Administrationsportal und zur Automatisierung über Skripte bietet OLVM zudem eine REST-API. OLVM speichert seine Konfiguration und den aktuellen Status der Virtualisierungsinfrastruktur in einer PostgreSQL-Datenbank und verwendet optional eine zweite als Data Warehouse für statistische Daten.

Fast alle Enterprise-Funktionen inklusive

Genauso wie oVirt ist OLVM quelloffen und kostenfrei verwendbar. Das schließt sämtliche für den Unternehmenseinsatz relevanten Funktionen mit ein, wie etwa die zentrale Verwaltung von VMs, Netzwerk und Storage, Livemigration und Hochverfügbarkeit von VMs, Snapshots, Role Based Access Control oder auch Richtlinien für Quality of Service. Zur Nutzerverwaltung und Authentifizierung bindet das System wahlweise das Active Directory, OpenLDAP oder den 389 Directory Server (ehemals Fedora Directory Server) als externen Verzeichnisdienst an.

Eine Instanz von OLVM verwaltet ein oder mehrere Data Center als logische Einheit sämtlicher Ressourcen. Die nächste Ebene innerhalb eines Data Centers bilden ein oder mehrere Cluster. Dabei umfasst ein Cluster wiederum einen oder mehrere physische KVM-Hosts, die über denselben Prozessortyp verfügen müssen und sich eine oder mehrere Speicherdomänen teilen. Diese enthält virtuelle Festplatten der Maschinen und ihre Snapshots, Vorlagen für VMs sowie ISO-Abbilder und ist immer mit genau einem Cluster verbunden.

Oracle Linux KVM und OLVM unterstützen eine breite Palette an Hardware und Client-Betriebssystemen. Neben diversen Linux-Distributionen findet auch die Microsoft-Welt bis hin zu den aktuellen Versionen Windows 11 und Server 2022 eine Plattform. Im Hinblick auf deren performanten Betrieb stellt Oracle mit seinen "VirtIO Drivers 2.0 for Microsoft Windows" ein Treiberpaket bereit. Für seine Server-Betriebssysteme hat Microsoft die Treiber signiert und zertifiziert. Den grafischen Zugriff auf VMs realisiert OLVM per Virtual Network Computing, Simple Protocol for Independent Computing Environments (SPICE) oder Microsoft Remote Desktop Protocol. Als Speicherdomäne dürfen NFS, iSCSI, Fibre Channel oder GlusterFS zum Einsatz kommen. Eine oVirt Engine verwaltet bis zu 128 Hosts, von denen jeder bis zu 384 physische CPU-Kerne, maximal 6 TByte RAM sowie bis zu 600 gleichzeitig aktive VMs unterstützt.

Der Hersteller bietet optional den Oracle Linux Premier Support als Subscriptions-Lizenz pro Host an. Lediglich eine technische Funktion, nämlich Ksplice, behält Oracle Kunden mit einem solchen kostenpflichtigen Supportvertrag vor. Bei Ksplice handelt es sich um das Live-Patching von Kernel und kritischen Komponenten, wie der GNU-C-Bibliothek (glibc) oder OpenSSL, zur Laufzeit und ohne Reboot.

Gute Integration in Oracles Cloud und Datenbank

Mit oVirt und KVM als Basis ist OLVM grundsätzlich zur Virtualisierung beliebiger Nutzlast on-premises interessant. Doch für IT-Verantwortliche, die bereits andere Werkzeuge aus dem Hause Oracle einsetzen, liefert der Hersteller weitere Argumente. So unterstützt OLVM das sogenannte Hard-Partitioning oder CPU-Pinning. Damit können Administratoren die virtuellen CPUs von VMs, die etwa die Oracle Database Enterprise Edition ausführen, fix einer Anzahl an physischen CPU-Kernen oder im Falle von Hyperthreading einzelnen CPU-Threads der Hosts zuordnen. Die Datenbank ist dann nur für die tatsächlich genutzten physischen Ressourcen zu lizenzieren. Die Möglichkeiten der Livemigration und Hochverfügbarkeit dieser VMs bleiben davon unberührt.

