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Spannende Beobachtungen


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 06.10.2021

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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 6/2021

Pterophyllum altum im Habitat im Überschwemmungswald.

Obwohl die Körperform der Pterophyllum-Arten keineswegs der gängigen Vorstellung von Buntbarschen entspricht, sind sie dennoch typische Vertreter dieser Fischfamilie: Alle besitzen einen identischen, gattungstypischen Habitus und sind deshalb mit anderen Fischen nicht zu verwechseln.

Zu ihren charakteristischen Merkmalen zählen ihr seitlich stark komprimierter Körper, ihr spitzer Kopf, ihre ungewöhnlich langen, fadenförmigen Bauchflossen und nicht zuletzt ihr weitgehend farbloses Farbkleid aus dunklen Querstreifen auf silbrigem Untergrund.

Der ungewöhnliche Habitus aller Segelflosser, der bei gleichzeitiger Zunahme der Körperhöhe durch eine Verkürzung der Körperlänge und eine vertikale Verlängerung der Rücken- und Afterflosse sowie eine seitliche Abflachung des stark zusammengedrückten Körpers entstanden ist, lässt sich als eine im Laufe ihrer Stammesgeschichte ständig verbesserte Anpassung der ...

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... Fische an ihre durch Baumstämme, Äste und Zweige überwiegend vertikal strukturierten Habitate erklären: In einem Gewirr von senkrechten Zwischenräumen und Spalten können sich Segelflosser geschickt bewegen. Auch das aus senkrechten dunklen Streifen auf silbrigem Grund bestehende Zeichnungsmuster erweist sich in dieser von ihnen bevorzugten Umwelt als perfekte, die Körperumrisse auflösende Tarnzeichnung.

SCHWARZ- UND WEISSWASSER

Die Gattung hat eine weite Verbreitung, die sich über die Guyana-Länder sowie in Venezuela, Kolumbien, Brasilien und Peru über begrenzte Einzugsgebiete des oberen Orinoko und des Amazonas erstreckt (Kullander 2003, Paepke 2003). Innerhalb ihres ausgedehnten Verbreitungsgebietes leben diese Cichliden in ganz verschiedenen Gewässertypen mit voneinander erheblich abweichenden Umweltbedingungen. Beispielsweise besiedelt Pterophyllum scalare im Amazonasbecken meist Weißwasserbiotope, kommt aber auch im Schwarzwasser des Rio Negro und im Einzugsbereich des Rio Tapajós im Klarwasser vor.

In der aquaristischen Literatur findet sich der oft wiederholte Hinweis, dass Pterophyllum scalare am günstigsten in sehr weichem, mineralarmem Wasser mit einer deutlich sauren Reaktion zu halten sei (u. a. Baensch & Fischer 1998). Ergebnisse von Wasseranalysen im Einzugsbereich des Ucayali an Fundorten in Peru ergaben jedoch, dass diese pauschale Empfehlung zumindest für Wildfänge aus diesem Gebiet falsch ist.

Meine Untersuchungen in der Umgebung der Stadt Pucallpa im stark getrübten Weißwasser der Yarina Cocha und der Paca Cocha ergaben eine für amazonische Gewässer ungewöhnlich hohe elektrische Leitfähigkeit (151-474 µS/cm; meist 200- 250 µS/cm), eine überwiegend alkalische Reaktion (pH-Wert 6,5-7,9; meist 7,0-7,6) und eine Gesamt- und Karbonathärte um 5, seltener >10 °dGH (Gesamthärte: max. 13 °dGH; Karbonathärte: max. 16 °dKH).

Kullander (1986) untersuchte Fundorte von Segelflossern in der Umgebung von Iquitos im Einzugsbereich des Rio Nanay, eines Schwarzwasserflusses. In diesen

Gewässern – meist eine Mischung aus Schwarz- und Weißwasser – waren die Werte erwartungsgemäß erheblich niedriger (Leitfähigkeit 19-107 µS/cm; pH 5,0- 7,0).

Der Skalar kommt aber auch in Klarwasserbiotopen im Einzugsbereich des Rio Tapajós häufig vor, wo das Wasser ebenfalls weich ist und fast ausnahmslos pH-Werte im deutlich sauren Bereich hat (elektr. Leitfähigkeit 10-20 µS/cm, pH-Werte 6,5-7,1).

Der so genannte „Peru-Altum“ aus dem Rio Nanay und dem Rio Momon ist eine hübsche Variante des Skalars.

Biotopnah eingerichtetes Aquarium mit Rotrücken-Segelflossern.

Während des Niedrigwassers finden die Segelflosser zwischen Ästen und Zweigen die lebensnotwendigen Versteckplätze.

