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Spaßboot für die große Fahrt


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 19.10.2022
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Testdaten

Test-Revier: Frankreich, Cannes

MwSt.)

Die Leitlinie bei der Entwicklung des neuen Flaggschiffs J/45 lautete, Raum und Komfort unter Deck zu maximieren, aber gleichzeitig elegante Linien, eine minimale benetzte Oberfläche und ein niedriges Gewicht beizubehalten. Deshalb stellten die Beteiligten jedes Maß, jede Materialauswahl und jedes Ausstattungsstück gründlich auf den Prüfstand, erklärt Frédéric Bouvier, Vertriebsleiter bei J Composites, dem französischen Ableger der US-amerikanischen Werft, auf dem Testschlag vor Cannes.

Entsprechend zog sich die Ausarbeitung dieses Kompromisses über drei Jahre hin. An der Entwicklung waren die US-amerikanische und die französische Seite gleichermaßen beteiligt. Ein Blick von oben bestätigt, dass sich die J/45 vom verbreiteten Trend zur unbeschränkten Volumenmaximierung abhebt. Anstatt dass die größte Breite schon auf Höhe des Mastes erreicht wird und ...

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... sich dann bis zum Heck durchstreckt, verläuft die Außenkante Deck hier in einer fast klassischen Kurve mit der größten Breite etwa in der Mitte.

Trotzdem hat die J/45 als Fahrtenyacht unter Deck genug Platz für drei Doppelkabinen und ein Inselbett in der Eignerkammer im Vorschiff. Bei einer Länge von 45 Fuß überrascht das allerdings auch nicht. Die eigentlich spannende Frage lautet, ob es J Boats gelungen ist, bei allem Komfort die sportliche DNA der Marke zu erhalten und ein Flaggschiff zu kreieren, das sich nicht schämen muss, zur gleichen Familie zu gehören wie etwa die Ur-J/24 und die J/80, mit der mittlerweile in 22 Ländern Ligaformate ausgesegelt werden

Springt auch bei Leichtwind an

Die Bedingungen, um das zu testen, sind leider sehr mäßig. Tagsüber wehte eine anständige Seebrise, aber mit sinkender Sonne und aufziehender Bewölkung bricht diese langsam zusammen, während wir mit der J/45 den Hafen Port Canto von Cannes verlassen. Auf einem Halbwindkurs ziehen wir unter Code Zero und Großsegel an den vorgelagerten Iles Lérins vorbei. Unter diesen Bedingungen gelingt es, mit der Bootsgeschwindigkeit die Windgeschwindigkeit von fünf bis sechs Knoten zu erreichen, wenn man sauber trimmt.

Allerdings hat die getestete J/45 den optionalen Carbonmast, der einen Meter länger ist als der Standard-Aluminimummast und entsprechend mehr Segelfläche trägt. Frédéric Bouvier erläutert, dass die Yacht mit einer Segeltragezahl von 5,12 ohnehin nicht untertakelt ist und dass man das Boot für Fahrtencrews in der Standardausrüstung nicht habe übertakeln wollen. Mit einem Ballastanteil von 42 Prozent, dessen Löwenanteil sich in der L-förmigen Bombe am Kiel befindet, steckt das Boot je-denfalls auch den größeren Mast locker weg. Am Heck läuft das Wasser sauber ab, soweit das von Bord aus zu beurteilen ist. Später kreuzen wir mit Groß und Genua ein paar Schläge auf. Der Wind fällt auf maximal fünf Knoten, aber dabei gelingt es der J/45 noch, selbst auf diese Geschwindigkeit zu kommen. Bei weniger Windgeschwindigkeit oder einem Trimm- oder Steuerfehler bleibt die Yacht ziemlich bald stehen und man kann sich vorstellen, dass einem voll beladenen Schiff die fünf Knoten nicht mehr reichen würden, um anzuspringen.

An Deck und im Cockpit

Unter Deck

Derzeit allerdings reichen sie noch. In der Elegance-Linie der Werft interpretiere man Performance als Pleasure, also Vergnügen, sagt Frédéric Bouvier. Auf die J/45 trifft das zu, jedenfalls bei den herrschenden Bedingungen. Die Yacht liegt leicht auf dem Ruder und segelt empfindlich. Man kann fast mit dem Wind spielen wie auf einer Jolle. Wenn man sich um den Trimm kümmert, wird man sofort belohnt, aber wenn man einen Fehler macht, bleibt sie auch ziemlich schnell stehen.

