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„Spaß ist wichtiger als Geld“


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 04.07.2022

„Wenn man einen Beruf wirklich richtig und von Herzen lernen möchte, dann braucht man einen Ausbildungsbetrieb, in dem man alles mitbekommt und von den Besten lernen kann“, sagt Jana Bub, Auszubildende bei Blumen Link in Eichenzell.

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Jana Bub ist vermutlich eine Auszubildende, wie sie sich jedes Blumengeschäft wünschen würde: Die 18-Jährige hatte niemals einen anderen Berufswunsch und war sich schon nach einem ersten Schulpraktikum sicher: Blumen Link in Fulda mit seinem Ruf als guter Ausbildungsbetrieb war und ist genau der richtige Arbeitgeber für sie. Mittlerweile ist sie im zweiten Lehrjahr, hat die Zwischenprüfung geschafft und kann genau sagen, was ihr wichtig ist: „Dass man in allen Dingen aufgefangen wird, ob in der Floristik oder beim Umgang mit Kunden. Bei uns weiß ich, dass immer jemand da ist, auf den ich mich 100 %ig verlassen kann – ich kann jederzeit jemanden ansprechen.“

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Richtig und wichtig findet sie auch, dass den Kunden gegenüber immer kommuniziert wird, dass sie Azubi ist und noch lernt. „Manche meiner Klassenkameraden müssen Stunden alleine im Laden stehen, fühlen sich alleine gelassen“, berichtet sie. Sehr zu schätzen weiß sie auch den fachlichen Support durch den Betrieb: Sie wird unterstützt, wenn sie an Wettbewerben teilnehmen möchte, bekam auch Hilfe, um mit einem eigenen floristischen Werkstück ins Fleurop-Magazin zu kommen. Von ihren Klassenkameraden weiß sie, dass das nicht selbstverständlich ist.

Sehr wichtig ist es ihr auch, in einem Betrieb mit ausgebildeten Fachkräften zu arbeiten. „Hier lernt man die wichtigsten Grundlagen der Floristik und darüber hinaus“, sagt Jana Bub. Danach die Meisterschule zu besuchen, ist ihr aber nicht so wichtig, auch aus finanziellen Gründen. „Ich denke, man kann sich auch so ausreichend weiterbilden.“

Dass der Beruf lange Arbeitszeiten und keinen großen Verdienst mit sich bringt, war ihr von vornherein klar. Sie sieht das auch bei ihrer Zwillingsschwester, die im Laborbereich festere Arbeitszeiten und mehr Einkommen hat. „Mir ist es wichtig, Spaß an meiner Arbeit zu haben“, sagt sie und meint den Kontakt zu den Kunden, das direkte Feedback auf ihre Floristik, das familiäre Miteinander im Betrieb und zunehmend mehr Verantwortung, wie selbst Hochzeitsgespräche zu führen.

Die Schwachpunkte der Branche sind ihr aber durchaus bewusst. „Beim Geld könnte wirklich noch was kommen“, lacht sie. Und der Beruf sollte nach außen noch besser dargestellt werden. „Es nervt schon, wenn im Freundeskreis erst keiner versteht, warum man fürs Blumenbinden eine Ausbildung braucht. Es erfordert immer viel Aufklärungsarbeit, bis andere verstehen, was an Können, Wissen und Kreativität dahintersteckt.“

„Es nervt, wenn keiner versteht, warum man fürs Blumenbinden eine Ausbildung braucht.“

Was könnte junge Leute dazu reizen, sich mehr für den Beruf zu interessieren? „Große, besondere Werkstücke, Ausstellungsstücke, tolle Arbeiten auf Pinterest“, ist Jana Bub überzeugt – das öffnet vielen die Augen. „Vor allem Praktikanten denken oft, dass man nach ein paar Tagen locker einen Strauß binden kann, und merken dann, dass man das erst lernen muss.“

Viele junge Leute seien von den Arbeitszeiten von Floristen abgeschreckt, und das bei geringem Verdienst. „Ich habe das Gefühl, dass in der Berufsberatung nicht richtig kommuniziert wird, wie schön und abwechselungsreich es ist, in einem kreativen Beruf zu arbeiten“, sagt sie. Was kann Blumen Link tun, um sie im Betrieb zu halten? „Zeigen, was man noch erwarten kann, Ansporn geben, auf Ideen eingehen und mich weiterhin so gut unterstützen,“ fasst sie spontan zusammen.