OLVM integriert sich weiterhin in die übergeordnete Verwaltung des Oracle Enterprise Manager (OEM), einer umfassenden Überwachungs- und Ver waltungsanwendung für Oracle-Produkte in hybriden Landschaften. Hierbei erweist sich als Vorteil, dass Oracle Linux KVM auch die Basis für die Oracle Cloud Infrastructure (OCI) bildet. Administratoren können VMs folglich transparent von lokalen Hosts in die Cloud des Herstellers migrieren oder umgekehrt.

OLVM als alleinstehender Server schnell installiert

OLVM selbst läuft auf der x86_64-Architektur und unterstützt keine SPARC-Prozessoren mehr, kann aber auch Hosts verwalten, die alternativ die Plattformen PowerPC (ppc64) oder Linux on IBM Z (s390x) verwenden. In unserem Test haben wir uns auf die x86_64-Architektur beschränkt.

Oracle Linux Virtualization Manager 4.4

ProduktTyp-1-Hypervisor und Managementwerkzeug zur Servervirtualisierung.

Herstellerwww.oracle.com/de/virtualization/#rc30p1

Oracle Corporation

SystemvoraussetzungenHosts / Infrastruktur: Für den Virtualization Manager 64-Bit-fähige Dual-Core-CPU (x86_64) mit aktivierter Hardwarevirtualisierung (Intel VT-x oder AMD-V); für KVM-Hosts alternativ auch PowerPC oder Linux on IBM Z; für den Engine-Host mindestens 4 GByte RAM und 25 GByte Festplattenplatz (16 beziehungsweise 50 GByte oder mehr sind empfohlen). Gastbetriebssysteme: Oracle Linux 6 bis 9, Red Hat Enterprise Linux 6 bis 9, CentOS 6 / 7, SUSE Linux Enterprise Server 12 / 15, Ubuntu 16.04 bis 22.04; Microsoft Windows 7 SP1 bis 11, Windows Server 2012 bis 2022

Technische Datenwww.it-administrator.de/downloads/ datenblaetter

Oracle pflegt eine umfangreiche Hardware Certification List mit offiziell unterstützten Serversystemen namhafter Hersteller, darunter auch solche, die sich zum Aufbau einer hyperkonvergenten Infrastruktur eignen. Doch grundsätzlich läuft die Virtualisierung, passende CPUs vorausgesetzt, auf nahezu jeder Hardware. Grenzen setzen dabei vor allem die Anzahl an Prozessoren und die Größe des Hauptspeichers. Zur Installation eines KVM-Hosts bedarf es eines Systems mit im UEFI aktivierten Virtualisierungsfunktionen, je nach Hersteller des Prozessors Intel Virtualization Technology (VT-x) oder AMD IOMMU. AMD bezeichnet die Funktionen alternativ auch als AMD-V oder Secure Virtual Machine.

Doch welche Komponente macht beim Setup nun den Anfang, Henne oder Ei, der KVM-Host oder die oVirt Engine? Je nach gewünschter Umgebung sind beide Wege möglich, wovon wir uns in unserer Testumgebung überzeugen konnten. Soll die oVirt Engine als zentrale Managementinstanz auf einem alleinstehenden Server laufen, beginnt die Inbetriebnahme mit OLVM. Wir hatten dazu ein System mit einer minimalen Installation von Oracle Linux 8.6 vorbereitet und folgten der Anleitung in Oracles Onlinedokumentation. Die führte uns Schritt für Schritt durch Installation und Konfiguration des Applikationsservers mit seinen Webfrontends und Datenbanken.

Anschließend meldeten wir uns am Administrationsportal an und nutzten OLVM, um die KVM-Hosts zu konfigurieren. Dazu hatten wir weitere minimale Installationen von Oracle Linux 8.6 auf geeigneter Hardware vorbereitet. Wir mussten daraufhin im Portal lediglich unter "Compute / Hosts / Neu" eine SSH-Verbindung mit Authentifizierung wahlweise per Schlüssel oder Benutzername nebst Passwort konfigurieren. Daraufhin veranlasste OLVM automatisch alles Weitere und richtete die Zielsysteme als KVM-Hosts ein. Anschließend konnten wir mit der Konfiguration von Speicherdomänen und Netzwerk fortfahren.

