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Sommer in Wien


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Österreich mein Sehnsuchtsland - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 17.02.2022

AM WASSER

Artikelbild für den Artikel "Sommer in Wien" aus der Ausgabe 1/2022 von Österreich mein Sehnsuchtsland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Österreich mein Sehnsuchtsland, Ausgabe 1/2022

Es ist Sommer -Juli und es ist heiß. Wien liegt unter stabilen Hochdruckzone, der Himmel ist geputzt und strahlt in dunklem Blau. Zum Besichtigen ist es zu heiß, jeder Schritt bedeutet schweißtreibende Anstrengung. Doch Wien wäre nicht Wien, wenn es da nicht gelungene Alternativen gäbe.

Ab ins Kaffeehaus

Für Wien-BesucherInnen ist es eine absolute Sehenswürdigkeit, für so manche Wien-BewohnerInnen ein zweites Wohnzimmer: das Wiener Kaffeehaus. Die Wiener Kaffeehauskultur zählt seit 2011 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Nicht daheim und doch zu Hause

Im Café Central in der Herrengasse im 1. Bezirk sitzt auch heute noch der Dichter Peter Altenberg als Pappmaché-Figur. Altenberg hatte dort im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts seine Postadresse und seinen Stammtisch, an dem sich unter anderem einer der bedeutendsten Architekten der Moderne, Adolf Loos, seine Frau Lina, der Schauspieler ...

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... und Essayist Egon Friedell sowie der Schriftsteller Alfred Polgar einfanden. Heute ist die Stimmung im Café Central eine gepflegte und gutbürgerliche. Unter der Woche dominieren Geschäftsleute das Bild, am Wochenende umringen Wien-BesucherInnen den Pappdichter und lauschen dem Klavierspiel. Ebenfalls im 1. Bezirk befindet sich das Café Hawelka. Seine Beliebtheit und sein „Künstlerimage“ gehen auf die Nachkriegszeit zurück, als das kleine Kaffeehaus bis Mitternacht geöffnet hielt. Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle machten das Hawelka in den 1950er-und 60er-Jahren zur Wohngemeinschaft der antibürgerlichen Künstleropposition. Zahlreiche Literaten hatten hier ihren Stammtisch, vor allem die Mitglieder der Wiener Gruppe – H.C. Artmann, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener. Wenn sich auch so manches im Hawelka verändert hat, ist doch eines gleich geblieben: Es gibt noch immer die köstlichen Buchteln (böhmische Germteig-Spezialität) frisch aus dem Ofen.

Ein wichtiger Treffpunkt der großen Namen der Jahrhundertwende (Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Joseph Roth, Karl Kraus, Georg Trakl, Elias Canetti, Hermann Broch, Robert Musil, Leo Perutz, Alban Berg, Franz Lehár, Oscar Straus und Otto Wagner) war das 1899 eröffnete Café Museum in der Nähe des Naschmarktes und der Secession. Die sehr schlichte Einrichtung, die vom späteren Stammgast Adolf Loos stammte, stand im Gegensatz zur damals vorherrschenden historistischen Üppigkeit und trug dem Lokal den Beinamen „Café Nihilismus“ ein. 1931 wurde die das Lokal durch Josef Zotti, einem Schüler Josef Hoffmanns, neu eingerichtet. Nach Schließzeiten und diversen Umgestaltungen wurde das Café Museum im Sinne Zottis renoviert und 2010 in neuem altem Glanz wiedereröffnet.

Rund 2.400 Kaffeehäuser aller Art gibt es Wien, vom eleganten Traditionscafé bis zum einfachen Stehcafé, vom weitläufigen Café-Restaurant bis zur gemütlichen Kaffeekonditorei. Im klassischen Wiener Kaffeehaus trägt das Servierpersonal schwarz-weiße Kleidung und die Einrichtung ist so ist wie in der „guten, alten Zeit“: Holzboden, Marmortische, einfache Thonet-Sessel und plüschige Sitzbänke. Ein traditionelles Wiener Kaffeehaus hat zudem meist ein umfangreiches Angebot an nationalen und internationalen Zeitungen für seine Gäste aufliegen. Was dort ebenfalls nie fehlt, ist das kleine Glas Wasser, das zum Kaffee gratis serviert wird.

Ab ins Grüne

Wien ist mit einem Anteil von über 50 Prozent Grünfläche am Stadtgebiet eine der grünsten Metropolen der Welt. Wälder, Wiesen, Gärten und Äcker bil-den einen richtiggehenden Gürtel um die dichter bebauten Gebiete. Auch im Herzen der Stadt finden sich grüne Oasen.

