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Sonnenbrille bleibt auf


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Rolling Stone - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 29.09.2022

Apache 207

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Es gibt für alles ein erstes Mal, und da steht er nun also, ein Mann wie ein Mysterium, zwei Meter groß, die langen Haare zu einem Zopf gebunden, dunkle Sonnenbrille, schwarzes Tanktop, goldene Kette um den Hals, allein hinter der Bühne, der Countdown zählt runter, drei, zwei, eins: Spotlight an und die ersten Takte erklingen, von, na klar: „Fame“. „Scheiße, Mann, jetzt sind wir also fame!/ Ey yo, was geht?“ Mikrofon Richtung Publikum gerichtet, das Echo erfolgt sofort: „Ey yo, was geht!“ Dann: Vorhang auf, ein bisschen Pyrotechnik, ganz viel Lasershow. Und in der Schweiz wird man gerade Zeuge von einem nicht ganz so gewöhnlichen Auftritt eines nicht ganz so gewöhnlichen Künstlers. Wir schreiben den 22. Oktober 2021 und Apache 207 spielt gerade seine erste eigene Live-Show. Ja, genau, Sie lesen richtig: seine erste eigene Live-Show. Vor nicht mal einem Jahr. Und nicht in irgendeinem ...

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... Jugendzentrum. Nicht in irgendeinem kleinen Club oder einer mittelgroßen Halle – nein, Open Air, Mainstage, direkt vor 30.000 Menschen. Der Auftakt einer Stadiontour, die innerhalb von wenigen Minuten restlos ausverkauft war. Das alte Rock’n’Roll-Narrativ, dass man sich seine Fanbase und seinen Ruhm mühsam auf Tour erspielen muss? Makulatur. Wie so ziemlich jedes gängige Narrativ bei Apache 207 gerade gebrochen wird.

Apache 207 ist nicht irgendein Künstler, nein, Apache 207 ist der größte deutschsprachige Superstar, den das Land in den noch jungen 2020er-Jahren hervorgebracht hat. Oder, in Zahlen ausgedrückt: In seiner gerade einmal vier Jahre jungen Karriere ist Apache mittlerweile ein 27‐facher Gold-, ein siebenmaliger Platin- und ein einmaliger Diamant-Künstler. Mehr als zwei Milliarden Male wurden seine Songs bislang gestreamt. Von null auf hundert, oder vom jungen Abiturienten aus Ludwigshafen zum Megastar, der schneller als die Rolling Stones die größten Bühnen des Landes ausverkauft, ja, das ist real pop star shit.

Die Aufnahmen von der ersten großen Apache-Show sind Ausgangs- und zugleich Höhepunkt einer neuen Amazon-Dokumentation – „Apache bleibt gleich“ –, die sich dem Phänomen Deutschrap-Superstar widmet und Apache über Monate hinweg bis zu seinem großen Termin, seinem ersten Konzert, dem Auftakt einer Tour, begleitet, die er wieder und wieder verschieben musste, denn Apache bleibt vielleicht gleich, aber Corona hat darauf in den vergangenen zwei Jahren nicht groß Rücksicht genommen. Dass ein Ausschnitt seines Lebens jetzt den Stoff für eine Musikdoku liefert, erscheint gleich in mehrfacher Hinsicht folgerichtig: Zum einen erlebt das Genre gegenwärtig einen nie da gewesenen Boom, zum anderen erlaubt dieses Format es – zumindest theoretisch –, das Rätsel Apache 207 ein klein wenig zu ergründen.

Denn tatsächlich weiß man so gut wie nichts über diesen Mann, der sich nach einem Indianerstamm und dem Bundestagswahlkreis seiner Heimatstadt benannt hat. Apache 207 heißt bürgerlich Volkan Yaman, ist 24 Jahre alt, hat türkische Wurzeln, Abitur und ist in Ludwigshafen aufgewachsen. Die restliche Geschichte von Apache ist die Geschichte seiner Hits. Im Juni 2018 veröffentlichte er seinen ersten, selbst aufgenommenen Song, „Kleine Hure“, 2019 wird er von dem Berliner Label TwoSides gesignt, dann erscheint die Single „Roller“ und er erreicht Platz 1 der deutschen Charts, verkauft eine Million Platten und wird zum Superstar der Stunde. Seine Mischung aus Straßenrap und poppigem Gesang trifft den Nerv der Zeit. Hitsingle folgt auf Hitsingle.

