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Spezial Standlautsprecher: Kraft mit Gefühl


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 05.10.2018

Klipsch hält technisch und optisch an seinen Wurzeln fest. Doch die neue Reference Premiere kommt weit über Horndynamik hinaus. Die ausgewogenste und transparente Klipsch der Geschichte!


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 11/2018

Wenige Hersteller schaffen es, ihren Lautsprechern ein so charakteristisches Aussehen zu verleihen wie Klipsch. Von dem Retro-Charme, den die Modelle versprühen, darf man sich allerdings nicht täuschen lassen. Klipsch-Lautsprecher sind auf dem neuesten Stand der Technik. Vier Grundprinzipien verfolgte Gründervater Paul W. Klipsch von Anfang an, als er 1946 in einem Schuppen in Hope, Arkansas, der Heimatstadt des ...

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... ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, seinen ersten Lautsprecher zusammenzimmerte. Sie prägen die Lautsprechermodelle bis heute.

Hohe Effizienz
Allem voran stand für ihn ein hoher Wirkungsgrad und geringe Verzerrungen, zwei Punkte die aus seiner Sicht direkt voneinander abhingen. Mit einer simplen Formel brachte er es auf den Punkt: Je höher der Wirkungsgrad, desto niedriger die Verzerrungen. So pauschal würden wir das heutzutage zwar nicht mehr unterschreiben, aber man muss bedenken, dass in den Anfangsjahren von Klipsch leistungsstarke Transistorverstärker ferne Zukunftsmusik waren. Lautsprecher wurden zu dieser Zeit noch von eher schwachbrüstigen Röhrenverstärkern angesteuert, und damals wie heute galt bei Röhren eine hohe Effizienz als Schlüssel zum Erfolg. Nicht von ungefähr haben Klipsch-Boxen daher immer noch den Ruf, besonders röhrentauglich zu sein.

Kontrolliertes Abstrahlverhalten
Das zweite Grundprinzip, das Paul Klipsch strikt einhielt, bestand darin, den Schall genau dort abzuliefern, wo er hin sollte. Er setzte daher auf ein kontrolliertes Abstrahlverhalten mit starker Bündelung, um die Schallwiedergabe in erster Linie in Richtung Hörplatz zu konzentrieren. Breit abstrahlende Lautsprecher kamen für ihn nicht infrage. Aus seiner Sicht verschwendeten sie Schallenergie und regten zu viele unkontrollierbare Raumreflexionen an, die das gewünschte Ergebis am Ende verwaschen. Die Horntechnologie, die Klipsch im Hochton nach wie vor bevorzugt, spiegelt diesen Grundsatz auch heute noch wider.

Maximale Dynamik
Dass ein Lautsprecher auch ein ordentliches Maß an Dynamik mitbringen sollte, war nicht nur Paul Klipsch klar. Die Fähigkeit, Lautstärkeunterschiede zwischen den leisesten und lautesten Passagen einer Aufnahme möglichst unkomprimiert reproduzieren zu können, ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für jeden Lautsprecher. Wegen ihrer hohen Reserven haben Klipsch-Boxen damit jedoch selten Probleme.

Linearer Frequenzgang
Keine unnatürlichen Überhöhungen oder Einbrüche – Lautsprecher werden bei Klipsch seit jeher auf einen möglichst linearen Frequenzgang getrimmt. Vergleicht man einige Messergebnisse, gelingt das den Amerikanern zwar manchmal besser, manchmal schlechter, aber die Zielsetzung ist grundsätzlich nicht falsch. Letztlich sind allerdings immer noch Ohr und Raum mitentscheidend, ob es gut klingt.

Alle vier Grundprinzipien finden sich auch in der RP-6000F wieder. Sie ist hinter der 8000er die zweitgrößte Standbox aus der vor Kurzem aufgehübschten Reference-Premiere-Reihe, die insgesamt stolze 16 Modelle umfasst, aus denen sich auch Dolby-Atmos-fähige Mehrkanal-Konfigurationen zusammenstellen lassen. Beim Design weicht Klipsch nicht von der bewährten Linie ab. Das gewohnt kantige Gehäuse kommt immer mit kratzfester Front in Mattschwarz, aus der die kupfernen Membranen der beiden 16-cm-Konusse auffällig herausstechen. Ein ebenfalls kupferner Zierring umrahmt die Chassis am äußeren Rand und setzt so noch einen zusätzlichen optischen Akzent. Auch das übrige Gehäuse ist eher dunkel gehalten und wahlweise in schwarzem Klavierlack sowie in Walnuss oder Ebenholz erhältlich. Anstatt des typischen Sockels neigen jetzt schmale Kufen aus schwarz lackiertem Aluminiumguss unter dem Gehäuse etwas nach hinten und lassen die Box damit leicht nach oben abstrahlen. Ähnlich wie Spikes minimieren die Kufen zudem den Bodenkontakt, wodurch der Lautsprecher besser von Körperschalleinflüssen entkoppelt wird.


Auf der Basis von mehr als 70 Jahren Erfahrung liefert die RP-6000F eine nie geglaubte akustische Klarheit.


