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Souveräne Cloud mit Google: Gaia-X zu behäbig für T-Systems?


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 41/2021 vom 04.10.2021

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Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 41/2021

Von Jürgen Hill, Chefreporter Future Technologies

Eine sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa, und das zu wettbewerbsfähigen Preisen – diese Hoffnung verbinden Anwender mit dem europäischen Cloud-Projekt Gaia-X. Bislang sind die ehrgeizigen Pläne allerdings nur auf Powerpoint-Folien umgesetzt. Einem der Haupt-Player, der Deutschen Telekom – sie stellt seit Juni 2021 mit Maximilian Ahrens den Gaia-X-Vorsitzenden – scheint der Geduldsfaden zu reißen.

Souveräne Cloud statt Gaia-X?

Die Bonner üben jetzt – nach dem Scheitern der Microsoft Cloud Deutschland (MCD) – den Schulterschluss mit Google. Gemeinsam wollen die Partner eine „Souveräne Cloud“ für Deutschland aufbauen, um für Unternehmen, Gesundheitswesen und Behörden Daten sicher bereitzustellen. Ziel dabei ist es, genau die Versprechen einzulösen, die mit Gaia-X gemacht werden. Allerdings mit einem feinen Unterschied: Die Vermarktung der entsprechenden Services soll noch 2021 ...

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... beginnen, der Live-Betrieb der Cloud-Dienste ist für 2022 geplant.

Als Zielgruppe sieht T-Systems den öffentlichen Sektor und das Gesundheitswesen sowie deutsche Unternehmen, die bei ihrer Cloud-Nutzung keine rechtlichen oder regulatorischen Risiken eingehen wollen. So verspricht Adel Al-Saleh, Mitglied des Telekom-Vorstands und CEO von T-Systems: „Gemeinsam mit Google Cloud werden wir ein souveränes Cloud-Services-Portfolio aufbauen, das Kunden die volle Kontrolle über ihre Daten, ihre Software und ihren Betrieb bietet und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Google Cloud nutzt.“ Thomas Kurian, CEO von Google Cloud, legt nach: „Die Nutzer der Souveränen Cloud partizipieren an den grundsätzlichen Weiterentwicklungen der Google Cloud, es wird eine Versions- und Funktionsparität geben“. Dabei soll es, so T-Systems-Chef Al-Saleh mit einem Blick auf das Open-Source-Know-how von Google, einen Lock-in-Effekt wie mit der MCD nicht mehr geben. Gleichzeitig sollen die neuen Cloud-Dienste preislich attraktiver sein und sich mit denen der Wettbewerber Amazon Web Services (AWS) und Microsoft messen können.

Technic by Google, Management by T-Systems

Oder wie es Kurian ausdrückt: „Der Anwender erhält mit der Souveränen Cloud die Innovationskraft Googles unter gleichzeitiger Berücksichtigung der EU-Vorschriften. „Das Prinzip ,Technic by Google, Management by T-Systems‘ hat für den Anwender zur Konsequenz, dass er künftig Mitarbeiter beider Unternehmen als Ansprechpartner hat.

Technisch betrachtet wird die Souveräne Cloud in zwei deutschen Rechenzentren von Google gehostet. Eines davon steht in Frankfurt, das andere soll das derzeit entstehende Data Center im Raum Berlin/Brandenburg sein. Während Google die Hardware stellt, wird T-Systems das Management der Server übernehmen. Dies soll so weit gehen, dass Google keinen Zugriff auf die Kundendaten haben wird und diesen auch auf Drängen von Behörden – hier sei an den US Cloud Act erinnert – nicht erzwingen kann. Die Daten, so der Google-Cloud-CEO, werden verschlüsselt gespeichert, und Google hat keinen Zugriff auf die Schlüssel. Dementsprechend sollen in den Google-Rechenzentren vor Ort auch Mitarbeiter von T-Systems arbeiten.

