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SPAREN OHNE VERZICHT


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Bauen Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 05.10.2022
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Bildquelle: Bauen Aktuell, Ausgabe 5/2022

Sobald jemand die Tiefgarage in der Würselener Straße in Köln betritt, gehen sanft die Leuchten an. Die Beleuchtungsanlage erkennt nämlich Geh- und Fahrtrichtungen und schaltet nur dort das Licht an, wo sich gerade jemand aufhält. Hat sie den Bereich verlassen und niemand befindet sich mehr in der Tiefgarage, dimmen die Leuchten ins Grundlicht und gehen nach wenigen Minuten vollständig aus.

Das Gute für die Bewohner der umliegenden Häuser, die ihre Autos dort parken und für die Energie zahlen: Sie sparen viel Geld. In Zeiten massiv steigender Energiepreise ist das keine schlechte Sache. Denn neben Öl und Gas wird auch die elektrische Energie immer teurer. Private Haushalte kostete die Kilowattstunde im August 2022 zum Beispiel fast 42 Cent. Das ist im Vergleich zum August des Vorjahres ein Anstieg von 38 Prozent. Städte und Kommunen, aber auch private oder gewerbliche Abnehmer sind als große ...

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... Verbraucher davon besonders betroffen. Viel kostet viel.

Bilder: STEINEL GmbH

Kostenfaktor und Klimasünder

Beleuchtungen wie die in der Kölner Tiefgarage sind tatsächlich ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Strompreise geht. Allein mit Blick auf Städte und Kommunen ist ein großer Teil der Stromkosten auf die Ausleuchtung des öffentlichen Raums oder gewerbliche Flächen zurückzuführen. Das ist nicht nur schlecht für die Kassen, sondern belastet auch die Umwelt. Schließlich entsteht bei der Stromproduktion noch immer sehr viel CO2. „Wir sind im öffentlichen und im gewerblichen Raum überbeleuchtet und müssen endlich diese Lichtverschwendung beenden“, sagt Martin Frechen als Geschäftsführer der Steinel Gruppe. „Das muss einfach nicht sein, schließlich gibt es intelligente Lösungen für dieses Problem.“Erweiß,wovon er spricht, denn seine Firma bietet intelligente Beleuchtungskonzepte für Gebäude an und hat unter anderem die Tiefgarage in Köln umgerüstet.

„In Tiefgaragen, Parkhäusern, Treppenhäusern oder in Fluren brennt sehr oft Licht, ohne, dass sich Menschen darin aufhalten. Das ist eine enorme Energieverschwendung“, sagt er und fordert deshalb: „Unternehmen und die öffentliche Hand müssen eine aktive Rolle beim ökologischen Umbau unserer Wirtschaft übernehmen und in energieeffiziente Systeme investieren. Anstelle von Verzicht könne man durch den Einsatz intelligenter Technik einen erheblichen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft von Gebäuden leisten, so Frechen. Da passt es gut, dass solche Projekte vom Staat aktuell mit 15 Prozent gefördert werden.

Umrüsten und CO2 vermeiden

Einmal umgerüstet, ist das Energiesparpotenzial intelligenter Systeme enorm, weiß auch Prof. Dr. Mario Schmidt. Der Wissenschaftler beschäftigt sich am Institut für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim mit Ökobilanzierung und dem Klimafußabdruck.

Die Berechnungen des Instituts beweisen: Wenn eine mittelgroße Stadt in Deutschland nur zehn Parkhäuser mit jeweils 300 LED-Sensorleuchten umrüsten würde, könnte das allein 1.125 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Das entspricht etwa einem jährlichen CO2-Ausgleich von 43.269 Bäumen.

Die Basis moderner Beleuchtung ist LED-Technik. Den Unterschied jedoch macht die intelligente Steuerung durch Sensoren sowie die Vernetzung. „Connected Lighting“ heißt diese Technologie. In jeder Leuchte befindet sich ein Sensor, der Bewegung und Helligkeit misst. Sie werden nur dann geschaltet, wenn sie Bewegung wahrnehmen und das natürliche Licht der Umgebung nicht ausreicht – sprich: wenn tatsächlich elektrisches Licht gebraucht wird.

Schwarmintelligenz

Die Leuchten sind per Bluetooth vernetzt. Das ist ein wichtiger Faktor, denn dadurch entsteht eine Beleuchtungsanlage mit so genannter Schwarmintelligenz. Geht also ein Mensch durch ein Treppenhaus oder eine Tiefgarage, wird automatisch die Gehrichtung erkannt, und das Licht geht vorausdenkend genau dort an, wo die Person hinläuft. So ein System verursacht gegenüber gewöhnlichen Leuchtstoffröhren pro Leuchte und Jahr etwa 20 Mal weniger CO2 und senkt die Stromkosten jeweils um mehr als 130 Euro, wie Schmidt errechnet hat.

Die Sicherheit erhöhen

Neben weniger Energiekosten und einer besseren Ökobilanz haben diese Systeme noch den Vorteil, die Sicherheit im Gebäude zu erhöhen. So haben die Meinungsforscher von YouGov in einer Umfrage ermittelt, dass jeweils 41 Prozent der Befragten Dinge wie Dunkelheit oder Gestank in den Sinn kommen, wenn sie an Parkhäuser denken. Dunkelheit und damit verbundenes Unbehagen durch Gefahr ist gerade bei Frauen ein Thema; fast die Hälfte von ihnen bringt Finsternis mit diesem Ort in Verbindung. Mehr als ein Drittel fühlen sich dadurch verängstigt oder bedroht.

Eine Beleuchtung würde dabei helfen, diese Probleme zu lösen, glauben die Befragten. So haben beinahe die Hälfte von ihnen angegeben, sich in Parkhäusern sicherer zu fühlen, wenn immer genau dort, wo sie sich aufhalten, die Beleuchtung funktioniert.

Auch ein weiterer Aspekt wurde gut erkannt: Mehr als 80 Prozent von ihnen sind nämlich für nachhaltigere Technologie in Parkhäusern. Und mehr als 90 Prozent finden, dass die Beleuchtung auf intelligente LED-Lichtsysteme umgestellt werden sollte, fast zwei Drittel der Befragten finden das sogar wichtig.

In Sachen Sicherheit haben die intelligenten Systeme im Vergleich zu herkömmlicher Beleuchtung einen entscheidenden Vorteil: Durch die Sensorik bleibt das Licht im Treppenhaus so lange an, wie sich dort jemand aufhält, während eine Zeitschaltuhr einfach ablaufen würde. Bewegt sich in einer Tiefgarage eine Person auf eine andere zu, schalten die Sensoren das Licht an. Niemand bleibt unbemerkt und steht im Dunkeln.

Projekt Würselener Straße

In der Kölner Tiefgarage sei es nun endgültig vorbei mit der Dunkelheit, sagt Carsten Busche. Als Elektrounternehmer hat er dort die Beleuchtung ausgetauscht. „Durch einfache Montage und gute technische Möglichkeiten konnten wir die Lichtsteuerung optimal auf die jeweiligen Situationen anpassen.“

Tatsächlich kann sich der Erfolg nicht nur sehen, sondern auch messen lassen. So ist die Ausleuchtung dank „Connected Lighting“ um 30 Prozent heller als zuvor. Noch dazu werden im Jahr fast 16 Tonnen CO2 gespart. Die Betriebskosten haben sich nach der Renovierung um 94,4 Prozent reduziert. Da überrascht es kaum, dass sich die neue Beleuchtungsanlage bereits nach knapp zwei Jahren amortisiert.

RA