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SPANIEN: Marbella: Promis, Berge & Meer


Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 10.04.2018

Einst posierte dort der Jetset vor den Kameras der Paparazzi, die Stadt lief Monaco den Rang ab. Heute hat das Luxusziel an der Costa del Sol zwei Seiten des Tourismus


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Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 2/2018

Kleine weiße Häuser bilden das Panorama hinter dem Yachthafen Puerto Banús. Der Marbella Club ist das traditionsreichste Hotel der Stadt und bis heute Treffpunkt der Schönen und Reichen.


Bilder: pixabay, Marbella Club, flickr

Am beigefarbenen Strand brechen sich tosend die Wellen, der Wind peitscht das dunkelblaue Meer auf. Eine hübsch angelegt Promenade führt an noch hübscheren Apartments und Hotels vorbei – dahinter ragt imposant die ...

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... Sierra Blanca in den Himmel. Die Luft ist so klar, dass die Berge wie zum Greifen nah erscheinen. Eine Szene wie im Film, so schön wie eine Kulisse. Marbella liegt der andalusischen Gebirgskette zu Füßen, erstreckt sich vom Ortsmittelpunkt bis zum Yachthafen über die „Golden Mile“. Eine Strecke, die Besucher in Staunen versetzt. Denn der Ort hat eine lange Jetset-Tradition – und hält sie bis heute lebendig. Vor allem das erste Haus am Platz, der Marbella Club, ist stolz auf seine Prominenten und den Adel, der damals ein und aus ging. Audrey Hepburn, Brigitte Bardot, Sean Connery, Mel Ferrer – die Schwarzweiß-Fotos an der Wand des Hotels zeigen die Hollywoodstars der 60er-Jahre. Prinz Alfons von Hohenlohe mit Gattin Ira von Fürstenberg holte sie alle. An einen Ort, der erst noch geschaffen werden musste.

Andalusien als neue Heimat entdeckt

Weil es Prinz Maximilian von Hohenlohe und seinem Sohn Alfons so gut in Andalusien gefiel, bauten sie in den 50er-Jahren zunächst ein einfaches Bauernhaus, um selbst darin zu wohnen. Damals bestand diese Region der Costa del Sol fast nur aus sandigen Pisten und Pinienwäldern. Die Stromleitungen für sein Haus musste der Prinz sogar eigenhändig legen. Alfons von Hohenlohe errichtete neben dem Privathaus schließlich ein Hotel mit 18 Zimmern und lockte seine Freunde, die Prominenten, Adligen und Filmstars aus Amerika, nach Marbella. Der Prinz lebte überwiegend in den USA, galt als Playboy, der gern feierte und den Kontakt zu den Schönen und Reichen pflegte.

Alfons holte auch Graf Rudolf von Schönburg-Glauchau-Waldenburg nach Marbella, den Onkel von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. „Es gab hier wirklich nichts“, erinnert sich der heute 85-jährige Condé Rudi. „Wir haben von Anfang an das einfache Leben in Andalusien genossen.“ Auch, wenn er zunächst selbst mit einer Schaufel nach Wasser graben musste: „Als wir kamen, gab es kein Wasser. Aber wir wussten, es gibt einen unterirdischen Fluss aus der Sierra Blanca.“ Die Gebirgskette ragt imposant hinter dem Club auf, der direkt am Strand steht. Überquert man eine Straße, geht es bereits bergauf in die Luxuswohnviertel gegenüber.

Ausgebildet im Hotelfach und damals bereits im Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg tätig, wird Rudolf Direktor des entstehenden Marbella Clubs. „Der Club ist mein Leben, ich bin jetzt 60 Jahre hier und wollte eigentlich nur zwei Jahre bleiben.“ Er baute den Club auf, obwohl er damals erst 24 Jahre alt war. „Die Fenster sind alle in Windrichtung eingelassen, so lässt sich auch im Sommer die große Hitze mit einer leichten Brise ertragen.“ Auch heute braucht man keine Klimaanlage im Zimmer. „Wir kauften damals fünf Kühe, damit wir jeden Morgen Milch und Sahne anbieten konnten“, erinnert sich der ehemalige Hoteldirektor. „Und wir hat-ten Duschen in allen Zimmern.“ Damals durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Die Altstadt Marbellas putzt sich vor allem zu Festen heraus: Balkone und Fenster werden geschmückt


Prinz Alfons zieht weitere Adlige, Verwandte und Freunde nach Marbella, schließlich kommen sie alle. Sehen und gesehen werden. Dann kommen auch die amerikanischen Filmstars. „Wir sind ein privates Hotel, das langsam gewachsen ist für einen Gästekreis, der Südspanien erleben will, ohne auf Komfort zu verzichten“, fasst Condé Rudi zusammen – das gilt bis heute. „Wir haben gebaut, um hier selbst zu leben. Nicht, um möglichst teuer zu verkaufen.“ Auch, wenn er schon einige Jahre nicht mehr dort arbeitet, er bleibt die Seele des Clubs, trifft sich dort mit Stammgästen, die seit Jahrzehnten kommen.

