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Solide Zahlen in der Krise - SAP bringt Qualtrics an die Börse


Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 33/2020 vom 31.07.2020

SAP trotzt der Coronakrise und legt solide Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vor. Mit diesem Rückenwind treibt CEO Christian Klein den Umbau voran. Überraschend soll nun der zugekaufte Experience-Management-Spezialist Qualtrics an die Börse gebracht werden.


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Von Martin Bayer, Deputy Editorial Director


Foto: SAP SE

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Mit guten Finanzzahlen im Rücken macht sich SAP-Chef Christian Klein daran, den deutschen Softwarekonzern umzubauen. Zur Vorstellung der Bilanz für das zweite Quartal 2020 kündigten die SAP-Verantwortlichen überraschend an, Qualtrics an die Börse bringen zu wollen. Die Walldorfer hatten den US-amerikanischen Cloud-Spezialisten für das Experience Management erst im November 2018 vier Tage vor dessen Börsengang akquiriert - für die stolze Summe von acht Milliarden Dollar.

Kleins Vorgänger auf dem Chefsessel von SAP, der heutige ServiceNow-Chef Bill McDermott, hatte Großes vor mit Qualtrics. Sein Ziel war es, den Markt für Customer Relationship Management (CRM) neu zu definieren. Es ging darum, endlich dem Rivalen Salesforce Paroli zu bieten, der mit seinem Cloud-Angebot den weltweiten CRM-Markt schon seit Jahren dominiert und die klassischen On-Premises-Anbieter wie SAP weit hinter sich gelassen hat.

Qualtrics, das 2002 gegründet wurde, bezeichnet sich selbst als Pionier für das Experience Management (XM). Mit der Software „Qualtrics Customer Experience“ können Unternehmen in Erfahrung bringen, wie sich der Bedarf am Markt ändert, welche Kunden für das eigene Geschäft Perspektiven bieten und wie sich Potenzialkunden von der eigenen Marke überzeugen lassen. Dabei sollen die Anwender stets das gesamte Kundenerlebnis im Blick haben, gezielt und schnell reagieren können sowie alle Customer Touchpoints im Griff haben, versprechen die Verantwortlichen. Gleiches ist laut Qualtrics auch für andere Erfahrungsaspekte möglich: Wie fühlen sich Mitarbeiter?
Wie ist die Wahrnehmung von Produkten und Marken? Aus Sicht McDermotts lag der Mehrwert in der Übernahme von Qualtrics für die Kunden darin, die eigenen operationalen Daten aus den SAP-Systemen mit den Experience-Daten aus den Qualtrics-Anwendungen verknüpfen zu können. „Zusammen werden SAP und Qualtrics einen neuen Standard definieren, ähnlich wie sich Märkte durch personalisierte Betriebssysteme, mobile Endgeräte und soziale Netzwerke verändert haben“, kommentierte der Ex-SAP-Chef damals den Zukauf.

Qualtrics blieb eigensinnig

Doch so richtig kam dieses Geschäft nicht in Schwung, zumal SAP selbst erst in dieser Phase daran ging, mit C/4 Hana eine zukunftsfähige neue CRM-Plattform zu bauen. Klein und Qualtrics-Chef Ryan Smith bemühen sich heute, die Software-Liaison dennoch positiv zu verkaufen. „Die Übernahme von Qualtrics durch SAP ist ein großer Erfolg“, sagte der SAP-Chef und beteuerte, auch nach einem Börsengang der größte und wichtigste Go-to-Market- und Entwicklungspartner von Qualtrics bleiben zu wollen. Die Kategorie Experience Management und die XM-Plattform seien auch in Zukunft zentrale Elemente der SAP-Strategie für das intelligente Unternehmen.

Zwischen den Zeilen klingt jedoch durch, dass es zwischen den Unternehmen doch nicht so richtig gefunkt hat. „Als Teil des SAP-Cloud Portfolios hat Qualtrics schon bisher weit selbstständiger operiert als zuvor akquirierte Unternehmen von SAP“, heißt es in einer offi-ziellen Mitteilung. Das war auch in der Vergan-genheit immer wieder deutlich geworden, etwa wenn Smith anlässlich von Präsentationen zu großen Veranstaltungen wie einer Sapphire sein eigenes Qualtrics Corporate Identity De-sign verwendete statt einer SAP-Vorlage.