Nur zwei Wege
Trotz ihrer Größe arbeitet die RP-6000F mit einem puristischen Zwei-Wege-Konzept. Die beiden Konustreiber agieren als Tiefmitteltöner und spielen bis 1700 Hz. Wegen ihrer äußerst harten und trotzdem leichten Membran aus keramisiertem Leichtmetall bezeichnet sie der Hersteller als „Cerametallic Woofer“. Zusammen mit dem leistungsstarken Antrieb zeichnen sie sich getreu Klipschs Grundprinzipien durch höchste Effizienz und geringe Verzerrungen aus. Damit passen sie akustisch perfekt zu dem hocheffizienten Hochtonsystem mit druckkammergetriebener Titankalotte und einem sich zu einem Quadrat öffnenden Horntrichter mit Silikonbeschichtung, der die Schallabstrahlung entlang der Hauptachse bündelt und mit ihrer charakeristischen Form ein unverkennbares Merkmal der Marke sind.

Alles richtig gemacht?
Und offensichtlich lag der alte Klipsch mit seinen vier Grundprinzipien nicht so falsch. Im Hörraum ließ sich die neue RP-6000F nicht lange bitten und legte voller Elan los. Titel wie „All In“, gespielt von der Tobias Becker Big Band unter Leitung von Jochen Neuffer (HIGH END Demonstration Tracks,stereoplay 06/2018) oder auch „Everybody Needs Somebody to Love“ von den Blues Brothers, servierte sie mit viel Drive und perfektem Timing und ließ mit ihrer zackigen Darbietung sofort Begeisterung aufkommen. Es war schier unfassbar, welche Dynamikreserven die Box noch mobilisieren konnte, wenn die Bläsersätze mit voller Kraft loslegten und wie sauber sie die einzelnen Instrumente trotzdem separierte und farbenprächtig in Szene setzte.

Auch der Bassreflexkanal folgt eine Traktrix-Geometrie, um ein ideales Strömungsverhalten sicherzustellen.


Bei „Crazy Little Thing Called Love“, in der ebenfalls mit sattem Big-Band-Sound unterlegten Coverversion aus Michael Bublés Debutalbum, machte sich dann allerdings eine erste Ernüchterung breit. Die Stimme des kanadischen Sängers, die allerdings schon auf der Aufnahme sehr prägnant ist, dominierte das Klangbild komplett und kam viel zu direkt aus dem Lautsprecher. Hier verlangt das Konzept der gerichteten Abstrahlung seinen Tribut: Man muss mit der Aufstellung der RP-6000F etwas experimentieren, um der Box am Ende das optimale Ergebnis zu entlocken. Die Box verträgt auf jeden Fall etwas mehr Hörabstand und eine dementsprechend größere Basisbreite, wenn sie sich dann immer noch zu direkt gibt, kann es auch helfen, sie leicht am Hörplatz vorbei auszurichten. Belohnt wurde die Mühe am Ende mit einem zwar immer noch sehr direkten, aber viel ausgewogenerem Klangbild, sattem Druck und jeder Menge Dynamik.

Von der Idee, dass man die Box vielleicht an ihre Grenzen bringen könnte, darf man sich übrigens getrost verabschieden. Es war kaum zu glauben, wie sauber sie sich auch bei deutlich gehobeneren Lautstärken noch verhielt und keine Spur von Anstrengung zeigte.

Am Ende zeigte sich wieder einmal, dass man sich auf Klipsch einfach verlassen kann. Wer ein perfekt kontrolliertes Kraftpaket sucht, ist mit der RP-6000F bestens bedient, Tempo, Timing und Transparenz gibt es kostenlos dazu.

Höchste Effizienz: Klipschs Tractrix-Horn

Der Begriff „Traktrix“ bezeichnet eine Schleppkurve, also diejenige Spur, die sich ergibt, wenn ein beliebiger Punkt neben einer vorgegebenen Kurve von einem Punkt, der sich auf dieser vorgegebenen Kurve bewegt, gezogen wird. So entstand auch der Name „Schleppkurve“. Die Bezeichnung „Traktrix“ leitet sich aus dem lateinischen Verb „trahere“ ab, das „ziehen“ bedeutet. Schleppkurven finden vor allem in der Modellierung des Fahrverhaltens von Kraftfahrzeugen und damit bei der Straßenplanung eine wichtige Anwendung. Traktrizen können aber auch zur Berechnung von Hornformen herangezogen werden, was allerdings relativ kompliziert ist.

Im Einsatz
Klipsch vertraut seit Langem auf eine solche Geometrie, die eine optimale akustische Ankoppelung des Treibers verspricht, und lässt dabei einen runden Hornhals in einen eckigen Hornmund übergehen. Eine Silikonbeschichtung verringert Hornresonanzen und sorgt mit dem computermodellierten Phase-Plug für ein sauberes Frequenzverhalten.

Multitalent

Der Konustreiber mit kraftvollem Antrieb und keramisierter Leichtmetall-Membran übernimmt Bässe und Mitten bis 1.700 Hz.