Identifikation mit dem Betrieb

Ähnlich glücklich mit ihrer Ausbildung ist Jasmin Urbaneck aus Heidelberg. Sie ist Gärtnerstochter, Azubi im 3. Lehrjahr in einer Heidelberger Blume-2000-Filiale und stand bei unserem Gespräch kurz vor dem letzten Teil der Abschlussprüfung. Ganz deutlich wird bei ihr, wie wichtig die Identifikation mit dem Team und die Unterstützung über die gesamte Ausbildung durch das Unternehmen ist: „Im Vergleich zu einigen Schulkameraden merke ich, dass wenige so intensive, regelmäßige Seminare und Vorbereitungswochen hatten wie wir: mehrtägige Seminare zu Themen wie Hochzeitsfloristik oder Trauerfloristik, einwöchige regionale, intensive Prüfungsvorbereitungskurse mit anderen Azubis. Ohne solche Kurse wäre für mich alles viel schwieriger und chaotischer gewesen“, ist sich Jasmin Urbaneck sicher. Sie sehe das auch bei Schulkameraden, die Bereiche wie Brautfloristik gar nicht lernen, bestenfalls zuschauen dürfen.

Für Jasmin Urbaneck zählt auch das Teamgefühl, das Blume 2000 intensiv fördert: „Egal, in welche Filiale man kommt, man hat immer ein Familiengefühl.“ Sie komme deshalb auch immer sehr gerne und mit Spaß zur Arbeit. Aufgefangen wurde sie auch, als ihr am Anfang der Ausbildung das Lernen, besonders der botanischen Namen, schwerfiel. „Ich konnte einen Teil meiner Ausbildung wiederholen, das hat mir sehr geholfen. Heute klappt das alles sehr gut.“ Entsprechend überzeugt ist sie davon, bei Blume 2000 zu bleiben.

„Egal, in welche Filiale man kommt, man hat immer ein Familiengefühl.“

Nicht nur Lob für die Ausbildungsbetriebe

Natürlich berichteten uns Azubis nicht nur von einer heilen Ausbildungswelt – es gab auch Verbesserungsideen, Kritik, sogar Erzählungen über äußerst unschöne Ausbildungssituationen. So wünscht sich mancher Azubi eine tiefere Kenntnis in speziellen floristischen Bereichen: „Ich hätte zum Beispiel auch gerne einmal Details der Hochzeitsfloristik wie Kopfschmuck ausprobiert. Solche besonderen Ausbildungsinhalte zu vermitteln, das scheitert oft am Zeitdruck, dafür ist man doch manchmal zu sehr nur Arbeitskraft.“

Als erschreckend empfindet es ein weiterer Azubi, wie häufig man Schlechtes aus den Betrieben hört. „Ich habe das Gefühl, es gibt wenig dazwischen – entweder sind die Ausbildungsbetriebe richtig gut oder richtig schlecht.“ So schlecht, dass Azubis ihre Ausbildung sogar noch kurz vor der Prüfung abbrechen wollen, zum Beispiel, weil sie mit der Ausbilderin nicht klarkommen. In manchen Fällen finden sich dann noch, teils mithilfe der Berufsschule und mit Unterstützung der Klassenkameraden, Zwischenlösungen, um die Prüfung trotzdem noch durchzuziehen. „Man sollte sich wegen einer schlechten Ausbilderin nicht den eigenen Lebensweg verbauen“, sagt dazu ein Azubi.

Wieder andere Azubis berichten von üblichen 45 Arbeitsstunden pro Woche, die nur zögerlich bezahlt werden, geschweige denn, dass Freizeitausgleich oder Boni gewährt werden. „Ein guter Betrieb sieht Azubis nicht nur als billige Arbeitskraft“, kritisiert nicht nur ein Azubi. Wer Azubis im Betrieb halten wolle, der sollte sich durchaus auch Gedanken über die Bezahlung machen.

Kritik wurde auch an Chefs geäußert, die keinen Überblick über ihr eigenes Geschäft haben und unrealistische Arbeitsziele setzen. Was zudem aufstößt: mangelnde Außenkommunikation. Wenn die Website zum Beispiel nicht aktualisiert wird oder wenn die Kunden überhaupt nicht wissen, wie das Geschäft heißt.

Während sich ein Teil der Azubis durch schlechte Bedingungen den Beruf „nicht versauen“ lassen wollen, brechen andere die Ausbildung ab – die Abbrecherquote ist sehr hoch. Und manche halten nur durch, um die Abschlussprüfung noch hinter sich zu bringen.

Abbrecher hatten oft Probleme im Betrieb, kämpften mit langen Arbeitszeiten, wurden nicht unterstützt. Kommen auch noch persönliche Dinge dazu, ist der Abschied besiegelt.

Nach der Prüfung möchte sie erst einmal als Gehilfin weiterarbeiten, den Kopf freibekommen und dann schauen, was das Unternehmen ihr bietet: „Als Azubi steht einem hier ja alles offen“, freut sich Jasmin Urbaneck. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Berufswahl die richtige Entscheidung war, obwohl sie damals, vor vier Jahren, eigentlich nur mal bei einem Stadtbummel in einer Blume-2000-Filiale nachgefragt hatte. „Natur trifft Stadt“, das Konzept fand sie cool, auch den Gedanken, kreativ mit Materialien zu arbeiten. „An Pflanzen hatte ich damals eigentlich noch gar kein Interesse.“

Wie Jana Bub wurde auch Jasmin Urbaneck im Freundeskreis gefragt, warum man drei Jahre lang lernen muss, wie man Blumen zusammenbindet. Mit Werkstücken und Fotos aus Seminaren hatte sie überzeugende Argumente.

