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Spezial Plattenspieler: Erbe einer Legende


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 13.07.2018

Die Plattenspieler von Perpetuum Ebner gehörten einst zur technischen Elite und verschwanden dann vom Markt. Mit dem neuen PE 800 wollen die Erben der Traditionsmarke jetzt den 1000-Euro-Bereich erobern.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 8/2018

Schon die Platzierung bei der diesjährigen Leserwahl vonstereoplay hat es mit einem eindrucksvollen zweiten Platz gezeigt: Die Marke Perpetuum Ebner hat, obgleich fast 45 Jahre nicht am Markt vertreten, nach wie vor Strahlkraft unter Vinylfans. Das mag daran liegen, dass die PE-Dreher wie der legendäre 2020 in den 1960er-Jahren das technisch Machbare de_nierten und unter diesem Namen nie etwas ...

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Schon die Platzierung bei der diesjährigen Leserwahl vonstereoplay hat es mit einem eindrucksvollen zweiten Platz gezeigt: Die Marke Perpetuum Ebner hat, obgleich fast 45 Jahre nicht am Markt vertreten, nach wie vor Strahlkraft unter Vinylfans. Das mag daran liegen, dass die PE-Dreher wie der legendäre 2020 in den 1960er-Jahren das technisch Machbare de_nierten und unter diesem Namen nie etwas angeboten wurde, was den Qualitätsanspruch untergraben hätte wie etwa bei der ehemaligen Schwestermarke Dual, die technisch die PEs beerbt hatte. Umso spannender ist natürlich die Frage, ob es PE heute gelingt, die eigenen technischen Konzepte etwas zu verschlanken und die Qualität auch für 999 Euro zu halten.

Der neue unter 1000
Denn das ist genau der Preis, für den der PE 800 erhältlich ist, inklusive montiertem Tonabnehmer, versteht sich. Das markanteste Erkennungsmerkmal blieb erhalten, die Zweiteilung des Gehäuses, die in der weißen Variante voll, in der schwarzen nur wenig zur Geltung kommt. Beide Teil-Chassis sind als einzelne Holzelemente ausgeführt und mit einem _achen Trägerbrett verschraubt, das wiederum auf sehr weich dämpfenden Gummifüßen steht.

Denn die funktionsrelevanten Teile sind nicht mit einer so aufwendigen Subchassis-Federkonstruktion ausgestattet wie beim Spitzenmodell 4040. Die Armbasis ist lediglich mit etwas Abstand aufgeschraubt, wovon laut Firmenchef Wolfgang Epting die Entkopplung profitieren soll. Auf eben jene wurde auch bei der Motorintegration besonderer Wert gelegt, der Gleichstrommotor mit elektronischer Steuerung der Drehzahl hängt mit seiner Frontplatte nur per String-Federung frei in einer Chassis-Ausfräsung, was die Übertragung von Motorgeräuschen auf das Holzgehäuse sehr effektiv unterbindet.

Die Kraft überträgt er mittels Gummi-Flachriemen auf einen Plastik-Subteller, auf dem wiederum der eigentliche Hauptteller ruht.

Luft dazwischen: Das Hauptboard besteht aus zwei Teilen für Laufwerk und Armbasis, dazwischen ein Nut. Darunter erkennt man das dünne Trägerchassis und die Dämpfungsfüße.


Eigene Mechanik
Während bei der Lagerung der Subtellerachse klassische Teile zum Einsatz kommen, ist der Arm eine komplette In-House-Entwicklung. Sein Alu-Rohr mit 9 Zoll effektiver Länge ist fest mit einer Lageraufnahme aus Edelstahl verbunden. Dieses sitzt in einer kardanischen Lagerung; die vertikale Beweglichkeit wird über zwei Dorne zur Seite geführt, die im achteckigen kardanischen Ring von beiden Seiten mit verschraubten Lagertellern gehalten werden. Der Ring wiederum setzt sich nach unten in einer Lagerachse fort, die im Rohr der Tonarmaufnahme sitzt und die horizontale Bewegung ermöglicht. In beiden Dimensionen übrigens mit einer Präzision und absoluter Spielfreiheit, die das „Made in Germany“ spürbar werden lassen. Das Trägerrohr lässt sich zur Anpassung an verschiedene Tonabnehmerbauformen in der Höhe justieren und fixieren.