Als Alfons und Condé Rudi kamen, war Marbella arm und unerschlossen. Mit dem Club sorgte der Prinz auch für Infrastruktur drum herum: So ist zum Beispiel die Hauptstraße, die Avenida Bulevar Príncipe Alfonso de Hohenlohe, nach ihm benannt. „Bei den einfachen Zimmern blieb es nicht“, erzählt Juan Millán González. Der Stadtführer hat das Entstehen des Clubs damals miterlebt. „Die Stars fragten: Warum baut ihr nicht ein paar Apartments, dann können wir länger bleiben?’ Und sie bauten luxuriöse Villen. Damit war klar, dass aus dem Club, den viele Prominente bislang nur auf der Durchreise besucht hatten, ein richtiges Hotel würde.“

Der Platz der Orangenbäume ist das Zentrum des historischen Stadtkerns mit zahlreichen Restaurants.


Bausünden am Strand, sehenswerte Altstadt

Seit einigen Jahren scheint das Image von Marbella jedoch zu bröckeln. Hochhäuser und touristische Bausünden verschandeln das Bild ebenso wie Billig-Souvenir-Shops auf der Strandpromenade. Ballermann Marbella: Günstiger Urlaub dort, wo damals die Reichen und Schönen feierten und sich feiern ließen. Der wunderbar feinsandige Strand ist voll, ebenso mancher Tourist. Wer den Ort an der Costa del Sol an dieser Stelle kennenlernt, ist zweifellos enttäuscht. Kein Glanz, kein Glamour.

Doch nur ein paar Schritte stadteinwärts wartet eine winzige, hübsche Altstadt mit liebevoll restaurierten Häuschen, die in engen Gassen aneinander kleben. Verschachtelt sind sie gebaut, auf ihren Fensterbänken und Balkonen blühen Blumen. Es gibt kleine Geschäfte, Boutiquen und Tapasbars – letztere sind vor allem abends beliebte Treffpunkte für Einheimische und Touristen. Auf dem zentralen Platz, der Plaza de los Naranjos, dem Platz der Orangenbäume, haben Restaurants ihre Tische und Stühle unter Sonnenschirmen und Bäumen aufgestellt, es wächst viel Grün, Blumen und natürlich Orangenbäume – eine Szene beinahe wie in einem Miniatur-Park. Die Obstbäume wurden 1941 gepflanzt und tragen beinahe das ganze Jahr über Früchte. Gegenüber steht das Rathaus, das bereits 1485 von König Fernando bei der Eroberung Marbellas errichtet wurde. Ein versöhnlich stimmendes Bild der Stadt, die vor einigen Jahrzehnten noch Monaco den Rang ablief.

Heute steht zumindest dieser Teil Marbellas für Urlaub, den sich jeder leisten kann. Wer auf der Suche nach dem wirklichen Luxus ist, muss sich auf die „Golden Mile“ begeben. Das Areal zwischen Marbella Club und dem Yachthafen Puerto Banús beherbergt die wirklich teuren Wohnviertel, bei deren Anblick man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Es gibt sie also immer noch, die Superreichen in Marbella. „Die, Golden Mile’ trägt ihren Namen nicht umsonst“, sagt der Guide mit einem Augenzwinkern und winkt einem Taxifahrer. „Hierher, bitte“, ruft er schließlich und schon geht es mit Alberto raus aus der Altstadt und rein in die Berge. Doch einfach durch die Wohnviertel zu fahren, funktioniert nicht. Alle paar hundert Meter muss Alberto einen Wachmann bitten, die Schranke zu öffnen. Juan erklärt, dass er Journalisten die Gegend zeigen will. „Kein Problem, solange Sie keinen Lärm machen“, sagt der Sicherheitsposten. „Hier haben Prinzen und deren Nachfahren ihre Villen“, zeigt Juan den Hügel hinauf. Leider verstecken sie sich und ihre Häuser hinter riesigen Mauern, überall hängen Kameras.

Apartmenthäuser und Bettenburgen, am Strand Liege an Liege: Wer es ruhiger will, sollte sich ein Hotel ein paar Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, Richtung Yachthafen suchen.


