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„Sonst wird es im Herbst SCHWIERIG“


Welt am Sonntag Hamburg - epaper ⋅ Ausgabe 28/2021 vom 11.07.2021

Artikelbild für den Artikel "„Sonst wird es im Herbst SCHWIERIG“" aus der Ausgabe 28/2021 von Welt am Sonntag Hamburg. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Welt am Sonntag Hamburg, Ausgabe 28/2021

Diskutierten im ?The George? über die Aussichten für Hamburg: Tourismuschef Michael Otremba (l.) und Privathote- lier Kai Hollmann

Während an den Küsten von Nordund Ostsee die Buchungslage längst wieder auf höchstem Niveau ist, geht es in Hamburg trotz des Ferienstarts in vielen Bundesländern noch eher ruhig zu – und die Touristen aus fernen Ländern fehlen sowieso. Hamburgs Tourismuschef Michael Otremba und der Privathotelier Kai Hollmann wissen, dass sich das so schnell auch nicht ändern wird, denn es fehlen die attraktiven Veranstaltungen, auch die Musicals starten erst im September wieder. Auf Einladung der WELT AM SONNTAG diskutieren die beiden im Hotel „The George“, welche Lehren daraus zu ziehen sind, warum neue Hotelbauten dennoch sinnvoll sein können – und was im Herbst passieren muss, damit es nicht zu einer Pleitewelle kommt.

WELT AM SONNTAG: Stehen Sie beide vor der Herausforderung, künftig im Tourismus aus weniger mehr machen zu müssen?

KAI HOLLMANN: Bestimmt kann man einige entstehende Quantitätsnachteile durch ...

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... eine stärkere Dienstleistung in den Hotels wettmachen, aber derzeit können wir ja noch nicht einmal Voraussagen für mehr als drei Monate machen. Jetzt gerade zeigt sich, dass der Deutschlandmarkt anzieht, aber nicht so stark wie im vergangenen Jahr.

Was hält die Menschen jetzt ab?

HOLLMANN: Da ist zunächst der Aufwand mit dem Testen, das war im vergangenen Jahr anders. Das nervt viele, gerade Städtereisende, weil die ja auch etwas unternehmen wollen. Immerhin wurde die Testgültigkeit jetzt verlängert auf 48 Stunden. In den Niederlanden sind es aber 72 Stunden, damit kann man einen Wochenendtrip gut angehen. Das würde uns sehr helfen.

Hamburg setzte vor der Pandemie auf Großveranstaltungen und auf Musical-Besuche …

MICHAEL OTREMBA: … stimmt, aber es gibt schon noch einiges mehr im Freizeitbereich, das auch jetzt funktioniert. Deswegen hat Hamburg auch gute Startvoraussetzungen, andere Städte haben es da deutlich schwerer. Hamburg als Stadt mit Wind, Weite, Wasser und hoher Lebensqualität, die kaum eine andere Metropole so bieten kann – damit punkten wir auch jetzt.

Der Hamburger Hotel- und Gaststättenverband hat aber gerade kritisiert, dass die Tourismusstrategie nicht aufgeht. Das Leitbild der lebenswerten Stadt habe in den vergangenen Jahren die Zahl der Einwohner und jungen Familien steigen lassen, aber keinen positiven touristischen Aspekt gebracht, das falle Hamburg jetzt auf die Füße.

OTREMBA: Das halte ich aus zwei Gründen für falsch. Zum einen geht es im Wettbewerb um Fachkräfte sehr stark um die Lebensqualität, auf einem bestimmten Level konkurriert Hamburg da ja mit Städten wie zum Beispiel Lissabon. Und beim Tourismus ist es so, dass die Besucher nicht mehr einfach nur irgendwelche Sehenswürdigkeiten abhaken wollen, auch hier ist das Lebensgefühl in einer Stadt längst entscheidend. Damit kann und muss Hamburg werben.

Wohin steuert Hamburgs Tourismus? Privathotelier Kai Hollmann und Tourismuschef Michael Otremba diskutieren über Langfrist-Konzepte und die aktuelle Lage. Die Auslastung der Hotels muss schnell signifikant steigen

Aber reicht das, um zu alter Stärke zurückzufinden?

HOLLMANN: Wir dürfen nicht nur auf den klassischen Touristen blicken. Für viele von uns ist auch das Messe-und Kongressgeschäft wichtig. Hamburg hat eine Messe mitten in der Stadt und eröffnet demnächst das neue Congress Centrum. Viele zuletzt digital durchgeführte Messen haben für die Veranstalter nicht das erwünschte Ergebnis gebracht, da wird es also noch viele Möglichkeiten geben. Wir wissen, dass diese Gäste das Doppelte, das Dreifache an Umsatz in die Stadt bringen im Vergleich zum normalen Urlauber.

Kai Hollmann und Michael Otremba

Als Eigentümer von Hotels wie „Superbude“ und „25hours“ ist Kai Hollmann nicht nur in Hamburg, sondern in vielen deutschen und europäischen Städten aktiv. Auch das „Gastwerk“, das „The George“, das „PierDrei“ und ein Hotel auf Mallorca gehören zu seiner privat geführten Hotelgruppe.

Michael Otremba ist als Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH ein leitender Angestellter der Stadt Hamburg. Zu seinen Aufgaben gehört seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2016 die richtige Positionierung der Hansestadt als attraktive Marke. Ursprünglich war Otremba in der Sportvermarktung tätig.