Der Motor hängt frei in einer String-Lagerung, das der Entkopplung dienende Gummiband hält ihn über vier Schrauben auch senkrecht.


Hinter dem Lagerzwischenrohr befindet sich ein Gewinde, mit dem sich das Gegengewicht feinfühlig anpassen lässt. Eine Tonarmwaage ist dafür allerdings erforderlich. Das Antiskating erledigt eine kleine Kombi aus Perlonfaden und Gewicht, es lässt sich je nach Auflagekraft und Nadeltypus vierstufig per Umhängung anpassen, was in der Praxis auch bei exotischen Tonabnehmern absolut ausreicht.

Spielfertig ohne Stress
Das wird den klassischen Käufer eines 999-Euro-Spielers vermutlich nicht interessieren, denn ab Werk kommt der 800er mit einem MM-System des Typs Ortofon 2M Red, das fertig montiert und justiert ist. Für den Vinyl-Einsteiger eine sehr gute Wahl, da besonders die hohe Ausgangsspannung wenig Ansprüche an Phono-Vorverstärker und Rauschabstand legt, einzig sollte die Abschlusskapazität im Normbereich liegen. Laufwerk und Arm sind aber für Aufrüstungen nach oben offen – qualitativ sowie von den Werten her.

LP wie LP klingen muss
Webers Ouvertüre zum „Freischütz“ als Live-Aufnahme von Denon eröffnete den Hörtest-Reigen. Der PE 800 fühlte sich bei dieser urromantischen Musik sichtlich wohl und gab dem Klang Souveränität, Erhabenheit und ein wohlig-warmes Fundament. Während besonders die Raumtiefe und Stabilität des Klangbildes ein deutlich teureres Laufwerk am Werke vermuten ließen, ließ es das Ortofon in den Höhen nicht zu highendig aufgelöst werden und bot statt des für diese Digitalüberspielung typischen Au_ösungsfeuerwerks eher eine homogen runde, energiereiche Vorstellung, als sei die Aufnahme in den 1960ern entstanden und nicht 1985 bei der Wiedereröffnung der Semper-Oper.

Das Ortofon 2M Red ist ab Werk als Standard montiert, die Minimal-Headshell erlaubt aber Flexibilität bei der Aufrüstung.


Der Neunzöller begeistert mit sauberer Verarbeitung und einer durchdachten Höheneinstellung über Rohr und Inbusschraube.


Doch das muss aus highfideler Sicht kein Nachteil sein, wenn der Hörer nicht gerade Transparenz-und Auflösungsfanatiker ist. Gerade vielen Scheiben aus den 1980ern und 1990ern, etwa Marillions „Fugazi“, tat der Schuss Wärme sehr gut. Bei dieser Scheibe zeigte die Kombi dann, dass sie auch in puncto Timing und Kontrolle mit teureren mithalten konnte, die Bassschläge kamen souverän, präzise und wuchtig, aber nie ungenau.

Mit einem höherwertigen System – diestereoplay -Wahlflel auf das Audio Technica AT150SA – zeigte der PE 800 noch einmal das Potenzial für eine andere Klasse. Er bewahrte bei Dave Brubecks „Time Out“ Druck und Energie, löste aber viel feiner auf und vermittelte bei etwas mehr zurückgenommenem Bassfundament schon echtes High-End-Gefühl. Das besonders dann zur Geltung kam, wenn die Instrumentationen komplex wurden. So empfahl sich der PE 800 als perfekter Spieler für Einsteiger, die euphonisches Vinyl-Gefühl pur erleben wollen, und sich die Möglichkeit zum unkomplizierten Aufstieg aufheben wollen. Großes Kompliment in den Schwarzwald!Malte Ruhnke