Nach und nach immer mehr Verantwortung

Die 21-jährige Pia Finn arbeitet in einer Filiale der kleinen norddeutschen Floristikkette „Bloomery“. Ursprünglich wollte sie Konditorin werden, aber merkte in der Berufsschule schnell, dass das absolut nichts für sie ist. Es folgten zwei Praktika bei Floristen. „In der Bloomery habe ich mitten im Muttertagsgeschäft mitgearbeitet und da hat es mich gepackt“, blickt sie lachend zurück. Auch für sie war die Bezahlung zweitrangig, die Freude an der handwerklichen Arbeit stand und steht im Vordergrund: „In die Floristik geht man ganz sicher nicht wegen des Geldes.“

Besonders von einer sehr kompetenten Kollegin mit viel Berufserfahrung in der Kreativ- und Eventfloristik fühlt sie sich in ihren mittlerweile drei Lehrjahren gut ausgebildet: „Sie kann immer sehr klar erläutern, wenn ich etwas nicht richtig gemacht habe und mir einfache Lösungen vermitteln, wie es richtig geht.“ Dadurch habe sie viel lernen dürfen, viel mehr als manch andere Klassenkameraden, die in ihren Ausbildungsbetrieben in erster Linie mit Hilfsarbeiten wie „Pflanzen ausputzen“ oder „Paletten reinigen“ beschäftigt wurden und in den ersten beiden Lehrjahren „maximal zwei oder drei Sträuße“ gebunden haben, wie sie aus Erzählungen zu berichten weiß: „Ich habe den Eindruck, so etwas wird in den Betrieben nicht ausreichend überprüft“, so die junge Frau.

Gemerkt hat sie in den drei Jahren aber auch, dass es nicht unbedingt einen Meister braucht, um viel zu lernen, sondern dass es auf die Kompetenz des Einzelnen ankommt, ganz unabhängig von der offiziellen Qualifikation. Deshalb strebt sie gar nicht unbedingt eine Weiterbildung oder gar den Meistertitel an. „Diese Qualifikation finde ich eher wichtig, wenn man selbst einen Meisterbetrieb führen möchte.“

Verlässlich und transparent kommunizieren

Gelernt hat Pia Finn in den drei Ausbildungsjahren auch, wie wichtig eine gute, fachliche Bedarfsplanung, eine gute und verlässliche Kommunikation und Rückmeldung zwischen Chef und Mitarbeitern ist – alles so transparent, dass man den Kunden gegenüber auch verlässliche Aussagen treffen und einhalten kann. Und eine gute Arbeitsplanung, die keinen überfordert. „Jedes Wochenende, Freitag wie Samstag, voll zu arbeiten und Überstunden zu machen, das muss man vermeiden“, sagt Pia Finn. „Und wenn das notwendig ist – in unserer Branche muss das manchmal sein – dann ist ein Überstundenausgleich unerlässlich.“ Was die Auszubildende am Anfang ihrer Lehrzeit erst ein wenig überfordert habe, war ein spontaner Wechsel in eine andere Filiale, um da zu einer Stoßzeit auszuhelfen und als Azubi alleine im Laden zu stehen. Heute, mit der Ausbildung im Rücken, sei sie da stärker geworden.

Pia Finn wünscht sich von einem guten Ausbildungsbetrieb, dass er seine Azubis fördert und unterstützt, in der Prüfungsvorbereitung zum Beispiel durch das Bestellen der gewünschten Materialien für die Übungs- und Werkstücke, aber auch durch einen gemeinsamen Blumengroßmarktbesuch. „Besonders bei Filialen wie unserer, die ausschließlich Ware geliefert bekommen, ist so ein Warenüberblick auf dem Blumengroßmarkt total spannend und interessant“, findet Pia Finn.

Sie schätzt sehr, dass sie in ihrer Ausbildung nach und nach mehr verantwortungsvolle Aufgaben üben durfte, zum Beispiel einen Hochzeitsauftrag annehmen und umsetzen oder Traueraufträge besprechen und annehmen. Einen guten Ausbildungsbetrieb kennzeichne zudem, dass er seinen Azubis Wertschätzung entgegenbringe. „Das ist gerade in einem solchen Beruf mit solchen Arbeitszeiten und einem intensiven, manchmal nicht einfachen Kundenkontakt, enorm wichtig.“ Die angehende Floristin wird auf jeden Fall auch nach der Prüfung in der Branche bleiben, verlegt ihren Wohnort aber aus privaten Gründen in den Süden nach Heilbronn und sucht dort einen neuen Arbeitgeber. „Florist ist ein kreativer, schöner Beruf – mit guten Kollegen und einem Umfeld, in dem man sich wohlfühlen kann“, sagt Pia Finn. n

„Zu einem guten Ausbildungsbetrieb gehört, dass er seine Azubis fördert und unterstützt.“