Für die Anwender wird es laut Telekom-Vorstandsmitglied Al-Saleh drei Souveränitätsstufen geben:

→ Schon auf der ersten Stufe soll den Kunden die volle Datensouveränität offeriert werden. Sie erhalten die volle Kontrolle darüber, wer Zugriff auf die Daten haben soll, egal ob physikalisch oder virtuell. T-Systems ist in diesem Szenario in der Lage, Zugriffe zu auditieren und zu blockieren. Ferner hat die Telekom-Tochter das Recht, Hardware-Audits vorzunehmen. Auch liegt die Kontrolle, wer Zugang zu Hardware hat, bei T-Systems, ebenso die Kontrolle über die Datenverschlüsselung. Des Weiteren kann der Kunde entscheiden, in welchem Rechenzentrum seine Daten gehostet werden.

→ Stufe zwei umfasst die Features der ersten Stufe und bietet darüber hinaus Tools, um die Audit-Transparenz zu erhöhen. Dazu gehört Al-Saleh zufolge ein umfassendes Identity Management, das nicht nur die Anwenderzugriffe protokolliert, sondern auch alle Tätigkeiten von T-Systems.

→ Level 3 schließlich bietet zusätzlich noch granulare Einstellmöglichkeiten in Bezug auf Verschlüsselung und Sicherheit. Zudem wird für die Verschlüsselung ein Root-Zertifikat (Root-CA) verwendet. Typische Kunden für diesen Level sieht der T-Systems-CEO in Firmen, die einen höheren Bedarf an klassifizierten Work loads haben – egal, ob im Transit oder innerhalb der Umgebung selbst.

Angesichts einer Realität, in der viele Unternehmen hybride Cloud-Modelle oder einen Mix aus Public und Private Cloud nutzen, liegt die Frage auf der Hand, ob es die Souveräne Cloud auch in einer Private-Cloud-Variante gibt. Nachfragen zu möglichen Plänen diesbezüglich wollten Al-Saleh und Kurian weder bestätigen noch dementieren.

Cloud-Trainingscenter für Kunden

T-Systems und Google Cloud vereinbarten auch, wechselseitig Know-how auszutauschen und ihre Kompetenzen durch Schulungen und Workshops in Deutschland und Europa weiter auszubauen. In einem neuen Trainingscenter in München sollen Kunden schon bald die Souveräne Cloud testen und mit den Ingenieuren von Google Cloud und T-Systems an ihren spezifischen techno logischen Herausforderungen arbeiten können. Zudem will Google-Cloud-CEO Kurian München zum größten Forschungs- und Entwicklungsstandort in Europa ausbauen.

Google baut deutsche Cloud aus

Mit einer neuen Anlage in Hanau erweitert Google seine Frankfurter Cloud-Region. Darüber hinaus soll in Berlin-Brandenburg eine zweite Cloud-Region in Deutschland entstehen. Die Google-Verantwortlichen kündigten zudem einen umfassenden Investitionsplan in erneuerbare Energien an. Ab 2022 sollen 80 Prozent der von Google- Rechenzentren in Deutschland verbrauchten Energie aus CO 2 -freien Quellen stammen. Das Ziel einer vollständigen Dekarbonisierung seines Energiebedarfs will der Konzern bis 2030 erreicht haben. Insgesamt sollen sich die Investitionen hierzulande in digitale Infrastruktur und saubere Energie bis 2030 auf rund eine Milliarde Euro summieren.

Die Cloud-Anlage in Hanau soll 2022 voll betriebsbereit sein. Wann die zweite Cloud-Region im Osten in Betrieb geht, steht noch nicht fest. Man wolle deutschen Kunden zusätzliche Optionen bieten und sicherstellen, dass Unternehmen und Institutionen ihre Produkte und Services zuverlässig und mit geringen Latenzzeiten bereitstellen können, hieß es vonseiten Googles. „Diese zweite Cloud-Region wird unsere bestehende Region in Frankfurt ergänzen und unsere Möglichkeiten erweitern, die wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten in Deutschland zu befriedigen.“ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der mit der Gaia-X-Initiative einen europäischen Gegenentwurf zur den Clouds der amerikanischen und chinesischen Hyperscaler unterstützt, begrüßte die Initiative: „Ich freue mich sehr, dass Google auf den Standort Deutschland setzt! Eine Milliarde Euro bis 2030 sind ein starkes Signal. Grüne Energie ist längst ein zentraler Faktor für die Standortwahl.“