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Spezial Aktivboxen: Smarte Boxen


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 11.01.2019

HiFi- und Heimkinotechnik haben sich über die vergangenen Jahre immer weiter auseinanderentwickelt. Mit der Smart Vento 3 schlägt Canton eine Brücke zwischen diesen Welten. Sie läuft auch am heimischen TV groß auf.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 2/2019

Dass Canton auch im Heimkinobereich recht stark aufgestellt ist, mag der eine oder andere HiFi-Fan gar nicht auf dem Schirm haben. Obwohl das eigentlich kaum zu übersehen ist, denn die deutsche Traditionsmarke hat für sämtliche HiFi-Modelle einschließlich der Reference-K-Serie immer auch passende Center, Subwoofer und Atmos-Satelliten parat, mit denen sich hochklassige Mehrkanal-Sets ...

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... kombinieren lassen.

Aber nicht nur das: Auch bei Soundbars und Sounddecks ist Canton gut vertreten. Mit solchen Produkten konnte sich Canton eine technologische Basis erarbeiten, die im HiFi-Bereich derzeit kaum ein anderer Lautsprecherhersteller aufweisen kann. Im Endeffekt sind Soundbars und Sounddecks zwar nichts anderes als eine spezielle Art von Aktivlautsprechern, sie beinhalten allerdings eine sehr komplexe Signalver- arbeitung. Allein die Verarbeitung von Dolby- oder DTScodiertem Mehrkanalton ist aufwendig und erfordert zudem entsprechende Lizenzen, von ausgefeilteren Funktionen wie virtuellem Surround-Sound oder anderen Klangtricksereien gar nicht zu reden.

Auf bewährter Basis
Jetzt lässt Canton dieses Wissen langsam in den HiFi-Bereich sickern. Der große Vorteil dabei: ein sinnvoll dimensionierter HiFi-Lautsprecher, der genügend Volumen und Membranfläche aufweist, bringt bereits von Haus aus ein solides Klangfundament mit. Die bei Soundbars oder Sounddecks übliche Klangnachbesserung ist nicht nötig. Stattdessen lassen sich mit den Digitalfiltern Frequenzund Abstrahlverhalten des Lautsprechers optimieren, wovon Canton bei der Smart Vento 3 regen Gebrauch macht. Die kompakte Aktivbox basiert im Wesentlichen auf der erst kürzlich überarbeiteten passiven Vento 836. Sie verfügt daher genauso über einen 18-cm-Tiefmitteltöner mit titanbeschich- teter Aluminiummembran und eine 2,5-cm Keramikkalotte, die bei etwa 3 kHz digital getrennt werden. Das Gehäuse ist allerdings ein paar Zentimeter höher, da es auch noch das Elektronikmodul samt 350-Watt-Verstärkerleistung pro Box und das zugehörige Display beherbergen muss. Wie auch die Messergebnisse zeigen, hat die Box in der Grundabstimmung eine Extraportion Bass bekommen, was bei einer kinoaffinen Zielgruppe gut ankommen dürfte. Wem das zu viel oder sogar zu wenig Bass ist, der kann wie bei den Mitten und Höhen per Klangregler nachjustieren. Zusätzlich gibt es noch eine vorkonfigurierte Ortsentzerrung für freie, wandnahe und ecknahe Aufstellung. So weit so gut, aber das unterscheidet die smarte Vento 3 bis jetzt noch kaum von anderen digital entzerrten Aktivboxen. Auch nicht, dass sie neben einem symmetrischen und einem unsymmetrischen Analoganschluss über alle gängigen Digitaleingänge verfügt (optisch, Koax und USB), mit denen sie PCM-Signale bis zu einer Auflösung von 24 Bit und 96 kHz verarbeiten kann.

Mit dieser maximalen Auflösung arbeitet die Box auch intern. Auf höhere Datenraten verzichtete Canton bewusst, in erster Linie um eine uneingeschränkte Mehrkanalfähigkeit garantieren zu können. Man entschied sich also dafür, die komplette Signalverarbeitung statt für zwei Kanäle mit möglichst hoher Kapazität lieber für mehrere Kanäle mit etwas geringerer Kapazität auszulegen.

Cantons neue Smart-Serie kommuniziert auch drahtlos mit einer Auflösung von bis zu 24 Bit und 96 kHz. Die Smart Vento 3 basiert auf der bewährten passiven Kompaktbox aus der Vento-Serie und sieht ihr entsprechend ähnlich. Das Gehäuse ist in schwarzer und weißer Hochglanzlackierung zu haben.