Die dunkle Verfärbung im oberen Bereich des Hauses zeigt die jährliche Hochwassermarke.

Ganz anders als im Weißwasser sind Messergebnisse, die ich in Kolumbien an Fundorten von Pterophyllum altum im typischen äußerst mineralarmen, sauren Schwarzwasser des Rio Atabapo und Rio Inirida ermittelt habe (Gesamt-und Karbonathärte < 1 °dH, elektr. Leitfähigkeit < 10 µS/cm, pH-Werte 4,3-4,7).

HABITATPRÄFERENZEN UND SAISONALE ÄNDERUNGEN

Im Gegensatz zu den unterschiedlichen Wasserwerten in Pterophyl-lum-Habitaten sind andere Umweltbedingungen dort unerwartet einheitlich. Ein besonderes Merkmal dieser Lebensräume ist der Reichtum an Versteckmöglichkeiten und Zufluchtsstätten. Diese sind für die wenig wehrhaften Segelflosser, die weder ausdauernde noch schnelle Schwimmer sind und deshalb ihren Fressfeinden nicht durch eine rasche Flucht über größere Entfernungen entkommen können, besonders wichtig.

Während der Hochwasserperiode, in der die Gewässer Amazoniens im jahreszeitlichen Rhythmus regelmäßig zwischen fünf und zehn Meter ansteigen und dann den angrenzenden Urwald weit überschwemmen, leben die Fische in ihrem eigentlichen Lebensraum, dem als Igapó bezeichneten Überschwemmungswald. Dort pflanzen sie sich auch fort und da wächst auch später der Nachwuchs heran.

literatur Baensh, H. A., G. W. Fisher (1998): Aquarien Atlas, Foto Index. Mergus Verlag, Melle, 1211 pp.

Während der Periode des Niedrigwassers, in der das Wasser aus den überschwemmten Wäldern wieder abfließt und in das eigentliche Flussbett zurückkehrt, müssen die Segelflosser diesen für sie idealen Lebensraum zeitweilig verlassen, weil er größtenteils austrocknet. Vorübergehend müssen sie dann unter ausgesprochen ungünstigen Umweltbedingungen leben: Am Rand der verbleibenden Gewässer bieten ihnen in der Niedrigwasserperiode vor allem die Äste und Zweige von Baumstämmen, die am Flussufer ins Wasser gestürzt sind, die lebensnotwendigen Versteckplätze.

Weitere Zufluchtsorte finden sie in steinigen Flussabschnitten. In Felshabitaten am Rio Atabapo habe ich Gruppen vom Hohen Segelflosser während des Niedrigwassers häufig in senkrechten Gesteinsspalten, einem für sie eher untypischen Habitat, gefunden, weil sie nur dort Schutz und Unterschlupf finden.

SOZIALVERHALTEN UND HUDERPHASE

Zu Beginn der Hochwasserzeit, bei wieder steigendem Wasserstand, sah ich am Rio Tapajós Gruppen vom Skalar in tieferen Bereichen des Überschwemmungswaldes.

Dort beobachtete ich wiederholt balzende Exemplare und Paare, die miteinander unter Frontaldrohen ritualisierte Kämpfe ausführten, und offenbar begannen, territorial zu werden.

Unterwasserbeobachtungen in den natürlichen Lebensräumen verschiedener Pterophyllum-Arten ergaben, dass alle Segelflosser in der Natur die meiste Zeit des Jahres in kleinen Gruppen zusammenleben, die im Allgemeinen aus ungefähr einem Dutzend, manchmal aber auch aus über fünfzig Exemplaren bestehen. Nur fortpflanzungsbereite Paare sondern sich ab und gründen Reviere, die sie dann gegen Artgenossen verteidigen.

Die Kenntnis der speziellen Umweltbedingungen in ihren natürlichen Lebensräumen vergrößert auch das Verständnis für Besonderheiten in der Brutbiologie der Segelflosser: Im Gegensatz zur Mehrzahl der Buntbarsche laichen sie nämlich nicht auf am Gewässergrund liegenden Substraten, sondern stets nahe der Wasseroberfläche, wobei sie oft vertikale Substrate bevorzugen.

Auch während der Huderphase betreuen sie ihre Brut niemals in einer Grube, sondern befestigen die Larven an den Blättern von Wasserpflanzen, wo sie mithilfe ihrer Haftdrüsen in einem dichten Haufen kleben bleiben. In der Natur dienen den Segelflossern während des Hochwassers untergetauchte Teile der Vegetation des Überschwemmungswaldes als Laichsubstrat.

Text & Fotos: Wolfgang Staeck