Optionen machen Segelplan variabel

Das Testschiff verfügt über einen extralangen Bugspriet und ein Kutterstag als Optionen, um den Segelplan variabler zu machen. Code Zero und Genua liegen auf Furlern, aber mit dem wegnehmbaren Kutterstag bietet sich eine Fock als kleineres Vorsegel an, anstatt die Genua einzurollen. Laut Frédéric Bouvier liegt die Reffgrenze der J/45 bei etwa 16 Knoten Wind. Mit der Fock anstelle der Genua kann das Groß bis etwa 20 Knoten Wind ungerefft stehen bleiben. Was nebenbei auch die Genua schont. Die J/45 ist serienmäßig mit einem doppelten Steu- erstand ausgerüstet. Die Räder steuern ein tiefes zentrales Ruderblatt – das Heck ist nicht so breit, dass es eine Doppelruderanlage erfordern würde. Zudem erlaubt ein einfaches Ruderblatt bessere Kontrolle unter Motor. Das Motorpanel an Steuerbord lässt sich gut erreichen. Optional ist ein ausfahrbares Bugstahlruder erhältlich. Das Testschiff lässt sich aber auch ohne dieses Extra mit kurzen Schüben auf das Ruderblatt sehr gut dirigieren.

An beiden Rädern der J/45 befindet sich eine kleine Konsole für die Instrumente. Von Lee aus ist die Sicht auf die Trimmfäden ebenso gut wie voraus. Auch durch die Sprayhood mit ihren steifen Folienfenstern ist die Sicht gut. Auf dem Testschiff befindet sich an Steuerbord vor den Steuerständen ein Hydralikpanel für Achterstag und Kicker. Die Hydraulik für den Kicker ist optional, daher auch das Panel zum Umschalten. Standard ist die Hydraulik aber nur für das Achterstag – dann befindet sich die Pumpe auch am Achterstag.

Das Cockpit der J/45 ist weitgehend frei und geräumig. Es ist leicht, die Steuerposition zu wechseln. Direkt vor den Steuerständen liegt der aufgesetzte Traveller. Bügel auf den Steuersäulen geben Halt, ebenso wie das umlaufende Rohr, das auf dem Cockpittisch zugleich als Schlingerleiste dient. Der Tisch steht fest auf zwei dicken Rohren, die wiederum auf einer Sicke stehen, die den Füßen der Crew Halt gibt. Alles in allem ein seetaugliches Cockpit, das auch durch die Sprayhood gut geschützt wird.

Insgesamt befinden sich in der Standardversion sechs Winschen im Cockpit der J/45. Die Dimensionierung ist solide, gegen Aufpreis gibt es allenfalls einen höheren Standard oder die elektrische Ausführung. Für die Fallwinsch an Backbord könnte sich der E-Modus anbieten. Dann hilft der Motor nicht nur beim Großfall, sondern man kann im Einhandmodus die Reffleine der Vorsegel elektrisch einholen, während man die Schot mit der Hand fiert. Unter der Sprayhood herrscht Stehhöhe für normal große Menschen.

Auf dem Cockpitsüll befinden sich die Schotwinschen. Vorne liegt die Winsch für die Vorsegelschoten, dahinter die für die Großschot. Die Großschot ist im German Mainsheet System geschoren: am Baum noch vorne, zur Seite, über die Seitendecks auf zwei Winschen. Das hält den Cockpitboden relativ frei. Auf der J/45 verläuft die Schot unter den Seitendeck, was auch diese relativ frei hält. Die Genuaschoten verlaufen durch 3-D-Holepunkte, die hoch am Wind weit nach innen geholt werden können.

Großer Stauraum an Steuerbord

Die Fallen verschwinden nach dem Setzen der Segel in einem Fach vor dem Niedergang. Die Backskiste an Backbord dient als Stauraum für die Rettungsinsel. An Steuerbord gibt es nur in der Drei-Kabinen-Version eine Backskiste. In der Zwei-Kabinen-Version der J/45 wie auf dem Testschiff befindet sich achtern an Steuerbord ein großer Stauraum etwa für den Spinnaker. Dieser Stauraum ist sowohl durch das Luk in der Steuerbordbank als auch durch die Nasszelle zugänglich. Schwalbennester für Kleinkram gibt es nur in der Sprayhood.

Eine dritte Backskiste befindet sich mittschiffs am Heck. Dadurch sind auch die Ruderanlage und andere Technik zugänglich. Der Heckkorb ist geteilt in zwei Teile außen und eine Stütze in der Mitte. Dazwischen liegt der Durchstieg auf die Badeplattform, die mittels zweier Leinen abgefiert werden kann. Eine feste Badeleiter kann in Beschläge an Steuerbord eingehängt werden. Ansonsten erfolgt der Zugang auf die J/45 entweder hier oder über Durchstiege im Seezaun.

Die Seitendecks sind dank der versteckten Großschot weitgehend frei. Ein langer Handlauf auf dem Aufbau und das Rohr am Cockpittisch erleichtern den Übergang in beiden Richtungen. Die Püttinge für das Zwei-Salings-Rigg mit Rodstagen sitzen weit außen. Pop-up-Klampen sind Standard, so dass nichts hängenbleiben kann. Eine kleine Fußreling gibt Halt. Der Bugkorb ist geteilt und nach achtern angestellt für besseres Vorsegelhandling. In der Segellast in der Crashbox am Bug der J/45 findet zum Beispiel das Code Zero Platz.