Noch schneller ans Ziel mit der Self-Hosted Engine

Der Weg über einen alleinstehenden OLVM-Server bietet bereits während des Setups viele Optionen, ist allerdings auch der aufwendigere. Wer Oracles Virtualisierungsinfrastruktur zunächst nur kennenlernen und vielleicht auf einem einzigen physischen Host aufsetzen möchte, kommt mit der Installation als Self-Hosted Engine deutlich schneller zum Ziel. Auf diesem Weg löst Oracle das Henne-Ei-Problem, indem das Setup die Zielhardware in einem Rutsch als KVM-Host mit OLVM als erster VM auf diesem Host konfiguriert.

Auch eine solche Bereitstellung lässt sich später ohne Probleme um weitere KVM-Hosts erweitern und der Vorteil des Betriebs von OLVM als Self-Hosted Engine liegt darin, dass die Management-VM selbst von den Funktionen zur Livemigration und Hochverfügbarkeit profitiert. Mindestens zwei Hosts vorausgesetzt, migriert die Engine automatisch auf einen anderen Host, sobald der ursprüngliche Host ausfällt oder in den Wartungsmodus wechselt. Die Migration eines alleinstehenden OLVM-Servers auf eine Self-Hosted Engine ist nachträglich möglich.

Auch mit nur einem Server verlangt die Konfiguration der Self-Hosted Engine schon im Verlauf der Installation nach Shared Storage. Wir hatten daher zunächst eine NFS-Freigabe von einem NAS-System bereitgestellt und folgten anschließend den Anweisungen der Dokumentation zum Setup per Shell, die uns in kürzester Zeit zum fertigen KVM-Host und einer virtuellen Maschine für die oVirt Engine mitsamt ihren Datenbanken führten.

Alternativ zum Shell-Kommando ermöglicht auch ein oVirt-Dashboard für das Cockpit-Portal die Konfiguration der Self-Hosted Engine. Beim Cockpit handelt es sich um ein Webfrontend zur Administration von Linux-Servern. Dies steht jedoch in keinem direkten Zusammenhang mit OLVM, dient allgemeinen Konfigurationsaufgaben und muss pro Host separat installiert werden.

Konsolenzugriff auf zwei Wegen

OLVM konfigurierte im Rahmen des Setups ein selbstsigniertes Zertifikat, das wir auf der Startseite des Systems zur Einbindung im Browser herunterluden. Für den produktiven Einsatz empfiehlt sich der Austausch gegen ein offizielles Zertifikat. Wer OLVM zunächst mit dem selbstsignierten Zertifikat betreiben möchte, sollte die Möglichkeit zum Download nutzen und es im Browser als vertrauenswürdige Stammzertifizierungsstelle einrichten. Der Aufruf der Portale gelingt zwar auch mittels Akzeptierens der Zertifikatswarnung, doch OLVM nutzt zum Zugriff auf die Konsolen der VMs im Browser den HTML5-Client noVNC. Der verweigert den Dienst, wenn der Client dem Zertifikat nicht vertraut.

Als Alternative zum Konsolenzugriff per Browser arbeitet OLVM mit dem Virtual Machine Manager (virt-manager) zusammen. Dieser für Linux und Windows verfügbare Remote Viewer dient Clientcomputern dazu, per VNC oder SPICE auf die Konsole von VMs zuzugreifen. Der Remote Viewer bietet gegenüber noVNC einige Vorteile. Er skaliert das Bild der entfernten

Sitzung automatisch, erstellt Screenshots und kann zahlreiche Tastenkombinationen an eine VM senden (Bild 2).

Der Link zu den "Console Client Resources" bei den Downloads auf der Startseite von OLVM zeigte zwar leider ins Leere. Dies stellte jedoch insoweit kein Problem dar, als dass wir an anderer Stelle in der Dokumentation die Verknüpfung zum Virtual Machine Manager fanden. Die Startseite verlinkte weiterhin auf die drei Portale und zu guter Letzt auf das lokal vom OLVM bereitgestellte Handbuch der REST-API.