Urbane Ruheoasen

Die Wiener Ringstraße ist trotz ihrer Funktion als wichtige Verkehrsader durchaus auch ein Ort der Erholung. Der Prachtboulevard wurde schon bei seiner Planung nach Landschaftsprinzipien gestaltet. Zwischen der Straße und den Bauten wurden auf beiden Seiten je zwei bis drei Baumreihen mit Platanen und sogenannten Götterbäumen gepflanzt, dazwischen befand sich eine Geh-und Reitallee. Die Götterbäume hielten jedoch den klimatischen Bedingungen nicht stand und mussten mehrfach nachgepflanzt werden. Der heutige Bestand von rund 2.400 Alleebäumen, die im Sommer angenehmen Schatten spenden, setzt sich vor allem aus Ahorn, Linde, Zürgelbaum, Platane und Rosskastanie zusammen.

Die gepflegten Parkanlagen entlang der Ringstraße sind damals wie heute beliebte Grünoasen. Im Volksgarten neben dem Burgtheater stehen im Sommer über 400 Rosensorten in voller Blüte. Der im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegte Rathauspark hat einen prachtvollen alten und zum Teil exotischen Baumbestand. Im Burggarten mit dem viel besuchten Mozart-Denkmal befindet sich ein großes Palmenhaus, dessen zwei Jugendstil-Glashäuser von einem Café-Restaurant und einem Schmetterlingshaus genutzt werden. Der 1862 eröffnete Stadtpark ist Wiens älteste öffentliche Parkanlage, seine verschlungenen Wege sind von Ziersträuchern, Wiesen und Wasserflächen gesäumt.

Barocke Prachtgärten

Weitläufigen Natur-und Erholungsraum bieten auch die Parks und Gärten Wiens. Schloss Schönbrunn und seine barocken Parkanlagen wurden ab 1743 unter Kaiserin Maria Theresia erbaut, seit 1996 gehört das Ensemble zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der riesige Schönbrunner Schlosspark bietet Alleen mit aufwändig geschnittenen Hecken, Statuen, Brunnen, prächtige Blumenbeete, einen Irrgarten und einen japanischen Garten, das größte Palmenhaus Europas (aus dem Jahre 1882), den Aussichtspunkt Gloriette und mit dem Tiergarten Schönbrunn den ältesten noch bestehenden Zoo der Welt. Der Schlosspark Schönbrunn kann von Mitte März bis Ende Oktober auch mit einer Panoramabahn erkundet werden.

Die barocke Gartenanlage, die das Untere mit dem Oberen Belvedere verbindet, wurde um 1700 nach französischem Vorbild entlang einer Mittelachse streng symmetrisch angelegt und mit Bäumen, Hecken, Skulpturen und Wasserspielen ausgestattet. Die schöne Aussicht auf die Stadt mit Stephansdom und Kahlenberg gaben dem Ensemble seinen Namen. Zur Anlage gehört auch einer der ältesten Alpengärten Europas mit mehr als 4.000 Pflanzenarten aus Alpingebieten der ganzen Welt (geöffnet von Ende März bis Anfang August). Im Botanischen Garten nebenan, 1754 unter Maria Theresia gegründet, werden 11.500 Pflanzenarten aus sechs Kontinenten für wissenschaftliche Forschung und Artenschutz kultiviert. Mit seinen alten Bäu-men und schönen Wiesen ist der Botanische Garten eine der zahlreichen Naturoasen der Stadt und Lebensraum für heimische Tierarten.

Biotope & Biosphären

Ein Grünareal von rund sechs Quadratkilometern steht den Wienern und Wienerinnen sowie ihren Gästen im 2. Bezirk zur Verfügung. Der Prater ist nur drei Kilometer Luftlinie vom Stephansdom entfernt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar. Das einstige Auland der Donau lädt mit ausgedehnten Wiesen, Wäldern und Gewässern in jeder Jahreszeit zu Spaziergängen, Wanderungen, Joggingrunden und Radtouren ein. Die schnurgerade „Prater Hauptallee“, eine über vier Kilometer lange autofreie Allee durch die Grünoase, ist von 2.500 Bäumen gesäumt. Die Kastanien stehen dort in bis zu sechs Reihen, ihre Blüte im Frühjahr ist ein Naturerlebnis für sich.