Der kommerzielle Erfolg von Apache markiert auch eine popkulturelle Zäsur. Apache steht am vorläufigen Ende einer langen Entwicklung von Straßenrap, die mit Aggro Berlin in den frühen Nullerjahren begann. Das Label markierte mit seinem aggressiven, kompromisslosen Sound eine Ära der Neuen Deutschen Härte, die mit dem mittelstandsgeprägten Wohlfühl-Rap um Formationen wie Die Fantastischen Vier oder Fettes Brot radikal brach. Hier stand nun das sinnbildliche Getto im popkulturellen Fokus. Rapper wie Bushido, Sido und Fler wurden zu Stimmen und Identifikationsfiguren der Marginalisierten, der erklärten Unterschicht, und schafften es durch ihre brachiale Verbalaggression, eine derartige Faszination auszuüben, dass Gangster-Rap erstmals in den Mainstream gespült wurde.

Mitte der Zehnerjahre war es dann die nächste, nachgewachsene und vom Sound der Berlin-Ära geprägte Generation, die neue Impulse setzte. Es waren junge Rapper, die die Türen, die Aggro Berlin einst aufgestoßen hatte, ohne Probleme durchschreiten konnten und die schnell erkannten, dass Deutschrap mittlerweile zu einem lukrativen Geschäft geworden war. Die großen Labels hatten ihre Gatekeeper-Funktion verloren, und die Möglichkeit, über Social Media zum nächsten Star zu werden, war nur einen Instagram-Post entfernt. Man musste sich nicht mehr gegenüber der Industrie beweisen, man musste Deutschrap nicht mehr einer breiten Masse erklären, denn er war längst zur dominanten Jugendkultur geworden. Man war angekommen. Diese neue Leichtigkeit spiegelte sich auch im unbeschwerten, Auto-Tune-getränkten Soundbild wider. Künstler wie die KMN Gang bedienten sich lyrisch weiter beim Straßennarrativ, verpackten es musikalisch aber viel poppiger und leichter. Miami Yacine landete 2016 mit „Kokaina“ eine der erfolgreichsten Deutschrap-Singles aller Zeiten. Sinnbildlich verschob sich der zentrale ikonografische Ort dieser Musik vom Getto in das Shisha-Café, wo die neuen Songs nicht nur in Heavy Rotation liefen, sondern auch zum Soundtrack eines neuen Lifestyles wurden.

Apache geht nun den nächsten und bislang letzten Schritt dieser Transformation, indem er zwar auf musikalische Kontinuität zur Shisha-Bar-Ära setzt, aber mit der noch immer vorherrschenden Straßen-Ikonografie so deutlich bricht, dass die Musik jetzt endgültig massentauglich wird. Dem im Deutschrap omnipräsenten Aufstiegssymbol vom Kaliber eines Mercedes AMG setzt Apache einen Roller entgegen. „Reden mir vom Koks und von Messerstecherein/ Doch sie müssen los, wenn unsre Roller wieder schrein“, heißt es, stilecht unterlegt mit lautmalerischen Gasgeb-Geräuschen, wrmm, wrmm! In „Thunfisch & Weinbrand“ geht er sogar noch einen Schritt weiter, wenn sein lyrisches Ich auf dem Rücksitz seines Maybachs darüber räsoniert, welches Auto er sich als Nächstes kaufen soll, und dann zu dem Schluss kommt, dass er dieses Game bereits durchgespielt hat, und die Entscheidung daher auf ein Fahrrad fällt. Ein Fahrrad! Gucci-Schlappen, verkündet er, trage er nur aus Trotz. Und in „Fame“ rezitiert er ein altes Kinderlied. „Wenn die ersten Strahlen morgens durch dein Fenster schießen und deine Nase kitzeln/ Musst du, halb im Schlaf noch, niesen.“ Die Grenze zum deutschen Straßenrap ist spätestens hier überschritten.

Auch rein musikalisch erweitert Apache das Genre um ein paar Facetten, von straightem Eighties-Pop bis Eurodance. Sein musikalisches Koordinatensystem referenziert er selbst, wenn er darüber singt, dass der DJ „Rhythm Is A Dancer“ auflegt, oder mal darüber rappt, dass im Autoradio „Royal Bunker“ läuft, ein gemeinsames Album von Ex-Aggro-BerlinSido und der Berliner Battlerap-Legende Kool Savas. Apache kennt und anerkennt seine Wurzeln, befreit das Genre aber von seinen strengen Codes und macht es somit einer breiten Masse zugänglich. Er bringt Deutschrap vom Getto über das Shisha-Café direkt in die Radio-Rotation. Er wird wohl als der Künstler in die Deutschrap-Geschichte eingehen, der das Genre endgültig im Pop aufgelöst hat. Größer wird es nicht mehr werden. Hype und Revolution – Apache hat es geschafft.