Einfacher Import von Vorlagen und ISO-Images

Erste Anlaufstelle für uns war das Administrationsportal, an dem wir uns mit dem initial erstellten Admin-Konto anmeldeten. Das Portal informiert mit einem Dashboard auf einen Blick über den Gesamtzustand der Umgebung. Im vertikalen Menü am linken Bildrand steuern die drei Bereiche Compute, Netzwerk und Speicher alle Details der Infrastruktur.

Das Setup der Self-Hosted Engine hatte unsere minimalistische Umgebung mit einem Data Center und einem Cluster mit dem einzigen Host darin einschließlich Anbindung unserer NFS-Freigabe bereits betriebsfertig vorbereitet. Wir konnten uns somit unmittelbar an die Konfiguration von VMs begeben. Die ermöglicht OLVM auf mehreren Wegen.

So konnten wir im Bereich "Speicher / Domänen" neben unserer NFS-Freigabe aus dem Image-Repository des oVirt-Projekts Vorlagen für mehrere Linux-Distributionen, darunter CentOS, Fedora und Ubuntu, importieren. Die virtuellen Festplatten der Vorlagen fanden wir anschließend unter "Speicher / Disks". Dort importierten wir zudem Vorlagen für Oracle Linux, die der Hersteller als Open Virtualization Format (OVA) und QEMU Copy-on-Write (QCOW) zum Download bereitstellt. Zur Installation von Windows-VMs luden wir weiterhin die von Microsoft bereitgestellten ISO-Images hoch und zusätzlich auch das ISO-Image mit den VirtIO-Treibern in der Version 2.0 von Oracle, das wir zuvor vom Hersteller heruntergeladen hatten.

Schnell zur Linux-VM per Cloud-Init

Den Netzwerkverkehr der VMs wollten wir über ein separates Interface des Hosts leiten und definierten daher unter "Netzwerk / Netzwerke" zunächst ein weiteres virtuelles Netzwerk. Anschließend navigierten wir in den Bereich "Compute / Hosts" und dort in die detaillierte Ansicht unseres Hosts. Auf der Registerkarte "Netzwerkschnittstellen" ordneten wir das neue Netzwerk dem zweiten NIC unseres Hosts zu, was das Portal per Drag-and-Drop mit einem grafischen Assistenten unterstützte. Damit hatten wir alle Voraussetzungen geschaffen, um unter "Compute / Virtuelle Maschinen" erste VMs zu erstellen.

Der Assistent für neue VMs startet mit einer vereinfachten Ansicht, die lediglich grundlegende Optionen bietet. So fanden wir hier in einem Dropdown-Feld unsere zuvor importierten Vorlagen für Linux-Maschinen wieder. Zudem konnten wir eine von fünf Konfektionsgrößen für die Ausstattung mit virtuellen CPUs und Hauptspeicher oder aber benutzerdefinierte Einstellungen wählen und das gewünschte virtuelle Netzwerk zuordnen.

Zur weiteren Konfiguration der Maschinen aktivierten wir über die Schaltfläche unten links im Dialog die erweiterten Optionen, die eine Fülle zusätzlicher Menüpunkte hervorbringen. Sowohl die Vorlagen des oVirt-Projekts als auch die von Oracle verwenden Cloud-Init. Wir aktivierten diese Funktion daher unter dem Punkt "Erste Ausführung" der erweiterten Einstellungen und konfigurierten für die VMs jeweils einen lokalen Account nebst Kennwort. Alternativ richtet Cloud-Init autorisierte SSH-Schlüssel ein. Mithilfe von Cloud-Init vorkonfiguriert, waren Linux-VMs in kürzester Zeit betriebsbereit und wir konnten uns jeweils mittels des Remote Viewer Clients mit der Konsole verbinden.

VirtIO-Treiber für performante Windows-VMs

Im Fall von Windows folgten wir der Schnellstart-Anleitung der Onlinedokumentation und beließen im Assistenten für neue VMs die Auswahl der Vorlage beim Eintrag "Blank", begannen die Installation also ohne Vorlage. Wir erstellten aus dem Assistenten heraus eine neue virtuelle Festplatte und änderten deren Schnittstelle im entsprechenden Dropdown-Feld auf "SATA". Dies ist notwendig, da Windows von Haus aus die performantere Schnittstelle "VirtIO-SCSI" nicht kennt und somit die Setuproutine die Festplatte nicht anzeigen würde.