Ebenfalls perfekt an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist ein weiteres Wiener Großstadt-Biotop. Nur wenige Minuten U-Bahn-Fahrt vom Stadtzentrum entfernt ist die Donauinsel, das beliebteste Naherholungsgebiet der Wiener Bevölkerung. Die 21 Kilometer lange Insel hat großzügigen Freiraum für die unterschiedlichsten Interessen wie Baden, Bootfahren, Radfahren, Skaten, Beachvolleyball-Spielen, Spazierengehen, Picknicken, Grillen und vieles mehr.

Im Westen des Stadtgebiets verfügt Wien – wohl einzigartig für eine Metropole – über einen Biosphärenpark. Der Wienerwald ist die „grüne Lunge“ der Stadt und Teil des (gesetzlich geschützten) urbanen Grüngürtels. Ziel des Biosphärenparks ist es, Natur zu schützen, wo Lebensräume und Arten diesen Schutz brauchen, und gleichzeitig durch verantwortungsvolles Wirtschaften die Region weiterzuentwickeln. Der Wienerwald bietet Lebensraum für 2.000 Pflanzenarten, 150 Brutvogelarten und viele andere bedrohte Tiere, ist gleichzeitig aber auch von einem Netz an Spazier-und Wanderwegen sowie Mountainbike-Strecken durchzogen. Im Wienerwald finden sich zudem die schönsten grünen Aussichtspunkte der Stadt, nämlich die Wiener „Hausberge“ Kahlenberg und Leopoldsberg.

Wien ist Weinstadt

Der Wein gehört zu Wien – so wie der Stephansdom, Schloss Schönbrunn und die Sängerknaben. Doch den Wiener Wein gibt es nicht nur beim traditionellen Heurigen – vielmehr ist er dabei, die ganze Stadt zu erobern

Der Wiener Heurige

Traditionell wird der Wiener Wein größtenteils beim Heurigen getrunken. Das heutige Buschenschankrecht geht auf eine Verordnung Kaiser Josefs II. aus dem Jahr 1784 zurück, in der er den Winzern erlaubte, Wein aus eigener Erzeugung auszuschenken. Erkennbar ist der echte Wiener Heurige an der „Ausg’steckt“-Tafel und am Föhrenbuschen, der gleichzeitig anzeigt, wann das Lokal geöffnet ist. Diese beiden Symbole garantieren auch, dass hier ausschließlich Eigenbauweine aus Wiener Weinrieden ausgeschenkt werden. Die ungezwungene Atmosphäre, die Gärten am Rande der Stadt, der gute Wein und die feinen Schmankerln machen den Heurigen zu einem beliebten Ausflugsziel für ein bunt gemischtes Publikum. Doch das Wort „Heuriger“ hat noch eine zweite Bedeutung: Es steht für den Wein vom aktuellen Jahrgang, der pünktlich zu Martini (11. November) „getauft“ wird und am gleichen Tag des Folgejahres zum „Altwein“ wird.

Der Gemischte Satz – eine Wiener Spezialität kehrt zurück

Eine Besonderheit unter den Wiener Weinen ist der so genannte „Gemischte Satz“. Bereits im 19. Jahrhundert, als in den meisten anderen österreichischen Weinbaugebieten eher Massenträger zum Zug kamen, setzte man in Wien auf Edelrebsorten wie Riesling, Rotgipfler, Weißburgunder und Traminer. Diese wurden zusammen mit etlichen weiteren Sorten im Weingarten gemischt ausgepflanzt. Dadurch entstanden nicht nur sehr vielschichtige und komplexe Weine, die verschiedenste Eigenschaften wie Frische, Fruchtigkeit oder Körperreichtum in sich vereinigen konnten, sondern der Winzer hatte auch stets einen relativ sicheren Ertrag: Durch die unterschiedlichen Blütezeitpunkte der Sorten führten auch widrige Witterungsumstände während der Blütezeit nie zu einem Totalausfall der Ernte, sondern höchstens zu Einbußen bei bestimmten Sorten. Nachdem der Gemischte Satz sehr lange ein Schattendasein als einfacher Schankwein beim Heurigen gefristet hatte, erlebt er nun seit einigen Jahren wieder eine Renaissance. Dieser besonders typische und charakteristische Wiener Wein wird sowohl als leichter, süffiger Tropfen als auch in Form eines kraftvollen und komplexen Top-Weines in die Bouteille gefüllt.

Mehr Information: www.wien.info