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Spezial Analog Neue Schallplatten: Archiv-Helden


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 13.07.2018

Es wird mehr, nicht weniger. Die Trüffelsucher der Archive spüren immer neue Schätze der Vergangenheit auf und bringen sie in die passende Vinyl-Form. Ein Streifzug von Blues und Rock bis Jazz und Country.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 8/2018

A lbert Einstein wusste: Nur wenn eine Idee absurd klingt, kann sie erfolgreich sein. Der HiFi-Händler Kai Seemann aus Kiel hatte 1993 die damals noch absurde Idee, LP-Evergreens auf hochwertiges Vinyl pressen zu lassen. Er fand vor allem in den USA dafür die Original-Analog-Masterbänder und veröffentlichte sie auf Speakers Corner Records. Das Label galt 25 Jahre lang als audiophiler Nischenproduzent. ...

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Heute fragen Hörer aus allen Musikrichtungen ausdrücklich nach Speakers Corner, wenn verschiedene Reissues einer LP vorliegen. Sogar HiFi-Schmuddelkinder wie die Bluesrock-Fans wurden anspruchsvoller. Zum Beispiel wegen The J. Geils Band (Atlantic / SCR, Musik: 6–8, Klang: 7), deren Debüt-LP bei Audiophilen 1970 kaum eine Chance hatte. Nun rehabilitiert Speakers Corner den Gitarristen J. Geils und sein Sextett als Vermittler zwischen Folkblues-Empfindsamkeit und Losgeh-Hardrock. Und mit „Great Movie Sounds Of John Barry“ (Columbia / SCR, Musik: 7–10, Klang: 8) deckt Speakers Corner jetzt auf, welche wohlklingenden Asse der „007“-Filmkomponist 1963 bis ’66 im Ärmel hatte. Ein audiophiler Evergreen ist „Antiphone Blues“ (Audio Nautes / Sieveking. Musik: 7–9, Klang: 8–10), den der Saxofonist Sven Domnérus in Stockholm 1975 mit dem königlichen Hoforganisten Gustaf Sjökvist aufnahm.

HiFi-Enthusiast Fabio Camorani ließ nun das 15. LP-Remastering dieses Duo-Albums anfertigen. Das Ergebnis: Das elegant swingende Saxofon aktiviert dynamische Reserven und verlangt Schwerstarbeit vom Abtastsystem, allerdings mit faszinierendem Resultat.

Kai Seeman veröffentlicht seit 1993 sorgfältig remasterte LP-Legenden auf Speakers Corner Records.


Bauer und Fenn
2013 veranstaltete die Tontechnikerin Eva Bauer-Oppelland eine Aufnahmesitzung vor Publikum. Daraus wurde eine regelmäßige Veranstaltungsund LP-Serie. 14 bislang unveröffentlichte Jazz-und Weltmusik-Schätze aus dem als „The Tonstudio“ weltweit renommierten Betrieb in Ludwigsburg sind auf der Doppel-LP „Bauer Studio Konzert Jubilee Edition 2013 – 2018“ (Neuklang / inakustik, Musik: 7–9, Klang: 8–10) zu hören.

Die Plattenproduzentin und Tontechnikerin Eva Bauer-Oppelland hatte immer auf ein Comeback der schwarzen Scheibe vertraut.


Der Hamburger Tonträger-Importeur Thomas Fenn hat ebenfalls ein Label gegründet, auf dem er klanglich herausragende Neupressungen seiner Lieblings-LPs veröffentlicht. Zum Beispiel die 30-cm-Doppel-LP „Richland Woman Blues“ (Grooveland / Fenn, Musik: 7–9, Klang: 9–10) mit je einer 33er-und 45er-Scheibe. Maria Muldaur hingegen hatte 2001 bewusst auf elektrisch verstärkte Instrumente verzichtet, als sie dieses Blues-Album einspielte. Sie ließ lieber das Piano und eine Tuba grooven.

