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SPANIENS wilder Norden


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2019 vom 28.06.2019

ALS SEI MAN ANS ENDE DER WELT GELANGT


Artikelbild für den Artikel "SPANIENS wilder Norden" aus der Ausgabe 27/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2019

WIE FRÜHER Morgens verkaufen die Fischer im Hafen des Städtchens Muros ihren Fang


WEIT IM WESTEN Die Islas Cies bieten Traumblicke, hier von der Isla de Monteagudo

Galiciens Charme ist rau. Doch die Region verzaubert auch mit traumhaften Küsten, magischen Pfaden und feinen Delikatessen

AUF ALTEN WEGEN Steinmauern und Kornspeicher aus dem Mittelalter säumen die Pfade am Jakobsweg


HOCH OBEN Die Festung von Monterrei aus dem 12. Jahrhundert ist heute ein Hotel


EINLADUNG ZUM GENUSS In Galicien gibt’s Fisch und Meeresfrüchte satt


Hier im rauen Galicien sollen einige der ...

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... schönsten Strände der Welt liegen? Muy bien – sehr wohl! Die Playa de Rodas auf den galicischen Islas Cies etwa. Der Nationalpark mit feinem Sand und türkisblauem Meer liegt etwa 40 Minuten Fährfahrt vom Festland entfernt. Die Landzunge mit dem kilometerlangen Strand verbindet zwei Inseln und ist umgeben von einem Schwarm weiterer Inselchen. Einige gehören allein seltenen Vögeln, die hier nisten. Auf anderen kann man Kormorankolonien und Wanderfalken beobachten. Ins Wasser mag hier jedoch nicht jeder: Der Atlantik kommt kaum je über 18 Grad.

Wilde Berge, steile Klippen

Die ganze Region widerspricht dem üblichen Spanienklischee: Statt Flamenco gibt es Dudelsackmusik, ein Erbe der Kelten. Das Landesinnere ist saftig grün statt staubig, selbst im Hochsommer ist es nie zu heiß. Flussmündungen breiten sich wie skandinavische Fjorde aus. Die Küstenstädte sind lebendig, aber nicht überlaufen. Abgeschieden vom Rest Spaniens liegt Galicien jenseits langgezogener Bergketten. Der höchste Gipfel, die Peña Trevinca, erreicht 2127 Meter. Das Binnenland bietet Naturschönheiten wie die wilde Schlucht des Cañon del Rio Sil.

Galicien hat bis heute etwas vom Ende der Welt. Das mythenumwobene Cabo de Finisterre am Zipfel der Costa de la Muerte galt in der Antike als der Ort, an dem die Sonne stirbt. Eindrucksvoll fallen die Klippen 600 Meter steil ab, häufig vom Wind umtost. Vor allem bei Sonnenuntergang entfaltet das Kap seine volle Magie. Die meisten gelangen hierher auf dem Jakobsweg – bis Santiago de Compostela, neben Rom und Jerusalem eine der heiligsten Städte der Welt. Seit dem Mittelalter ziehen Pilger zum Grab des Apostels. Fast 300 Kilometer schlängelt sich der Camino Primitivo durch die wilde Bergwelt von Asturien in Nordspanien. Er ist der älteste aller Jakobswege. Santiago de Compostela mit dem imposanten Dom und dem internationalen Stimmengewirr ist der Höhepunkt von Galicien. Die Region wird übrigens mit „c“ geschrieben, mit „z“ wäre der historische Landstrich in der Ukraine und Polen gemeint.

Eine weitere Perle: die Küstenstadt Pontevedra mit schöner Altstadt. In der Werft entstanden hier einst prächtige Karavellen, mit denen die ersten Expeditionen in die Neue Welt starteten. Heute bahnt die Stadt wieder neue Wege: Fußgänger haben überall Vorrang, es gibt keine Gehsteige mehr. Pontevedra ist zum Modell einer neuen Verkehrspolitik geworden, besucht von Delegationen aus aller Welt. Und warum fahren eigentlich alle nach England, um blühende Gärten zu bestaunen? Galicien strotzt nur so vor Kamelien: Unzählige Arten wachsen hier. Unendlich sind die Schattierungen von Grün: alte Eichenwälder, Eukalyptushaine, silbrige Olivenblätter und immer wieder Weinreben.

Die Spur der Kelten

Eine Reise durch den äußersten Nordwesten Spaniens ist immer auch eine in die Vergangenheit. Mittelalterliche steinerne Kornspeicher, die Hórreos, stehen in der Landschaft. Besonders schön sind die bei Toxibó am Jakobsweg. Auf dem Monte de Santa Tecla wandelt man durch ein Labyrinth faszinierend intakter steinerner Rundhütten aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. 3000 Kelten lebten damals hier – eine Megacity. Vom Gipfel blickt man über die Mündung des Miño und die ungestümen Wellen des Atlantiks.

DEM HIMMEL NAH Ziel aller Pilger ist die prächtige Kathedrale von Santiago de Compostela


Gerade wegen seiner Randlage zählt Galicien zu den attraktivsten Reisezielen in Spanien. An der Küste überwältigt der Reichtum an Fisch und Meeresfrüchten. Selbst in Spanien gilt die Region als Paradies für Fans der Meeresküche. Bekannt ist Polbo á feira, gekochter Krake mit Öl und Paprikapulver. Probieren sollte man auch die absolute Spezialität: Percebes. Außerhalb Spaniens nicht zu bekommen! Die berühmten Entenmuscheln lassen sich nicht züchten, sie werden unter Lebensgefahr von den Felsen gepflückt, dort wo der Atlantik an die Klippen wogt. Bis zu 50 Euro kostet eine Portion im Restaurant. Dazu schmecken ein frischer, aromareicher Albariño oder ein fruchtiger Godello, beides ureigenste galicische Weißweine.

Auch die Weinbaugebiete lohnen einen Besuch, man kann in Schlössern, Burgen oder Klöstern wohnen. Die Reben für den Rotwein Mencía wachsen besonders spektakulär: Die Flüsse Sil und Miño modellierten die Ribeira Sacra, die heilige Schlucht, in die Berge. Die Winzer lesen oft vom Fluss aus, weil die steilen Hänge von oben kaum zu erreichen sind. Typisch Galicien: Immer ein bisschen anders, immer etwas ganz Besonderes.BETTINA KOCH