Auf der anderen Seite gehen Geschäftsreisende verloren.

HOLLMANN: Darauf müssen wir uns einstellen, umso wichtiger sind dann funktionierende Messen und Kongresse auch in Zeiten, wo sonst hier Totentanz ist. Andere Städte wie Berlin oder München haben uns vor der Pandemie gezeigt, was möglich ist.

OTREMBA: Wir arbeiten intensiv daran, Tagungen und Kongresse zu akquirieren, wir haben 70 Bewerbungen in der Pipeline. Die aktuellen Restriktionen in Hamburg führen aber dazu, dass sich viele Veranstalter gegen Hamburg entscheiden.

Aber können auf Grundlage dieser Hoffnungen weitere Hotelprojekte realisiert werden? Auch aus dem C&A-Gebäude in der Innenstadt soll ein Hotel werden, viele andere sind in der Planung. Kann das bei einem schrumpfenden Markt funktionieren?

OTREMBA: Das ist eine Frage der Perspektive oder der Fristigkeit. Viele, und dazu gehöre ich auch, glauben daran, dass das Reisen auch in den kommenden Jahrzehnten eine so starke Rolle spielen wird wie vor der Pandemie. Da lag das Thema Reisen auf Platz drei bei den Haushaltsausgaben, nach Wohnraum und Mobilität. Es geht nicht von heute auf morgen, es ist kein Lichtschalter, den du einfach wieder anknipst. Aber die Investoren denken auf anderen Zeitachsen.

HOLLMANN: Es kommt darauf an, die richtigen Hotels an den richtigen Stellen zu bauen. Nehmen wir die Innenstadt: Natürlich sind Wohnprojekte dort auch sehr reizvoll, aber die Umbauten von Bestandsgebäuden sind sehr teuer, ohnehin sind die nötigen Investitionen an solchen Orten immer hoch. Auch Hotellerie, die dort manchmal besser umgesetzt werden kann, führt zur Belebung zum Beispiel der Mönckebergstraße. Gleich um die Ecke auf dem Gelände der ehemaligen Cityhöfe entsteht auch ein Hotel, gegenüber am Hühnerposten auch. Man muss bezahlbaren Wohnraum und Hotellerie zusammendenken, dann kommen auch Veranstaltungen, Kultur und Geschäftsleben hinzu. Oder nehmen wir die Hafencity: Hier sind meines Wissens noch acht Projekte in der Pipeline. Das wird für die Lebendigkeit des Viertels gut sein. St. Georg ist doch ein gutes Beispiel dafür, unser Hotel „The George“ und der Stadtteil befruchten sich durchaus gegenseitig.

Gerade ist noch nicht sehr viel los. Wie lange halten Sie das so durch?

HOLLMANN: Wir haben zum 1. Juli alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt, obwohl die Buchungslage das eigentlich noch nicht hergibt. Zuletzt hat uns die Überbrückungshilfe 3 sehr geholfen, sonst wäre es insbesondere in der privaten Hotellerie sehr schwierig geworden. Ich gehe davon aus, dass die nächsten Monate uns noch Geld kosten werden, aber darauf haben wir uns vorbereitet. Allerdings brauchen wir im Herbst so 60 bis 70 Prozent des Gästeniveaus von 2019, sonst wird es schwierig.

OTREMBA: 2019 war allerdings ein Rekordjahr.

Sie halten 60 Prozent für nicht realistisch?

OTREMBA: Für sehr ambitioniert. Es gibt deutlich weniger Flüge, und die sind auch noch viel teurer als früher. Zudem ist der Auslandstourismus kaum gestartet bisher. 40 bis 50 Prozent werden wir aber wohl hinbekommen.

Alle Städte und Regionen werben jetzt, um wenigstens die Marktanteile von früher zu behaupten.

OTREMBA: Absolut. Alle stehen in den Startblöcken, das wird eine spannende Zeit. Wir haben Sondermittel des Senats bekommen, um den Restart zu ermöglichen. Und über diese Mittel freuen wir uns auch sehr, und sie sind bitter nötig. Aber wir haben für dieses Rennen um Aufmerksamkeit auch deutlich weniger Mittel zur Verfügung als andere Destinationen.

Fordern Sie einen Nachschlag?

OTREMBA: Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es mehr wird. Aber wir werden auch damit so laut trommeln wie möglich, gemeinsam mit unseren Partnern.

Wenn wir auf Hamburg blicken: Schlagermove, Hafengeburtstag, Harley Days, das sind alles Veranstaltungen, die auf eine große Enge angelegt sind. Sind das noch die richtigen Konzepte für die Zukunft, wenn viele Menschen doch gerade diese Enge scheuen?

OTREMBA: Das wird sich in den kommenden Jahren auch wieder verändern. Wir müssen vor allem darauf achten, dass unsere Veranstaltungen zur Stadt passen, und das finde ich schon – auch mit Blick auf die Sportveranstaltungen oder den Kultursommer, der bald startet. Alles findet draußen statt, das ist ein großer Vorteil.

HOLLMANN: Wenn ich das ergänzen darf: Die Menschen werden viel entspannter, was das Wetter angeht. Wir werden, zum Beispiel ausgerüstet mit Markisen, in unseren Hotels auch im September oder Oktober noch Hochzeiten im Garten veranstalten, die Nachfrage ist da. Wir haben in der Pandemie gelernt, viele Dinge flexibel zu kombinieren, und das hilft uns auch in Zukunft.