Am Niedergang sind zwei Griffrohre angebracht. Auf dem Weg von innen nach außen sind sie funktional, aber in Gegenrichtung stört die Kante der Aussparung, an der man sich den Handrücken aufschürfen kann. Die Kante ist zwar gebrochen und nicht scharf, aber eine Rundung wäre zweckmäßiger zur Schonung nasser Hände. Die Aufteilung der J/45 unter Deck ist klassisch: Pantry an Backbord, Navigationsecke an Steuerbord. Davor Salon und Eignersuite. An Backbord achtern die Achterkabine, auf der anderen Seite Nasszelle und Stauraum.

Während für das Yachtdesign der J/45 Alan Johnstone verantwortlich ist, hat J Boats für das Innendesign die Hilfe von Isabelle Racoupeau in Anspruch genommen, die unter anderem für Amel gearbeitet hat. Das Ergebnis ist ein Innenausbau, der reduziert im Sinne der Gewichtsersparnis ist, aber trotzdem Komfort, Helligkeit und Wärme bietet. Die Schapps beispielsweise, die sich unter den Seitendecks nach vorne ziehen, sind keine großen Möbel, aber sie bieten Stauraum und sehen gemütlich aus. Spaltmaße variieren zum Teil.

Diese Linie zieht sich auch in der Eignersuite der J/45 durch. Zwei Rumpffenster und zwei Luken lassen viel Licht unter Deck, das die Holzeinbauten warm strahlen lässt. Die Hauptluke kann zugleich als Ausstieg dienen. Einbauten wie Inselbett und Kleiderschrank sind nicht besonders massiv, wirken aber komfortabel. Unter dem Inselbett liegt kein extra Stauraum, sondern der Wassertank. Am Mastschott befindet sich die private Nasszelle mit abgetrennter Dusche.

Im Salon führen zwei solide Griffleisten aus Holz im Himmel sicher nach vorne. Der durchgesteckte Mast vermittelt die Sportlichkeit der J/45. Er ist auch nicht aus Gründen der Raumausnutzung an das Schott gestellt, sondern steht da, wo der Segelplan es erfordert. An Backbord befindet sich sie Sitzecke mit viel Platz für vier und ausreichend Platz für sechs Personen. Um das ausnutzen zu können, braucht es zwei extra Sitze. Das Sofa an Steuerbord ist zu weit entfernt. Auf langen Schlägen könnte es sich aber als Seekoje anbieten.

Die Achterkabine der J/45 ist mit einer komfortablen Doppelkoje und einem Kleiderschrank samt Ablagen ausgestattet. Fenster und Luken sorgen für Licht und Luft. Auch hier befindet sich ein Tank – nämlich für Diesel – unter der Koje. Der Gedanke: Die Vorräte liegen in der Regel im Salon. Mit Tanks im Vor- und Achterschiff ist die Zuladung einigermaßen gleichmäßig verteilt und wir auch einigermaßen gleichmäßig abgebaut. Das Testboot ist im Übrigen ein Jahr alt und wurde auf Törns und Regatten hart gesegelt. Getestet von Jan Maas

Fazit

Eine Yacht für Fahrtensegler, die im Herzen Jollensegler sind

Pro

• Schneller Segler

• Leicht auf dem Ruder

• Gute Ergonomie an Deck

• Solide, aber leichte Bauweise

Contra

• Kante an Griffrohr am Niedergang

• Finish könnte besser sein

• Knapper Platz für Kleinkram im Cockpit

Kommentar I segeln-Tester

Jan Maas Spaß ist keine Frage der Größe

Die J/45 zielt auf Leute mit Spaß am Segeln. Es geht hier nicht um die maximale Ausrüstung an Bord. Stauraum gibt es genug, aber wer eine Waschmaschine einbauen oder seine Tauchgewichte mitnehmen möchte, gehört vielleicht einfach nicht zur Zielgruppe. Es geht aber auch nicht darum, als Schnellster um die Regattatonnen zu segeln. Das könnte die J/45 vielleicht sogar, aber dafür ist sie nicht ausgelegt, sondern dafür, mit Komfort schnell zu segeln.

Es geht darum, mit dem Wind zu spielen und das mit den Annehmlichkeiten einer Fahrtenyacht zu tun. Zehn Tonnen Bootsgewicht in fünf Knoten Wind zum Laufen zu bekommen, das ist schon ganz schön.

Dafür ist viel Geld auf den Tisch zu legen, aber das ist bei Yachten vergleichbarer Größe und Qualität nicht anders. Der Zustand der Testyacht nach einem Jahr spricht jedenfalls dafür, dass es ganz gut angelegt ist.