In den erweiterten Optionen der neuen VM verbanden wir das ISO-Image von

Windows Server 2022 und änderten die Bootreihenfolge, sodass die VM zunächst vom virtuellen CD-Laufwerk startete. Anschließend starteten wir die VM, verbanden uns per Remote Viewer mit ihrer Konsole und führten die Installation von Windows wie gewohnt durch. Daraufhin änderten wir die Bootreihenfolge auf die virtuelle Festplatte als erstes Medium, verbanden statt des ISO-Images der Windows-Installation das Image mit den VirtIO-Treibern von Oracle und installierten das Treiberpaket. Nach einem obligatorischen Neustart fuhren wir die Maschine zu guter Letzt herunter, bearbeiteten ihre Einstellungen und änderten die Schnittstelle der Festplatte wieder auf "VirtIO-SCSI". Mit dem nächsten Start verwendete die Maschine dann den optimierten Festplattentreiber.

Komfortable Snapshots und Klone

Snapshots und deren Wiederherstellung funktionierten komplikationslos. Ebenso konnten wir aus nach unseren Wünschen konfigurierten VMs Klone sowie neue Vorlagen erstellen. Als praktisch erwies sich dabei, dass dieser Vorgang nicht-destruktiv arbeitet und die ursprüngliche VM erhalten bleibt. Auch beim Erstellen neuer Vorlagen für Linux-VMs setzt OLVM auf Cloud-Init. Oracle beschreibt in der Onlinedokumentation die nötigen Schritte, um eine Maschine zu generalisieren, sodass aus ihrer Vorlage erstellte neue VMs wiederum bei der ersten Ausführung per Cloud-Init einzelne Parameter bis hin zu benutzerdefinierten Skripten entgegennehmen.

Im Fall von Windows-VMs setzt OLVM auf das etablierte Sysprep-Verfahren. Soll aus einer per Sysprep generalisierten Vorlage eine neue VM entstehen, blendet der Assistent bei den Optionen zur ersten Ausführung statt Cloud-Init automatisch Sys-prep ein. Hier konnten wir einzelne Parameter, wie die gewünschte AD-Domäne und -OU sowie das Admin-Passwort festlegen. Alternativ nimmt der Assistent eine komplette Sysprep-Antwortdatei entgegen.

Umfassende Überwachung

Auch beim Monitoring wusste OLVM zu überzeugen. Als Admin-Benutzer konnten wir uns an Grafana anmelden und fanden dort insgesamt 20 fertige Dashboards vor, die umfassend über den Zustand unserer Infrastruktur informierten.

Unterteilt in die vier Kategorien der Executive, Inventory, Service Level und Trend Dashboards bereitet Grafana die aktuelle Auslastung von Data Center, Cluster, Host-Ressourcen sowie Storage grafisch auf und stellt Informationen zur Verfügbarkeit und Trends über die Zeit bereit.

Fazit

Wer eine lokale Virtualisierungsinfrastruktur betreiben möchte, muss nicht zwingend zu kommerziellen Lösungen greifen. Oracle Linux KVM und OLVM setzen auf Open Source und bieten kostenfrei Enterprise-Funktionen für den Betrieb größerer Umgebungen. Administratoren, die die allerneuesten Funktionen wünschen, greifen direkt zu KVM und oVirt.

Doch wer größeren Wert auf stabilen Betrieb mit optionalem Support legt, ist mit OLVM gut beraten. Mithilfe des VM-Portals delegieren Admins Aufgaben rund um VMs an Nutzer und behalten mit Grafana als etablierter Visualisierung den Status ihrer Umgebung immer im Blick.

(jp)

Dieses Produkt eignet sich

optimalfür Unternehmen, die eine stabile Plattform für die Verwaltung von KVM mit optionalem Support suchen.

bedingtgeeignet für Organisationen, die immer die neuesten Funktionen nutzen möchten und keinen Support benötigen.

nichtgeeignet in Infrastrukturen, die ohne lokale VMs betrieben werden.