Und mit noch einer Tradition hat Apache deutlich gebrochen: Er hat sich selbst zum Mysterium erklärt. Keine Interviews. Keine privaten Einblicke. Er spricht nicht, sondern lässt seine Musik für sich sprechen. Im noch immer authentizitätshungrigen Deutschrap, wo der Star schon lange kein Star, sondern lieber die größtmögliche Identifikationsfigur auf Augenhöhe sein soll, ist das eine Provokation. Der Künstler als Kunstfigur, das hat es im Zeitalter der Influencer lange nicht mehr gegeben.

Bis jetzt. An einem späten Montagnachmittag im September spricht Apache 207 mit dem ROLLING STONE. Das ist, so sagt er, das erste Interview mit einem überregionalen Medium, das er je geführt hat. Zur Erinnerung: ein 27-facher Gold-, ein siebenmaliger Platin- und ein einmaliger Diamant- Künstler. Es gibt für alles ein erstes Mal, und es gibt gerade viele erste Male im Leben des Volkan Yaman.

„Du musst dir vorstellen“, sagt er, „da nimmt man einen Jungen aus seinem Blockraus und stellt ihn einfach so auf eine ganz große Bühne. Ich war 19 Jahre alt und wusste einfach nicht, was da gerade passiert.“ Es sei nicht so, dass er grundsätzlich keine Interviews hätte geben wollen. „Aber ich war der Situation damals einfach nicht gewachsen. Ich musste mich fokussieren, um auf dieser Stage zu funktionieren. Das hat der Senkrechtstart mit sich gebracht.“ Mittlerweile, sagt Apache, sei er in einer Phase seines Lebens angekommen, in der er sich in der Lage sieht, auch einfach mal zurückzublicken. „Ich glaube, mit dem richtigen Abstand kann ich die Dinge, die passiert sind, jetzt auch richtig einordnen. Aber ich musste es für mich selbst erst mal begreifen. Es ging ja alles so wahnsinnig schnell!“

„Da nimmt man einen Jungen aus seinem Block raus und stellt ihn auf eine ganz große Bühne. Ich war 19 Jahre alt und wusste einfach nicht, was da gerade passiert“

Die Amazon-Doku dürfte ihm dabei ebenfalls helfen. Sie begleitet ihn über Monate in seinem turbulenten Leben zwischen Hype und Höhenflug. „Ich war damals nicht in der Lage, das, was da passiert, zu reflektieren“, sagt Apache. „Aber ich wusste, dass es etwas ganz Besonderes ist, was da gerade geschieht. Darum haben wir draufgehalten. Wir haben die ganze Zeit einfach draufgehalten und alles gefilmt.“ Dass daraus eine Doku werden würde, wusste er nicht. „Ich hatte wirklich keine Ahnung, was wir mit dem Material machen. Ob wir das einfach nur für uns nutzen, als Erinnerung, oder es eines Tages mal auswerten würden. Ich wollte diese besonderen, völlig unglaublichen Momente, die ich erleben durfte, einfach nur für mich einfangen“, erzählt er. „Ich habe diese Doku nicht geplant. Ich habe einfach mein Leben gelebt.“

Dass er das Material nun aber doch verarbeitet hat, ist ein Schritt, der gut zu dem untrüglichen Gespür für den Zeitgeist passt, das Apache auszeichnet. Musik-Dokus erleben gerade einen Boom. Wer heute etwas auf sich hält, der lässt eine Kamera auf sich und seinen Alltag halten: Beyoncé hat es gemacht, Lady Gaga, Steve Aoki, Taylor Swift, Travis Scott und Bushido. Was früher vielleicht Material für eine Bonus-DVD war, die man als nettes Giveaway zum Premium-Box-Inhalt dazugepackt hat, hat sich zu einem eigenständigen, ziemlich populären Genre gewandelt, das nach eigenen Regeln und Strukturprinzipien funktioniert. Zusammengefasst: Man begleitet einen Star über einen ausgewählten Zeitraum hinweg, in dem er wahlweise ein Album aufnimmt, das aus zu variierenden Gründen als das wichtigste Album der Karriere wahrgenommen werden soll, oder bei den Vorbereitungen zu einer vermeintlich bahnbrechenden Tour oder einem besonderen Konzert. In dieser Zeit gilt es, ein emotionales Problem zu überwinden, das der Künstler dann in seine Musik oder Show einfließen lässt.

D ie unterschiedlichen, meist austauschbaren Stars bewegen sich dabei stets in den immer gleichen austauschbaren Räumen – Flughäfen, Hotelzimmer, Studios, Konzerthallen – und stehen stets vor ähnlichen Herausforderungen, die die größten ihres Lebens sind, und am Ende bewältigen sie diese selbstverständlich und triumphieren unter dem Applaus ihrer Fans. Natürlich sind Musikdokumentationen kein neues Phänomen. Schon Bob Dylan ließ sich 1965 auf Tour mit der Kamera begleiten und schaffte es mit „Don’t Look Back“ sogar, ein ganz neues Subgenre des Dokumentarfilms zu etablieren, denn zum ersten Mal experimentierte man damals mit leichten Kameras, die dem Regisseur D. A. Pennebaker sehr viel mehr Mobilität und somit Nähe zu seinem Protagonisten erlaubten.