Gärten voller blühender Blumen, aus anderen ragen meterhohe Palmen empor, Gebäude sind in zartem Gelb oder terracottafarben gestrichen, Straßen so sauber, als seien sie gerade mit Putzmitteln geschrubbt worden. Stille. Überall. Hier sind sie also, die Millionen teuren Villen und ihre millionenschweren Besitzer. Antonio Banderas hat dort ein Haus, Julio Iglesias auch, Sean Connery nach 30 Jahren mittlerweile nicht mehr. Ärger mit der Steuer, wie es heißt. Einer der Prinzen von Saudi-Arabien hat sich einen Nachbau des Weißen Hauses auf eine Kuppe setzen lassen. Mit eigener Klinik und einem mehrgeschossigen Wohnhaus für das Personal. „Es kommen viele reiche Russen“, erzählt Juan. Aber auch Prominente aus dem Showbusiness. „Die wohnen oft in einer Villa im Marbella Club.“ Und so schließt sich der Kreis, denn alle diese Viertel liegen genau gegenüber dem Hotel.

Teure Boote, teure Autos: Luxus pur in Puerto Banús.


Flanieren am Yachthafen

Im Yachthafen Puerto Banús liegen die teuren Schiffe, schaukeln auf den leichten Wellen, werfen ihr blank geputztes Spiegelbild aufs Wasser. Sicherheitsleute und Personal sorgen dafür, dass kein schaulustiger Tourist an Bord kommt und der rote Teppich stets akkurat und faltenfrei bis an den Kai reicht. Direkt davor – oder manchmal auch an Bord: Autos der Luxusklasse. Unter Hummer, Ferrari oder wenigstens Spezialanfertigungen von Mercedes geht dort nichts. Passend zu den Geschäften der Hafenpromenade: Bulgari, Gucci, Cartier & Co. – alle glitzern und glänzen nebeneinander um die Wette, Männer mit verspiegelten Sonnenbrillen begleiten schlanke Damen in Miniröcken und Highheels in die Boutiquen. Daneben sitzen Gäste auf weißen Möbeln in einem Spezialitätenrestaurant, andere in einem Café. Alles ist zur Promenade hin offen, Touristen bummeln an ihnen vorbei, hin- und hergerissen zwischen dem Reichtum zu Wasser und zu Land. Polizisten gehen Streife, Autos können lediglich im Schritttempo fahren. Es ist voll, dabei ist es noch nicht einmal Mittag. „In ein paar Stunden kommt man hier kaum noch durch“, sagt der Guide und biegt in etwas ruhigere Straßen abseits des Rummels ab. Doch er weiß: Touristen kommen nur wegen des Yachthafens – und die Reichen sowieso. Heute zieht sich der Jetset von den Paparazzi zurück, sucht nicht wie damals die Hollywoodstars die Kameras und Journalisten. Er versteckt sich hinter Mauern oder auf seinen Booten vor neugierigen Blicken, doch er ist nach wie vor dort. Über einen Imageverlust Marbellas kann Juan deshalb nur milde lächeln: „Marbella wird immer

Gut zu wissen

Anreise: Nonstop-Flüge zum Beispiel mit Norwegian von Düsseldorf nach Málaga und zurück ab 150 Euro, mit Eurowings ab 180 Euro, mit Iberia ab etwa 300 Euro; die Flugzeit beträgt etwa drei Stunden. Preisvergliche: www.discountflieger.de Von Málaga aus etwa 40 Minuten Autofahrt nach Marbella.

Hotel-Tipp: Der Marbella Club liegt direkt am Strand, verfügt über einen sehr modernen, großen Kids Club, Pool, Spa und mehrere Restaurants. Wohnen wie die Reichen und Schönen hat seinen Preis: Pro Nacht kostet die einfachste Zimmerkategorie etwa 750 Euro, in der Hauptsaison teurer. Tagesaktuelle Preise und Arrangements im Internet unter www.marbellaclub.com; DER Tour bietet den Marbella Club als Pauschalreise an: www.dertour.de
Günstiger wohnt man in der Nähe des Ortsmittelpunktes; Reiseveranstalter bieten Pauschalarrangements: Eine Woche mit Flug in einem Vier-Sterne-Hotel ist bei Tui ab etwa 700 Euro buchbar; www.tui.com

Essen und trinken: Restaurants und Tapas-Bars haben ein normales bis leicht erhöhtes Preisniveau, in Hotels sehr teuer. Eine 0,25 l-Cola kostet auf der Plaza de los Naranjos 3 Euro.

Tour-Tipp: Am besten ein Fahrrad mieten und über die Promenade, zum Yachthafen und durch die Altstadt radeln, etwas außerhalb des Zentrums liegt außerdem das Bonsai-Museum, das 1992 eröffnet wurde und mehr als 300 Miniatur-Bäume beherbergt.

Allgemeine Informationen: (spanisch und englisch): www.marbella.esf


Bilder: deposithphotos, flickr, pixabay