Reiches Erbe
Damit wären wir endlich bei den Besonderheiten der Box. Die Smart Vento 3 hat nämlich die Mehrkanalfähigkeit aus Cantons Soundbar- und Sounddeck-Programm geerbt. Das Aktivsystem arbeitet nach dem Master-Slave-Prinzip, und der Master ist in der Lage, Dolby-Digital- und DTS-Signale zu verarbeiten. Ähnlich wie schon die C 500 Aktiv (siehestereoplay 08/2017, ab Seite 14) bietet das Aktivsystem eine virtuelle Surround-Wiedergabe, bei der durch gezielte Amplitudenund Phasenänderungen allein über die beiden Stereokanäle ein komplettes Mehrkanal-Setup mit Center und Rücklautsprechern simuliert wird. Das funktioniert erstaunlich gut, solange man sich genau im Sweetspot befindet, an ein reales Surroundsystem mit fünf echten Lautsprechern reicht es jedoch nicht ganz heran.

Den Master erkennt man an dem zusätzlichen USB-Anschluss, über den er auch PCM-Signale von einem Computer verarbeiten kann. Das kompakte Elektronikmodul beherbergt neben Signalprozessoren und jeder Menge Funktechnik auch geballte 350 Watt Verstärkerleistung.


Canton will in diesem Punkt aber noch nachlegen. Bereits jetzt kann in der Smart-Serie ein Master mit mehreren Slaves kommunizieren, und zwar auch komplett drahtlos über eine proprietäre Funkstrecke im 5-GHz-Bereich. Womit wir bei der zweiten Besonderheit wären. Die Smart Vento 3 kann prinzipiell auch klassisch mit einem analog eingespeisten Kanal pro Box angesteuert werden. Aber eigentlich ist das System darauf ausgelegt, dass in erster Linie Digitalquellen mit dem Master verbunden werden. Er verteilt das Signal dann an einen oder mehrere Slaves. Die Audiodaten lassen sich im Stereobetrieb nicht nur per Funk, sondern auch über ein Koaxialkabel an die untergeordnete Box weiterreichen, weitere Slaves können dann aber nur noch per Funk eingebunden werden.

Man könnte damit also ein drahtloses Mehrkanalsystem aufbauen, allerdings hat Canton bislang mit der Smart Vento 9 und der Smart Vento 3 nur je ein Paar geeignete Stand- und Kompaktboxen im Sortiment. Weitere Lautsprecher und sogar ein smarter Verstärker, über den sich auch passive Cantons ansteuern lassen, sind aber bereits in Planung. In Kürze soll ein Transmitter kommen, was darauf hindeutet, dass Canton nicht nur an einem drahtlosen Mehrkanalsystem, sondern an einer eigenen Multiroom-Architektur arbeitet.

Ein Feature, das bei solchen Aktivsystemen heutzutage zur Standardausstattung zählt, darf bei den smarten Ventos nicht fehlen. Die Lautsprecher lassen sich auch problemlos per Bluetooth ansteuern. Obwohl viele Klangenthusiasten bei dieser Verbindung wegen der datenreduzierten Übertragung die Nase rümpfen – schließlich arbeitet selbst der aktuell beste Bluetooth-Codec aptX HD von Qualcomm nicht hundertprozentig verlustfrei –, ist vor allem die einfache Koppelung mit dem Smartphone eine praktische Sache. So kann man ohne großen Aufwand die Musiksammlung auf dem Telefon abspielen oder auch auf webbasierte Streaming-Dienste wie Spotify, Apple Music und Co. zugreifen


Die Smart Vento 3 kombiniert Cantons bewährte Tugenden im Lautsprecherbau mit zukunftsweisender Funk-Elektronik.


So startete auch der Praxistest der Smart Vento 3. Das System geht vollautomatisch in Betrieb, die Bluetooth-Verbindung ist in kürzester Zeit hergestellt. Dann legten die Wise Guys los. Die aus einer Schulband hervorgegangene Kölner A-cappella-Gruppe feierte ihre größten Erfolge zwischen 2006 und 2012 mit mehreren vergoldeten Alben in Folge, löste sich 2017 aber leider auf. Ein Geheimtipp ist das bereits im Jahr 2000 produzierte Live-Album der Truppe, das die Vento nicht nur mit Schmackes, sondern auch mit bestechender Räumlichkeit und punktgenauer Abbildung wiedergab. So ließ die Box richtiges Konzert-Feeling aufkommen.

Als Vorbote von Cantons Smart-Technik macht diese Box auf jeden Fall Lust auf mehr. Man darf gespannt sein, was noch alles kommt.