Doch die neuen Dokumentationen, die sich einer ganz eigenen schematischen Dramaturgie und Narration bedienen, sind Kinder des Streamingzeitalters. Während Musikerdokus im streng formatierten TV-Programm zu einem Nischendasein verdammt waren, werden sie durch die Video-on-Demand- Funktion der Streamer zu einer begehrten Ware. Sie werden zu Content. Content ist vermarktbar. Für die Sender bedeutet das Zugriffe und die Werbemöglichkeit mit exklusiven Einblicken in das Leben ihrer Stars; für die Stars bedeutet es eine weitere Möglichkeit, ihr Leben zu vermarkten.

„Apache bleibt gleich“ scheint sich auf den ersten Blick derselben Strukturprinzipien zu bedienen wie die meisten erfolgreichen Dokus, macht dann aber doch etwas Entscheidendes erfreulich anders. Es gibt da eine Szene, in der steht Apache vor einem großen Badezimmerspiegel, betrachtet sich selbst und erklärt, warum er ständig seine Sonnenbrille trägt. „Die Augen“, sagt er da, „sind das Tor zu deiner Seele.“ Dann lässt er eine kurze Pause. „Und ich will, dass man nur das von meiner Seele sieht, was ich selber bereit bin zu offenbaren.“ In den wenigen Momenten der knapp 90-minütigen Doku, in denen Apache 207 keine Brille trägt und man seine Augen sehen könnte, werden sie einfach verpixelt. Irre! Das vermeintliche Tor bleibt dem Zuschauer verschlossen. Das ist kein Zufall.

„Apache bleibt gleich“ will nicht den Menschen hinter dem Künstler ergründen, sondern das Phänomen einfangen, zu dem Volkan Yaman geworden ist. Was macht es mit einem Künstler, wenn er auf dem Peak seiner Karriere steht und trotzdem in dem Bewusstsein lebt, dass er gerade mal Anfang zwanzig ist und kein Erfolg für immer hält? Und so ist es folgerichtig, dass man in der Amazon-Doku sehr viel über Apache, aber kaum etwas über Volkan Yaman erfährt. Klar, es gibt da eine Szene, in der man sieht, wo er aufgewachsen ist („Armut, Getto. Wir hatten nichts“), man erfährt, dass das engste Team bis heute aus seinem besten Freund und seinem Bruder besteht, und das Rätsel seines Namens wird auch ganz nebenbei und undramatisch gelüftet („Apache? Meine Mutter hat mich einfach so genannt“). Doch viel spannender sind die Momente, in denen er mitbekommt, dass das gewohnt gute Feedback zu seinen Songs einmal nicht ganz so gut ist, wenn nicht jeder Hit auch gleich zu einem absoluten Überhit wird. Wenn der zur Selbstverständlichkeit gewordene Hype seine Selbstverständlichkeit verliert. Das sind kurze Momente, in denen man glaubt, einen Blick hinter die Sonnenbrille zu erhaschen. Seine Selbstzweifel sind zuletzt auch in seine Musik eingeflossen. Ein Song hieß „Angst“, das letzte Album „2sad2disco“.

„Der Druck“, sagt Apache, „ist natürlich heftig. Und er ist allgegenwärtig. Man muss versuchen, ihn nicht in sein Privatleben mitzunehmen.“ Dann lässt er eine kurze Pause. „Das erscheint natürlich wie so eine Floskel. Auf der anderen Seite aber“, ergänzt er, „sollte man diesem Druck auch entgegenstehen. Man sollte seinen eigenen Misserfolg nicht damit begründen, dass man vermeintlich ‚real‘ geblieben ist. Das ist ein Fehler. Das ist nur die Faulheit eines Artists. Ich bin nicht mehr erfolgreich, weil ich so ‚real‘ bin? Nein, mein Lieber, vielleicht bist du einfach nicht mehr erfolgreich, weil du scheiße bist. Da hat der Druck auch etwas Gutes. Er treibt mich weiter an.“

Es gibt für alles ein erstes Mal, und für Apache beginnt nach der Doku und seinem ersten Schritt in die Öffentlichkeit eine neue Phase. Ein Mysterium wird der Mann wohl noch eine Weile bleiben. Aber zukünftig will er wieder ein wenig fröhlichere Musik machen. So wie früher, als der Hype begann. Für Melancholie hat er jetzt einfach keine Zeit.