Ry Cooder spielte 1976 mit Musikern aus weit voneinander entfernten US-Regionen „Chicken Skin Music“ (MFSL / Sieveking, Musik: 7–9, Klang: 8– 9) ein. Hawaii-Gitarre und Texmex-Akkordeon setzen hier einen heute noch gültigen Americana-Maßstab. Auf der von MFSL-Techniker Krieg Wunderlich remasterten fünften Cooder-LP fügen sich Gospel, Blues und Country-Klassiker zu einem angenehm warmen Klangbild zusammen.

Das andere Format
Das Reissue-Label Bear Family reaktiviert nicht nur Archivmaterial, sondern auch vernachlässigte Vinyl-Formate. Die 25-cm-LP „The Lonesome Sound“ (Bear Family / in-akustik, Musik: 7, Klang: 6) ist groß genug, um den Sänger-Gitarristen Hank Williams knapp 30 Minuten lang gut klingen zu lassen. Der Countryrock-Vorläufer hatte 1948–49 für den Privatgebrauch zwölf Songs gecovert, sieben Jahre nach seinem Tod wurden diese unbeschwert eingespielten Demo-Tracks 1960 von einigen seiner Ex-Kollegen mit knackigem Rhythmus-Backing unterlegt.


Sogar HiFi-Schmuddelkinder wie die Bluesrock-Fans werden anspruchsvoller. Und Jazzer gönnen sich Analog-Studios.


Der Jazz-Gitarrist und Bandleader Nicola Conte ist bekennender Analog-Junkie. In Südafrika und in seinem Studio im italienischen Bari nahm er nun mit einer transatlantischen Allstar-Band „Let Your Light Shine On“ (MPS / Edel, Musik: 6-9, K: 8) auf. Dieses Album steht in der Tradition von Ethnojazz-Projekten, mit denen das MPS-Label in den späten 1960er-Jahren den Weltmusik-Horizont erweiterte.

Westbound Records wurde nicht mit Radio-Hits zu einer Legende. Das Label aus Detroit produzierte in den 70ern Maxi-Singles, mit denen Club-DJs ihre Fans möglichst lange auf dem Dancefloor halten konnten. Acht Tanzflächenfüller mit einer Gesamtlau_änge von knapp 55 Minuten wurden für „Westbound Disco“ (Ace Records, Musik: 6–9, K:6–8) auf vier LP-Seiten verteilt und können sich dynamisch beinahe schon audiophil entfalten. Ein amüsanter Anachronismus in Zeiten, wo sich längst jeder begabte Tüftler eigene Maxis mischen kann.

Thomas Quasthoff: Nice’n’Easy

Nach seinem Abschied vom klassischen Gesang bewegt sich der Bariton Thomas Quasthoff zunehmend in Jazz-Bereichen, die für eine Stimme mit seinem Ausdrucksvolumen geschaffen sind. Er hinterfragt American-Songbook-Standards mit Nachdenklichkeit, anstatt davon weitere Swing-Versionen abzuliefern. Denn Quasthoffs Interpretation des Titelsongs „Nice’n’ Easy“ ist nicht zu verstehen als „leicht und locker“, sondern als „kraftvoll und samtweich“. Die Vinyl-Überspielung bringt Wärme und Tiefe seines Gesangs ausgewogener als die CD zur Geltung.

NW Concert Schrammeln: 1997

Der Jazz-Gitarrist Peter Havlicek gründete 1994 mit zwei Geigern und einem Knopfharmonika-Spieler die Neuen Wiener Concert Schrammeln (NWCS). Das Quartett interpretiert jene Weingartenmusik, die am Ende des 19. Jahrhunderts von den Brüdern Schrammel erfunden wurde: Tänze zum Nachlauschen verführen, Märsche nicht zum Marschieren. Harald Tautscher, Chef des österreichischen Weltmusik-Labels Lotus Records, hat von der NWCS-Debüt-CD eine angenehm warm und gleichzeitig detailverliebt klingende Vinyl-Pressung fertigen lassen.