Eine eigensinnige Cloud-Tochter kann Klein aber gerade jetzt am wenigsten brauchen. Die Anwender fordern vehement, dass sich der Konzern um eine enge Verzahnung der ver-schiedenen Cloud-Satelliten mit dem SAP Kernsystem kümmern soll. Klein und sein Team haben versprochen, zu liefern.

SAP soll auch in Zukunft Mehrheitsaktionär von Qualtrics bleiben. Es bestehe keine Absicht, die- se Beteiligung auszugliedern oder anderweitig zu veräußern, hieß es. Qualtrics-Chef Smith beabsichtige, der größte Einzelaktionär von Qualtrics zu sein. Die Voraussetzungen für einen Börsengang scheinen derzeit günstig.
Trotz Coronakrise läuft bei vielen Tech-Werten derzeit eine regelrechte Börsenrallye, weil An-leger ihre Investitionen von eher krisenanfälli-gen Segmenten wie dem Maschinenbau oder der Automobilbranche umschichten.

Das spiegelt auch die Entwicklung des SAP-Pa-piers wider. Nachdem die Aktie in der ersten Krisenpanik im März auf unter 90 Euro einge-brochen war, kratzt SAP inzwischen an neuen Höchstständen um die 140-Euro-Marke. Der Konzern ist mit einer Kapitalisierung von rund 170 Milliarden Euro längst mit Abstand der wertvollste DAX-Konzern.

SAP trotzt der Coronakrise

CEO Klein kann also aus einer starken Position heraus den Umbau vorantreiben. Zwischen April und Juni dieses Jahres belief sich der Umsatz auf 6,74 Milliarden Euro - das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Cloud-Erlöse erhöhten sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro. Dagegen brach das Geschäft mit Softwarelizenzen erneut ein - um 18 Prozent auf 770 Millionen Euro.

Die SAP-Verantwortlichen sprachen an dieser Stelle dennoch von einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal 2020. Anfang das Jahres hatten die Walldorfer noch einen Rückgang von rund 30 Prozent im Li-zenzgeschäft beklagt. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 885 Millionen Euro, das sind 52 Prozent mehr als im Vorjahresquartal (582 Millionen Euro).

Analysten reagierten angesichts der gegen- wärtigen Corona-Herausforderungen erleich-tert. Mit Blick auf die schwierigen Rahmenbe-dingungen sei das zweite Quartal für SAP gut gelaufen, so der Tenor. Der Softwarekonzern habe sich als widerstandsfähig gegen die wirt-schaftlichen Auswirkungen der Pandemie er-wiesen. Auch die SAP-Spitze zeigte sich erfreut über die Zahlen. „Ich bin stolz darauf, dass un-sere Teams das sehr schwierige Umfeld erfolg-reich gemeistert und ein besseres Quartalser-gebnis erreicht haben als erwartet“, hatte Klein bereits im Vorfeld erklärt.

„Mehr als je zuvor ist durch die Pandemie deutlich geworden, dass Digitalisierung keine Option mehr, sondern zwingend notwendig ist, um schwierige Zeiten zu meistern und die ge-wünschten Geschäftsergebnisse zu erzielen“, ermunterte der SAP-Chef seine Kunden, in ih-rer digitalen Transformation weiterzugehen.

Umbau im Management

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SAP-CEO Christian Klein muss sich nicht nur mit strategischen, sondern auch mit Personalfragen beschäftigen. So verlässt Deutschland-Chef Daniel Holz überraschend den Konzern. Er hatte die hiesi-gen Geschäfte seit Anfang 2017 verantwortet und insgesamt rund ein Jahrzehnt bei SAP verbracht.
Holz wechselt zu Google, wo er ab Oktober dieses Jahres das Cloud-Business in Europa leiten soll.
Sein Nachfolger wird Alexander Kläger, bis dato COO und Cloud-Chef für die Region Mittel- und Ost europa bei SAP. Kläger übernimmt ab Anfang August.
Bereits Mitte Mai war bekannt geworden, dass auch Stefan Höchbauer SAP verlassen wird. Der Manager hatte als President Digital Core zuletzt das globale ERP-Geschäft geführt. Auch Höchbau-er war zwischenzeitlich Deutschland-Chef von SAP. Er wird nun zum Rivalen Salesforce wech-seln, wo er ab Oktober als CEO die DACH-Region leiten soll.

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