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SPECIAL AUSBILDUNG: BESTE CHANCEN AUF DIE PLÄTZE GANZ VORN


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

PILOTENMANGEL Nach Jahren suchen auch europäische Fluglinien nun wieder dringend nach Piloten. Die Gründe liegen in Demografie, Wachstum und aufgeschobener Personalpolitik der Airlines


Artikelbild für den Artikel "SPECIAL AUSBILDUNG: BESTE CHANCEN AUF DIE PLÄTZE GANZ VORN" aus der Ausgabe 120/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 120/2018

Traumjob Pilot: Die Voraussetzungen dafür sind derzeit so gut wie seit Jahren nicht mehr


Für Berufseinsteiger sind die Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt nahezu aussichtslos. Selbst Absolventen ausbildender Fluggesellschaften müssen derzeit erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen.“ Mit dieser Einschätzung, veröffentlicht auf der Internetseite der Vereinigung Cockpit, steht die Pilotengewerkschaft derzeit ziemlich ...

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... allein dar: Branchenexperten, Airlines und Flugschulen sehen im Gegenteil einen erheblichen Pilotenmangel.

Nach einer Prognose des US-amerikanischen Flugzeugbauers Boeing werden in den nächsten 20 Jahren rund 790 000 Piloten benötigt, davon allein 146 000 in Europa. Der Großteil davon fehlt in der Verkehrsfliegerei. Doch auch in der Business Aviation und bei den Betreibern von Hubschraubern herrscht ein erheblicher Bedarf (siehe Kasten Seite 49).

„Besser als derzeit kann die Situation nicht sein“, sagt Erhard Walther, Gründer des Luftfahrt-Personaldienstleisters Interpersonal. Sein Unternehmen führt unter anderem Einstellungstests für diverse Airlines durch. Walther zählt damit zu denjenigen, die die Veränderungen des Markts als erstes spüren und beurteilen können.

„Wir haben derzeit eine erhebliche Unterdeckung. Selbst die Piloten der insolvent gegangenen Air Berlin sind geradezu in den Markt hineinverdunstet“, beschreibt Walther die derzeitige Lage.

Der deutsche Lufthansa-Konzern allein sieht für seine Fluglinien einen Bedarf von jährlich mindestens 500 Piloten. In seiner Schule hat das Unternehmen die Flotte modernisiert und bildet unter der Marke „European Flight Academy“ nach jahrelangem Ausbildungsstopp wieder für den eigenen Bedarf aus (siehe Interview Seite 54). Dabei stundet Lufthansa ihren künftigen Angestellten nicht nur die Ausbildungskosten, sondern bietet bei manchen Programmen sogar noch 20 000 Euro Bonuszahlung.

Der Bedarf an Cockpit-Personal hat unterschiedliche Gründe, in Europa gründet er vor allem auf der großen Konkurrenz zwischen den zahlreichen Airlines. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, zögern sie anstehende, kostenintensive Personaleinstellungen gerne hinaus – manchmal zu lang. Allen voran deutsche Fluglinien agieren hier oft defensiv: Sie müssen ein im EU-Vergleich strenges Arbeitsrecht und damit restriktive Kündigungsgesetze befolgen. Der Einfluss der starken Piloten-Interessensvertretungen in Deutschland tut ein übriges. Im Gegensatz dazu können beispielsweise britische Unternehmen wesentlich flexibler Routen öffnen, ändern und auch wieder schließen.

Hinzu kommt die demographische Entwicklung: Aus Altersgründen ausscheidende Piloten erhöhen mehr und mehr den Bedarf an qualifizierten Nachfolgern. Darin unterscheidet sich die Luftverkehrsbranche nicht von anderen, die unter Fachkräftemangel leiden.

Wenig Einfluss auf den deutschen Markt hat dagegen die boomende Luftfahrt im asiatischen Raum. Der dortige Bedarf zielt überwiegend auf erfahrene Piloten ab, oft Kapitäne von Großraumflugzeugen. Derart qualifizierte deutsche Piloten interessieren sich trotz attraktiven Gehaltsversprechen nur selten für eine Angebot aus Fernost.

SENSIBLER MARKT

Trotz aller Zuversicht und positiver Prognosen: Wer heute mit seiner Ausbildung beginnt, hat sie erst in zwei bis drei Jahren beendet – ein langer Zeitraum, besonders in einem sensiblen Markt wie der Luftfahrt. Treibstoffpreisschwankungen oder weltpolitisch Ereignisse habe hier die Trends schon häufig innerhalb kürzester Zeit ins Gegenteil verkehrt.

AUCH BUSINESS AVIATION BRAUCHT PERSONAL

Wie bei den Airlines: Air Hamburg hat sich von einem kleinen Charterflugbetrieb zu einem Unternehmen entwickelt, dessen Arbeitsumfeld dem einer Fluglinie wenig nachsteht


Der Pilotenbedarf der Airlines hat auch Auswirkungen auf die Personalsituation in der Geschäftsluftfahrt. Weil Linienfluggesellschaften erfahrene Piloten aus den Reihen der Bedarfsfliegerei abwerben, ist das Cockpitpersonal auch dort knapp. In den USA, wo der Markt der Allgemeinen Luftfahrt um ein Vielfaches größer ist als in Europa, mussten Unternehmen bereits die Anschaffung neuer Jets verschieben, weil es an den dafür notwendigen Crews fehlte.

Gleichzeitig wird die Branche für Piloten zunehmend attraktiver: In Europa sind die Gehälter in der Business Aviation in der Vergangenheit um 30 Prozent und mehr gestiegen. Sechsstellige Jahreseinkommen sind keine Seltenheit mehr. Und den Ruf der „hemdsärmeligen“ Arbeitsweise ist die Business Aviation mittlerweile auch losgeworden. Für die großen Charterbetriebe durchlaufen Piloten ähnliche Einstellungstests wie bei Airlines. Immer mehr Unternehmen haben zumindest einen Teil ihres Personals mittlerweile fest angestellt, anstatt auf Freelancer zu setzen. Dienstpläne mit klaren Einsatzzeiten sind die Regel, Piloten können meist an ihrem Heimatort stationiert sein – die Crew tritt ihren Dienst ohnehin dort an, wo der Jet in dem Moment gerade steht.


FOTOS: AIR HAMBURG, ROMAN BECKER/AIRTEAMIMAGES; GRAFIK: BOEING